1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Abwehrmechanismus nach Freud, wobei sie sich lediglich auf den Mechanismus der Verdrängung bezieht. Um dem Leser vorab einen genaueren Überblick über die Thematik zu verschaffen wird zunächst die Gliederung der Hausarbeit veranschaulicht. Einführend wird das Thema der Verdrängung anhand eines Beispiels dargestellt, um ein Bezug zum Alltag herzustellen und dem Leser den Einstieg in die Thematik zu erleichtern. Anschließend werden zwei Persönlichkeitsmodelle von Freud dargestellt, welche die psychischen Prozesse des Menschen beschreiben. Im Anschluss dazu wird der Vorgang der Verdrängung und seine Funktion dargestellt und kurz erläutert. Der Verdrängungsmechanismus wird mit Hilfe zahlreicher Untersuchungen wissenschaftlich belegt, wobei sich die folgende Ausarbeitung ausschließlich auf ein Experiment bezieht, welches die Gültigkeit der Verdrängung nach Freud unterstützen soll. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch in der kritischen Betrachtung dieser wissenschaftlichen Untersuchung. Leitende Fragen werden sein, ob der Vorgang der Verdrängung nach Freud heute noch gültig ist und inwiefern wissenschaftlich relevante Untersuchungen als Indiz für die Existenz der Verdrängung nach Freud gelten können. Ich habe mich bei einer Arbeit für das Thema Verdrängung entschieden, weil der Begriff in der heutigen Gesellschaft zu einem gebräuchlichen Ausdruck geworden ist, der allerdings nur sehr oberflächlich definiert wird. Die vorliegende Arbeit wird den psychologischen Vorgang der Verdrängung näher beleuchten und prüfen, ob empirische Belege zum Verdrängungsprozess als valide bezeichnet werden können.
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2. Verdrängung nach Freud Die nachfolgenden Abschnitte veranschaulichen den
Verdrängungsprozess im Sinne der Psychoanalyse nach Sigmund Freud. Als Erstes sollen die wesentlichen Elemente der Psychoanalyse, sprich das topographische Modell und das Instanzenmodell zusammengefasst dargestellt werden, da diese in Hinblick auf den Verdrängungsvorgang besonders relevant sind. Im Anschluss dazu wird der Prozess und die Funktion der Verdrängung beschrieben und erläutert.
2.1. Das topographische Modell
Das Verhalten des Menschen wird durch die bewussten, vorbewussten und unbewussten Anteile seiner Persönlichkeit beeinflusst. Das topographische Modell stellt das Persönlichkeitsmodell dar, welches diese drei unterschiedlichen „psychischen Systeme[n]“ unterscheidet (Freud 1982, S.132). Psychische Inhalte werden nach Freud somit durch das topographische Modell hinsichtlich des Grades ihrer Bewusstheit klassifiziert (Freud 1982, S.131-135). Das Bewusste umfasst alle bewussten Wahrnehmungen und Gedanken, die augenblicklich erfasst werden können. Das Vorbewusste stellt Erinnerungen und Wissensinhalte dar, die der Mensch aktiv in einer bestimmten Situation aufrufen kann, die ihm sonst aber nicht bewusst sind. Das heißt, dass Vorbewusste „kann […] ohne besonderen Widerstand beim Zutreffen gewisser Bedingungen Objekt des Bewusstseins werden.“ (Freud 1982, S. 132). Das Unbewusste umfasst oft unangenehme und angstbesetzte Erinnerungen oder unerlaubte Triebe, die aus dem Bewusstsein verdrängt werden. Nach Freud handelt es sich hierbei insbesondere um „Triebrepräsentanz[en]“ (Freud 1982, S.77), denen die Übernahme ins Bewusste versagt wird. Der Begriff Triebrepräsentanz meint die Vorstellung, die den Trieb repräsentiert, da der Trieb selbst nie Objekt des Bewusstseins werden kann (Freud 1982, S.77). Im Gegensatz zum Bewussten und Vorbewussten handelt es sich beim Unbewussten also um psychische Inhalte, die nicht ohne Weiteres ins Bewusstsein treten können. Das Ziel
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der Psychoanalyse ist es diese verdrängten und abgewehrten Inhalte bewusst zu machen. Der Zensor ist hierbei dafür verantwortlich, den Übergang bestimmter psychischer Inhalte in das Bewusstsein zuzulassen oder aber zu verweigern. Das heißt psychische Inhalte durchlaufen eine Art Prüfung, die von Freud als Zensur bezeichnet wird. Dieser Zensor entscheidet letztlich, ob Unbewusstes ins Bewusstsein gelangt oder weiterhin verdrängt wird und unbewusst bleibt.
