INHALTSVERZEICHNIS
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
VORWORT
KAPITEL A
HUMANKAPITAL UND NEUROÖKONOMIE:
EINE NOTWENDIGE ERWEITERUNG DER PERSPEKTIVE?
1. Einleitung 8
2. Die Humankapitaltheorie auf dem Prüfstand 9
2.1. Beispiel: Bildungsökonomie als intertemporale Entscheidung 10
2.2. Implizite Kritik an der Theorie des Humankapitals 11
2.3. Erweiterung des Forschungsansatzes 12
3. Neuroökonomie 13
3.1. Neuroökonomie der intertemporalen Substitution 14
3.2. Anwendung im bildungsökonomischen Kontext 16
3.3. Die Genetik als Determinante von Bildungskapazitäten 17
3.4. Rauchen: Eine pränatale Determinante der Kognition 18
4. Eine Synergie beider Wissenschaften 20
5. Zusammenfassung 22
6. Literatur- und Quellenverzeichnis 24
KAPITEL B
NEUROBIOLOGISCHE DETERMINANTEN DER VOLITION:
EINFLUSS AUF DIE BEHAVIORAL FINANCE FORSCHUNG
1. Einleitung 28
2. Die Behavioral Finance Forschung unter Einfluss der Volition 29
2.1. Die Annahmen der Behavioral Finance Forschung 29
2.2. Der Prozess der Willensbildung 30
2.3. Handlungskontrolle nach Kuhl 31
3. Studien zur mentalen Determination 33
3.1. Einführung in die Neurowissenschaften - Visualisierte Denkprozesse 33
3.2. Unterschiedliche Strategien - unterschiedliche Auffassungen 33
3.3. Über die Antizipierbarkeit des Anlageverhaltens 35
3.4. Neuroökonomie: Das Ende des freien Willens? 37
4. Resümee 39
5. Literatur- und Quellenverzeichnis 40
KAPITEL C
HOW TO TREAT TAX EVADERS:
A NEUROECONOMIC POINT OF VIEW
1. Introduction. Sovereign tax behavior? 43
2. Development of tax collecting methods and their effects 44
2.1. Taxpaying as a social dilemma 45
2.2. Empirical evidence for the relationship between sanctions and trust 46
2.3. The relevance of trust for taxpaying 49
3. Taxpaying: A neural determined matter? 50
3.1. What our brain thinks about taxes 51
3.2. Neuronal determination of financial risk taking 53
4. Summary 53
5. List of literature 54
ABBILDUNGSVERZEICHNIS Volkswirtschaftliche Wachstumsprozesse 9 A1
Biologische Determinanten der Humankapitalbildung 18 A2
Präferenzen für ADHD nach Geschlecht und Tabakaussetzung 19 A3 Zeitpunkte der Entscheidung 35 B1
Options and Output for Individual Money Decisions 47 C1
VORWORT
Neuroökonomie - kaum ein Begriff ist in den verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen mit so vielen unterschiedlichen Assoziationen verbunden. Diese noch sehr junge Forschungsrichtung stellt den probabilistischen Wissenschaften ein deterministisches Instrument zur Verfügung, so dass bereits vorhandenes Wissen neu bewertet werden kann. Zum Beispiel ist der Ort rationalen Denkens im Gehirn lokalisierbar und es stellt sich die Frage, ob wir auch tatsächlich bei ökonomischen Entscheidungen rational denken? Selbst die individuelle Perzeption von Umweltreizen kann in Abhängigkeit von den physischen Strukturen in unserem Gehirn stehen. Es macht einen Unterschied, ob ein Proband nach seiner Wahrnehmung und Empfindung gefragt wird oder ob man diese tatsächlich ‘sehen‘ kann. An diesem Punkt setzt die Neuroökonomie an - sie ist ein Einblick in das menschliche Gehirn und dessen Funktionsweise. Unter Berücksichtigung verschiedener Kontexte lassen sich damit tatsächliche Abbilder von Verhaltens- und Entscheidungsprozessen generieren, wodurch ein neuer Blickwinkel auf die Ergebnisse der Wirtschafts-und Sozialwissenschaften entsteht.
In den Jahren 2005 bis 2009, als Student an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln, habe ich mit meinen Arbeiten das ambivalente Verhältnis gegenüber den Neurowissenschaften erfahren. Für einige Wissenschaftler sind neurologische Forschung und die darauf basierenden Ableitungen ein vages Konstrukt, manche sehen gar den Wert ihrer wissenschaftlichen Methoden in Frage gestellt. In vielen Fällen haben diese neuen Erkenntnisse aber großen Anklang an den verschiedenen Instituten der Universität zu Köln erfahren; so zum Beispiel in den Bereichen Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Mit den folgenden Ausführungen soll es nicht darum gehen, zwischen der Qualität statistischer Auswertungen und medizinischer Messungen abzuwägen, sondern die Potentiale neuroökonomischer Erkenntnisse aufzuzeigen und wie weit sich diese auf die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften übertragen lassen. Dazu werden im Folgenden drei Abhandlungen präsentiert, welche die Brücke zwischen klassischer Sozial- und Gesellschaftsforschung und der Medizin schlagen sollen. Dabei geht es zunächst um die Humankapitaltheorie, ein soziologisches Grundelement vieler ökonomischer Modelle. Im Anschluss wird die Behavioral Finance Forschung um einen Blick in das menschliche Gehirn erweitert, um im letzten Abschnitt auf die biologische Reaktion auf Steuern und Steuerzahlungen einzugehen. Jeder Abschnitt, jedes Thema, hat
seine eigenen Anforderungen an die Neuroökonomie und schließt daher mit einem eigenständigen Fazit.
Ein Fazit sei schon vorweg genommen: Die Neuroökonomie ist noch sehr jung und vielleicht teilweise unausgereift, weil das menschliche Gehirn, selbst wenn man seine Tätigkeit beobachten kann, noch immer viele Rätsel aufgibt. Aber eine junge Disziplin kann sich noch entwickeln und es sollte im Interesse der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler liegen, diese Entwicklung zu begleiten. Es gilt neues Wissen kritisch zu hinterfragen und alte Erkenntnisse in einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Vielleicht kommt man dadurch dem Realphänomen ‘Mensch‘ näher, als es die theoretischen und teilweise limitierten Grundmodelle der etablierten Wissenschaften leisten können.
Köln, im Mai 2009 cand. rer. soc. Dennis Klinkhammer
1. Einleitung
Im Laufe eines Lebens erstrecken sich Bildungsentscheidungen über viele Dimensionen: Angefangen beim individuellen Maß der Aufmerksamkeit über die Wahl zwischen und unter dem Angebot von Ausbildung und Studium bis hin zu späteren Fortbildungen; dabei unterliegen diese Entscheidungen nicht nur dem gegebenen Kontext, sondern auch den persönlichen Präferenzen. Die Humankapitaltheorie versucht diesen individuellen Abwägungen mit mikrosoziologischem Ansatz dadurch gerecht zu werden, dass sie die „[…] Bildungsnachfrage als Investition im Hinblick auf künftige Erträge“ (Helberger et al. 1989: 206) betrachtet. Denn unter Humankapital versteht man erlernte und erlernbare Fertigkeiten in Hinblick auf ökonomische Verwertbarkeit im Alltag (vgl. Feldmann 2005: 254). Dadurch werden aber individuelle Bildungsentscheidungen nicht nur in einen möglichst rationalen Kontext gerückt, sondern auch als souverän dargestellt. Dabei ist insbesondere die Annahme des rationalen Handelns - wie sie beim „homo oeconomicus„ angenommen wird - oft in die Kritik geraten. Dass die Annahmen des Egoismus und der Rationalität unzureichend für die Komplexität des Seins sind, ist Gegenstand aktueller Forschung (vgl. Ockenfels 2005). Der Mensch berücksichtigt eben nicht nur seine individuelle Kosten-Nutzen-Kalkulation, sondern unterliegt sozialen Begebenheiten und den damit verbundenen Erwartungen und nicht zuletzt seinen menschlichen Eigenarten - wie etwa Emotionen. Mit diesen neuen und komplexeren Annahmen ergeben sich unter Umständen auch weitere Interdependenzen: Jüngste Forschungen im Bereich der Neurobiologie zeigen, dass eine Entscheidung nicht immer ein bewusster Akt ist, sondern ebenfalls biologisch determiniert sein kann und dadurch messbar wird. Man könnte auch sagen, dass die Annahme des souveränen Willens dem des prädiktiven Willens gegenübersteht.
Im Bereich der Humankapitaltheorie ergibt sich dadurch eine wesentliche Frage: Inwieweit sind Bildungsentscheidungen noch das Produkt einer souveränen Abwägung? Mit der Beantwortung dieser Frage soll die Bedeutung der neurobiologischen Prozesse, welche im ökonomischen Kontext von der Neuroökonomie erforscht werden, für das Konzept der Humankapitaltheorie herausgestellt werden.
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2. Die Humankapitaltheorie auf dem Prüfstand
Der Begriff Humankapital findet seinen Ursprung in der wirtschaftlichen Neoklassik - insbesondereder Wachstumstheorie. Diese untersucht die für das Wachstum einer Volkswirtschaft verantwortlichen Faktoren. In den frühen Konzeptionen dieser Theorie wurden dabei nur Faktoren in der Form von Sachkapital berücksichtigt (vgl. Solow 1956: 65). Darunter fallen die drei Faktorengruppen ‘Arbeit‘, ‘Boden‘ und ‘Kapital‘, welche in ihrem Zusammenwirken den Wert einer Ressource durch die Umwandlung zum Endprodukt steigern. Diese Form von Wertsteigerung versteht man als kurzfristiges Wachstum.
Allerdings ist dieses Modell nicht offen für innovative Fortschritte, wodurch es keinen Erklärungsansatz für langfristiges Wachstum gibt. Diese zweite Form von Wachstum erzielt man durch Verbesserungen im Fertigungsprozess oder Verbesserungen am Produkt selber (vgl. Blanchard et al. 2006: 308). Nur mit sinkenden Produktionskosten, beispielsweise durch technischen Fortschritt oder aber einem Zuwachs an Einnahmen durch verbesserte Produktlinien, kann ein Wachstum langfristig stattfinden. Andernfalls würde eine Wirtschaft zwangsläufig ihre Klimax erreichen und auf diesem Level stagnieren. Abbildung A1 ist eine vereinfachte Darstellung der oben erwähnten Entwicklungsmöglichkeiten in Form von langfristigem (B) und kurzfristigem (A) Wachstum im Zeitverlauf. A1: Volkswirtschaftliche Wachstumsprozesse
Quelle: Klinkhammer (2008)
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In den Wirtschaftswissenschaften sollte daher der Faktor Mensch nicht nur als körperlich produktiver, sondern auch als geistig kreativer Faktor eine Mitberücksichtigung finden. Dessen Bedeutung beruht auf der Tatsache, dass viele Innovationen auf in die Wertschöpfungsprozesse involvierte und sich damit befassende Menschen zurückzuführen sind (vgl. Blanchard et al. 2006: 353). Mit anderen Worten: Wer den Arbeitsablauf kennt, vermag ihn zu verbessern und wer das Produkt kennt, der hat auch Einfluss auf die Gestaltung und mögliche Verbesserungen des Produktes. Dadurch bekommt der Begriff Humankapital eine komplexe Rolle in den Wirtschaftwissenschaften, denn mit neuem Wissen kann man Altes verändern, Neues erschaffen und Bewährtes durchführen. Alleine der Fortschritt bei anfallenden Schreibarbeiten macht diese Entwicklung deutlich. So wurde beispielsweise die handschriftliche Ausführung unternehmerischer Tätigkeiten lange Zeit von der Schreibmaschine übernommen und wird zwischenzeitlich mittels Computern erledigt. Dies erforderte von vielen Beschäftigten eine Schulung für den Umgang mit Computern. Ein Mensch mit diesen erlernten Fertigkeiten sollte demnach einen höheren Faktorenwert auf dem Arbeitsmarkt haben. Denjenigen, „[…] die mit den richtigen Fähigkeiten ausgestattet sind, bringt technischer Fortschritt neue Chancen und höhere Löhne“ (Blanchard et al. 2006: 389). Daher wird im Nachfolgenden betrachtet, wie dieser Faktorenwert die individuellen Bildungsentscheidungen in Hinblick auf zu erzielende Beträge beeinflussen kann.
2.1. Beispiel: Bildungsökonomie als intertemporale Entscheidung
Die Entscheidung für oder gegen eine Bildungsmaßnahme ist eine persönliche Entscheidung. Darum empfiehlt sich auch für die soziologische Betrachtung ein detaillierterer Blick auf den individuellen Entscheidungsprozess. Daher wird im Folgenden ein fiktives Szenario mit einer bildungsrelevanten Entscheidung beschrieben, um den individuellen Prozess und die aus der Humankapitaltheorie resultierenden Perspektiven aufzuzeigen. Das Modell ist stark vereinfacht, verdeutlicht aber die entscheidenden Punkte: Eine Person hat die allgemeine Hochschulreife erworben und steht vor folgender Entscheidung: Ausbildung oder Studium? Als Ausbildung sei jede Form der Fortbildung und Tätigkeit verstanden, die direkt mit einem Gehalt verknüpft ist.
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Im Gegenzug sei das Studium eine zeitlich länger angesetzte Periode, ohne damit verbundenes Einkommen - dafür aber mit höheren Ertragsaussichten nach Beendigung des Studiums.
