Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 4
2. Tabu. 5
3. Euphemismus 7
3.1 Definition des Begriffes 7
3.2 Funktionen von Euphemismen. 7
3.2.1 Funktion des Verhüllens. 8
3.2.2 Funktion des Verschleierns 8
3.3 Bildungsweisen von Euphemismen 9
3.3.1 Metapherneuphemismus. 10
3.3.2 Litotes. 10
3.3.3 Aspektbetonung. 11
3.3.4 Verallgemeinerung 11
3.3.5 Leerformeln. 11
3.3.6 Fremdwörter 12
3.3.7 Auslassungen. 12
3.3.8 Abkürzungen 12
3.3.9 Lautliche Veränderungen 13
3.3.10 Striche und Pünktchen. 13
3.3.11 Nulleuphemismen. 13
3.3.12 Kennzeichnung. 13
3.4 Langue- und Parole-Euphemismen 14
3.4.1 Parole Euphemismen. 14
3.4.2 Langue-Euphemismen. 14
4. Dysphemismus 14
5. Vorstellung der untersuchten Zeitschriften 15
5.1 Frauenzeitschriften 15
5.1.1 Bien dans ma vie 15
5.2 Männerzeitschriften. 16
5.2.1 Men’s Health 16
6. Darstellung der Methoden der Untersuchung 16
6.1 Kritische Betrachtung der verwendeten Methoden. 18
2
7.Analyse der Verwendung von Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von
Sexualit ät in den Zeitschriften. 18
7.1 Frauenzeitschriften 19
7.1.1 Bien dans ma vie 19
7.1.2 Schlussfolgerungen 24
7.2 Männerzeitschriften. 25
7.2.1 Men’s Health 25
7.2.2 Schlussfolgerungen 30
8. Vergleich der Frauen- und Männerzeitschrift bei der Verwendung von Euphemismen. 30
9. Literaturverzeichnis. 32
Anhang 1: Euphemismen und nicht-euphemisierte Ausdrücke in der Frauenzeitschrift „Bien
dans ma vie“ 34
Artikel 1: Envie d’un (de) plus. 34
Artikel 2: Etes-vous prête pour une aventure sans suite? 37
Artikel 3: Passez votre petite annonce érotique 39
Artikel 4: Questions / Réponses 40
Anhang 2: Euphemismen und nicht-euphemisierte Ausdrücke in der Männerzeitschrift
„Men’s Health“ 41
Artikel 1: T’es beau quand tu me fais l’amour 41
Artikel 2: Allô, Dr Sexe? 43
Artikel 3: J’ai organisé des partouzes 44
Artikel 4: Les femmes: les seduire en restant soi-même. 46
Artikel 5: Inoubliable 47
Artikel 6: Le jour où j’ai donné mon sperme 49
3
1. Einleitung
Auch in der heutigen Gesellschaft Frankreichs existieren noch viele Tabus in den unterschiedlichsten Bereichen, die von den meisten Mitgliedern der Gemeinschaft respektiert werden. Tabuisiert werden insbesondere Bereiche, deren „unverblümtes Aussprechen obszön, verletzend oder erniedrigend auf den Mitmenschen wirkt“. 1 Zur Umgehung von Tabus kommt den Euphemismen eine wichtige Rolle zu. „Wo Euphemismen sind, müssen auch Tabus sein und umgekehrt. Euphemismen sind die andere Seite der Tabu-Medaille.“ 2 Euphemismen können also als sprachliche Reaktionen auf gesellschaftlich geltende Tabus angesehen werden und stellen damit auch eine gesellschaftliche Erscheinung dar. Diese beschönigenden Ausdrücke werden zur Umschreibung anstößiger oder unangenehmer Gegenstände oder Sachverhalte verwendet und ermöglichen somit die Kommunikation über tabuisierte Themen.
Einen sehr großen Tabubereich stellt nach wie vor der sexuelle Bereich dar. Zwar nimmt das Thema Sexualität einen breiten Raum in allen Medien (Fernsehen, Zeitschriften, Zeitungen, etc.) ein, wodurch man annehmen könnte, dass in den letzten Jahrzehnten in diesem Bereich eine gewisse Enttabuisierung stattgefunden hat, jedoch wird dieses Thema sprachlich zum großen Teil noch verhüllt. Darauf weisen u. a. die vielen Euphemismen hin, die den Bereich der Sexualität betreffen.
