2 Das Wirtschaftssystem YouTube
Zu Beginn dieses Kapitels wird zur Orientierung die Unternehmensgeschichte von YouTube umrissen, um nachfolgend das Finanzierungs- und Geschäftsmodell der Aktiengesellschaft nachvollziehen zu können. Darüber hinaus werden die Synergieeffekte die sich durch den Verkauf an Google ergeben haben aufgezeigt, da diese eine Relevanz für das Wirtschaften von YouTube darstellen.
2.1 Unternehmensgeschichte
Die Erfolgsgeschichte begann im Februar 2005 als die US-Informatiker Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim das Videoportal YouTube in Kalifornien gegründet und zunächst mit eigenen Videoclips 2 online gestellt haben. Es sollte eine Videoplattform entstehen, die durch das Hochladen von seinen Nutzern interaktiv genutzt werden sollte. Im Dezember 2005 gelang es den ehemaligen PayPal-Mitarbeitern den offiziellen Betrieb aufzunehmen 3 . Über die Webseite www.youtube.com konnte nun jeder, der über einen Internetzugang verfügt, kostenlos Videoclips zu unterschiedlichen Themen im Web hochladen, anschauen und über Websites, Mobilgeräte, Blogs und E-Mails weiterleiten und bewerten. Auf Grund der Interaktionsmöglichkeiten entsteht nicht nur eine Vielfalt an unterschiedlichen Videoclips, sondern auch ein Gemeinschaftscharakter. Denn neben dem Anschauen und Hochladen von Videoclips, bietet YouTube seinen Nutzern Zusatzleistungen, wie zum Beispiel Diskussionsforen, die Möglichkeit ein Profil zu erstellen, oder die Toolbox 4 , die das Onlineangebot noch attraktiver für die Zielgruppe der 18 - 55-jährigen 5 machen. Seit Juli 2006 hat YouTube die meisten Nutzer aller Web 2.0 Angeboten und überholte in diesem Zuge sogar den Giganten Myspace. Inzwischen werden täglich ca. 65.000 Videoclips online gestellt und ca. 100 Mio. Videoclips gesehen. Über 60% aller Online-Videos werden über YouTube angesehen, die restlichen 40% teilen sich Videoportale wie MyVideo, Clipfish, Revver, Metacafe, Yahoo!Video und Google Video 6 . So geht das Vorhaben der Gründer, das Portal erfolgreich zu machen und anschließend zu verkaufen auf, denn bereits im Oktober 2006 kauft Google seinen Konkurrenten für 1,65 Mrd. USD in Aktien 7 .
2 Videoclips zeichnen sich durch ihre Länge von bis zu maximal 10 Minuten aus.
3 vgl. Gottschalck. A. (2006). Investoren-Legende Sequoia - Reibach mit YouTube und Google.
4 Die Toolbox ist ein Werkzeug und bietet Ratschläge zu Regie, Dreh und Schnitt.
5 vgl. YouTube (2008). Demografische Daten.
6 vgl. hda/Reuters/dpa (2006). Videodownloads pro Tag - YouTube knackt 100-Millionen-Marke.
7 vgl. heise.de (2006). Google kauft Online-Video-Seite YouTube.
