stattfindet. Damit diese sozialen Aktivitäten funktionieren, ist es notwendig, dass alle Teilnehmer diese Gesten und Symbole verstehen, d.h. dass diese im Großen und Ganzen die gleiche Bedeutung für alle interagierenden Teilnehmer haben müssen. Aber diese gemeinsame Bedeutung entsteht gerade dadurch, dass immer eine gewisse Reaktion auf eine Äußerung folgt, die sowohl von der Person, die die Gesten (oder sprachlichen Zeichen) äußert, als auch von der Person, die diese erfasst, verstanden wird sowie dass die Reaktionen als zur Äußerung gehörend gerechnet werden und dass diese Verbindung (von Inhalt bzw. Reaktion und Zeichen) internalisiert wird. „Such a response is its meaning, or gives its meaning“ (ebd. 145).
In gewissem Maße kann dieser Prozess auf die Entwicklung des Selbst übertragen werden. Der Mensch, der in sozialen Zusammenhängen agiert, erfährt sich selbst nur vermittelt durch die Reaktionen, welche seine Mitmenschen ihm gegenüber zeigen. Mit Hilfe dieser Reaktionen erfährt der Mensch (dies ist vor allem bei Kindern der Fall), ob seine eigenen Einstellungen und Handlungen gesellschaftlich akzeptiert werden und ob er sich, vom Standpunkt seiner Mitmenschen aus, richtig verhalten hat. Auf diese Weise lernt er die Werte und Normen der Gesellschaft, in der er lebt oder aufwächst. Darüber hinaus erfährt der Mensch auch etwas von dem Platz, den er selbst in der Gesellschaft oder einer sozialen Struktur hat, d.h. darüber, welche Rolle ihm zugeteilt wird und an welche gewisse Erwartungen geknüpft sind.
Ein Kind, das mit solchen Erfahrungen konfrontiert wird, muss diese zunächst zu einer Einheit verbinden, die ihm ein Bild davon verschafft, wie es sich selbst (in der Gesellschaft) verstehen soll. Dazu muss das Kind jedoch gleichzeitig die Normen und Werte der Gesellschaft, bzw. die Erwartungen, die an ihn herangetragen werden, akzeptieren und diese als zu seiner Identität gehörend auffassen, genauso tut es das in Hinsicht auf die Erwartungen an andere Menschen. Auf diese Weise lernt der Mensch sozusagen über sich selbst in den sozialen Zusammenhängen zu reflektieren bzw. eine Identität und überhaupt ein Selbst zu etablieren. Dies bedeutet, dass er sich diese nicht selbst schafft, sondern diese in der Gesellschaft und in der Interaktion mit anderen Menschen entsteht. Um sich selbst als autonomes Selbst zu verstehen bzw. zu sehen, ist nach Meads Auffassung keine innere Sichtweise erforderlich, sondern eine Sicht, die reflektiert, wie andere Menschen mich sehen und mir gegenüber reagieren oder handeln. Da es nur möglich ist, andere Menschen als Objekt (d.h. objektiv und von außen) zu beobachten und zu erfassen - ein innerer Zugang zu anderen Menschen ist ja für uns nicht möglich - bedeutet dies, dass man sich selbst als Objekt betrachten muss.
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Mead erklärt dieses Verhältnis mit Hilfe eines sozialen Spiels. Als Teilnehmer dieses Spiels muss man wissen, welche Handlungen und Reaktionen von mir erwartet werden könnten, je nachdem welche Rolle man einnimmt. Meine Handlungen richten sich danach und um in diesem Spiel aktiv teilnehmen und passend reagieren zu können, sollte man wissen, wie die anderen Teilnehmer mir gegenüber reagieren und was sie von mir erwarten könnten. Im Prinzip funktioniert dies nicht anders in der Gesellschaft und die Identität eines Individuums in dieser Gesellschaft entsteht im Großen und Ganzen daraus, wie die anderen Teilnehmer der Gesellschaft oder Gruppe dieses Individuum sehen und Erwartungen an dieses stellen. Es ist außerdem möglich, dass mehrere Erwartungen an uns gestellt werden, die entgegengesetzt sind (z.B. weil wir normalerweise Mitglied mehrerer Gruppen sind), sodass wir einen Ausgleich zwischen all diesen Anforderungen, die wir erfüllen sollen, schaffen müssen. Erst wenn wir die Forderungen, die für uns am bedeutendsten sind, erfasst und internalisiert haben, ist es für uns möglich, uns selbst als Individuum zu sehen und wie ein Selbst in der Gesellschaft zu handeln.
Dieses Selbstverständnis - welches verstanden werden kann als: “Festlegung subjektiv verbindlicher Vorgaben, die sich mit dem [...] Ausgleich an uns gestellter Rollenerwartungen herausbilde[t].“ (Sachs-Hombach 2000, 189) - entsteht aus dem, was Mead als “der generalisierte Andere” bezeichnet: „The organized community or social group which gives to the individual his unity of self may be called „the generalized other“ (Mead 1967, 154). Das ist im Großen und Ganzen die Einstellung, die man sich selbst gegenüber einnimmt und die im Prinzip ein Resultat oder eine Verbindung von allen Einstellungen ist, die die Gesellschaft uns gegenüber einnehmen kann und die wir als Individuum internalisiert haben. Ein Selbst ist in diesem Sinne:
“[...] das Ergebnis der Tatsache, daß das jeweilige Individuum die Haltung anderer sich gegenüber einnimmt und daß es schließlich alle diese Handlungen zu einer einzigen Haltung oder einer einzigen Position kristallisiert, die als die des ‘verallgemeinerten Anderen’ bezeichnet werden kann.” (Küsgen 2006, 190)
In diesem Sinne ist der generalisierte (verallgemeinerte) Andere die Gesellschaft selbst; nicht eine bestimmte Person, sondern ein abstrakter Begriff für die Haltungen, die es in der Gesellschaft der eigenen Person gegenüber gibt und die das bilden, was wir „das Selbst“ nennen. Der Begriff weist auch auf die Art und Weise, wie ein Individuum sich selbst auffasst: Durch eine objektive Sicht und diese Sichtweise wird sozusagen von den Anderen (d.h. von der Gesellschaft) bestimmt bzw. durch soziale Handlungen gebildet. Aber dies bedeutet nicht, dass eine Person nur das ist, was die Gesellschaft erwartet oder aus dieser gemacht hat. Das würde bedeuten, dass alle Menschen in einer Gruppe oder isolierten Gesellschaft gleich sind oder werden, weil alle die Normen und Rollen internalisieren
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Arbeit zitieren:
Christine Porath, 2007, Der Begriff des "generalisierten Anderen" in G.H. Meads "Mind, Self and Society", München, GRIN Verlag GmbH
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Manuel Castells 'Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft'
Aus der Triologie 'Das Inf...
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Referat (Ausarbeitung), 16 Seiten
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