Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Frauen in Pestalozzis Leben 3
3HVWDOR]]LVÄ:RKQVWXEHQSlGDJRJLN³ 6
4. Mutterliebe 7
5. Anleitung für Mütter 9
5.1 Das Buch der Mütter 10
5.2 Wie Gertrud ihre Kinder lehrt 13
6. Die Mutter Gertrud aus Lienhard und Gertrud 13
7. Kritische Auseinandersetzung und persönliches Fazit 16
8. Literaturverzeichnis 19
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1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung der Mutter in der Erziehung bei Pestalozzi.
Nach Pestalozzi ist die Mutter die erste und wichtigste Lehrerin ihrer Kinder. Sie legt die Grundsteine für spätere Bildung und Entwicklung derer. Sie ist Vermittlerin zwischen ihrem Kind und der Welt, in der es aufwächst. Er schreibt, ÄGLH0XWWHULVWEHIlKLJWXQG]ZDUYRQ ihrem Schöpfer selbst befähigt, die wichtigste Triebkraft in der Entwicklung des Kindes zu werden. Der glühendste Wunsch für sein Wohlergehen ist schon in ihr Herz eingepflanzt; und welche Kraft kann einflussreicher, anspornender sein als die mütterliche Liebe, - die sanfteste und zugleich unerschrockenste KrDIW LQ GHU JDQ]HQ 1DWXURUGQXQJ"³ 1 Pestalozzi sieht die
Mutterliebe als angeborenen, von Gott gegebenen Trieb, sich um das Wohlergehen seines Kindes zu sorgen und zu kümmern.
In dieser Arbeit werde ich zunächst auf die drei Frauen in Pestalozzis Leben eingehen, die für sein Mutterbild ausschlaggebend waren: seine Mutter vom Lande, die Magd der Familie und seine Ehefrau. Daraufhin wende ich mich Pestalozzis Wohnstubenpädagogik und seinen Anleitungen für Mütter in seinen beiden Werken Buch der Mütter und Wie Gertrud ihre Kinder lehrt zu, um schließlich sein Idealbild der Mutter an der Figur der Gertrud aus Lienhard und Gertrud herauszuarbeiten. Zuletzt erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit seiner beschriebenen Mutterrolle und ein persönliches Fazit.
2. Frauen in Pestalozzis Leben
Johann Heinrich Pestalozzi, Sohn einer italienischen Kaufmannsfamilie, wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren. Seinen Vater, Johann Baptist Pestalozzi (1718-1751), ein Wund- und Augenarzt ohne akademische Ausbildung, verlor er mit fünf Jahren. Seine Erziehung und die seiner beiden Geschwister, Johann Baptist und Anna Barbara, übernahm die Mutter Susanne Pestalozzi, geb. Hotz (1720-1796) zusammen mit der Magd des Hauses Barbara Schmid. Diese hatte dem Vater auf dem Sterbebett versprochen die Familie nicht zu verlassen: ÄGerührt, edel und in Unschuld und Einfalt bis zur Erhabenheit großherzig, gab sie meinem VWHUEHQGHQ9DWHUGDV:RUWÃ,FKYHUODVVH,KUH)UDXQLFKWZHQQ6LHVWHUEHQ,FKEOHLEHEHLLKU
1 Pestalozzi, J.H.: Mutter und Kind. Eine Abhandlung in Briefen über die Erziehung kleiner Kinder, zitiert nach Seichter, Sabine: Pädagogische Liebe. Erfindung, Blütezeit, Verschwinden eines pädagogischen Denkmusters; Paderborn, 2007. S. 96.
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bis LQGHQ7RGZHQQVLHPLFKQ|WLJKDWµ,KU:RUWEHUXKLJWHPHLQHQVWHUEHQGHQ9DWHUVHLQ $XJHHUKHLWHUWHVLFKXQGPLWGLHVHP7URVWLP+HU]HQYHUVFKLHGHU³ 2
%DUEDUD 6FKPLG YRQ DOOHQ )DPLOLHQPLWJOLHGHUQ Ã%DEHOLµ JHQDQQW EOLHE EHL GHU )DPLOLH XQG wurde eine Vertrauensperson für Pestalozzi. Seine Familie behandelte Babeli als wäre sie eine Tante. Pestalozzi beeindruckte ihre Ä$XVKDUUXQJXQG$XIRSIHUXQJXQG]XJOHLFK«8PVLFKW XQG.OXJKHLW³ 3 , vor allem, Äda sie [Babeli] von allen äußeren Bildung entblößt, vor wenigen Monaten vom Dorf weg nach Zürich kam³. 4
Susanne Pestalozzi war die jüngste Tochter des Chirurgen Hans Jakob Hotz. Die weitere Verwandtschaft von Pestalozzis Mutter waren Bauern, die in oder um Wädenswil am Zürichsee Landwirtschaft betrieben. Er VFKUHLEWYRQLKUÄMeine Mutter war vom Lande und auf dem Lande erzogen und hatte in ihrem Witwenstand wenig Umgang mit Menschen³ 5 Mit dem Tod von Pestalozzis Vater wurde Susanne Pestalozzi mittellos und besaß keinen sozialen Status mehr. Sie stammte vom Lande und war so nicht im Besitz der Bürgerrechte von Zürich. Der Tod des Vaters brachte die Familie in wirtschaftlich ungesicherte Verhältnisse und war somit eine große Belastung für die Mutter. Obwohl die Familie sparsam lebte, entschied sich Susanne Pestalozzi wegen den günstigen schulischen Verhältnissen, in der Stadt zu bleiben. Wegen der schlechten finanziellen Lage war die Bildung und Entfaltung der Kinder eingeschränkt. Susanne Pestalozzi gab alles, um ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten: Ä0HLQH Mutter opferte sich mit gänzlicher Hingebung ihrer selbst und unter Entbehrungen alles dessen, was in ihrem Alter und in ihren Umgebungen Reize hätte haben N|QQHQ GHU (U]LHKXQJ LKUHU GUHL .LQGHU DXI³ 6 Sie ermöglichte Pestalozzi eine schulische
Ausbildung.
