Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1 - 2
1.1 Zur Epoche und zur politischen Lyrik des Vormärz 2 - 4
1.2 Die schlesischen Weberaufstände von 1844: 5 - 6
Hintergr ünde und Ablauf
2. Hauptteil: Gedichtanalyse 6 - 14
3. Fazit 14 - 15
4. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung:
Die Weberaufstände im schlesischen Peterswaldau und Langenbielau 1 im Juni 1844 erregten die zeitgenössischen und nachfolgenden Gemüter derart, dass das Ereignis in die Literatur einging, wie kaum ein anderes. Neben Gerhart Hauptmanns sozialem Drama „Die Weber“, das am 26. Februar 1893 im neuen Theater Berlin uraufgeführt wurde, ist wohl Heinrich Heines Zeitgedicht „Die schlesischen Weber“ aus dem Jahre 1847 das bekannteste literarische Werk, das sich kritisch und zeitnah mit der Weberthematik auseinandersetzt. Das Gedicht entstammt der Epoche des Vormärz und gehört somit zur Sorte jener Gedichte, die „Wellen schlugen, Öffentlichkeit mobilisierten, die Gemüter aufbrachten und herausforderten“ 2 . Zudem ist es einer der wirkungsvollsten Texte Heines.
Als unmittelbare Reaktion auf die militärisch niedergeschlagenen Weberaufstände vom 4.- 6. Juni 1844 verfasste Heine zwischen Anfang Juni und Anfang Juli 1844 die zunächst vierstrophige Fassung des Gedichtes mit dem Titel „Die armen Weber“. Innerhalb einer Artikelserie über die Weberaufstände erschien die Erstfassung am 10. Juli 1844 auf der Titelseite der von Karl Marx herausgegebenen Pariser Zeitung Vorwärts 3 . Die endgültige, von Heine überarbeitete fünfstrophige Fassung wurde erst 1847 in Hermann Püttmanns Album 4 veröffentlicht. Obwohl die weitere Verbreitung des Gedichtes wegen seines „aufrührerischen Tones“ 5 vom Königlich Preußischen Kammergericht umgehend verboten worden war, wurde es in Form von Flugblättern mit einer Auflage von mehr als 50.000 Stück in ganz Deutschland in Umlauf gebracht. Schnell avancierte das Gedicht zum Kampflied der Arbeiterbewegungen im In- und Ausland, weshalb es auch „Weberlied“ genannt wird. Die konsequente Strafverfolgung des Gedichtes führte unter anderem Anfang Februar
1 Dabei handelt es sich um die heutigen polnischen Städte Pieszyce und Bielawa.
2 Stauf, Renate: „Wo jede Blume früh geknickt“. In: Interpretationen. Gedichte von Heinrich Heine.
Hrsg. Von Bernd Kortländer. Stuttgart 1995. S. 144.
3 Erstdruck: Vorwärts! Pariser Deutsche Zeitschrift. Nr. 55.
4 Druckvorlage: Album. Originalpoesien. Hrsg. Von Hermann Püttmann. Borna 1847. S. 147f.
Dort mit dem Zusatz „vom Dichter revidiert“.
5 Der damalige preußische Innenminister, Adolf Heinrich Graf von Arnim-Boitzenburg, äußerte sich
in einem Brief an Friedrich Wilhelm IV. zum Gedicht mit den Worten: „eine in aufrührerischem
Ton gehaltene und mit verbrecherischen Äußerungen angefüllte Ansprache an die Armen im
Volke“.
Vgl. dazu Schmidt, Walter: Einige Dokumente zum schlesischen Weberaufstand vom Juni 1844. In:
Aus der Frühgeschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Berlin (DDR) 1964. S. 45.
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1847 in Berlin zur Verhaftung des Journalisten und Schriftstellers Eduard Meyen (1812-1870), der es dennoch gewagt hatte, das Gedicht öffentlich vorzutragen. 6 Auch mehrere Zeitungen, darunter die „Deutsche-Brüsseler-Zeitung“ (DBZ), die neben einer satirischen Berichterstattung über die Meyen-Affäre „Die schlesischen Weber“ sowie weitere der schärfsten Zeitgedichte Heines abgedruckt hatte, bekamen die harten Repressionsmaßnahmen der preußischen Behörden in Form zahlreicher Verhaftungen und Berufsverbote zu spüren. 7
Die vorliegende Untersuchung beschäftigt sich mit der Interpretation dieses wirkungsmächtigen Heineschen Gedichtes, wobei einige der zahlreichen Ansichten, die die ältere und neuere Forschung bietet, einfließen werden. Die Ausarbeitungen stützen sich hauptsächlich auf Forschungsbeiträge von Walter Wehner, Renate Stauf und Norbert Otto Eke.