Analytisch betrachtet offenbart dieses Modell zwei Alternativen: Sofortige finanzielle Erträge auf der einen Seite und möglicherweise mehr finanzielle Erträge in der Zukunft auf der Anderen. Dadurch entsteht ein temporaler Horizont, der im individuellen Kalkül berücksichtigt werden sollte. Unter Ausschluss sozioökonomischer Faktoren ist die entscheidende Frage die nach der individuellen Beurteilung von Erträgen im Lauf der Zeit. Vereinfacht lässt sich auch fragen, wie sich die Bewertung monetärer Erträge in Abhängigkeit von dem Bezugszeitpunkt verändert? Jemand verzichtet beispielsweise in Zeitpunkt t, um einen besseren Ertrag in t+1 zu erlangen. Wenn man über Erträge entscheidet, welche sich mit der Zeit verändern, wie beispielsweise bei angelegtem Kapital mit einem festen Zinssatz, dann spricht man auch von intertemporalen Finanzentscheidungen (vgl. Kalenscher et al. 2008: 285). Im Folgenden soll es zunächst darum gehen, wie Individuen bei diesen intertemporalen Entscheidungen verfahren und was dies für die Humankapitaltheorie bedeutet. Aber zunächst eine kurze Kritik an dem ursprünglichen Modell der Humankapitaltheorie.
2.2. Implizite Kritik an der Theorie des Humankapitals
Auf der einen Seite überzeugt die Humankapitaltheorie mit einem überschaubaren und nachvollziehbaren Modell von Investitionen in Bildung und den daraus resultierenden zukünftigen Renditen auf dem Arbeitsmarkt (vgl. Helberger et al. 1989: 206). Auf der anderen Seite limitieren genau diese simplen Annahmen aber auch die Anwendbarkeit für reale Kontexte. Eine bildungsrelevante Entscheidung ist eben mehr als eine vereinfachte Kosten- und Nutzenabwägung. Sie wird gemäß Bourdieu (1982: 32) von individuellen Präferenzen, sozialen Netzwerken, dem sozialhistorischen Kontext und darüber hinausgehenden Faktoren maßgeblich mitbestimmt. Ungeachtet der Relevanz sozialer Kontexte bietet die Humankapitaltheorie eine mikroökonomische Perspektive, denn sie fokussiert sich auf das Individuum und dessen Entscheidung. Selbst wenn die Annahmen der Humankapitaltheorie erfüllt sind, also wenn ein Individuum sich seiner Selbst, der Situation und den sich ergebenden Möglichkeiten bewusst ist, so kann man nicht antizipieren, dass die zu treffende Entscheidung unter verschiedenen Individuen mit
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ähnlichen Voraussetzungen analog verläuft. Es ist eben dieser individualorientierte Fokus der Humankapitaltheorie, der nahe legt, den Ablauf der Entscheidung eines Individuums weitestgehend zu erfassen. Diese mögliche Erweiterung und die dadurch erfolgende Vertiefung des Fokus auf ein Individuum sind Thema des nächsten Abschnitts.
2.3. Erweiterung des Forschungsansatzes
Die probabilistischen Wissenschaften, wie die Soziologie und die Psychologie, argumentieren mit abstrakten Modellen der Wirklichkeit und unterstellen dabei eine Reihe von Annahmen (vgl. Chorvat 2007: 577), welche das Verhalten von Bezugsgruppen erklären sollen. Erst später war es der Wissenschaft möglich, einen detaillierteren Einblick in die physikalischen Prozesse der Willensbildung zu nehmen (vgl. Camerer 2007). Damit wandelte sich der Fokus von aggregierten Annahmen über das Verhalten einer spezifischen Gruppe in gegebenem Kontext zu einem beobachtbaren und interpretierbaren Prozess Einzelner. Mit anderen Worten: Es sollte möglich sein, das mit den modelltheoretischen Annahmen der Sozialwissenschaften unterstellte Verhalten im Gehirn aufzuzeigen. Demnach kann die Neuroökonomie dazu führen, „[…] an entirely new set of constructs[..]” zu etablieren, welche dem „[..] economic decision making” (Camerer 2005: 10) unterliegen. Darüber hinaus können neurowissenschaftliche Methoden zur Manifestierung bestehender Erkenntnisse beitragen. In einem kleinen Selbstversuch, mit der Frage nach Menschen mit einem detaillierten Orientierungssinn und Stadtkenntnissen, kommt man sehr wahrscheinlich zu folgender Antwort: Taxifahrer! Tatsächlich lässt sich in der Medizin vermessungstechnisch bestätigen, dass Taxifahrer eine überdurchschnittliche Speicherkapazität räumlicher Informationen besitzen und das dafür zuständige Areal im Gehirn - hier der Hippocampus - besonders ausgeprägt ist (vgl. O‘Shea 2008: 129). Dieses Beispiel verdeutlicht die Relevanz neurowissenschaftlicher Forschung in Hinblick auf bestehende Annahmen über die soziale Realität. In Bezug auf die Humankapitaltheorie ergibt sich somit die Frage, welcher Art die biologischen Einflüsse auf ökonomisch abzuwägende Bildungsentscheidungen sind oder ob man sogar von einer biologischen Determination sprechen kann? Vielleicht kann unter der Zugabe einer weiteren Forschungsperspektive die - mehr als kritisch bewertete - Humankapitaltheoriebekräftigt oder unter Umständen sogar widerlegt werden? Es ist bereits angemerkt worden, dass Bildungsentscheidungen als ökonomische Entscheidungen
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derart spezifisch sind, dass sich die zu erwartenden Renditen erst in einer ungewissen Zukunft ergeben können. Dies ist auch der Bereich, an dem eine Perspektivenerweiterung notwendig ist. Zum Beispiel ist in wirtschaftspsychologischen Experimenten mit monetären Mitteln der Ertrag bereits in das Experiment integriert und monetäre Zuwächse sind zeitlich und räumlich sowohl greif- als auch vorstellbar. Für die wissenschaftliche Interpretation bedeutet dies ein nahes Zusammenliegen von Situation, den darin enthaltenen Akteuren, deren Entscheidungen und Reaktionen auf das Resultat. Fallen Entscheidung und Ergebnisrealisierung aber zeitlich auseinander, dann handelt es sich um eine Form von „[…] intertemporal decision-making […]“ (Kalenscher et al. 2008: 285), wodurch nicht nur die individuelle Entscheidung erschwert wird, sondern auch die Beobachtung und Interpretation dieser. Nicht nur um diesen Entscheidungen eine tiefere Dimension zu verleihen, sondern auch um ein Modell für den spezifischen Zeitpunkt der bildungsökonomischen Entscheidung zu entwerfen, beginnt der nächste Abschnitt mit einem Einstieg in die Neuroökonomie.
3. Neuroökonomie
Aufbau und Funktionsweise von Nervensystemen sowie die Leistungsfähigkeit von Gehirnen sind im Fokus der Neurowissenschaften. Die dabei verwendeten Untersuchungsmethoden bedienen sich der Magnetresonanz-Tomographie, welche „[…] eine Untersuchung lebender Systeme und intakter Organismen eröffnen“ (Frahm 2007: 87). Mittels der funktionalen Magnetresonanz-Tomographie lassen sich an kognitiven Prozessen beteiligte Areale des Gehirns identifizieren (vgl. O‘Shea 2008: 40). Dies geschieht dadurch, dass die physikalische Aktivität - in Form von biochemischen Prozessen und elektrischer Strömungen - dieser Areale bildlich gemacht werden kann (vgl. O‘Shea 2008: 41). Mit dem bekannten Wissen um die Funktionen der Gehirnareale ist darüber hinaus eine Assoziation dieser mit Gefühlen und Einstellungen möglich. Beispielsweise manifestiert sich die emotionale Reaktion „Angst„ in einem ganz bestimmten Gehirnareal (vgl. O’Shea 2008: 81).
Allerdings muss mit diesen Erkenntnissen vorsichtig argumentiert werden, weil diese Wissenschaft noch sehr anfällig für Fehlinterpretationen sein kann. Der Mathematiker und Gehirnforscher Olivier (2005) stellte in Untersuchungen nämlich folgendes heraus: „Der psychologische und physiologische Zustand des Gehirns sind nicht gleichzeitig
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definierbar“ (724). Denn noch immer sind nicht alle Gehirnareale und ihre Funktionsweisen vollständig entschlüsselt und auch die realitätsfernen Versuchssituationen im medizinischen Labor stören die Beobachtung „natürlicher„ Entscheidungen im Gehirn (vgl. Olivier 2005: 723). Trotz dieser technologischen und interpretativ bedingten Limitationen ist die Neuroökonomie dabei, sich einen festen Stellenwert in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu verschaffen: „While one cannot say that we fully understand all of the relevant processes, neuroscience has advanced to the point where it can give significant insights into the nature of the processes” (Chorvat 2007: 578). Um daher zu verstehen, wie dieses Wissen um die physikalischen Aktivitäten im Sinne der Humankapitaltheorie möglichst sinnvoll adaptiert werden kann, befasst sich der nächste Abschnitt mit möglichen Reaktionen im Gehirn, welche als Folge von ökonomischen Entscheidungen mit zeitlichem Horizont auftreten können.
3.1. Neuroökonomie der intertemporalen Substitution
Kalenscher et al. (2008) haben mit ihrem Beitrag „The neuroeconomics of intertemporal decision-making„ die physischen Reaktionen auf den Unterschied zwischen zeitlich nahen und weiter entfernten Erträgen herausgestellt. Aus bisherigen sozialwissenschaftlichen Studien ist bekannt, dass „[…] a given reward, delivered after a long delay, is less attractive than the same reward delivered after a short delay” (Kalenscher et al. 2008: 286). Wenn man bedenkt, dass sich der ökonomische Wert der Auszahlung durch die Zeit nicht verändert, dann werden die Komplexität der individuellen Beurteilung und die Bedeutung der zeitlichen Dimension deutlich. Diesen Sachverhalt kann man auch anders ausdrücken: Menschen neigen dazu, die Zukunft zu diskontieren (vgl. Kalenscher et al. 2008: 286). Möglicherweise trägt die Ungewissheit über zukünftige Ereignisse zu dieser Diskontierung bei. Zum Beispiel gibt es keine Garantie für den Erlebensfall oder für eine adäquate Auszahlung der zustehenden Erträge. „[…] Delayed benefits may be lost during time […]“ und erscheinen „[…] less likely to be realized” (Kalenscher et al. 2008: 286). Dies lässt sich auch auf die in Abschnitt 2.1 postulierte Bildungsentscheidung anwenden. Überspitzt formuliert bedeutet dies, dass man möglicherweise das Studienende und das erste Gehalt nicht mehr erlebt, oder aber dass man den Berufseinstieg verfehlt. Demnach können Bildungsentscheidungen unsichere Entscheidungen sein.
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Im Bereich von bildungsökonomischen Entscheidungen lässt sich dieses Modell jedoch noch weiter modifizieren. An die Stelle von äquivalenten Erträgen im Lauf der Zeit kommen zunehmende Erträge mit zunehmender Zeitverzögerung. Für den Fall, dass in Zukunft höhere Erträge erzielt werden können, haben Studien folgendes Ergebnis gezeigt: „[…] Subjects preferred a small, short-delayed over a large, long-delayed reward“ (Kalenscher et al. 2008: 288). Dieses Ergebnis scheint zumindest im rein ökonomischen Sinne irrational zu sein, weil sich die Versuchspersonen bewusst gegen einen höheren Ertrag ausgesprochen haben.
An diesem Punkt setzt die Studie von Kalenscher et al. (2008) an, denn sie vermuten, dass „the challenge in neuroscientific research lies in discovering the neural correlates of the cognitive mechanisms underlying intertemporal choices” (293). Mit ihrer Studie wollen sie jene Mechanismen im Gehirn nachweisen, welche einen Einfluss auf die logische Entscheidungsfindung haben könnten. Dabei fokussieren sie sich einerseits auf die An-oder Abwesenheit bestimmter Neuronen im Gehirn, von denen in Anlehnung an andere Studien vermutet wird, dass sie in Erwartung von physischen Erträgen - wie Geld oder Nahrung - auftreten (vgl. Kalenscher et al. 2008: 293). Andererseits müssen für den zeitlichen Rahmen entsprechende Areale im Gehirn ausgemacht werden. „Human research indicates that several distributed brain regions play a role in processing interval timing […]” (Kalenscher et al. 2008: 293). Daher konzentriert sich die Aufmerksamkeit während der Untersuchung auf diese Gehirnareale. Die Komplexität der Aktivitäten im menschlichen Gehirn deutet aber nicht nur auf eine singuläre Abfolge der oben genannten Ereignisse hin, sondern schließt auch ein kombiniertes und interaktives Auftreten nicht aus.
