Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
1.1 Einführung 4
1.2 Gang der Untersuchung 5
1.3 Der Begriff „Wahrscheinlichkeit“ Abgrenzungen 6
1.3.1 Der Begriff „Wahrscheinlichkeit“ Grundsätzliches 6
1.3.2 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Wirtschaftswissenschaften 6
1.3.3 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in der Umgangssprache 11
1.3.4 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Rechtswissenschaften 13
1.4 Das Wort „Sicherheit“ Abgrenzungen 14
1.4.1 Das Wort „Sicherheit“ in der Umgangssprache 14
1.4.2 Das Wort „Sicherheit“ in der Wissenschaft 14
1.5 Zur „Wahrscheinlichkeit“ im ö (materiellen) Strafrecht 15
1.5.1 Zur so genannten „Quasi-Kausalität“ (Fehl )Behauptungen 15
1.5.2 Sachkritischer Kommentar zu FUCHS und KIENAPFEL/HÖPFEL 19
1.5.3 Die FUCHSsche „media sententia“ und Fragen hiezu 19
1.6 Zur „Wahrscheinlichkeit“ in der (ö und d) Prozesspraxis 21
1.6.1 „Heisenberg’sche Unschärfe-Relation“: „New Age“ ante portas? 21
1.6.2 Die „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ in der öRSpr 23
1.6.3 Die „an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit“ in der dRSpr 27
1.6.4 Implikationen für die (Prozess )Praxis 28
1.7 Die (aktuelle) deutsche Werbekampagne 30
1.7.1 Die so genannte „Säkulare Buskampagne“ 30
1.7.2 Der Satz „Es gibt keinen Gott“ 31
2
1.7.3 „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit “ 31
1.7.4 „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) “ 32
1.8 Die (aktuelle) englische Werbekampagne 34
1.8.1 Die „Atheist Bus Campaign“ 34
1.8.2 Der Satz „There’s probably no God“ 34
1.8.3 Das Wort „probable“ im Englischen 34
1.8.4 Das Wort „probably“ in der englischen Umgangssprache 35
1.8.5 Das Wort „probably“ in den englischen Rechtswissenschaften 35
1.8.6 „probably“ vs „an Sicherheit grenzende sic “? 36
1.8.7 „an Sicherheit grenzende “ vs „beyond a reasonable doubt“? 36
1.9 Zusammenfassung und skeptisch-ambivalenter Ausblick 38
Literaturverzeichnis 40
3
1 Einleitung
1.1 Einführung
In (Rechts-)Philosophie iRd (Rechts-) Ethik 1 , va bei Prof.a Dr.a Eva Maria MAIER 2
stand mir der Weg, frei und genau ua über strafrechtliche (!) Fragen schreiben zu
dürfen, offen 3 . Im Zuge einer Arbeit, die sich ua mit dem Werk von HEINE 4 befasste,
entstanden zahlreiche (weitere) Fragen im Kontext des Problemkreises der sog
Unterlassungshaftung, in welchem die sog Quasi-Kausalität von Bedeutung ist. Dies
deshalb, da hier zT eine Wahrscheinlichkeits-Urteil verlangt wird. Hierbei wird im
Kontext der so genannten „Quasikausalität“ oftmals die Wortfolge der - so genannten -
„an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ in den Mund genommen. Im Zuge
einer aktuellen Buskampagne 5 in Deutschland 6 (die so genannte „Säkulare
Buskampagne“ 7 ) mit der (illegitimen!) Verschränkung [sic!] zweier Sätze „Es gibt
keinen [sic!] Gott“ 8 und „Es gibt mit an Sicherheit grenzender [sic!]
Wahrscheinlichkeit“ keinen Gott entsteht ebenso höchst interessant die Frage: Was -aus wissenschaftlicher, seriöser (!) Sicht - bedeutet die - so genannte „an Sicherheit
grenzende Wahrscheinlichkeit“? Grenzt Sicherheit an Wahrscheinlichkeit? Falls dem
- allen wissenschaftlichen Ernstes - so sein sollte: hat dann nicht ebenso Sicherheit an
1 Zu (einem) Begriff der Ethik siehe ua WALLNER (2007: 4). Zu (einem) Begriff der Rechtsethik siehe ua WALLNER (2007: 9).
2 Prof.a Dr.a MAIER befasst sich überdies ua mit Themen, die ich sehr wichtig finde. Ihr gilt mein Dank sowie ua ferner Prof Dr Otto DROSG und ua Em Prof Dr Günther WINKLER für Ideen, Anregungen und sachliche Kritik, ua im Kontext der sog „Kausalität durch Freiheit“ iZm KANT, der auch im Kontext der sog „a priori“-Wahrscheinlichkeiten eine Rolle spielen wird.