Er besuchte verschiedene Schulen und begann das Studium der Philologie, Theologie und der Philosophie in Zürich. Bricht dieses jedoch auf Grund einer landwirtschaftlichen Lehre ab, da er als Bauer die Welt verändern wollte 7 .
2 Pestalozzi, J.H.: PSW 28, zitiert nach Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.50.
3 Pestalozzi, J.H.: PSW 28, zitiert nach Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.60.
4 Pestalozzi, J.H.: PSW 28, zitiert nach Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.60.
5 Pestalozzi, J.H.: PSW 17, zitiert nach Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.141.
6 Pestalozzi, J.H.: Schwanengesang, zitiert nach Sigrid Tschöpe-Scheffler: Pestalozzi ± Leben und Werk im Zeichen der Liebe; Luchterhand 1996, S. 18.
7 Vgl. http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2008/08/27/cumulus/BR-online-Publikation--200923-20080917143611.pdf (18.12.08).
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Die Kinder wurden von der Mutter stark behütet und in ängstlicher Fürsorge und Liebe großgezogen, selbst Kontakt mit anderen Kindern verbat sie. So schreibt Pestalozzi, dass er ZLH ÄHLQ 6FKDI³ gehütet war, das nicht aus dem Stall durfte. Er durfte nie zu den Ä.QDEHQ [seines] Alters auf die Gasse, kannte keines ihrer Spiele, keine ihrer Übungen, keines ihrer *HKHLPQLVVH³ 8 und sah sich in ihrer Mitte als Äungeschickt und ihnen selbst lächerlich" 9 .
Durch die Überbehütung der Mutter konnte Pestalozzi nicht in Kontakt mit Gleichaltrigen treten und so seine sozialen Fähigkeiten nicht ausbauen. Pestalozzi weist bis zu seinem Lebensende auf den Zusammenhang vieler seiner charakterlichen Schwächen und den Verlust des Vaters hin und bezeichnet sich selbst als ein verweichlichtes Ä:HLEHU- und 0XWWHUNLQG³ 10 , da er in einem Frauenhaushalt groß geworden
ist: Ä,FK YHUORU PHLQHQ 9DWHU IUK XQG GLHVHU 8PVWDQG HQWVFKLHG EHU GLH /FNHQ PHLQHU (U]LHKXQJ GLH PLU GXUFK PHLQ JDQ]HV /HEHQ QDFKWHLOLJ ZDUHQ³ 11 , Ä0HLQ 9DWHU VWDUE PLU sehr früh und ich mangelte von meinem 6 Lebensjahr an in meinen Umgebungen alles, dessen GLHPlQQOLFKH.UDIWILQGXQJLQGLHVHP$OWHUVRGULQJHQGEHGDUI³ 12
Seine Aufenthalte im großväterlichen Pfarrhaus im ländlichen Höngg waren der Gegenpol zu der weiblichen dominierenden Erziehung Pestalozzis. Der Großvater Andreas Pestaluz-Ott verkörperte für ihn die väterliche Autorität. Er wurde zur wichtigsten männlichen Bezugspersonen von Heinrich Pestalozzi. Bei seinen Besuchen in Höngg sah er die Natur in ihrer Schönheit, aber auch das Elend der Landbevölkerung. Durch den Großvater und dessen Versuche die ärmlichen Verhältnisse zu verbessern, wurde Pestalozzi inspiriert. Schon früh berührten ihn die Probleme der benachteiligten Bevölkerung. Er beschreibt diese Empfindungen folgendermaßen: Ä« HV HUUHJWH VLFK VHKU IUKH LQ PHLQHQ MXJHQGOLFKHQ Jahren ein lebendiger Gedanke, ich könnte mich fähig machen, diesfalls Scherflein zur 9HUEHVVHUXQJ GHU OlQGOLFKHQ (U]LHKXQJ EHL]XWUDJHQ³ 13 Bei Pestalozzi regte sich durch die
Arbeit des Großvaters der Wunsch, den armen und ungebildeten Menschen durch seine Erziehung zu helfen.