Obwohl sich Kalenscher et al. (2008) aus Kostengründen überwiegend auf die Gehirne und Reaktionen von Versuchstieren beziehen, scheint dennoch zu gelten, dass „[…] all species examined thus far discount temporally proximal events stronger than temporally distant ones“ (309). Dieses Ergebnis ist an der Anzahl aktiver Neurotransmitter erkennbar, denn diese initiieren überwiegend automatisierte Zustände im Gehirn. So ist zum Beispiel der Neurotransmitter Serotonin ausschlaggebend für Müdigkeit und die Fähigkeit zu schlafen, aber auch für Darmfunktionen und andere biochemische Regulationen im Körper. Es gibt beispielsweise Menschen mit einer nur unzureichenden Fähigkeit Serotonin auszuschütten und in Folge dessen können diese nicht durchschlafen. Auch andere Zustände wie
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„Freude„ oder „Erregung„ sind an der spezifischen Aktivität der Neurotransmitter erkennbar. Allerdings unterscheiden sich Menschen nicht nur an der Menge auszuschüttender Neurotransmitter, sondern auch in der Möglichkeit diese im Gehirn über die Synapsen aufzunehmen und wirken zu lassen (vgl. O‘Shea 2008: 46). Die Bedeutung dieser Erkenntnisse haben Kuhnen et al. (2008) auch für menschliche Gehirne nachweisen können. Sie untersuchten 65 Probanden in einem Risikoertragsspiel. Dabei konnten die Probanden sich zwischen sicheren Erträgen oder höheren, aber dafür unsichereren Erträgen, entscheiden. Es stellte sich heraus, „[…] that brain regions containing a high density of dopamine and serotonin neurotransmitters play an important role in financial decision-making” (Kuhnen et al. 2008: 2). Somit stellte diese Studie einen starken Zusammenhang zwischen der Anzahl und Aktivität von Neurotransmittern und der Entscheidung der Probanden heraus. Der Grad der Risikobereitschaft oder Risikoaversion hängt also von interindividuell unterschiedlichen Neurotransmitterleveln ab. Dadurch macht diese Untersuchung deutlich, dass es „specific genetic determinants of financial choices” (Kuhnen et al. 2008: 6) im menschlichen Organismus gibt. Eine solche genetische Determination führt nicht nur zu einer Beeinflussung individueller Kosten-Nutzen-Kalkulationen, sondern sie ermöglicht auch, dass Menschen suboptimale Erträge als Resultat ihrer Kosten-Nutzen-Kalkulation herbeiführen und damit zufriedener sein können, als mit dem bestmöglichen Ergebnis (vgl. Kalenscher et al. 2008: 309). Nicht zuletzt ist das eindeutig eine „[…] violation with several axioms“ (Kalenscher et al. 2008: 309) der ökonomischen Rationalitätsannahmen und somit eine biologische Absage an den ‘homo oeconomicus‘.
3.2. Anwendung im bildungsökonomischen Kontext
Unter Berücksichtigung der Ergebnisse von Kalenscher et al. (2008) ergeben sich damit folgende Konsequenzen für die Humankapitaltheorie:
Eine geringfügigere Ausbildung mit sofortigem Ertrag kann attraktiver wirken, als I.
eine hochwertigere Ausbildung mit höherem Ertrag.
Demnach scheint die Annahme der nutzenmaximierenden Individuen ungültig zu II. sein.
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Wenn diese Erkenntnisse im weiteren Forschungsprozess bestätigt bleiben und dem Menschen eine gewisse ökonomische Irrationalität unterstellt werden kann, dann bleibt die Frage nach den ausschlaggebenden Faktoren bildungsrelevanter Entscheidungen. Vielleicht sind es weniger die monetären Aspekte, welche für oder gegen ein Studium sprechen, sondern vielmehr die individuellen Präferenzen. Es ist durchaus möglich, dass die „studentische Freiheit„ oder die Möglichkeit zu lernen als Substitute für sofortige monetäre Erträge angesehen werden können und damit ein Studium zu einer sofortigen Bedürfnisbefriedigung führt - auch ohne Geld und vielleicht unabhängiger von den zukünftigen Erträgen, als man heute denkt. Sollte sich eine solche individuelle Bewertungsstruktur bestätigen, dann hätte dies auch Auswirkungen auf die bisherige Bildungspolitik und ihre Argumentation.
3.3. Die Genetik als Determinante von Bildungskapazitäten
Auf der einen Seite lassen sich neuroökonomische Messungen, wie in der Studie von Kalenscher et al. (2008) geschehen, als Perspektivenerweiterung für die Humankapitaltheorie und andere sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Phänomene verstehen. Auf der anderen Seite richtet die Neuroökonomie ihre Aufmerksamkeit aber auf eine Fragestellung, welche die meisten der sozialwissenschaftlichen Theorien angreifbar macht (vgl. Camerer et al. 2005: 9): Ist der menschliche Wille frei und unabhängig? Heckmann (2007) diskutiert in seinem Arbeitspapier die Bedeutung gesundheitlicher und biologisch gegebener Aspekte in Bezug auf die Möglichkeiten der Humankapitalbildung. Dabei stellt er für die ersten Lebensjahre die möglichen Einflüsse auf die individuelle Gesundheit - auch jene vor der Geburt - heraus. Demnach ist es möglich, dass „[…] in utero environments affect adult health“ (Heckmann 2007: 1) und dass das Erbgut nachteilige Auswirkungen auf die Lernkapazitäten haben kann. Mit anderen Worten: Jedes Individuum hat genetisch festgelegte Kapazitäten und Merkmale; solche, die uns als Mensch definieren und untereinander unterscheiden. Diese Ausprägungen können durch physische und psychische Einflüsse gestört oder erweitert werden (vgl. O‘Shea 2008: 145) und interindividuelle Unterschiede in den Fähigkeiten determinieren. „These skills are important determinants of educational attainment, crime, earnings, and participation in risky behaviors” (Heckmann 2007: 1). Demnach ist die Möglichkeit zur Humankapitalbildung nicht nur das Produkt einer willentlichen Entscheidung, sondern
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auch eine Frage der Biologie. Insgesamt ergeben sich also zwei Möglichkeiten, wie latente und manifeste Faktoren die Humankapitalbildung eines Individuums beeinflussen können (Abbildung A2).
A2: Biologische Determinanten der Humankapitalbildung
Quelle: Klinkhammer (2008)
Daraus ergibt sich für Heckmann (2007) die Konsequenz, dass eine gesundheitliche Anfangsausstattung und eine gesunde Lebensweise für die späteren Erfolge im Leben verantwortlich sein können: „Higher levels of health promote learning“ (9). Wobei an dieser Stelle anzumerken ist, dass zwischen den verschiedenen Arten von Gesundheit differenziert werden sollte und auch nicht jedes gesundheitsabträgliche Verhalten direkte Einflüsse auf die Lernkapazitäten haben kann. So kann zum Beispiel eine körperlich behinderte Person im vollen Umfang ihrer geistigen Fähigkeiten sein - oder auch darüber hinaus. Während andere Zustände, wie beispielsweise eine Erkältung, die kognitiven Fähigkeiten mehr limitieren kann als manche Verhaltensweisen, wie etwa dem Rauchen. Man muss also einerseits genau berücksichtigen, welcher Art die genetischen Einflüsse sind und wie das Individuum darüber hinaus mit seinem Körper und seiner Gesundheit umgeht. Daraus könnte sich dann ein möglicher Wert für die Humankapitalkapazitäten ergeben. Andererseits müssen jene Faktoren, welche die eigene Leistungsfähigkeit nur peripher oder zumindest nicht direkt betreffen, aber nicht dieselbe Wirkung auf andere Menschen haben. Dieser Sachverhalt soll im nächsten Abschnitt mit einer Studie von Braun et al. (2006) verdeutlicht werden. 3.4. Rauchen: Eine pränatale Determination der Kognition Das zuvor erwähnte Beispiel des Rauchens betrifft die eigenen kognitiven Leistungsfähigkeiten nur indirekt. Raucht aber eine schwangere Frau, dann könnte sich dadurch das Risiko genetischer Defekte des Kindes, mit direkten Auswirkungen auf die geistigen Kapazitäten, erhöhen. Dieser Zusammenhang war Forschungsgegenstand der
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Studie von Braun et al. (2006). Dazu wurden die medizinischen Werte von 4704 U.S. amerikanischen Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren in Hinblick auf das gesundheitsrelevante Verhalten ihrer Eltern untersucht und befragt. Von dieser Grundgesamtheit hatten 4,2% der Kinder die sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitsstörung - im Englischen mit ADHD abgekürzt. Dieses Verhältnis von betroffenen und nicht betroffenen Kindern sei repräsentativ für alle 1,8 Millionen U.S. amerikanischen Kinder im Alter von 4 bis 15 Jahren (vgl. Braun et al. 2006: 1904). Es wurde erfasst, ob die leibliche Mutter oder Dritte während der Schwangerschaft geraucht haben sowie das Rauchverhalten der Haushaltsmitglieder nach der Entbindung (vgl. Braun et al. 2006: 1905). Dies geschah mit einem Fragebogen, der an die Eltern gerichtet war. Darüber hinaus wurden die Eltern nach der Diagnose ADHD für ihre Kinder gefragt. Beide Angaben konnten mittels Blutuntersuchungen auf Richtigkeit überprüft werden. Die Wissenschaftler orientierten sich dabei zum einen an der „[…] serum cotinine concentration, a metabolite of nicotine“ (Braun et al. 2006: 1905), welche die Anwesenheit von Tabakkonsum in der Nähe des Kindes indiziert. Zum anderen lassen sich Spuren von ADHD, sofern es behandelt wird, mittels der verabreichten Medikamente im Blut nachweisen. Die Ergebnisse zeigen einen eindeutigen Zusammenhang zwischen „[…] prenatal environmental tobacco smoke (ETS) […]“ (Braun et al. 2006: 1904) und der Häufigkeit des Auftretens von ADHD bei den Kindern. „In this sample, the overall adjusted risk for ADHD was 2.5-fold higher for children exposed prenatally to ETS […]” (Braun et al. 2006: 1907). Darüber hinaus treten geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Risiken auf (Abbildung A3).
A3: Präferenzen für ADHD nach Geschlecht und Tabakaussetzung
Quelle: Braun et al. (2008)
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Abbildung A3 zeigt entlang der y-Achse das Auftreten von ADHD, während die x-Achse sowohl in „weiblich„ und „männlich„ unterteilt, als auch in dem Tabakkonsum „ausgesetzt„ und „nicht ausgesetzt„. Es zeigt sich, dass männlicher Nachwuchs selbst ohne Einwirkung von Tabakkonsum ein bis zu 5x höheres Risiko für ADHD aufweist, als es bei weiblichem Nachwuchs der Fall ist. Die männliche Anfälligkeit für ADHD verdoppelt sich unter dem Einfluss von Tabakkonsum während der Schwangerschaft. Obwohl weiblicher Nachwuchs ohne Tabakeinwirkungen weniger anfällig erscheint, ist die Anfälligkeit unter der Voraussetzung des pränatalen Tabakkonsums der Mutter bis zu 6x höher. Demgegenüber lässt sich festhalten, dass „postnatal ETS exposure, as measured by the presence of a smoker in the home, was not a significant predictor of ADHD” (Braun et al. 2006: 1906).
Diese Studie verdeutlicht den Zusammenhang zwischen biologischen Determinanten und sozialen Begebenheiten. Die lerntechnischen Einschränkungen durch ADHD sind weitläufig bekannt. Verknüpft mit den soziologischen Erkenntnissen über schichtspezifische Lebensstile ergibt sich dadurch möglicherweise auch ein weiterer Erklärungsansatz für Bildungsunterschiede. Viele Studien zeigen eine „[…] stärkere Krankheitsanfälligkeit […]“ ärmerer Schichten, verbunden mit dem „[…] früheren Tod […]“ (Feldmann 2005: 318). Darüber hinaus weisen diese ärmeren Schichten oftmals ein geringeres Bildungsniveau und Ausbildungsmängel auf (vgl. Feldmann 2005: 122). Die medizinische Perspektive bietet demnach eine Reihe konsistenter Erklärungsansätze, die diese Unterschiede begründen können. Immerhin wird die Humankapitaltheorie auch als Erklärungsmodell für soziale Ungleichheit verstanden, welche „[…] vieldimensional und dynamisch ist […]“ (Feldmann 2005: 100). Denn es ist durchaus möglich, dass in ärmeren Schichten die kritischen Faktoren in Interaktion auf den Nachwuchs einwirken, so dass sich Armut nicht nur als Folge sozialer Ereignisse reproduziert, sondern auch biologisch die Bildung restringiert werden kann. In Anwendung auf die Humankapitaltheorie lässt sich demnach festhalten, dass manche Menschen weniger Potenzial oder schlechtere Anfangsbedingungen für die Humankapitalbildung zu haben scheinen als andere.
4. Eine Synergie beider Wissenschaften
Mit den vorangeführten Beispielen einer Interaktion der Sozialwissenschaften mit den Neurowissenschaften wird deutlich, wie ergänzend beide Wissenschaftsfelder aufeinander
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wirken können. Soziologische Betrachtungen und sozialpsychologische Ausführungen über das individuelle und kollektive Denken und Handeln von Menschen können zu neuer Evidenz gelangen, oder ganz neue Richtungen einschlagen. Dies ist dadurch möglich, dass „the study of the brain and nervous system is beginning to allow direct measurement of thoughts and feelings” (Camerer et al. 2005: 10). Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um monokausale und einseitig determinierende Wirkungszusammenhänge. Dass jemand, wie in Abschnitt 3.1, durch die kortikale Reaktion kurzfristige Erträge einem langfristigen Zuwachs vorzieht, bedeutet nicht, dass eine Andersentscheidung ausgeschlossen sein muss. Auch eine genetisch bedingte schlechte Kognitions- oder Aktionsfähigkeit, wie in Abschnitt 3.3 und 3.4 vorgestellt, muss nicht zwangsläufig zu schlechten Resultaten im sozialen Alltag führen. Für die gesellschaftliche Bedeutung der Erkenntnisse neurowissenschaftlicher Forschung und ihre Beschreibung des Menschen muss gelten, dass soziale Interaktion und Integrität physische Determinanten kompensieren können. Dazu zählen verschiedene Formen der Unterstützung: ADHD kann beispielsweise mit entsprechender Aufmerksamkeit seitens der Eltern und Lehrer in seiner Wirkung gemindert werden. Darüber hinaus könnte das Auftreten von ADHD verringert werden, wenn in Anlehnung an diese Erkenntnisse eine erweiterte Aufklärung für Eltern stattfinden würde. Dies ist nur eine exemplarische Ausführung, aber im Sinne eines gesamtwissenschaftlichen Fortschritts zu Gunsten der Menschheit kann die Betrachtung von der individuellen Genetik Einzelner, deren psychologische Reaktionen bis hin zur Interaktion im soziologischen Sinne - auch im wirtschaftlichen Kontext - zu neuen Erkenntnissen führen.