Vor diesem Hintergrund soll in dieser schriftlichen Arbeit, nach der Abhandlung des theoretischen Hintergrundes, jeweils eine französische Frauen- und Männerzeitschrift auf die Verwendung von Euphemismen im Bereich der Sexualität untersucht werden. Es soll analysiert werden, ob und wenn ja welche Euphemismen zur Darstellung und Beschreibung von Körperlichkeiten, Körperteilen und sexuellen Handlungen verwendet werden, um damit Rückschlüsse auf den Grad der Tabuisierung dieses Themas ziehen zu können. Es soll also eine Aussage darüber gemacht werden, ob bzw. inwieweit eine Enttabuisierung in diesem Bereich stattgefunden hat. Des Weiteren sollen die sprachlichen Verfahren der Euphemismenbildung, die zuvor theoretisch dargestellt werden, an den praktischen Beispielen angewendet werden.
1 Balle, 1990, S. 183.
2 Ebd., S. 177.
4
Im Anschluss daran soll ein Vergleich zwischen der analysierten Frauen- und Männerzeitschrift im Hinblick auf den Gebrauch von Euphemismen gezogen werden. Leitfragen, die bei diesem Vergleich von Interesse sein könnten, sind: Gibt es in Quantität und Qualität geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Verwendung von Euphemismen im sexuellen Bereich? D.h. es soll zum einen untersucht werden, ob Frauen häufiger Euphemismen verwenden als Männer oder umgekehrt, und zum anderen, ob Frauen andere Euphemismen als Männer benutzen. Es soll auch eine Aussage darüber gemacht werden, ob der Bereich der Sexualität für ein bestimmtes Geschlecht ein größeres Tabuthema darstellt als für das andere. Nach Untersuchung dieser Fragestellungen soll auch geklärt werden, woraus eventuelle Unterschiede beim Euphemismengebrauch von Männern und Frauen zurückzuführen sind.
Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Im zweiten Kapitel wird zunächst der Begriff des Tabus definiert. Im Anschluss daran (Kapitel 3) wird der Begriff des Euphemismus definiert und auf seine zwei Hauptfunktionen eingegangen. Das Kapitel beschäftigt sich außerdem mit den verschiedenen sprachlichen Bildungsmöglichkeiten von Euphemismen und dem Unterschied zwischen langue- und parole-Euphemismen. Im vierten Kapitel soll der Begriff „Dysphemismus“ kurz definiert werden. Nach der kurzen Vorstellung der untersuchten Frauen- und Männerzeitschrift in Kapitel 5 setzt sich das sechste Kapitel mit den für die Untersuchung verwendeten Methoden und ihren Grenzen auseinander. Schließlich erfolgt in Kapitel 7 die Analyse der gefundenen Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von Sexualität in den beiden ausgewählten Zeitschriften. Wie oben bereits beschrieben, soll im achten Kapitel abschließend ein Vergleich der Frauen- und Männerzeitschrift bei dem Gebrauch von Euphemismen vorgenommen werden und auf mögliche Gründe bei eventuellen geschlechtsspezifischen Unterschieden hinsichtlich ihrer Verwendung eingegangen werden.
2. Tabu
Auf eine ausführliche Darstellung der Entstehungsgeschichte der Bezeichnung und des Begriffs „Tabu“ möchte ich an dieser Stelle verzichten, da dieses für meine Hausarbeit von untergeordneter Bedeutung ist. Stattdessen möchte ich mich darauf beschränken, eine zeitgenössischere Definition des Begriffes zu geben, um davon ausgehend auf die unterschiedlichen Tabutypen und schließlich das sprachliche Tabu zu sprechen zu kommen.
5
Der Große Herder 3 definiert den Begriff „Tabu“ allgemein als „ein in einer menschlichen Gruppe geltendes Gebot religiösen Ursprungs, das Berühren, Gebrauch, Anblick, Nennung, usw. bestimmter Personen oder Sachen verbietet“. Diese Definition weist auf die verschiedenen Tabutypen hin, die unterschieden werden können und die in einem engen Zusammenhang zueinander stehen: 4 Objekttabus (tabuisierte Gegenstände, Institutionen und Personen) und Tattabus (tabuisierte Handlungen) erzeugen einerseits Kommunikationstabus (tabuisierte Themen), Worttabus (tabuisierter Wortschatz) und Bildtabus (tabuisierte Abbildungen), werden aber gleichzeitig von letzteren begleitet und abgesichert. Kommunikations-, Wort- und Bildtabus werden ihrerseits durch Gedankentabus (tabuisierte Vorstellungen) und Emotionstabus (tabuisierte Emotionen) gestützt. Diese Unterteilung zeigt sehr gut die Zusammenhänge und Abhängigkeiten, die zwischen den einzelnen Tabutypen bestehen.