2.2. Das Instanzenmodell
Ein weiteres Modell der menschlichen Psyche ist das Drei-Instanzen-Modell von Freud, welches drei verschiedene psychische Instanzen differenziert: Das Es, Über-ich und Ich. Diese drei Instanzen stellen ein „Gewirr von Impulsen [dar], die unabhängig voneinander zur Ausführung drängen“ (Freud 1982, S.278). Im Folgenden wird eine kurze Definition der drei oben erwähnten Instanzen gegeben, wobei sich die Ausarbeitung lediglich auf die für das Thema Verdrängung relevanten Informationen beschränkt.
Das Es ist eine angeborene Instanz der Seele, da sie von Geburt an vorhanden ist und die psychischen Repräsentanten der Triebe umfasst. Das Es handelt stets nach dem Lustprinzip und strebt eine unmittelbare Befriedigung der Triebwünsche an. Bei diesen Trieben handelt es sich primär um sexuelle und aggressive Bedürfnisse, die nach sofortiger Befriedigung drängen (Fanai 1977, S.39-41). Das Es enthält die treibende Kraft der Persönlichkeit und veranlasst den Menschen zu den verschiedensten Handlungen, wobei die Impulse des Es stets im Unbewussten bleiben (Fanai 1977, S.44). Das Über-ich bezeichnet jene Instanz, die im Gegensatz zum Es nicht angeboren ist, sondern die sich im Laufe der Sozialisation entwickelt. Das Über-ich umfasst gesellschaftliche Normen und Werte, die den Menschen in seinen moralischen Vorstellungen beeinflussen. Da es hauptsächliche durch Verbote und Gebote geprägt ist, steht es im totalen Gegensatz zum Es, welches ohne Rücksicht auf Werte und Normen den ständigen Lustgewinn anstrebt. Das Ich stellt diejenige Instanz dar, die die Gebote des
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Gewissens, die Impulse der Triebe und die Forderungen der Gesellschaft miteinander vereinigt (Fanai 1977, S.40). Man kann also sagen, dass das Ich ständig darum bemüht ist, zwischen den Trieben des Es und den Werten und Normen des Über-Ich, unter Berücksichtigung der Realität, zu vermitteln. Das Ich hat als einzige dieser drei Instanzen den Bezug zur Realität und entscheidet anhand von Erfahrungen und Situationen welche Ansprüche der beiden Instanzen Es und Über-Ich zugelassen werden können und welche mit Hilfe von Abwehrmechanismen verweigert werden müssen. In Hinblick auf das Topographische Modell lässt sich entnehmen, dass das Ich hauptsächlich bewusste Anteile umfasst, da es durch das Denken und die Wahrnehmung geprägt ist und in der Lage ist, kritisch zu reflektieren.
2.3. Die Verdrängung
Bevor nun der Vorgang der Verdrängung dargestellt und ihre Funktion beschrieben wird, werden vorab die zwei Phasen im
Verdrängungsvorgang nach Freud (1982, S.109 ff) kurz veranschaulicht. Die erste Stufe der Verdrängung ist die Urverdrängung. Sie besteht darin, dass der psychischen Triebrepräsentanz die Übernahme ins Bewusstsein versagt wird. Bei der zweiten Stufe der Verdrängung, auch eigentliche Verdrängung genannt, versuchen Inhalte die in der ersten Stufe verdrängt wurden, durch Assoziationen mit anderen Repräsentanzen in Verbindung zu geraten und ins Bewusstsein einzudringen. Beim Akt der Verdrängung sind also zwei Kräfte gleichzeitig am Werk: Eine Abstoßung des Bewusstseins und eine Anziehung des Unbewussten auf die zu verdrängende Triebrepräsentanz.
Freud sagt, dass das Wesen der Verdrängung „in der Abweisung und Fernhaltung vom Bewußten besteht.“ (Freud 1982, S.108). Von Anna Freud wird dieser Vorgang als „Schutz des Ichs gegen Triebansprüche“ (Anna Freud 1978, S.35) bezeichnet. Verdrängung ist ein elementarer Abwehrmechanismus des Ichs und meint somit das Verschieben von Triebimpulsen aus dem Bewusstsein (Fanai 1977, S.66). Eine Verdrängung setzt sich also dann in Gang, wenn unbeliebte
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Arbeit zitieren:
Melisa Iscanoglu, 2009, Verdrängung - Der Mechanismus der Verdrängung nach Freud, München, GRIN Verlag GmbH
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Erziehung in Hermann Hesses "Glasperlenspiel"
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