Ein letztes Beispiel soll diesen interdisziplinären Zusammenhang verdeutlichen. Mit dem Titel „What’s life in a baby buggy like? The impact of buggy orientation on parent-infant interaction and infant stress” untersuchte Zeedyk (2008) unter anderem die neurobiologischen Folgen der Eltern-Kind-Beziehung in Abhängigkeit von der Sitzposition des Kindes im Kinderwagen. Die Theorie: Ein in Fahrtrichtung schauendes Kind hat keinen Blickkontakt mit den Eltern, in Folge dessen findet weniger Interaktion statt und dadurch wird eine Fahrt mit dem Kinderwagen zu einer Stresssituation für das Kind (vgl. Zeedyk 2008: 1). Ausschlaggebend für diese Untersuchung war die Meinung Zeedyk’s (2008), dass „neuroscience has helped us to learn how important social interaction during the early years is for children’s brain development” (2). Mit dieser Untersuchung konnte gezeigt werden, dass Kinder die Fahrt mit dem Kinderwagen als Stress empfinden und dass
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dieser Stress in einer der wichtigsten Entwicklungsphasen des Kindes, das „[…] neurological development […]“ (Zeedyk 2008: 2) beeinflussen kann. Als Folge könnten diese Kinder „[…] grow into anxious adults” (Zeedyk 2008: 2). Damit kommt die Studie zu der Empfehlung, dass Eltern Kinderwagen mit Blick-kontaktmöglichkeit aussuchen sollten, um einen Beitrag zu der kognitiven Entwicklung des Kindes zu leisten. So simpel dieses Beispiel auch sein mag, es veranschaulicht die Synergie zwischen soziologischer und psychologischer Forschung mit den Neurowissenschaften.
5. Zusammenfassung
In dieser Ausarbeitung wurde der Humankapitaltheorie die Neurowissenschaft als neue Perspektive hinzugefügt. Mit diesem neuen Blickwinkel sollte die individuelle Rationalität genauer untersucht werden, denn ökonomische Entscheidungen sind komplexe Entscheidungen und sollten daher in erster Linie rational getroffen werden (vgl. Roth 2001: 453). Dies gilt insbesondere für intertemporale Entscheidungen, welche sich durch eine besondere Komplexität auszeichnen. Diese Perspektivenerweiterung erscheint insofern auch nachvollziehbar, als dass die Humankapitaltheorie im Rahmen individueller Bildungsentscheidungen irrationales Verhalten oftmals nicht erklären kann. Eine neuroökonomische Studie von Kalenscher et al (2008) hat gezeigt, dass sich physikalische Prozesse unter dem Einfluss von zeitlich distanzierten Erträgen in den Gehirnen aller Säugetiere aufzeigen lassen. Diese Studie war zwar nicht fundiert genug und hatte auch nicht den entsprechenden Fokus, um von einer biologischen Determination intertemporaler Entscheidungen zu sprechen, aber sie bietet einen neuen Erklärungsansatz und kann somit als weitere Schwachstelle der Humankapitaltheorie angesehen werden. Insbesondere durch den Nachweis dieser neurologischen Prozesse beim Menschen - durch Kuhnen et al. (2008) - dürfte es als erwiesen gelten, dass sich Menschen in ihren nicht steuerbaren, physischen Reaktionen auf soziale Situationen unterscheiden und dass diese Unterschiede die individuellen Entscheidungen mit beeinflussen können. Für weitere Forschungen sollte insbesondere die Stärke dieses Einflusses im Fokus stehen.
Darüber hinaus ist die Interaktion von sozialer Aktion und Gesundheit in Hinblick auf die Humankapitalbildungsmöglichkeiten betrachtet worden. Heckmann (2007) erwähnte die mögliche Bedeutung der ersten Lebensjahre eines Menschen, darunter auch die pränatalen neun Monate während der Schwangerschaft, für die neurologische Entwicklung. Der
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Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Gehirns sind maßgeblich für die individuelle Leistungsfähigkeit verantwortlich. Doch sowohl der Aufbau, als auch die Funktion können beeinträchtigt und sogar zerstört werden. Als Beispiel wurde hierfür eine Studie von Braun et al. (2006) verwendet, welche den Zusammenhang zwischen elterlichem Tabakkonsum und der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitsstörung betrachtet. Dabei wurde festgestellt, dass durch den Tabakkonsum während der Schwangerschaft die Biochemie des Kindes nachweislich verändert wird, was in nachteiligen Konsequenzen auf die Lern- und Leistungsbereitschaft des Nachwuchses resultieren könnte. Denn durch diese Veränderung könnte die Entwicklung des Gehirns beeinflusst werden. Demnach sind biologische Leistungsminderungen möglich, die unabhängig von dem eigenen Bestreben existieren können.
Durch diesen Zusammenhang wird deutlich, wie eine soziale Aktion ein medizinisches Ereignis auslösen kann, welches wiederum in sozialen Konsequenzen münden kann. In manchen Fällen kann sogar eine medizinische Begebenheit von Anfang an das soziale Leben determinieren; zu nennen sind hier erblich bedingte Störungen der körperlichen und geistigen Funktionsweise. Setzt man diese Kausalität als gegeben, dann könnte sie eine weitere Erklärung für schichtspezifische Unterschiede im Gesundheitsverhalten ärmerer Schichten und deren Leistungspotenzial darstellen. Wenn eine schlechtere Gesundheit verantwortlich für schlechtere Leistungen ist (vgl. Heckmann 2007), dann können diese Leistungseinbußen wiederum eine schlechte Gesundheit bedingen. Dieser Kausalitätszirkel hat einen schwer definierbaren Anfang und bedarf daher weiterer Untersuchungen. Hierbei könnte insbesondere die Frage nach der armutsindizierten Akkumulation von biologischen Leistungsminderungen von Interesse sein.
Für die Humankapitaltheorie ergeben sich durch diese neuroökonomischen Erkenntnisse nicht nur weitere Perspektiven, sondern auch evidente Kritikpunkte für deren Annahmen. Der Ansatz der Hinterfragung von menschlicher Rationalität (vgl. Ockenfels 2005) sollte nicht nur in Anbetracht komplexer sozialer Umstände geschehen, sondern auch unter Berücksichtigung der Komplexität der menschlichen Beschaffenheit selber stattfinden. Das bedeutet, die Humankapitaltheorie sollte nicht nur um externe Faktoren des Individuums
erweitert werden, sondern auch Erkenntnisse um das Innere der Akteure berücksichtigen. Auch wenn mit diesem Wissen noch sehr vorsichtig argumentiert werden muss; denn viele neurowissenschaftliche Untersuchungen verweisen nur auf eine geringe Fallzahl. Dies ist
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unter anderem auf die Kosten entsprechender Untersuchungen zurückzuführen. Weiterhin wurden die Umstände solcher Untersuchungen als nicht realitätskonform eingestuft (vgl. Olivier 2005). Daher sollte für die Notwendigkeit der Erweiterung sozialwissenschaftlicher Forschung um neurowissenschaftliche Erkenntnisse folgendes Statement gelten: „In its current state it is much more of a supplement to other types of research rather than a great engine for new hypotheses about human behavior” (Chorvat 2007: 588). Es ist davon auszugehen, dass sich die Neurowissenschaften, mit ihrem Unterzweig der Neuroökonomie, in den nächsten Jahren weiterentwickeln werden und dadurch präzisere Ergebnisse offenbaren können. Darum muss für die etablierten Wissenschaften gelten, sich dieser Perspektive zu öffnen und das bestehende Wissen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Denn es wird immer deutlicher, dass der Mensch nicht nur zwischen dem ‘homo oeconomicus‘ und dem ‘homo sociologicus‘ einzuordnen ist, sondern in erster Linie ein biologischer Zusammenschluss funktionaler Elemente ist, welche mit ihren Besonderheiten und Beschränkungen in einer komplexen Umwelt mit anderen komplexen Wesen interagieren. Damit wird ein Hauptverwendungszweck der Humankapitaltheorie maßgeblich entkräftet. Anstatt pauschal zu unterstellen, dass jemand mit wenig marktrelevanten Fertigkeiten am Markt vorbei gelernt oder studiert hat, lässt sich nun eher dazu tendieren, dass Menschen nach einer komplexeren Gleichung ihre Bildungsentscheidungen treffen. Vielleicht beinhaltet diese Gleichung die Präferenzen, die ökonomische Rationalität und auch die biologische Kapazität, die sich zumindest teilweise mitgestalten lässt. Obwohl diese Einschränkung der menschlichen Souveränität eine „unbequeme„ Annahme sein könnte, so befreit sie den Menschen aber auch von einer anderen Annahme: der ökonomische Markt sei die Größe, an der sich ein Mensch zu orientieren habe. Vielleicht sollte sich der wissenschaftliche Fokus daher wieder - interdisziplinär - näheram Menschen orientieren.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
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Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main. Suhrkamp Verlag.
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Braun, Joe M. & Kahn, Robert S. & Froehlich, Tanya & Auinger, Peggy & Lanphaer, Bruce (2006): Exposures to Environmental Toxicants and Attention Deficit Hyperactivity Disorder in U.S. Children. Environmental Health Perspectives. Volume 114. Number 12. 1904 - 1909.
Camerer, Colin & Loewenstein, George & Prelec, Drazen (2005): Neuroeconomics: How Neuroscience can Inform Economics. Journal of Economic Literature. Volume XLIII. 6 - 64.
Camerer, Colin (2007) Neuroeconomics: Using Neuroscience to Make Economic Predictions. Economic Journal. Volume 117. C26 - C42.
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Feldmann, Klaus (2005): Soziologie Kompakt. 3. Auflage. Wiesbaden. Verlag für Sozialwissenschaften.
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Heckmann, James J. (2007): The Economics, Technology and Neuroscience of Human Capability Formation. Bonn. Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (Hrsg.).
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Kalenscher, Tobias & Pennartz, Cyriel (2008): Is a bird in the hand worth two in the future? The neuroeconomics of intertemporal decision-making. Progress in Neurobiology. Volume 84. 284 - 315.
Kuhnen, Camelia M. & Chiao, Joan Y. (2008). Genetic determinants of financial risk taking. [vor Veröffentlichung; Dank an die Autoren]
Ockenfels, Axel (2005): Abschied vom Homo Oeconomicus. Online-Dokument: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,1505080_page_1,00.html, Stand: 20.11.2008
Olivier, Reinhard (2005): Die Willensfreiheit aus der Sicht der Theorie des Gehirns. Ein unentscheidbares Problem. 203 - 215. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Schwerpunk `Hirn als Subjekt? Grenzfragen der neurobiologischen Hirnforschung (III).
O’Shea, Michael (2008): Das Gehirn. Eine Einführung. Stuttgart. Reclam Verlag.
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Roth, Gerhard (2001): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. 3. Auflage. Frankfurt. Suhrkamp Verlag.
Solow, Robert M. (1956): A Contribution to the Theory of Economic Growth. The Quarterly Journal of Economics. Volume 70. Number 1. 65 - 94.
Zeedyk, Suzanne (2008): What’s life in a baby buggy like? The impact of buggy orientation on parent-infant interaction and infant stress. [vor Veröffentlichung; Dank an die Autorin]
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KAPITEL B
NEUROBIOLOGISCHE DETERMINANTEN DER VOLITION:
EINFLUSS AUF DIE BEHAVIORAL FINANCE FORSCHUNG
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1. Einleitung
Die Motivationsforschung betrachtet in der Wirtschafts- und Sozialpsychologie die Ursachen konkreter Verhaltensweisen und lehnt an einer nahezu humanistischen Sicht an den menschlichen Willen an. Dennoch ist bis dato die Frage ungeklärt „[…], ob zentrale Verhaltensmuster angeboren oder erlernt sind“ (Fischer & Wiswede, 2002, S. 95). Auch wenn diese Frage ihren Ursprung in den sozialwissenschaftlichen Disziplinen hat, entstammen die jüngsten Versuche einer Beantwortung den Naturwissenschaften; Insbesondere der Neurobiologie. Diese naturwissenschaftliche Sicht auf den menschlichen Willen basiert auf biologisch gegebenen Determinanten menschlichen Verhaltens und deren Messbarkeit. Mit anderen Worten: Das Bild von dem souveränen Willen steht dem des prädiktiven Willens gegenüber.
Dieser Analysetrend spiegelt sich in aktuellen Begebenheiten wider: War die Frage nach den Motiven krimineller Handlungen bisher psychologischer und soziologischer Natur, so wandelt sie sich jetzt in eine Ursachenforschung mit biologischem Ansatz. Gehirne von für schuldig befundenen Personen werden in internationaler Zusammenarbeit mittels der Computertomographie untersucht. Die zentralen Fragen lauten: Gibt es ein erkennbares Merkmal für kriminelles Verhalten? Ist eine Art innerer Zwang oder der freie Wille ausschlaggebend für die kriminelle Handlung?
Jüngste Untersuchungen zeigen auch, dass sich diese biologischen Determinanten des Willens im Bereich der Wirtschaftspsychologie anwenden lassen. Denn ökonomische Entscheidungen sind komplexe Entscheidungen und sollten daher in erster Linie rational getroffen werden (Roth, 2001, S. 453). Investitionen hängen beispielsweise von den verfügbaren finanziellen Mitteln, dem Vertrauen in das Investitionsobjekt und soziodemographischen Merkmalen ab. Aber nicht jede ökonomische Entscheidung ist erfolgsbringend; Manchmal sogar mit Verlusten verbunden. Daher ist die Frage nach den Auslösern und Katalysatoren solcher Investitionsentscheidungen von entscheidender Bedeutung.