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2.2 Finanzierungsmodell
Um das Unternehmen zum Erfolg zu führen waren hohe Investitionskosten notwendig, die nicht durch Eigenkapital gedeckt werden konnten. Deshalb bemühten sich die Gründer um Kredite. Allgemein können Kredite als langfristiges oder kurzfristiges Fremdkapital bilanziert werden. Für das Onlineportal kam aber auf Grund von fehlenden Einnahmequellen nur eine langfristige Finanzierung von außen in Frage, und dafür mussten Kapitalgeber gefunden werden. Wenn eine Existenzgründung oder ein unternehmerisches Projekt zwar riskant ist, aber auch überdurchschnittliche Chancen birgt kommen zur Finanzierung private Kapitalbeteiligungsgesellschaften, so genannte Venture Capital-Gesellschaften in Betracht. Sie sind bereit hohe Summen einzusetzen, erwarten aber auch eine entsprechend hohe Rendite. Ihr Vorteil liegt in ihrer hohen Finanzierungskompetenz und Finanzkraft. Venture Capital-Gesellschaften sammeln Kapital von risikofreudigen Anlegern und prüfen die Geschäftsidee und die beteiligten Personen sehr genau, bevor sie sich finanziell engagieren 8 . Die Unternehmensgründung des Videoportals YouTube wurde auf Grund seines Konzeptes von der US-Risiko-Kapitalgesellschaft Sequoia Venture Capital durch Investitionskredite finanziert. Insgesamt erhielt das Unternehmen YouTube von Sequoia Venture Capital Finanzierungshilfen im Wert von 11,5 Millionen USD, die als langfristig angelegtes Fremdkapital zu verzeichnen sind. Die Kredite und Renditen konnten allerdings bis zum Verkauf nicht beglichen werden. Trotz der finanziellen Lage bekam Google den Zuschlag und kaufte YouTube für 1,65 Mrd. USD in Aktien im Oktober 2006. Die 1,65 Mrd. USD in Aktien flossen somit als Eigenkapitalanlage in das Unternehmen YouTube 9 . Doch mit zunehmender Popularität und wachsender Datenmenge kalkuliert das Onlineportal mit weiteren Investitionskosten für technische Ausrüstungen und Bandbreite. Wie das Unternehmen die Kosten für die technische Infrastruktur kalkuliert, soll hier anhand eines Rechenbeispiels untersucht werden. Wie bereits oben erwähnt, gibt YouTube an, täglich 100 Mio. Videoabrufe zu haben. Um die Kosten möglichst genau zu schätzen, soll als Rechenexempel ein Video von durchschnittlich 2 MB 10 dienen. Multipliziert man dies mit den täglichen Videoabrufen, erhält man einen 200.000 GB großer Datenstrom (Traffic) pro Tag.
8 vgl. Schulte, C. (2005). Corporate Finance - Die aktuellen Konzepte und Instrumente im Finanzmanagement, S. 256.
9 vgl. Fußnote 6.
10 MB: Megabyte als Einheitsgröße von Daten.
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Veranschlagt man einen durchaus realen Trafficpreis von ca. USD 0,20, so würde YouTube alleine an einem Tag Kosten in Höhe von USD 40.000 entstehen 11 . Pro Monat also USD 1.200.00, jährlich USD 14.400.000. Darüber hinaus muss man sich jedoch auch noch die Hostinggebühren betrachten 12 . Wiederum dient als Rechenbeispiel ein 2 MB großes Video. YouTube gibt an, 65.000 Videouploads pro Tag zu verzeichnen 13 . Somit kommt man auf ein Hosting-Volumen von 130 GB. Um diese zu speichern, benötigt YouTube täglich zwei Web-Server von 70 GB Speicherkapazität bei einer durchschnittlichen monatlichen Miete von USD 20 14 . Diese Kosten entstehen lediglich bei einem 2 MB großen Video. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass es auch möglich ist ein Videoclips bis zu einer Größe von 100 MB hochzuladen. Somit sind die Kosten unseres Rechenbeispiels vorsichtig geschätzt.
Es bleibt jedoch abschließend Festzuhalten, dass für YouTube bereits hohe Kosten, sowohl für das Abrufen, als auch das Hochladen neuer Videos entstehen, die Personalkosten, sowie die Kosten für die technologischen Weiterentwicklungen sind hierbei noch nicht berücksichtig. Diese können aber laut der Frankfurter Allgemeinen bis zum derzeitigen Stand nicht durch Einnahmen und auch nicht vollständig durch die aufgenommen Kredite und die Einlagen durch Google gedeckt werden. Deshalb wird YouTube über die Einlagen hinaus bis heute durch Google querfinanziert. Die beschriebenen Finanzierungen zählen in der Betriebswirtschaftlehre zur Außenfinanzierung. Im Gegensatz zu der Außenfinanzierung steht die Innenfinanzierung. Bei der Innenfinanzierung stammt das Kapital aus dem Umsatzprozess des Unternehmens. Sie kann durch Einbehalten der erwirtschafteten Gewinne oder durch Freisetzung von Kapital geleistet werden 15 . Es fließen dem Unternehmen also keine Mittel von außen zu, sodass auch keine Ansprüche von außen an das Unternehmen gestellt werden können. Auf diese Weise können nicht nur Steuern gespart, sondern auch die Zinszahlungen eingespart werden. Doch obwohl die Videoplattform mit ihrem Geschäftsmodell das populärste Portal im Internet ist und von brandchannel.com zu einer der weltweit einflussreichsten Marken erklärt worden ist 16 , erwirtschaftet das Unternehmen keine Gewinne und gerät in die Gefahr der Überschuldung.
