etabliert sich das Selbst und der Verstand. Danach sind die Werte und Erwartungen in einer Gesellschaft oder Gruppe in jedem Individuum, das zur Gesellschaft oder Gruppe gehört, vorhanden und dies schafft ein homogenes Wertesystem, welches in jeder Gesellschaft vorzufinden ist (sodass die gleichen Regeln für jeden gelten). Demnach ist es in Meads Verständnis undenkbar, dass jede Person nach seinen eigenen Regeln lebt (was zudem das Zusammenleben unmöglich machen würde). Wenn es nicht solch ein homogenes System gäbe, würde es auch keine Selbste geben und ohne Selbste gäbe es niemanden der handelt (zumal Handlungen einen bewussten Verstand voraussetzen, den nur ein Selbst hat). Aber die Handlungen sind ja gerade der Gegenstand der moralischen Betrachtung. Aufgrund der Tatsache, dass Menschen und Handlungen vollständig sozial sind, sind laut Mead sowohl der Inhalt als auch die Form 1 eines moralischen Urteils sozial bedingt. Dies garantiert die Allgemeingültigkeit von moralischen Urteilen, die folglich erst dadurch möglich ist, weil Menschen in sozialen Kontexten leben, d.h. in einer Gesellschaft, die sich selbst moralische Gesetze 2 gibt (im Gegensatz zu Kant, der argumentiert, dass die Gesellschaft erst möglich ist, weil ein vernünftiges Wesen die Fähigkeit hat, moralisch zu urteilen). „Sociality gives the universality of ethical judgments and lies back of the popular statement that the voice of all is the universal voice [...].“ (Mead 1976, 379) Daher kann man nicht auf eine bestimmte Weise handeln, ohne zu akzeptieren, dass andere Menschen damit gleichzeitig das Recht bekommen genauso zu handeln (ansonsten wären Erwartungen und Werte nicht allgemeingültig).
“The rights one recognizes in others one can demand in others; but we cannot demand from others what we refuse to respect. It is a practical impossibility.” (Mead 1976, 381) Das bedeutet, dass man erwarten kann, dass andere Menschen mir gegenüber auf die gleiche Weise handeln. Und wenn man nicht sicher ist, ob eine Handlung gut oder akzeptabel ist, fragt man sich, ob man wünscht, dass die Mitmenschen mir gegenüber genauso handeln. Das heißt, dass man sich fragt, ob die Konsequenzen, die im Nachhinein folgen oder folgen können, von der Gesellschaft akzeptiert werden und dies heißt von der Person, die handelt, indem sie die Konsequenzen also auf sich selbst bezieht und prüft, ob man wünschen würde, dass andere Personen in der Gesellschaft einem selbst gegenüber genauso handeln sollten. „Do unto others as you would have them do unto you; that is, act toward other people as you want them to act toward you under the same conditions.” (Mead 1976, 380) Dadurch bekommt das Ende der Handlung eine wichtige Bedeutung und aufgrund der Tatsache, dass Menschen sozial sind, kann dieses Ende (welches den Inhalt einer Handlung
1 Laut Kant ist es möglich, dass die Form oder Maxime einer Handlung generalisiert werden muss, damit diese Handlung einen moralischen Wert hat; d.h. dass die Handlung so sein sollte, dass sie ein Gesetz, genauso zu handeln, werden könnte.
2 Das heißt, dass nur ein Selbst (als Resultat der Gesellschaft) moralisch handeln kann und dies führt zu einer organisierten Gesellschaft.
2
Arbeit zitieren:
Christine Porath, 2007, Ethik im Kontext der Sozialisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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