Dieser Artikel beschäftigt sich daher mit der Abwägung, ob ökonomische Rationalität ihren Ursprung in bewusst getroffenen Entscheidungen oder möglicherweise in reflexhaften und messbaren Reaktionen hat. Daher soll der Behavioral Finance Forschung
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die deterministische Sicht auf den Willen zur Seite gestellt werden, um der Frage nachzugehen, ob menschliches Anlageverhalten ein Resultat der freien Willensbildung, der natürlichen Prädiktion oder vielleicht auch einer Interaktion beider Ansätze ist.
2. Die Behavioral Finance Forschung unter Einfluss der Volition
In diesem Abschnitt werden wesentliche Grundlagen der Behavioral Finance Forschung und der Volitionspsychologie betrachtet und auf einen ökonomischen Kontext übertragen. Besonders die Theorie der Handlungskontrolle von Kuhl (1983) wird dabei Basis ökonomischen Verhaltens sein. Auf andere Ausführung der volitionalen Grundlagen wird im Zuge der Verständlichkeit nicht weiter eingegangen; Diese sind aber in einschlägiger Literatur umfassend vertreten.
2.1. Die Annahmen der Behavioral Finance Forschung
Die Behavioral Finance Forschung ist ein Teilbereich der Kapitalmarktforschung und legt den Fokus auf die psychologischen Komponenten von individuellen Anlageentscheidungen. Eine der Kernaussagen der Behavioral Finance Forschung ist, dass menschliches Verhalten selbst in ökonomisch rationalen Kontexten Urteilsfehlern unterliegen kann (Wiswede, 2007, S. 184). Heuristiken sind ein eindringliches Beispiel solcher Urteilsfehler. Ausschlaggebend für dieses Verhalten ist die menschliche Empfänglichkeit für plausibel erscheinende Assoziationen in unsicheren
Entscheidungssituationen. So wird beispielsweise in einem Glücksspiel mit einer überhäufigen Abfolge roter Spielkarten dazu tendiert, im nächsten Zug ebenfalls die Farbe Rot zu antizipieren. Mit anderen Worten: Menschen können trotz einer besseren Kenntnis mittels ihrer Wahrnehmung zu falschen Schlussfolgerungen gelangen. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass Personen nur unter Umständen rationale Entscheidungen treffen können. Ein weiteres Beispiel ist das zyklische Anlegerverhalten: Obwohl die rationale Maxime auf Kapitalmärkten gemäß dem antizyklischen Anlegerverhalten einen Einkauf zu niedrigen und einen Verkauf zu hohen Kursen nahe legt, entspricht das überwiegende Verhalten der Anleger dem zyklischen Verlauf der Kurse. So wird in steigende Kurse investiert, obwohl diese ihren maximalen Anstieg möglicherweise bereits hinter sich gelassen haben, so dass keine weiteren Gewinne mehr zu erwarten sind.
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Umgekehrt werden fallende Kurse aus dem Portfolio entfernt, so dass diese keinen Gewinn mehr abgeben konnten.
In beiden Beispielen wurden rationale Denkprozesse durch irrationale Annahmen ersetzt. Überspitzt formuliert lautet diese Annahme, das handelnde Individuum wisse es besser als die eigene Vernunft. Doch woher kommt diese Irrationalität? Es bleibt zu untersuchen, in welcher Art sich die Verhaltensstrategien von erfolgreichen und weniger erfolgreichen Anlegern unterscheiden, oder ob erfolgreiche Anleger unter Umständen nur ein Zufallsprodukt sind.
Weiterhin ist die Frage interessant, ob vielleicht die individuellen Unterschiede der Anleger, in physiologischer und psychologischer Hinsicht, das Anlageverhalten determinieren. Vielleicht neigen spezifische Individuen erhöht zu einem irrationalen Verhalten. Ähnlich wie in der Kriminalpsychologie und Neurobiologie ließe sich ein Zusammenhang zwischen physiologischer Ausprägung des Gehirns und psychologischer Struktur der Handlungsorientierungen untersuchen. Um dieser Frage nachzugehen, ob Personen ihre Anlagestrategien souverän und bewusst bedenken, oder ob die Art der Entscheidungsfindung, oder gar die Entscheidung selbst, bereits festgelegt sind, wird im nächsten Abschnitt der Prozess der Willensbildung, die Volition, behandelt.
2.2. Der Prozess der Willensbildung
Volition lässt sich am ehesten mit einem Beispiel beschreiben: Wenn sich ein Individuum entschließt, seine Ernährung auf eine gesündere Basis umzustellen, dann werden alle kognitiven Prozesse, Strategien und Handlungen, die dieser Umsetzung dienlich sind, als volitional bezeichnet. Somit beschreibt Volition die komplexe Aufgabe, das eigene Verhalten bewusst, also durch den eigenen Willen, zu steuern (Fischer & Wiswede, 2002, S. 123).
An dem oben genannten Beispiel wird deutlich, dass Volition auch darauf abzielt, die Ausführung dominanter Verhaltensreaktionen zu beeinflussen. Dominante Verhaltensreaktionen kennzeichnen sich durch die Ähnlichkeit der Handlungen und werden meistens spontan aufgerufen; Beispielsweise die Suche nach dem Lichtschalter an einer vertrauten Position beim Betreten eines dunklen Raums.
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Gerade die Möglichkeit der Volition ist ein Ausdruck für den freien Willen von Personen; Und doch liegt zwischen der Motivation und der daraus resultierenden Handlung oftmals eine nicht unwesentliche Diskrepanz. Gescheiterte Vorsätze von Personen sind Ausdruck dieser Diskrepanz. Darum ist die Stärke der Intention für den Prozess der Willensbildung nicht unerheblich. Sie bestimmt die Möglichkeit, für die beabsichtigte Handlung die nötigen Ressourcen zu mobilisieren und Anstrengungen in die richtige Richtung zu lenken. Darüber hinaus gilt ein weiteres Kriterium für die Intention im Prozess der Willensbildung: Die Abrufbarkeit. Wenn die Intention nicht stark genug internalisiert wurde, dann kann sie schlichtweg vergessen werden. Zur Verdeutlichung kann man in einem kleinen Selbstexperiment versuchen, sich an seine letzten Neujahresvorsätze zu erinnern. Weiterhin können situative Faktoren neue Präferenzen schaffen, so dass die Intention unerheblich oder vermindert wird.
Im ökonomischen Kontext sind die Intentionen verschiedener Personen weitestgehend homogen: Sicherung und Ausbau bestehender Vermögensbestände. Unterschiede lassen sich allerdings in der Herangehensweise feststellen: In der Bundesrepublik spekuliert zum Beispiel nicht jeder an der Börse, schließt einen Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung ab. Personen wählen unterschiedliche Strategien, um die Intention der finanziellen Absicherung zu erreichen.
2.3. Handlungskontrolle nach Kuhl
Die Theorie von Kuhl knüpft an eine bestehende Intention mit dem Ziel an, diese auch zu dem entsprechenden Verhalten zu führen. Dabei unterscheidet Kuhl in die Motivations-und Ausführungskontrolle (Fischer & Wiswede, 2002, S. 126). Dies bedeutet eine etappenweise Umsetzung von Verhalten. Zu Beginn sind ein Anreiz und ein Motiv erforderlich; Diese bilden die Grundlage der Intention, dem Ziel, welches eine Person gerne erreichen möchte. Wie bereits erwähnt, kann es zu Problemen bei der Intentionsumsetzung kommen. Konkurrierende Motive könnten dafür verantwortlich sein. So konkurrieren zum Beispiel Leistungsmotivation und Freizeitmotivation miteinander. Insbesondere im Sommer stehen Studenten vor der Entscheidung, entweder zu lernen oder aber mit Freunden etwas zu unternehmen. Hier setzt die Motivationskontrolle an; Sie schirmt eine Intention gegen eine Andere ab, indem sie ihr beispielsweise eine erhöhte
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Bedeutung beimisst oder die Aufmerksamkeit fokussiert (Kuhl, 1987, S. 108). Im Ganzen nennt Kuhl (1983) sieben volitionale Prozesse der Handlungskontrolle: o „Selektive Aufmerksamkeitssteuerung“ o „Sparsamkeit der Informationsverarbeitung“ o „Abschirmung und Kontrolle von Emotionen“ o „Anhebung und Aufschaukeln von Reizen“ o „Absichtsorientierte Informationskontrolle“ o „Kontrolle der Umweltbedingungen“ o „Volle Entwicklung der Absicht“
Allerdings unterscheiden sich Personen hinsichtlich ihrer Anwendung dieser sieben Kont- rollstrategien.Kuhl nennt Personen mit „Handlungsorientierung“ und „Lageorientierung“. Letztere haben Probleme mit der Richtung und Intensität ihrer Kontrolle, während Personen mit Handlungsorientierung eine angemessene Strategie zur Umsetzung der Intention entwickeln. Der herbeizuführende „Soll-Zustand“ wird mit dem aktuellen „Ist-Zustand“ verglichen und die daraus resultierende „Diskrepanz“ dient als Indikator für die Intensität der daraus abgeleiteten „Handlungsmöglichkeiten“. Kuhls Auffassung der Willensbildung und Willensumsetzung zeichnet ein sehr souveränes Bild kognitiver Prozesse. Ausgehend von verhaltensbeeinflussenden Anreizen, etwa einem monetären Zugewinn und der damit einhergehenden Bildung eines Motivs, welche die Wichtigkeit dieses Anreizes umschreibt, scheint eine Person in Kuhls Theorie eine tatsächliche Handlungskontrolle ausüben zu können. Extern auftretende Determinanten, wie andere attraktive Aktivitäten zum Beispiel, können willentlich beeinflusst werden. Interne Determinanten der Volition finden bei Kuhl keine explizitere Erwähnung. Und doch scheinen einige der möglichen Determinanten der Willensbildung intrinsischer Natur zu sein. Es scheint fragwürdig, dass jede Person die gleiche Kapazität zur Handlungskontrolle besitzt. Zu Recht nennt Kuhl an dieser Stelle Personen mit einer Lageorientierung, doch die Frage nach deren Ursache lässt er weitestgehend unbeantwortet. Daher soll im Folgenden gezeigt werden, welchen Zusammenhang die aktuelle Forschung über menschliche Entscheidungsstrategien und deren Auslöser im Gehirn postuliert hat.
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3. Studien zur mentalen Determination
Die vorläufigen Ergebnisse der Suche nach biologischen Determinanten menschlichen Verhaltens könnte man auch sehr prägnant ausdrücken: Der „[..] Willensakt tritt in der Tat auf, nachdem das Gehirn bereits entschieden hat, welche Bewegung es ausführen will“ (Roth, 2001, S. 442). Eine derartige Umschreibung verlagert den Prozess der Willensbildung von der mentalen Ebene des menschlichen Selbstverständnisses auf eine biologische Abfolge von Reaktionen im menschlichen Gehirn. Die Linearität dieser Zusammenhänge, die verwendeten Forschungsmethoden und deren Befunde sind Thema dieses Abschnitts.
3.1. Einführung in die Neurowissenschaften - Visualisierte Denkprozesse
Aufbau und Funktionsweise von Nervensystemen sowie die Leistungsfähigkeit von Gehirnen stehen im Zentrum der Neurowissenschaften. Die dabei verwendeten Untersuchungsmethoden bedienen sich der Magnetresonanz-Tomographie, welche „[…] eine Untersuchung lebender Systeme und intakter Organismen eröffnen“ (Frahm, 2007, S. 87). Mittels der Magnetresonanz-Tomographie lassen sich an kognitiven Prozessen beteiligte Areale des Gehirns identifizieren. Beispielsweise lassen sich Reaktionen im Gehirn beobachten, welche Rückschlüsse auf richtiges oder falsches Agieren bei einer an einem Experiment teilnehmenden Person zulassen. Eine solche Untersuchung nennt sich GO-NOGO Verfahren, in welcher eine Person bei einem spezifischen Reiz ein Signal durch Knopfdruck geben muss und bei abweichenden Signalen diese Reaktion zu unterlassen hat (Frahm, 2007, S. 91). Durch dieses Verfahren konnte in dem Gehirn einer Person eindeutig die Lokalisation und folglich die Ursache falscher Aktionen bestimmt werden. Analysen von Roth (2008) zeigen auch, dass diese für eine Reaktion verantwortlichen Areale, bereits vor der eigentlichen Reaktion einer Person aktiv werden. Folgende Studie soll dies verdeutlichen.
3.2. Unterschiedliche Strategien - unterschiedliche Auffassungen
In der Fachzeitschrift „Nature Neuroscience“ (2008) haben die Psychologin Pearl Chiu, der Mathematiker und Physiker Terry M. Lohrenz und der Neurowissenschaftler Montague Befunde über das Anlageverhalten von Rauchern und Nichtrauchern veröffentlicht. Dafür
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haben die Wissenschaftler eine Anlagesituation für 31 Raucher und 31 Nichtraucher geschaffen, in der sie 100 Dollar in Aktienpakete investieren konnten. Im Anschluss an die Investition sind den Probanden die realisierten Gewinne und Verluste offenbart worden; Gleichzeitig wurde den Probanden auch ein alternatives und rentableres Investitionsverhalten dargestellt. Dieses Vorgehen wurde mehrmals wiederholt. Obwohl Raucher und Nichtraucher gegen Ende der Studie annähernd die gleichen Erträge erzielt hatten, zeigten sich eklatante Unterschiede in dem vorhergegangenen Anlageverhalten. Während die Nichtraucher in Reaktion auf die entgangenen Gewinne, welche auf einer nicht vollständig effizienten Anlagestrategie beruhten, ihr Anlageverhalten kontinuierlich anpassten, blieb das Anlageverhalten der Raucher von den Informationen der Wissenschaftler über alternative Anlagestrategien unbeeinflusst. Chiu et al. führen dies auf die Unfähigkeit der Raucher zurück, auf ein alternatives Szenario zu reagieren. Allerdings zeigen die Hirnaktivitäten von Rauchern und Nichtrauchern keinen Unterschied auf, wenn es um die Bewertung von Aktienpaketen geht. Dies bedeutet, dass sowohl die Gehirne von Rauchern und Nichtrauchern über die Anlagesituation nachdenken. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Nichtraucher sich im Gedankenprozess nicht von den Rauchern unterscheiden, dafür aber anders mit der Information über alternative Anlagestrategien umgehen. Mit anderen Worten: Raucher scheinen die Alternativen ihrer Handlungen zu ignorieren. Dies gilt demnach nicht nur in ökonomischen Kontexten, sondern ist auch eine mögliche Erklärung für die Schwierigkeit mit dem Rauchen aufzuhören; Notwendige Alternativen und die Vorzüge des Nichtrauchens werden im Gehirn ausgeblendet.