Im Hinblick auf diese schriftliche Arbeit, in der es ja primär um sprachliche Tabus (Worttabus und Kommunikationstabus) und deren Umgehung gehen soll, ist es meines Erachtens wichtig, sich bewusst zu machen, dass hinter sprachlichen Tabus immer Objekt-und Tattabus stehen, die von der jeweiligen Gesellschaft auferlegt wurden. Tabus sind also zeit- und gesellschaftsspezifisch. 5
Bei der Achtung der Tabus spielt in unserer heutigen Gesellschaft die Angst eine Rolle, „Aufsehen, Peinlichkeit, Scham oder Verletzung“ 6 zu erregen. Insbesondere was den Bereich der Sexualität angeht, spielen diese Motivationen eine Rolle.
Nachdem nun der gesellschaftliche Hintergrund sprachlicher Tabus geklärt wurde, ist es sinnvoll, den Begriff des „Tabuwortes“ zu definieren, da er wegen seiner engen Beziehung zu Euphemismen in dieser Hausarbeit von Bedeutung ist.
Bei einem Tabuwort handelt es sich um einen Ausdruck, der häufig „aus dem religiösen, politischen oder sexuellen Bereich“ 7 stammt und aufgrund bestimmter Anschauungen oder „sittlicher und konventioneller Schranken“ 8 nicht ausgesprochen werden darf. In direktem Zusammenhang mit dem Tabuwort steht der Euphemismus, da er dazu dient, die „verbotenen“ Wörter zu ersetzen und so eine Verständigung zu ermöglichen.
3 zitiert nach Luchtenberg, 1985, S. 13.
4 Vgl. Schröder, 1997, S. 6.
5 Vgl. Balle, 1990, S. 177.
6 Ebd., S. 20.
7 Glück, 2000, S. 720.
8 Dudenredaktion, 1990, S. 764.
6
3. Euphemismus
3.1 Definition des Begriffes
Für den Begriff „Euphemismus“ gibt es eine Vielzahl von Definitionsansätzen, die alle unterschiedliche Aspekte des Begriffes herausstellen. Im Folgenden werde ich mich deshalb nicht auf eine Definition stützen, sondern die mir am wichtigsten erscheinenden Gesichtspunkte aus verschiedenen Quellen wiedergeben, um möglichst viele Dimensionen dieses Begriffes zu erfassen.
Der Begriff „Euphemismus“ lässt sich etymologisch auf das griechische „euphemismos“ zurückführen 9 , das so viel heißt wie „angenehme Worte gebrauchen“ oder „günstig reden“. Euphemismen werden auch als „Hüllwörter“ oder „Verhüllung“ bezeichnet, da sie „in Folge gesellschaftlicher, ideologischer oder religiöser Konventionen das Bezeichnete beschönigen“ 10 , umschreiben, andeuten oder gar unkenntlich machen 11 und damit verhüllen. In der Politik und Wirtschaft werden Euphemismen häufig als Mittel beabsichtigter Sprachlenkung eingesetzt, indem sie Tatsachen verschleiern. Auch in der Werbung sind sie zu finden, wo sie der sprachlichen Manipulation dienen. 12 Euphemismen können daneben überall in zwischenmenschlicher Kommunikation festgestellt werden.
3.2 Funktionen von Euphemismen
Im Hinblick auf die Vielzahl von Definitionen unterscheidet S. Luchtenberg zusammenfassend zwei verschiedene Hauptfunktionen von Euphemismen, die sich aus den zwei unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten der Manipulation und der Tabuisierung ergeben: verhüllende und verschleiernde Funktion. 13 Diese Einteilung ist insofern problematisch, weil die Bedeutungen der Adjektive „verhüllend“ und „verschleiernd“ fast synonym sind. Trotzdem erscheint mir diese Einteilung sinnvoll, weil dadurch die beiden kommunikativen Funktionen des Euphemismus sehr gut beschrieben werden. S. Luchtenberg betont außerdem, dass die Funktion von Euphemismen sowohl von der Seite des Sprechers und seinen Absichten, als auch von der Seite des Hörers und seinen Erwartungen bzw. der Wirkung auf ihn betrachtet werden muss. 14
