Kinder sehen immer mehr Fernsehen, dies belegen mehrere Studien wie z.B. die IZI - oder die KIM - Studie. Warum aber schauen Kinder heute so viel fern, bringt dies Gefahren mit sich oder ist es vielleicht sogar von Vorteil? Hat es Konsequenzen für den Deutschunterricht dass Kinder mehr Zeit vordem Fernseher verbringen? Wenn ja welche? All das sind Fragen, auf die ich in folgender Arbeit eingehen möchte.
Laut einer Untersuchung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen Studie schauen Kinder täglich 93 Minuten fern. Je älter die Kinder werden, desto länger schauen sie. So schauen 3-5 jährige 69 Minuten, 6-9 jährige 87 Minuten 10-13 jährige 113 Minuten und 14-29 jährige sogar 142 Minuten fern. 1 In den Vereinigten Staaten von Amerika schauen Kinder im Durchschnitt täglich sogar 4 Stunden fern. 2 Auch hat man untersucht, ob Mädchen mehr fern schauen als Jungen. Hier ist aber nur ein minimaler Unterschied festzustellen. 3
Bei einer Befragung von Kindern zwischen 3 und 13 Jahren nach ihren täglichen Freizeitaktivitäten, liegt das Fernsehen nach den Hausaufgaben auf dem zweiten Platz. 78% der Befragten schauen täglich fern und 80% machen täglich Hausaufgaben. Täglich draußen oder drinnen spielen aber nur 60%, bzw. 51%. Ein Buch lesen täglich sogar nur 13%, bzw. 46% in der Woche. 4
Eine Umfrage in der Seminarsitzung ergab, dass die Kursteilnehmer in ihrer Kindheit vor ca. 10-15 Jahren deutlich weniger vor dem Fernseher gesessen haben, als die Kinder heutzutage. Einige Teilnehmer berichteten, dass das Fernsehen für sie früher etwas ganz besonderes war und nur zu besonderen Anlässen eine Sendung geguckt wurde, andere hatten eine Sendung wie zum Beispiel die „Sendung mit der Maus“, die sie am Sonntag immer anschauen durften. Nicht nur die Dauer des Fernschauens hat sich verändert, sondern auch das Angebot, und das in vielerlei Hinsicht. 5
Im Jahre 1953 hatten 0,01% aller Haushalten ein Fernsehgerät, 1959 33%, 1964 waren es schon mehr als 75% 6 und im Jahr 2003 fast 100% 7 . Videogeräte gibt es heute ebenfalls in fast jedem Haushalt (2003: 96%) 8 , dagegen gab es 1987 diese nur in 30% aller Haushalte 9 . Dass ein Kind in der Nachkriegszeit einen eigenen Fernseher auf dem Zimmer hatte war
1 Grunddaten Kinder und Medien 2003-2004
2 Hildebrand, Jens, 2001. S. 11
3 Grunddaten Kinder und Medien 2003-2004
4 KIM-Studie 2003 S.5
5 Umfrage im Seminar
6 Moser, Heinz, 1999. S.125
7 KIM-Studie 2003. S. 13
8 KIM-Studie 2003. S.13
9 Moser, Heinz, 1999. S.125
1
undenkbar, 2003 haben in Deutschland 38% der Kinder einen eigenen Fernseher. Auch hier ist die Tendenz steigend, 1999 waren es nur 29% 10 .