Dass eine Alternative gar nicht erst bedacht werden kann, spricht gegen die Annahme eines vollständig freien Willens. Obwohl das Setting in dem Experiment eine logische Reaktion in Bezug auf das Anlageverhalten nahelegt, verhalten sich die rauchenden Probanden irrational. Dies ist insbesondere deswegen erstaunlich, weil das alternative Anlageverhalten mit keinen weiteren Kosten verbunden gewesen wäre. Schließlich wurde die optimale Anlagestrategie vollständig präsentiert und die Probanden hätten diese nur übernehmen müssen. Dies bedeutet, dass in einer rational ökonomischen Situation das Verhalten von Rauchern durch das Gehirn determiniert ist. Im nächsten Abschnitt wird daher die Arbeit des Neurobiologen Roth vorgestellt, der ebenfalls die biologischen Determinanten des Willens untersucht.
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3.3. Über die Antizipierbarkeit des Anlageverhaltens
In Roths Theorie trägt das limbische System des Menschen die Verantwortung in Entscheidungssituationen. Daraus leitet sich die Frage ab, wie das limbische System ökonomische Strukturen analysieren und bewerten kann? Roth stellt heraus, dass in „[…] komplexen Situationen das limbische System nur wenig oder gar keine Vorgaben macht“ (Roth, 2001, S. 448). Eine ökonomische Entscheidung ist eine komplexe Situation. Die vorhandenen Ressourcen müssen bewusst sein, davon muss eine für die Investition entbehrliche Menge ermittelt und diese in eine möglichst optimale, auf die Person zugeschnittene Anlageform investiert werden. Fast jeder kennt den Lauf der Gedanken, wenn Vor- und Nachteile gegeneinander aufsummiert werden. Eine Person denkt eigenständig, wenn sie eine solche Abwägung durchführt; Dabei sei außer Acht gelassen, dass die zu bedenkenden Inhalte bereits determiniert sein können (Abschnitt 3.2). Roth knüpft an einer solchen Abwägung an und hält fest: „Ob und in welchem Maße aber das, was diese Gedankenspiele zum Ergebnis haben, in die Tat umgesetzt wird, entscheidet nicht das kognitive, sondern das limbische System“ (Roth, 2001, S. 448). Jüngste Untersuchungen zeigen, dass zum Beispiel das Antwortverhalten einer Person bereits über einen Magnetresonanz-Tomographen erfasst werden kann, noch bevor dieser selbst in der Lage ist, seine Antwort zu formulieren oder umzusetzen. Für diese Untersuchung wurden Probanden an der Universitätsklinik Berlin von Haynes et al. (2008) vor eine simple Aufgabe gestellt: Sie sollten nach eigenem Ermessen einen von zwei Knöpfen drücken. Entweder den in der linken Hand oder den in der rechten Hand. Im Anschluss sollten die Probanden den Zeitpunkt bestimmen, den sie für den Moment der getroffenen Entscheidung hielten. Nachfolgend ein Blick auf die Resultate: B1: Zeitpunkte der Entscheidung
Quelle: Haynes (2008)
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Abbildung B1 zeigt ein Koordinatensystem mit 2 Quadranten. Die Ordinate bildet die Wahrscheinlichkeitswerte für eine korrekte Vorhersage der getroffenen Entscheidung ab. Die Abszisse steht für die fortlaufende Zeit in Sekunden im Entscheidungsprozess und setzt bei einer 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit für eine korrekten Vorhersage an der Ordinate an. Diese Festlegung resultiert aus der Tatsache, dass man eine 50 prozentige Wahrscheinlichkeit auch dem Zufall zuschreiben könnte; Beispielsweise bei dem Wurf einer Münze mit der Frage nach ‘Kopf‘ oder ‘Zahl‘. Die zu erkennenden Ereignisse von links nach rechts: Bereits 7 Sekunden - markiert durch einen Pfeil - vor dem bewussten Moment der Entscheidung konnten die Wissenschaftler mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent die Entscheidung der Probanden korrekt ablesen. Die rote Markierung steht für den subjektiv empfundenen Moment des Entschlusses. 1 Sekunde nach dem bewusst werden der Entscheidung wurde der Knopf gedrückt. Zusammengefasst bedeuten diese Werte, dass im menschlichen Gehirn eine Aktivität, welche einer Entscheidung vorauseilt, messbar und interpretierbar sein kann. Ob es sich dabei um eine Entscheidung um zwei verschiedene Knöpfe oder um eine ökonomische Entscheidung handelt, spielt dabei keine Rolle. Denn die Entscheidungen zwischen Links und Rechts oder zwischen Aktienpaket A und Aktienpaket B sind in ihren biologischen Ablaufprozessen im Gehirn annähernd identisch.
Überspitzt formuliert, beschränken Roths Hypothesen und Haynes Forschung die Themen der Psychologie und den menschlichen Willen auf eine Abfolge von Funktionen, analog einer Maschine. Diese Haltung ist nicht nur Kritik aus den sozialwissenschaftlichen Lagern ausgesetzt, sondern muss sich auch gegenüber naturwissenschaftlichen Erkenntnissen dieser Forschung behaupten. Olivier (2005) stellt heraus, dass bereits der Vorgang der Messung von Gehirnaktivitäten „[…] eine nicht wirklich abzuschätzende Beeinflussung der Vorgänge impliziert“ (Olivier, 2005, S. 723) und folglich eine objektive Beobachtung mentaler Vorgänge nicht erfolgen kann. Aus diesem unkontrollierbaren Einfluss der neuronalen Forschung leitet Olivier seine Unschärferelation ab: „Der psychologische und physiologische Zustand des Gehirns sind nicht gleichzeitig definierbar“ (Olivier, 2005, S. 724). Somit entbehrt sich auch die als strikt unterstellte Kausalität der Psyche (Vgl. Olivier, 2005, S. 724).
Schließlich sagt Hanyes selbst: „Nach unseren Erkenntnissen werden Entscheidungen im Gehirn zwar unbewusst vorbereitet. Wir wissen aber noch nicht, wo sie endgültig getroffen
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werden. Vor allem wissen wir noch nicht, ob man sich entgegen einer vorgebahnten Ent- scheidungdes Gehirns auch anders entscheiden kann“ (Haynes, 2008, S. 545). Demnach geht aus diesem Abschnitt hervor, dass der Prozess der Entscheidungsfindung, also auch einer ökonomischen Entscheidung, mittels der Magnetresonanz-Tomographie verfolgt werden kann. Daher besteht eine Tendenz, dass solche Entscheidungen biologisch determiniert sein können. Obwohl die Naturwissenschaften noch keine abschließende Antwort bereithalten, sollten deren Ergebnisse im ökonomischen Kontext nicht vernachlässigt werden. Darum gibt der nachfolgende Abschnitt einen Einblick in die mögliche Relevanz solcher spontanen und unbeabsichtigten Entscheidungen, wenn es um Investitionen und die Sicherung von Sachkapitalbeständen geht.
3.4. Neuroökonomie: Das Ende des freien Willens?
Die vorangegangene Kritik an der Endgültigkeit einiger neurobiologischer Aussagen legt nahe, dass der Entscheidungsprozess aus mehreren Komponenten bestehen kann: Einer biologischen Neigung zu einem Antwortverhalten und dem Resultat einer Abwägung zwischen den Alternativen. Den tatsächlichen Zusammenhang dieser Komponenten im ökonomischen Entscheidungsprozess untersucht die Neuroökonomie. Befunde zeigen, dass das menschliche Gehirn in Anlagesituationen zu Entscheidungen neigt, welche aus rationaler Sicht wenig Sinn ergeben, aus emotionaler Sicht aber durchaus zweckmäßig zu sein scheinen (Zweig, 2007, S. 4). Ein Beispiel ist bereits zu Beginn mit der Ausführung über Annahmen beim Kartenspiel genannt worden. Evolutionspsychologisch gesehen ist unser Gehirn darauf ausgelegt, positive Dinge zu beschaffen und negative Dinge abzulehnen: Dem menschlichen Körper erträgliche Substanzen schmecken angenehm; Schädliche Substanzen lösen Abwehrreaktionen des Körpers aus. Diese Reaktionen werden vom Gehirn gesteuert. Das Problem in ökonomischen Entscheidungssituationen ist, dass es keine natürlichen Abwehrmechanismen gibt. Zwar haben Personen eine Aversion gegenüber Verlustsituationen, doch gestaltet sich die Struktur der Kapitalmärkte derart komplex, dass eine Klassifikation in gut oder schlecht nicht ohne Weiteres zu treffen ist. Mit anderen Worten: Das menschliche Gehirn kann alltägliche Situationen schnell und sicher bewältigen, kann aber an anspruchsvollen und nicht vollständig einsehbaren Entscheidungen scheitern (Zweig, 2007, S. 6). Ein
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experimentelles Beispiel soll daher die Diskrepanz zwischen ökonomischer Rationalität und tatsächlichem Verhalten schildern:
Das von Güth et al. (1982) entwickelte Ultimatum-Spiel sollte untersuchen, wie sich eine Person in der Realität verhält. Dafür wurde eine Gruppe von Personen per Zufallsentscheidung in zwei unterschiedliche Lager aufgeteilt: Anbieter und Empfänger. Jeder Anbieter erhielt einen realen Geldbetrag, den er nach eigenem Ermessen unter sich und einem Empfänger aufteilen konnte. Damit die Situation möglichst real erschien, konnte das verwendete Geld im Anschluss an das Experiment behalten werden. Basis der neoklassischen Ökonomie ist das Modell des ökonomisch rational handelnden Menschen: Dem Homo Oeconomicus. Dieses besagt, dass ein Individuum stets darum bemüht ist, seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Demnach sollte der Anbieter dem Empfänger ein möglichst geringes Angebot unterbreiten, um selbst einen hohen Anteil für sich behalten zu können. Unterbreiten deshalb, weil der Empfänger die Möglichkeit hatte, das Angebot abzulehnen. In diesem Fall erhielt keiner der Versuchspersonen einen Geldbetrag. Entsprechend dem Prinzip der ökonomischen Rationalität sollte der Empfänger aber jeden Geldbetrag annehmen, weil jeder noch so kleine Betrag einen Gewinn gegenüber der Null-Lösung wäre. Ein Beispiel: Ausgehend von 10 Euro behält der Anbieter 9 Euro und der Empfänger erhält 1 Euro. Jeder hätte einen Zugewinn zu verzeichnen. Tatsächlich verhalten sich Personen in der Realität aber anders. In dem Experiment boten ein Drittel der Anbieter den Empfängern 50 Prozent des Geldbetrages an - Sie antizipierten das ökonomisch irrationale Verhalten der Empfänger, möglicherweise kleinere Beträge abzulehnen. Insgesamt lag das Durchschnittsangebot der Anbieter das 35fache über dem theoretisch möglichen Minimalangebot an die Empfänger. In Wiederholungen zeigte sich, dass je kleiner der Angebotsbetrag war, desto häufiger wurde das Angebot abgelehnt und das Spiel mit einer Null-Lösung beendet. Es stellt sich die Frage nach den Ursachen der Antizipation der Anbieter und der Erwartungshaltung der Empfänger. Güth et al. hielten den Sinn für soziale Gerechtigkeit und Fairness für ausschlaggebende Faktoren (1982, S. 385). Obwohl viele diese Faktoren allgemein hin der Sozialisation zuschreiben möchten, finden sie doch ihren Ursprung in der physiologischen Beschaffenheit des Gehirns. Das Empfinden von Fairness aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn (Knoch, 2006, S. 830) und sorgt somit, unabhängig der vorangegangenen Denkprozesse, für eine positive Bewertung fairen Verhaltens. Mit anderen Worten: Es handelt sich um eine biologische Determinante menschlicher Ressourcenverteilung.
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Welche Resultate lassen sich aus diesem Zusammenhang ziehen? Komplexe Situationen lösen eine automatische Beurteilung durch das menschliche Gehirn aus. Ergänzend kommt die kognitive Abwägung des Anlegers hinzu. Objektive Begebenheiten werden in fiktiven Szenarien durchgespielt und daraus wird eine Entscheidung getroffen; Möglicherweise unter starker Beeinflussung der vorher automatisch erfolgten Einschätzung des Gehirns. Wegen dieser Verkettung von Ereignissen im Prozess der Entscheidungsfindung empfiehlt Zweig Anlegern im Umgang mit ihren Emotionen Folgendes: „Die Neuroökonomie zeigt, dass die besten Ergebnisse erzielt werden, wenn Sie ihre Emotionen zügeln - nicht aber, wenn Sie sie unterdrücken“ (Zweig, 2007, S. 6). Damit wirken möglicherweise drei Komponenten bei einer komplexen Entscheidungsfindung zusammen, die untereinander in Abhängigkeit zu stehen scheinen: Die bewusste Kognition, begleitet von der emotionalen Bewertung und der vorausgehenden Bewegung im Gehirn.