11 Preis unter Berücksichtigung eines Mengenabschlags veranschlagt, https://www.server4you.de/.
12 Hostinggebühren sind Gebühren, die für das Speichern von Daten auf Servern entstehen.
13 vgl. Fußnote 6.
14 vgl. Fußnote 10.
15 Heinen, E. (1991). Industriebetriebslehre - Entscheidungen im Industriebetrieb. S. 140.
16 vgl. Zumpano, A. (2007). Similar Search Results: Google Wins.
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2.3 Geschäftsmodell
Für das Videoportal ist es von außerordentlicher Bedeutung, ihrem Grundsatz kostenfrei Videoclips auf dem Portal anzubieten, zu folgen und ausschließlich über Werbeangebote zu wirtschaften 17 , der nahe liegendsten Erlösquelle des Web 2.0. Doch erst seit der Übernahme durch Google, gibt es Werbung auf der Videoplattform YouTube. Im Vorfeld hatte das Unternehmen online Befragung durchgeführt, die ergaben, dass 73 Prozent der Nutzer Werbung im Gegenzug für einen kostenfreien Service akzeptieren würden 18 . Auf Grund dieses Ergebnisses wurde in den USA ein Werbekonzept eingeführt, das laut YouTube bald auch nach Europa kommen wird 19 . Da YouTube mit rund 100 Millionen Nutzern über eine enorme Reichweite verfügt, bietet YouTube Werbetreibenden die Möglichkeit eine große Masse anzusprechen. Auf Anfrage teilte der Konzern mit, dass eine Werbeschaltung generell ab 50.000 USD für einen Zeitraum von 90 Tagen möglich sei 20 . Der Werbetreibende kann sich aus einem online Videokatalog zwischen den folgenden Werbeformen entscheiden, dessen Kosten in den Mediadaten nicht veröffentlicht werden. Zum einen besteht die Möglichkeit Standard Banner oder sogenannte Rich Media Ads 21 zu buchen, die waagerecht oder senkrecht auf der Homepage platziert werden. Auch können VideoAds gebucht werden, die Unternehmen die Möglichkeit geben einen Werbeclip online zu stellen, der ohne angeklickt zu werden am Seitenrand abgespielt wird. Einer der effektivsten Werbeformen bietet YouTube jedoch mit den erweiterten und kostenintensiveres mittig positionierten VideoAds. Denn das unternehmenseigene Video wird mittig auf der Seite der Videokategorienauswahl und der Suchergebnisseite gezeigt und trifft dort auf eine enorme Reichweite. Seit Mai 2007 hat YouTube eine weitere Werbeform erschlossen. Durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen und Benutzern ist es nun möglich zielgruppenfokusiert auch innerhalb der Videos Werbung zu schalten 22 . Ziel war es neben und in den Videoclips, die eine große Reichweite versprechen, noch effektiver Werbung schalten zu können. Innerhalb der Videoclips können nun so genannte Flash Overlays, die ca. 20 % des Videoplayers in Anspruch nehmen,
17 vgl. YouTube (2007). Geschichte des Unternehmens.
18 vgl. claf/dpa/Reuters (2007). Neue Strategie - YouTube zeigt Werbung in Videos.
19 vgl. heise.de (2007). YouTube baut Inhalte-Partnerschaften weiter aus.
20 Anfrage von Sandra Yvonne Richter. Antwort des Konzerns per Email am 1.04.2008.
21 Rich Media Ads ist ein von YouTube eingeführter Begriff, der Werbanzeigen der Größe 300 x 250 oder 160 x 600 Pixel beschreibt. Vgl. YouTube. Rich Media Ads.
22 vgl. Fußnote 17.
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Arbeit zitieren:
Sandra Yvonne Richter, 2008, Finanzierungsmöglichkeiten von YouTube, München, GRIN Verlag GmbH
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