Die Kursteilnehmer haben in ihrer Kindheit Sendungen wie Löwenzahn, Pumuckl, Schlümpfe, Sandmann, Sendung mit der Maus, etc angeschaut. Die Hits der Kinder 2003 waren „Wetten, dass…?“, „Deutschland sucht den Superstar“, „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, „Sandmännchen“, „Spongebob“, „Angela Anaconda“, etc. Die Lieblingssender sind vor allem private Sender, wie KIKA, RTL, RTL2, PRO 7, etc. 11
Auch hier zeigen sich deutliche Unterschiede. Mittlerweile gibt es privatisierte Sender, die den ganzen Tag Kindersendungen ausstrahlen. Pro Woche werden ca. 300 Stunden explizites Kinderprogramm gezeigt. 12 Kinder schauen aber auch, je älter sie werden, nicht nur explizites Kinderfernsehen. So schauen sogar 3-5 jährige nur 59,9% Kinderfernsehen, 10-13 jährige nur 25,9%. 13
Warum schauen Kinder so viel fern? Auch hierfür gibt es mehrere Begründungen. Bei der Gruppenarbeit während dem Seminar arbeiteten die Kursteilnehmer folgende Punkte heraus: Kinder schauen so viel fern, weil sie Langeweile haben, oder zu ihrer Gruppe gehören wollen und nur „cool“ sind, wenn sie auch die aktuellen Sendungen kennen. Viele sind aber auch oft allein und nutzen den Fernseher als Freundersatz. Es kann aber auch die Bequemlichkeit der Eltern daran Schuld sein, dass die Kinder so viel fern schauen. Gerhard Tulodziecki hat in seinem Artikel „Erziehung und Bildung im Medienzusammenhang“ 14 fünf Bedingungen genannt, warum Kinder Medien nutzen:
• „Lebenssituation der Kinder und Jungendlichen“: Ein Kind wird eher fern schauen, wenn es einen eigenen Fernseher im Zimmer hat, als wenn es keinen Fernseher im Zimmer hat. Auch braucht ein Kind Freizeit, um es sich erlauben zu können, täglich so lange vor dem Fernseher zu sitzen. Ein Kind, das seine Nachmittage zum Beispiel mit viel Sport gestaltet, hat nicht so viel Zeit um sie vor dem Fernseher zu verbringen.
• „Erfahrungs- und Kenntnisstand“: Wenn ein Kind mit einem Fernseher aufgewachsen ist, weiß es wie das Gerät funktioniert und wird eher versuchen es zu benutzen als ein Kind, das noch nie einen Fernseher gesehen hat. Die Versuchung sich eine Sendung anzuschauen ist größer wenn man von einer Sendung hört, die alle anderen immer
10 KIM-Studie 2003 S.15
11 Grunddaten Kinder und Medien 2003-2004
12 Grunddaten Kinder und Medien 2003-2004
13 Grunddaten Kinder und Medien 2003-2004
14 Gottberg, Joachim von, 1997. S.179
2
sehen. Wenn ein Kind nicht weiß was im Fernseher läuft wird es wenig Ambitionen zeigen ihn anzuschalten.
• „Stand der intellektuellen und sozial-moralischen Entwicklung“: Ein Einzelgänger wird mehr Zeit mit dem Fernsehgerät verbringen als ein Kind, das in einem funktionierenden, ausgeprägten sozialen Umfeld lebt.
• „Folgen des Medienhandelns“: In den Geschäften kann man immer mehr Artikel von Fernsehfiguren finden. Die Kinder werden durch dieses neue Spielzeugaufgebot dazu verlockt noch mehr über ihren Fernsehstar zu erfahren. Sie schauen somit mehr fern und kaufen sich zudem auch mehr Fanartikel.
• „Bedürfnislage“: Bei diesem Grund zur Mediennutzung wird in vier verschiedene Bedürfnisse aufgeteilt.
Vor allem Kinder versuchen diese Bedürfnisse durch fern sehen zu befriedigen.
Dass die Kinder heute mehr fern schauen als früher, bringt Vor- und Nachteile mit sich. Im Folgenden möchte ich anhand einiger Thesen untersuchen, inwieweit Kinder und der vermehrte Fernsehkonsum Vor- oder ein Nachteil ist.
Die genannten Ergebnisse spiegeln die Meinung der Kursteilnehmer und meine Meinung wider. Sie wurden in einem Gruppengespräch gesammelt.
15 Gottberg, Joachim von, 1997. S. 178
3
Arbeit zitieren:
Martina Possel, 2006, Mediensozialisation und Konsequenzen für den Deutschunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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