4. Resümee
In den vorangegangenen Abschnitten wurden teilweise konträre, aber auch sich ergänzende Erklärungsansätze für die Theorien der Behavioral Finance Forschung beschrieben. Die zentrale Fragestellung galt dabei den Ursachen falschen ökonomischen Verhaltens und sollte disese als nature oder nuture herausstellen. Dafür legte Kuhls Modell der Volition nahe, dass unter bestimmten Umständen eine Fokussierung auf eine Intention erfolgen kann. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Umsetzung. Mit den richtigen Informationen und einer angemessenen Herangehensweise sollte demnach das Ziel der Gewinnmaximierung auf vielfältige Weise erreichbar sein. Fakt ist aber, dass viele Personen falsche Anlageentscheidungen treffen. Zwar nennt Kuhl mögliche Fehler in der Umsetzung, ließ die Frage nach den Auslösern dieser Fehlentscheidungen aber weitestgehend offen.
Um zu klären, ob solche Fehleinschätzungen Folge der eigenen Irrationalität, einer unglücklichen Verkettung unvorteilhafter Umstände, oder aber Ergebnis eines nicht aufzuhaltenden physiologischen Prozesses im Gehirn sind, wurde der Blick auf die Neurowissenschaften ausgeweitet. Es stellte sich heraus, dass im Falle einfacher Handlungen das tatsächliche Verhalten einer Person bereits vor der Aktion - sogar vor dessen Bewusstsein um diese Entscheidung - erkannt und interpretiert werden kann. Weiterhin zeigte sich, dass es Unterschiede im Anlageverhalten einer Person geben kann
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und dass dieses Verhalten nicht von dem Denkprozess, sondern von im Vorfeld getroffenen Informationsvergaben des Gehirns, determiniert sein kann. Dennoch gilt für die Befunde der Hirnforschung im ökonomischen Kontext nur eine bedingte Gültigkeit. Denn alle Studien, die das Konzept der souveränen Entscheidungsfreiheit zurückweisen, sind für derart weitreichende Folgen nicht hinreichend fundiert. Die medizinische Forschung fokussiert sich bisweilen auf die Freiheit in der Ausübung von instruierten Bewegungen und vorgegebenen Antwortskalen, nicht aber auf das allgemein gültige Verständnis von Freiheit. Diese Kritik soll aber keine Absage an die Neurowissenschaften sein. Denn auch das Modell des klassischen Homo Oeconomicus hat ausgedient (Vgl. Ockenfels, 2005, S. 4). Dieses besagte, dass ökonomische Entscheidungen im Bestreben nach Gewinnmaximierung stets rational durchgeführt werden. Das Modell hat viele Ergänzungen um interne und externe Faktoren erfahren; So erfolgte eine Beeinflussung ökonomischer Entscheidung durch die momentane Gefühlslage einer Person, oder durch Empfehlungen von sozial nahe stehenden Personen. Solche Effekte werden in der heutigen Ökonomie zumindest teilweise berücksichtigt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass in naher Zukunft eine ökonomische Entscheidung als eine Konvergenz aus den Neurowissenschaften, der Psychologie, der Soziologie und ökonomisch rationaler Annahmen verstanden werden wird. Einzig das Zufallsprinzip ökonomischer Erträge wurde in dieser Ausarbeitung nicht betrachtet. Aber in Anbetracht der Größe der Kapitalmärkte und der Tatsache, dass unser Gehirn, egal ob kognitiv oder physiologisch bedingt, mit Entscheidungen dieser Größenordnung Probleme hat, liegt ein Verdacht nahe: Vielleicht ist das richtige Anlageverhalten, so fundiert es nach heutigem Wissen auch sein mag, mehr Glück als Verstand?
5. Literatur- und Quellenverzeichnis
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1. Introduction: Sovereign tax behavior?
Dealing with tax behavior bases most times on a probabilistic point of view: Scientists collect and interpret survey data and assume patterns for the behavior of the many (Fehr & Camerer, 2007, p. 219). Especially in cases of fundamental rules and possible sanctions these patterns may change and allow further interpretations. Consequently it is possible to analyze the different effects of tax systems and their instruments. Incidentally this point of view deals with the possible obligations and expectations between the citizenships that have to pay taxes and the country that collects taxes. But the most important question is about the best method for collecting these taxes and especially from those who want to avoid paying them. Considering the large field of consequences of tax evasion for citizens and country and the many possibilities to evade taxes, the total loss through this kind of tax behavior is hard to measure. But it can be assumed that the total set of evaded taxes is very high and that this is a major problem in every tax system. Therefore many scientists try to focus on the instruments for perceiving lost taxes. Some of these instruments are sanctions by law or amnesties for those who self-indicate their evasive behavior. Again it is possible to measure the effects of sanctions and amnesties on the total income of taxes. But what about the internal motivation of each of those tax evaders to react on this external tax collecting input? What kind of inner progress urges the tax evader to pay his tax: Is it the sovereign thought about the consequences, the late conviction that paying taxes is honest or is it more than thinking and feeling - perhaps it is an unavoidable reaction on that external tax collecting factor, determined by the tax payer’s genes? This question is not as strange as it seems to be, because in the last few years many medical and psychological scientists have focused on the neuronal determination of economic behavior. That research field - called neuroeconomics - pointed out that for example the results for a decision can be predicted seconds before the recipient himself is able to mention his thoughts about a fictive or real situation (Soon et al., 2008, p. 543). Furthermore these scientists search for an internal mechanism in human beings that is able to decide between „wrong‟ and „right‟ or „fair‟ and „unfair‟. If such a determined and internal behavior exists, it would be possible to look out for a tax system that seems to be adequate for most human beings in a biological way and to measure the internal reactions concerning sanctions or amnesties. Hence the intention of this paper is to combine the psychological results about the reactions to sanctions and amnesties with neuroeconomic
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research and their possible predictions for taxpaying behavior. It is not only a view on individual behavior; it is quite a view inside the taxpaying individual itself.
2. Development of tax collecting methods and their effects
As mentioned above there are two possible solutions for collecting taxes: The older point of view focuses on sanctions against those who evade taxes; the second one deals with soft and gentle influence on the tax evading individual. Hence there are two different underlying theories between these concepts. Sanctioning seems to be an adequate method to deterrence inappropriate behavior - such like tax evading. It depends on the opinion that “[…] people are rational actors […]” and try to “[…] maximize their expected utility” (Murphy, 2008, p. 114). According to neoclassical economics acting in a rational way means to calculate somehow the relation between input and output. For example it would not be rational to buy one portion of ice-cream for five Euros if there is a cheaper solution in the same area with equal quality. Otherwise someone would pay too much and lose money.
Sanctioning tax systems try to manipulate the rational calculation of each individual: Losing money or freedom are the major risks in evading taxes if the tax system declares sanctions against tax avoiding law breakers. Both of these risks should be harder for each individual than the loss through paying taxes. It is the basic assumption of sanctioning tax systems “[…] that by handing out harsh punishment and penalties to rule-breakers this will deter them from re-offending in the future” (Murphy, 2008, p. 115). But the most interesting point about the punishing methods is the fact that there seem to be “[…] inverse relationships between the threat of legal punishment and the volume of crime” (Murphy, 2008, p. 114).
Therefore scientists focus on the other possible solution for dealing with tax evaders: Instead of influencing the individual calculation of use they focus on “[…] procedural justice […]” (Murphy, 2008, p. 116) with the aim to interact with the emotions and ethical behavior of the taxpaying individual. The basic assumption is that punishing people by sanctioning them for inadequate tax behavior stigmatizes them and makes them feeling more uncomfortable with the concept of collecting taxes compared to the actual situation itself. This is what Murphy (2008) calls the “[…] mediating effect of emotions […]” (p.
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118). With his 2008 published study “Enforcing tax compliance: To Punish or Persuade” he proofed that there is a significant strong effect between being punished for tax avoidance in the past and resentments against tax authorities and taxpaying. Furthermore he explains that these resentments base on the previous experiences with tax authorities and that the positive effect strength on avoiding taxes increases once they are established. That underlines the existence of emotions in a taxpaying context and their influence on the behavior of the taxpayer. Therefore the next part focuses on the emotion “trust” and its relevance in monetary contexts. As taxpaying does not only depend on the opinion in the tax collecting system, it also depends on the trustworthiness of these institutions and the trust that paying taxes is a collective business with equal standards for each one of the taxpayers.
2.1. Taxpaying as a social dilemma
It is possible that each person that is asked for paying his taxes once considered one simple question: “Should I fill in my tax form honestly or conceal certain incomes?” (Mulder et al., 2006, p. 147). This question is one of the main points for social dilemmas, because it enrolls the conflict between personal and collective interests. The need for paying taxes is in western countries out of question: Taxes are important for security forces like military and police, for large institutions like the education system right up to the quality of the streets in front of someone’s house. But not all of us profit the same way from these benefits. And sometimes one has to pay more or less than others - which depends on the individual income and the underlying taxation. Thus the calculation for the asked input in form of money and the personal output can be inadequate. Furthermore this can be mentioned as another point of view on the well known „free rider‟ problem in economics and social sciences. Someone else participates for less or nothing on the collective established goods - the goods which are paid by the honest taxpayers. This is another spot for sanctioning methods to affect tax behavior: On the one hand combining taxation with sanctions in case of non-cooperative behavior should increase the trust that others will pay their taxes. But on the other hand it can set up the opinion “[…] that others will cooperate simply because they wish to avoid the sanction placed on defection” (Mulder et al., 2006, p. 148). These are two different points of view, the first one is mostly neutral associated and the second one negative because it assumes that people have no internal and honest
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motivation, they only react to an external and negative context. According to Mulder et al. (2006) this opinion should decrease the level of trust between individuals (p. 149). As a prediction Mulder et al. (2006) guess that this different effects occur during time and depend on whether sanctioning systems existed or not. It would be possible that for example one part of the taxpayers have had an effective and working sanctioning system and others not. This is possible in cases of changing the place of living or different taxation laws within one country. By the time they share the same moment, place and conditions - suchlike taxation conditions - the preexisting experience should result in different kinds of trust. The first point in time is called “[…] phase 1 […]” and the second one is called “[…] phase 2 […]” (Mulder et al., 2006, p. 149). To test their assumption Mulder et al. (2006) used the „Removing the Sanction‟ paradigm; shortly RTS. “In the RTS paradigm the level of trust is compared between people who have previously experienced a sanctioning system and people who have not” (Mulder et al., 2006, p. 149). In a next step this paper focuses on the empirical evidence for their theory.
2.2. Empirical evidence for the relationship between sanctions and trust Mulder et al. (2006) compared three experiments based on the above mentioned RTS
paradigm. From the first to the third experiment they increased the complexity and focused on diverse aspects of trust and cooperation. The first experiment deals with the simple RTS paradigm by splitting the recipients into those who had to experience a sanctioning system and those who had not. This was the experimental phase 1. In phase 2 the recipients had to redo the same type of trust game like in phase 1 - this time without sanctions for both - andMulder et al. (2006) analyzed the differences between the inter-group results. It was part of the trust game to form anonymous groups of four individuals and each group member got 100 chips with a value of EUR 0,05. Furthermore the recipients have been asked to spend some of their chips for the whole group or to keep them for themselves. “The total number of all chips given to the group by the four individual group members would be doubled and divided equally amongst the four group members” (Mulder et al., 2006, p. 150). Therefore the group members could raise their personal amount only if all group members gave enough of their own money. A short calculation can underline that statement: If for example everyone would have EUR 1,00 and all of them keep it for themselves, than no one would have the opportunity to raise his personal amount. But if
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they all spend their money the total set of EUR 4,00 would be doubled to EUR 8,00 and divided through the members. That makes an total amount of EUR 2,00 for each of them. If they spend too little - in this case EUR 0,50 - there would be no opportunity to raise the personal amount. In other words: Each of them had to trust the others because they did not know about their decision or motivation to cooperate. The kept money was only single counted and “participants in the sanction condition were told that the two group members who gave the least number of chips to the group would be fined EUR 5” (Mulder et al., 2006, p. 150). Image C1 draws the possible choices for group member 2 and his potential outputs for his decision. The spent money in the center is doubled and the kept money is single counted. It is the same decision for the three other group members. C1: Options and Output for Individual Money Decisions
Source: Klinkhammer (2008)
After the two phases the recipients have been asked for their feelings of trust. These trust- itemwas measured “[…] on a scale ranging from 1 (absolutely not) to 7 (absolutely) […]” (Mulder et al., 2006, p. 150). The results should be interpreted like that: The higher the means of the values, the higher the level of trust in the groups. It is the same interpretation procedure for the measurement of cooperation: Instead of using the survey question the total amount of spent chips within a group indicates the level of cooperation. If, for example, each of the four group members would have given 25 chips for the group the total value would have been 100 chips - not doubled like in the result condition for the recipients. This first experiment indicated that “[…] trust and cooperation decrease when an existing sanctioning system is removed” (Mulder et al., 2006, p. 151). The survey data confirmed that result. In contrast the level of trust and cooperation for the non-sanctioned group slightly increased between phase 1 and phase 2. But it has to be mentioned that the decrease of the cooperation level for the previously sanctioned groups was not significant.
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This indicates that the level of cooperation in this study “[…] was not purely based on trust” (Mulder et al., 2006, p. 151).