9 Balle, 1990, S. 177.
10 Glück, 2000, S. 197.
11 http:// wikipedia.org/wiki/Euphemismen
12 Vgl. Luchtenberg, 1985, S. 19.
13 Vgl. ebd., S. 18ff.
14 Ebd., S. 167.
7
3.2.1 Funktion des Verhüllens
Verhüllende Euphemismen dienen dazu, einen für den Sprecher oder Hörer unangenehmen Sachverhalt entweder in abgemilderter Form darzustellen oder ihn durch einen „unbeanstandeten Aspekt“ zu bezeichnen. Dabei können individuelle oder gesellschaftliche Tabus eine Rolle spielen. 15
In jeder Gesellschaft existieren Normen und Konventionen, die sich auf Dinge, Vorgänge oder Sachverhalte beziehen können, die zu meiden sind. Die Umgehung dieser Tabuthemen zur Einhaltung bzw. Achtung der Konventionen wird also quasi gesellschaftlich verlangt, was sich auf sprachlicher Ebene in Form von euphemistischen Verhüllungen widerspiegelt. Indem nämlich ein Euphemismus verwendet wird, wird nach S. Luchtenberg das Gewicht auf einen gesellschaftlich unproblematischen Aspekt gelegt, der ermöglicht, dass die Konvention eingehalten wird und die Unterhaltung über das Tabuthema fortgesetzt werden kann. 16 Verhüllende Euphemismen ermöglichen also eine Kommunikation über Dinge und Sachverhalte, die einem Tabu unterliegen, ohne die Gefühle und Wertvorstellungen des Hörers bzw. seine eigenen zu verletzen. Damit stellen sie eine „sprachliche Rücksicht“ auf die Interessen von Sprachteilnehmern dar. Es kann dabei laut S. Luchtenberg auch von einer „Gleichberechtigung zwischen Sprecher und Hörer“ ausgegangen werden, wenn beide das Tabu anerkennen und demzufolge entsprechend euphemisierte Ausdrücke verwenden. Der Gebrauch von Euphemismen trägt schließlich auch zur Aufrechterhaltung solcher gesellschaftlicher Tabu-Konventionen bei und stellen damit ein „konservierendes Sprachphänomen“ dar. 17
3.2.2 Funktion des Verschleierns
Um eine klare Abgrenzung zu den verhüllenden Euphemismen zu erreichen, steht der Aspekt der Einhaltung bestimmter Normen durch die Umgehung bestimmter Tabus und die damit einhergehende Schonung des Hörers bei den verschleiernden Euphemismen in ihrer Reinform im Hintergrund.
Verschleiernde Euphemismen dienen in erster Linie den Interessen des Sprechers, denn sie haben die Absicht, die Meinung des Hörers in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. 18 Dabei wird die Aufmerksamkeit des Hörers auf die Teile eines Sachverhaltes gelenkt, von denen der Sprecher annimmt, dass sie sein Anliegen in einem günstigeren Licht erscheinen
15 Vgl. ebd., S. 167. 16 Vgl. ebd., S. 168.
17 Vgl. ebd., S. 168ff.
18 Vgl. ebd., S. 173ff.
8
lassen. 19 Diese sprachstrategische Aktion seitens des Sprechers, der ein gewisser manipulativer Charakter nicht abzusprechen ist, kann aus unterschiedlichsten Motiven erfolgen, die im Einzelnen aus dem Kontext ersichtlich werden. Welche Wirkung verschleiernde Formulierungen auf den Hörer haben, hängt zum einen davon ab, in welchem Verhältnis letzterer zu dem Sprecher steht. Die Gefahr einer sprachlichen Manipulation besteht besonders dann, wenn der Hörer in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Sprecher steht und die vom Sprecher stammende Information lediglich ungeprüft hinnimmt und nicht auf ihren Wahrheitsgehalt kritisch überprüft. Das gleiche gilt in noch stärkerem Maße für Meinungslenkungen, die auf mangelndem Wissen bzw. ungenügender Sachkenntnis oder fehlendem Sprachbewusstsein aufbauen, bei denen die Realitäts- oder Tatsachenveränderung ebenfalls nicht erkannt wird. 20
Wie bereits oben angemerkt, sind Verschleierungsmechanismen insbesondere in Politik, Wirtschaft und der Werbung zu finden.
Zuletzt soll noch angemerkt werden, dass die zwei verschiedenen Arten von Euphemismen mit den Hauptfunktionen des Verhüllens und des Verschleierns in der Wirklichkeit oftmals nicht in ihrer Reinform auftreten. Aus der Vielfalt kommunikativer Prozesse ergeben sich zahlreiche Übergänge und Mischformen.