Um ein umfassendes Verständnis des Gedichtes zu gewährleisten, sind der Analyse Erläuterungen zur Epoche und politischen Lyrik des Vormärz sowie zu den Weberaufständen von 1844 vorangestellt. Die Untersuchung schließt mit einem Fazit.
1.1. Zur Epoche und zur politischen Lyrik des Vormärz 8
Im Gegensatz zu anderen Epochenbezeichnungen wie „Romantik“ oder „Klassik“ bezieht sich der Epochenbegriff „Vormärz“ auf ein konkretes historisches Ereignis. Der Vormärz umfasst den Zeitabschnitt zwischen dem Wiener Kongress im Jahre 1815 und der daraus resultierenden Gründung des Deutschen Bundes bis hin zur Märzrevolution von 1848. Wie die Bezeichnung „Vormärz“ bereits andeutet, handelt es sich um einen Zeitraum vor einem Ereignis, einen „Zeitraum des Vorher“ („prä festum“) wie Norbert Otto Eke herausstellt 9 .
6 Vgl. dazu Füllner, Bernd/Hauschild, Jan-Christoph/ Kaukoreit, Volker: »Dieses Gedicht in
Deutschland hundertfach gelesen und gesungen…«. Zur Aufnahme von Heines »Weberlied« in der
frühen deutschen Arbeiterbewegung. In: Heine Jahrbuch 24 (1985). S. 124f.
7 Ebd., S. 126-133.
8 Eke, Norbert Otto: Einführung in die Literatur des Vormärz. Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Darmstadt 2005.
Höhn, Gerhard: Heine-Handbuch. Zeit, Person, Werk. 3. überarbeitete und erweiterte Aufl. Stuttgart
2004. S. 2-32.
Reisner, Hanns-Peter: Literatur unter der Zensur. Die politische Lyrik des Vormärz. (Materialien
und Untersuchungen zur Literatursoziologie. Bd. 14. Stuttgart 1975).
9 Eke, Norbert Otto. S. 8.
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Um die Schärfe, mit der die politische Literatur des Vormärz bestimmte Ereignisse und Umstände der Zeit kritisiert, nachvollziehen zu können, ist es zunächst notwendig, jene historischen Begebenheiten, die diese Epoche prägen, kurz zu erläutern: Europa war nach Napoleon Bonapartes langjähriger Herrschaft (1804-1814) zerrüttet, sämtliche Staatsordnungen zerstört. Vertreter aller europäischen Staaten (mit Ausnahme der Türkei) trafen sich deshalb am 18. September auf dem „Wiener Kongress“ um Deutschland und Europa neu zu ordnen. Unter dem Einfluss des österreichischen Staatskanzlers Clemens Wenzel Fürst von Metternich wurde die gemeinsame Politik der „Restauration“ beschlossen. Die Staatenlandschaft Europas wurde weitgehend neu definiert, die Grenzen der einzelnen Staaten neu festgelegt und alte Dynastien wiederhergestellt. In Frankreich wurde die Monarchie wieder eingeführt. Österreich musste sich aus dem Westen Deutschlands zurückziehen und das ehemalige „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ ging über in den unabhängigen und unauflösbaren „Deutschen Bund“, dem 35 Fürstenstaaten und vier freie Städte angehörten. Die gesamte Staatsgewalt lag beim preußischen König, was der deutschen Regierung absolutistische Züge verlieh. Der deutsche Föderalismus, der Feudalismus und die Interessen der deutschen Einzelstaaten sollten durch diese Bestimmungen gewahrt bleiben. Die Hoffnung Vieler auf einen liberalen Nationalstaat, wie es ihn in Frankreich seit Ende der Französischen Revolution (1789 bis 1799) gab, wurde jedoch bitter enttäuscht.
Das rückständige Feudalsystem und die Kleinstaaterei mit ihren vielen Zollgrenzen und unterschiedlichen Währungen führten dazu, dass Deutschland während des industriellen Umbruchs erheblich den Nachbarländern England und Frankreich hinterherhinkte. Krisen im Handwerk, der Agrarwirtschaft, dem Heimgewerbe und der Industrie waren die Folge, so dass die Unterschiede zwischen Arm und Reich in Deutschland immer größer wurden.
Kennzeichnend für die Anhänger der „Restauration“ war die Skepsis gegenüber allen liberal-nationalen Tendenzen und Gruppierungen, derer sich immer mehr bildeten und die eine Revolution forderten. Als Konsequenz traten am 20. September 1819 durch die Frankfurter Bundesversammlung die „Karlsbader Beschlüsse“ in Kraft, „die darauf abzielten, die öffentliche Meinung zum Schweigen zu bringen und durch die Kriminalisierung des Gedankenaustauschs jede Gruppenbildung bereits im Ansatz
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Arbeit zitieren:
Dagmar Ernst, 2008, Gedichtinterpretation: "Die schlesischen Weber" von Heinrich Heine, München, GRIN Verlag GmbH
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