The second experiment bases on the same kind of trust game and expands the concept of trust in two parts: „High level of trust‟ and „Low level of trust‟. Mulder et al. did so because “[…] a sanction’s trust-undermining effect may well depend on the extent to which people already trust each other” (Mulder et al., 2006, p. 151). According to their statement that a sanctioning system undermines trust they presume that a sanctioning system has a more decreasing effect on higher levels of trust than on lower ones (Mulder et al., 2006, p. 152). Just imagine two persons who trusted each other on a very high level. Through the presence of a sanctioning system the strong feeling of trust would be replaced by the assumption that the other person has to behave the right way, just for his own welfare. The missing need for high level trust decreases the use and experience of this kind of trust. Because of its high value „High level trust‟ can decrease more than lower levels of trust. Furthermore the second experiment separates between three kinds of sanctioning possibilities: „No sanction‟, „small sanction‟ and at least „large sanction‟. This has been done “as a method of testing the effect of sanction on sanction attribution and trust in others being externally motivated to cooperate […]” (Mulder et al., 2006, p. 152). A stronger sanction may lead to the opinion that it is less useful for others to behave against the underlying rules. But again the results indicate that “[…] when an existing sanctioning system is removed, both trust and cooperation decrease” (Mulder et al., 2006, p. 155). These effects have been stronger for those who had experienced large sanctions before. Therefore the second experiment tightens the undermining effect of a sanctioning system. Mulder et al. (2006) performed a third experiment by manipulating the level of trust of the recipients: “This manipulation was based on the findings that people adopt the behavior that others show” (p. 156). Before running the same trust-game as above the recipients have been introduced to another kind of trust game and the decisions of the previous participants. It is useful to focus only on the general concept of that foregone information: The actual recipients have been told that people in the previous trust-game have been trustful or not. Depending on that given information the scientists expected different outcomes for the used trust-game in the third experiment. Those recipients who learned that others did not trust in that game are expected to be less trustful than those who learned about trustful others. This time the sanction was about losing all of the 100 chips if
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someone is the person who spent fewest of all. “Again, the sanction caused people to perceive that their fellow group members were motivated by self-interest” (Mulder et al., 2006, p. 158) and the level of trust and cooperation decreased for those who have been manipulated.
As a final result it can be mentioned that “the sanction appears to have caused a decline in trust in other people being internally motivated to cooperate” (Mulder et al., 2006, p. 158). But all of these results have to be used very carefully, because the underlying method has some major problems: First of all, the recipients for all three experiments were students and for that reasons they all have been very young to the survey date. According to that it is possible that those students have less life experience and that their experiences are quite similar to each other. Some simple facts encourage that assumption: Students meet students at university. According to the focus theory of Feld (1981) they are more likely to have students for friends because they have the opportunities to share the same time and place. And if people share the same business - like studying - and also share their free time this could somehow increase the general level of trust. Second, most students do not pay taxes. Therefore it is not very advisable to use these experiments for tax related statements. Of course, Mulder et al.’s work was not about paying taxes. But just in case that the above mentioned points about the negative effects of sanctions on trust and cooperation are true: What would be an adequate connection between trusting and taxpaying? This is the last topic of this chapter before we bridge the basic assumptions of trust with neuroeconomic findings about taxpayer’s behavior.
2.3. The relevance of trust for taxpaying
Beside the above described effects of trust its importance has been checked many times by many researchers. On the one hand citizens have to trust the tax collecting institutions and the way they use the taxes. This kind of trust is called trust in authorities and has been verified by Murphy (2004). It is combined with the trust in the way taxes are collected. In other words: Are the right people collecting the taxes, do they use them for appropriate and public matters and do they collect my money as fair as the money of the others? If someone does not believe in the right use of his taxes or the underlying procedure for collecting his money he has less reason to pay all the money he is asked to pay. According to Murphy (2004) the individual thoughts on the tax collecting authority may influence the
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personal decision about the total amount of paid taxes. On the other hand the three experiments above underlined the negative effects of sanctions on trust in other taxpayers. This may affect the individual taxing behavior: Am I as honest as others or not? Summarized there are two directions for trusting with different effects on the own taxpaying. One possible answer for the values of the different kinds of trust is given by the sociologist Paxton. She pointed out that there is no “[…] decline in associations or a general decline of trust in institutions” but a “[…] consistent decline in trust in individuals […]” (Paxton, 1999, p. 123). Hence it is possible that people think of others like we have learned in the studies above: They only pay taxes to avoid individual sanctions. This reduces faith in „good‟ behavior of the others. According to that most people should avoid or try to avoid taxes. But it is possible that the trust in authorities is combined with some other aspects of paying taxes that makes the people more willing to pay their taxes. For that reason it would be appropriate to focus on the individual relationship between the taxpayers and the tax collecting authority. For that purpose this paper continues with the neurological reactions of each individual on taxes and taxation systems.
3. Taxpaying: A neural determined matter?
To point out the evidence of neuroeconomics for psychological and economical research it is necessary to start with a short introduction in this deterministic science. “Neuroscience uses imaging of brain activity and other techniques to infer details about how the brain works” (Camerer et al., 2005, p. 9). The major aim is to draw an image of the automatic and non-automatic processes inside brains. If, for example, someone is in a dangerous situation with fire and is afraid of it, scientists would be able to see the local origins of this fear in his brain. This fear would be an automatic reaction to the external effect. Of course, the fear has to be learned by social interactions: If someone knows nothing about fire and its danger, why should he be afraid? But the most important point on this focus is that scientists are able to locate fear in the brain and to scan if someone is afraid in other situations with the same intensity or not. Furthermore it is possible to use this knowledge of effects and reactions inside the brain to predict someone’s behavior. One short example: It can be predicted whether a recipient is going to push a right or left button. The most stunning on that prediction is that it occurs before the recipient feels aware of his decision. (Soon et al., 2008, p. 543). Thus “neuroeconomic research can help us to understand the
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neural mechanisms that people use to make decisions, including those that relate to taxes” (Chorvat, 2007, p. 583). From that arise two questions for the context of taxation: [1] What is the internal and biological reaction for a person that has to pay his taxes? And furthermore: [2] What is an adequate method for collecting taxes, considering these neural responses? Of course, asking people for their opinion about taxes is one possible solution. But having a look inside skips the problems of social desirability and possibly wrong expressed emotions. It is just a view on the biological reaction. Therefore neuroeconomics is more than predicting behavior; it is the ability to proof sociological and psychological measured behavior. To answer these two questions this paper continues with Harbaugh et al’s. (2007) study about neural responses to taxation.
3.1. What our brain thinks about taxes
The study by Harbaugh et al. (2007) starts with a simple question: “Money is good, so why are people willing to give it away” (p. 1622). That question might be changed to another focus: What are the benefits of paying taxes - without considering possible sanctions. Above it is mentioned that taxes are important for public goods (Harbaugh et al., 2007, p. 1622) but that not all of us profit the same way from these public goods. If that is true, the use of paying taxes must be something beside and this study deals with these satisfactions by paying taxes. One satisfaction of taxation is the knowledge that public goods are established for the needy. This form of satisfaction is called “[…] pure altruism […]” (Harbaugh et al., 2007, p. 1622) and focuses mainly on the offered goods and not on the individual participation for them. But some people feel a “[…] warm glow […]” (Harbaugh et al., 2007, p. 1622) by offering voluntary gifts. Thus it is no form of altruism; it is more like some kind of response to the internal need to help. To keep it short and simple: Some people feel good by helping others and focus mainly on their own participation for that help.
Harbaugh et al. (2007) argue that other studies suggest focusing on the brain areas called „ventral striatum‟ and „insulae‟ that “[…] provide information on the relative rewards of different outcomes” (p. 1623) for money related decisions. These decisions were stipulated by one dictator game with real money that the recipients had to play. “Subjects received $ 100 and then made decisions about whether or not to give money to a local food bank” (Harbaugh et al., 2007, p. 1623). From this money the recipients had to pay taxes.
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Therefore they could not keep the whole $ 100. Furthermore the recipients knew about the level of support for this food bank through their taxes. Consequently they could have two possible opinions about that support: [1] Paying taxes is some kind of support for the food bank, thus they could keep their remaining money for their own. Or [2] the food bank needs a personal and voluntarily donation by the recipients. By making their decisions the participants have been scanned by a „functional magnetic resonance imaging‟ unit. Harbaugh et al. (2007) emphasized that the above mentioned brain-regions react quite similar to the different decisions (p. 1624). The reaction is for the voluntary donation a bit higher than for the donation detour the taxes but the second one still exists. That leads to the following assumption: Paying taxes affects the „warm-glow‟ feeling for taxpayers, because the above mentioned brain areas that show these reactions are responsible for awarding feelings and enjoyment.
Finally this neuronal insight is affected by some difficulties: Only 17 participants have been scanned and asked for their personal decision in this kind of dictator game. Even if they are randomized it is not only the small number crucial: All of them have been female and this could have influenced the results. Maybe women are more likely to feel the „warm-glow‟ than men are. Or women feel more responsible for social institutions and are more likely to donate. There could be a wide range of gender differences. But otherwise these results could be adequate for most women - that should be 50% of the citizenships within a country - and possibly for some men, too. Nevertheless this study offers information for the use of taxation methods and is complemented with external findings. Two non-neuroeconomic measurements confirm these results: First, during the study the recipients had to answer a survey about their subjective level of satisfaction according to their decision. This satisfaction occurs in both cases: The obligated and the voluntary donation (Harbaugh et al., 2007, p. 1624). Second, countries with lower levels of taxation like the United States of America record more voluntarily donations by their citizenships. Harbaugh et al. (2007) remind that “for example, taxation and government spending are lower in the United States than in most European countries, but philanthropy is higher” (p. 1622). There seems to be an internal motivation for doing „good things‟. Summarized it can be mentioned that paying taxes is some kind of satisfaction for the taxpayers - if they know about the essential need of taxation.
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3.2. Neural determination of financial risks
Another viewpoint at the relationship between neuroeconomics and financial decisions is presented by Chorvat (2007). Paying taxes is some kind of financial decision, because it affects less money in case of paying and the risk of being detected and punished for non- compliantbehavior. He also argues that “[…] standard models based on microeconomic assumptions are useful in many ways […]” (Chorvat, 2007, p. 577) but that they are not yet complete. Especially in case of risky financial decisions it is hard to find their origins with microeconomic tools. But it is well known that people differ in their willingness to take risks or to avoid them. Hence it is interesting to search for biological differences that determine that differences: Kuhnen and Chiao (2008) analyzed the genes of 65 participants of an investment game. The game was designed to measure risky financial behavior and allowed the participants to choose between dissimilar financial decisions with different levels of risk. For example they could choose a special kind of investment with higher results but less likelihood to occur. Previous studies in neuroeconomics indicated “[…] that brain regions containing a high density of dopamine and serotonin neurotransmitters play an important role in financial decision-making” (Kuhnen & Chiao, 2008, p. 2). These neurotransmitters affect mainly standardized reactions inside the brain: Serotonin for example is important for signaling that it is time to sleep. But all people have different capabilities to produce these neurotransmitters and this capability depends on the individual genetic code. In conclusion this study demonstrated that there is a strong and significant correlation between those genetic determined neurotransmitters and the chosen decision of the participants. In other words: “The current work […] reveals specific genetic determinants of financial choices” (Kuhnen & Chiao, 2008, p. 6) and some people are more likely to accept financial risks than others - only depending on their level of produced neurotransmitters. In the end these genetic determinants may also influence someone’s individual calculation of use in case of avoiding taxes: Some people are more ‘able’ to take risks into account and some of them are not.
4. Summary
At the beginning of this paper it has been shown that trust appears in two dimensions: Trust between the taxpayers and trust in the taxation authorities. Both kinds of trust were influenced by the used taxation method and sanctions decreased the level of trust and
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cooperation within people. Furthermore it leaded to someone’s intention that others may have egoistic attitudes in financial situations. Because scientists can see and interpret neural activity in financial contexts some neuroeconomic results were presented: In case of taxation an internal motivation to cooperate existed - if the need for the asked supplies is clear. Consequently it should not be necessary to threaten possible tax-evaders. Furthermore the process of making decisions is influenced by neurotransmitters. The level of neurotransmitters varies between persons and that differences allow predictions about the individuals‟ behavior, because each neurotransmitter has specific functions. It would be interesting to analyze the relationship between those neurotransmitters and the taxcompliance of the individuals. Perhaps future research can proof that those feel more comfortable by paying taxes that have less of the risk affecting neurotransmitters? But before this relationship is more elaborated, the taxation authorities should use the existing results: Instead of punishing those who try to avoid taxes, the taxation authorities should try to offer more information about what taxes are needed for and that the way they are collecting these taxes is fair for all of them. If they succeed in making the taxation authority a more trustworthy institution, the citizens might be more willing to pay taxes. But this depends on one change in the whole taxation system: First of all, the taxation authorities should start trusting the people!
5. List of literature
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Chorvat, T. (2007). Tax Compliance and the Neuroeconomics of Intertemporal Substitution. National Tax Journal. Volume 60. Number 3. 577-588.
Fehr, E. & Camerer, C. F. (2007). Social neuroeconomics: the neural circuitry of social preferences. TRENDS in Cognitive Sciences. Volume 11. Number 10. 419-427.
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Kuhnen, C. M. & Chiao, J. Y. (2008). Genetic determinants of financial risk taking. [in press; thanks to authors]
Mulder, L. B. & van Dijk, E. & De Cremer, D. & Wilke, H. A. M. (2006). Undermining trust and cooperation: The paradox of sanctioning systems in social dilemmas. Jorunal of Experimental Social Psychology. Volume 42. 147-162.
Murphy, K. (2004). The role of trust in nurturing compliance: a study of accused tax avoiders. Law and Human Behavior. Volume 28. 187-209.
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Torgler, B. & Schaltegger, C. A. (2005). Tax amnesties and political participation. Public Finance Review. Volume 33. 403-431.
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Arbeit zitieren:
Dennis Klinkhammer, 2009, Neuroökonomie in den Sozialwissenschaften, München, GRIN Verlag GmbH
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