3.3 Bildungsweisen von Euphemismen
Bei der Bildung von Euphemismen muss auf das in einer Sprachgemeinschaft zur Verfügung stehende Sprachmaterial zurückgegriffen werden.
Die meisten Euphemismen sind nicht allein als Euphemismen zu verstehen, sondern sie weisen neben der euphemistischen Bedeutung noch weitere Verwendungsweisen ohne euphemistische Intention auf. Deshalb kann der euphemistische Gebrauch eines Wortes oder Syntagmas häufig erst im Kontext geklärt werden. Fast alle Wörter und Wendungen einer Sprache könnten in geeigneten Kontexten euphemistisch verwendet werden. Allerdings gibt es Wörter, die dazu geeigneter erscheinen als andere. Euphemismen werden mit dem Ziel gebildet, die sonst übliche Bezeichnung eines tabuisierten Gegenstandes oder Sachverhaltes zu umgehen, da sich in ihr der tabuisiere Inhalt zeigt.
Dabei sind zwei verschiedene Arten von Bildungsmustern zu unterscheiden: 21 Zum einen können tabuisierte Sachverhalte umgangen werden, indem ein Ersatzausdruck gefunden wird,
19 Vgl. ebd., S. 24, 167.
20 Vgl. ebd., S. 181.
21 Vgl. ebd., S. 140f.
9
der in einem nicht anstößigen Aspekt mit dem Tabuwort übereinstimmt und diesen hervorhebt. Es wird also gewissermaßen eine Neubezeichnung vorgenommen. Die zweite Art Euphemismen zu bilden besteht darin, die Gestalt des tabuisierten Wortes bzw. Ausdrucks auf verschiedene Weise zu verändern. Dies geschieht u. a. mit Hilfe von Abkürzungen oder lautlichen Veränderungen.
Im Folgenden sollen nun einige Möglichkeiten der Euphemismenbildung erläutert werden, die insbesondere in Zeitschriften für die Bildung von Euphemismen im Bereich der Sexualität verwendet werden und damit für die sich anschließende Zeitschriftenanalyse von Bedeutung sind. Dabei beziehe ich mich in erster Linie auf die Publikation von S. Luchtenberg 22 , weil ihre Ausführungen zu diesem Themenbereich sehr ausführlich sind. Andere direkte oder indirekte Zitate aus weiteren Quellen sind im Text gekennzeichnet.
3.3.1 Metapherneuphemismus
Ein großer Teil der Euphemismen in der deutschen Gegenwartssprache sind Metaphern, die auch als „Metapherneuphemismen“ bezeichnet werden können. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „anderswohin tragen“.
Nach C. Balle 23 ist die Metapher ein „sprachlicher Ausdruck, bei dem ein Wort oder eine Wortgruppe aus seinem / ihrem Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen“ und „als ein Bild verwendet werden“. Die Metapher beruht auf einer Sinnähnlichkeit, denn sie wird aus Wörtern gebildet, die zwar unterschiedlichen Wortfeldern angehören, aber durch ein oder mehrere semantische Merkmale in eine Ähnlichkeitsrelation gesetzt werden können. 24 Die Metapher wurde schon sehr früh als Euphemismus verwendet. Häufig handelt es sich bei den Metapherneuphemismen jedoch genauer um die „Synekdoche“, bei der ein Teil des gemeinten Gegenstandes oder Begriffes genannt wird, der weniger anstößig ist.
3.3.2 Litotes
Die Litotes ist eine rhetorische Figur der Untertreibung. Sie bedient sich der Negation des Gegenteils eines Sachverhaltes oder einer doppelten Verneinung 25 und umgeht somit die direkte Bezeichnung, wodurch eine Abschwächung im Sinne eines Euphemismus erzielt wird. Die Litotes wird auch als die „eigentliche Redeform des höflichen Gesprächs“ angesehen, bei der Meinungen nicht klar formuliert und damit in abgeschwächter Form ausgedrückt
22 ebd., S. 127ff.
23 Balle, 1990, S. 181.
24 Zöllner, 1997, S. 133.
25 Dudenredaktion, 1990, S.462.
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Arbeit zitieren:
Alice Sievers, 2005, Euphemismen bei der sprachlichen Darstellung von Sexualität in französischen Frauen- und Männerzeitschriften, München, GRIN Verlag GmbH
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