8 PSW 29, S. 104 zitiert nach Arthur Brühlmeier/Gerhard Kuhlemann: Kindheit und Jungend in Zürich: http://www.heinrichpestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/kindheit_und_jugend_in_zuerich/ (18.12.08)
9 PSW 29, S. 104 zitiert nach Arthur Brühlmeier/Gerhard Kuhlemann: Kindheit und Jungend in Zürich: http://www.heinrich-pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/kindheit_und_jugend_in_zuerich/ (18.12.08)
10 Pestalozzi, J.H.: Schwanengesang, in: Baumgartner, P. (Hersg.): Heinrich Pestalozzi, Werke in acht Bänden, Gedenkausgabe zu seinem zweihundertsten Geburtstag, Zürich 1949, Bd. II, S.427.
11 Pestalozzi, J.H.: Sämtliche Werke. Hrsg. v. L.W. Seyffarth, zitiert nach Sigrid Tschöpe-Scheffler: Pestalozzi ± Leben und Werk im Zeichen der Liebe; Luchterhand 1996, S. 18.
12 Pestalozzi, J.H.: PSW 28, zitiert nach Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.47.
13 Pestalozzi, J.H.: Schwanengesang, in: Baumgartner, P. (Hersg.): Heinrich Pestalozzi, Werke in acht Bänden, Gedenkausgabe zu seinem zweihundertsten Geburtstag, Zürich 1949, Bd. II, S.431.
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Im Jahre 1767 lernte Heinrich Pestalozzi Anna Schulthess (1738 ± 1815) kennen. Diese stammte aus einer angesehenen, reichen Züricher Kaufmannsfamilie und genoss schulische Bildung. Nachdem die Eltern von Anna sich anfangs gegen die Verbindung mit Pestalozzi sträubten, gelang es ihnen, dass der Vater die Einwilligung zur Hochzeit gab. Allerdings durfte Pestalozzi die Braut nicht, wie üblich, am Elternhaus zur Trauung abholen, da sich ihre Mutter vehement gegen die Verbindung sträubte. Sie sagte damals zu ihrer Tochter: Ä,FK wünsche, daß es Dir so ergehe wie du hoffst, denn du wirst nur auf Wasser und Brot HLQJHODGHQ³ 14
Die ungebildete, aber äußerst fürsorgliche Mutter Susanne Pestalozzi, die liebevolle und großherzige Amme Barbara Schmid und die kluge Ehefrau Anna Schulthess bewirkten, dass Johann Heinrich Pestalozzi der Mutter eine so bedeutende Rolle in der Erziehung der Kinder zuschreibt. Für ihn ist die Mutter die erste Lehrerin der Kinder, die für die gründliche Erziehung und Bildung derer Sorge tragen muss.
3. 3HVWDOR]]LVÄ:RKQVWXEHQSlGDJRJLN³
Pestalozzi wuchs mit seinen Geschwistern in engen Wohnungsverhältnissen auf, die ihm wenige Anreize zum Lernen gaben. Babeli und seine Mutter stammten beide vom Land und waren somit in seinen Augen ungebildet. Sie konnten ihm, wie er im Nachhinein feststellte, nicht die nötigen Anregungen geben, um seine Bildung zu fördern. Das Fehlen seiner frühkindlichen Erziehung veranlasste Pestalozzi, für die mütterliche Wohnstube ein Bildungs-und Erziehungskonzept zu entwickeln. Ä:DVLFKYHUVlXPWHKDEHE]ZZDVDQPLUYHUVlXPW wurde, das soll allen Kindern der :HOWHUVSDUWEOHLEHQ³ 15 Er forderte von der Mutter, dass sie
dem Kind alle Reize darbietet, die es für eine gute Entwicklung benötigt. Pestalozzi geht davon aus, dass Erziehung und Bildung in der Wohnstube bei der Mutter beginnt, denn für ihn wird das Kind ÄYRQGHP$XJHQEOLFNDQGDGLH0XWWHUGDV.LQGDXIGHQ Schoß nimmt, unterrichtet³ 16
Als Wohnstube bezeichnet er den Ort, an dem die Mutter fungiert, kocht, bügelt, und aufräumt, während das Kind bei ihr ist: Ä8QG HV JLEW QXU HLQHQ 5DXP LQ GHU :HOW GHVVHQ
14 Zitiert nach Dr. Arthur Brühlmeier: Johann Heinrich Pestalozzi: http://www.bruehlmeier.info/Biographie%20China.htm (20.12.08).
15 Bijan Adl-Amini: Pestalozzis Welt, Eine Einladung zur Erziehung; Juventa Verlag Weinheim und München 2001, S.142.
16 Pestalozzi, J.H.: Wie Gertrud ihre Kinder lehrt (WFB Verlagsgruppe: 1. Auflage 2006). S.179.
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Arbeit zitieren:
Lisa Sipos, 2008, Die Bedeutung der Mutter für die Erziehung bei Pestalozzi, München, GRIN Verlag GmbH
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