3 Der Autor bedankt sich hierfür sehr herzlich.
4 HEINE 1995: 1f.
5 Zur Buskampagne siehe ua die HP der sog BUSKAMPAGNE (http://www.buskampagne.de/ , „Website der säkularen Werbekampagne in Deutschland“, Abrufdatum 5.5.2009).
6 Siehe hierzu ua etwa LUBBADEH auf dem ONLINESPIEGEL
(http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,612635,00.html , „Kampagne in deutschen Städten -Werbung für ein Leben ohne Gott“, Abrufdatum 5.5.2009). Siehe hierzu ferner etwa THOLL in der WIENER ZEITUNG
(http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4103&Alias=wzo&cob=412374 , „Wer
fürchtet sich vorm gottlosen Autobus?“, Abrufdatum 6.5.2009). Siehe ferner etwa die Online-Version der PRESSE
(http://diepresse.com/home/panorama/religion/476199/index.do?parentid=512721&showMask=1, „„Gottlose“ Busse: Streit um Werbung in Deutschland“, Abrufdatum 7.5.2009).
7 Siehe hierzu ua die HP des HUMANISTISCHEN PRESSEDIENSTES vom 12.3.2009, (http://hpd.de/node/6565 , „Säkulare Buskampagne“ nun auch in Deutschland, Abrufdatum 7.5.2009).
8 Hierbei handelt es sich um eine Behauptung. Behaupten kann man - bekanntermaßen - viel.
4
Wahrscheinlichkeit zu grenzen? [sic!] Ferner: müsste sich dann nicht - diese Wortfolge seriös und wissenschaftlich ernst genommen - nicht ebenso die Wortfolge der „an Wahrscheinlichkeit grenzenden Sicherheit“ [sic!] gebrauchen lassen?
Es war sohin ein sehr großer Reiz - mit Blick nicht zuletzt auf die Jurisprudenz, insbesondere im Bereich des Kriminalrechts, auch eingedenk der gerichtlichen Erfahrungswerte - die Behauptungen der Theorie und der Praxis auf ihren wissenschaftlichen (!) Aussagegehalt zu untersuchen, etwaige Inkonsistenzen zu untersuchen. Auch der Satz „Es gibt keinen Gott“ - wird aus seriös-wissenschaftlicher Sicht nüchtern, sachlich und fachlich korrekt und treffend sowie möglichst klar analysiert.
1.2 Gang der Untersuchung
Zu Beginn wird das Wort „Wahrscheinlichkeit“ einer mehrfachen Untersuchung unterzogen: zum einen wird der Gebrauch des Wortes in der Umgangssprache, zum anderen in der wissenschaftlichen Sprache analysiert. Ebenso wird mit dem Wort der so genannten „Sicherheit“ verfahren: nach einer umgangssprachlichen Untersuchung folgt eine wissenschaftliche Analyse des Wortes „Sicherheit“. Sodann werden die Grundlagen und -probleme va mit dem d Kriminaljuristen Prof Dr HEINE 9 behandelt. Dies deshalb, um einen - lebensnahen und anschaulichen - Gegenwartsbezug auch außerhalb der aktuellen d SÄKULAREN BUSKAMPAGNE sowie auch außerhalb der ATHEIST BUS CAMPAIGN herzustellen. Es wird dabei insbesondere im Rahmen des ö und d Kriminalrechts auf die Frage der sog „Unterlassungshaftung“ eingegangen und in diesem Kontext die Feststellung der sog „Quasikausalität“ unter Darlegung der Kontroversen in Ö und Dtl behandelt. Dies deshalb, um auch den dortigen Missbrauch besagter rhetorisch-stilistisch gut klingender Floskel aus seriös-wissenschaftlicher Perspektive in Gestalt „lebendiger“ Praxisbeispiele (in concreto: im Sektor der Rechtswissenschaften) zu dokumentieren. Zugleich wird auf die Durchbrechung des Risikozusammenhangs bei grob sorgfaltswidrigem Verhalten Dritter, wo ebenfalls
9 Kritisch zu den Worten von HEINE (1995: 1ff) ist ua FREIER (1998: 208), wenn er festhält: „Die Sanktionen und mit ihnen das ganze Programm Heines leiden an der unklaren Verhältnisbestimmung zum Strafrecht.“
5
besagte Wortfolge der so genannten „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ ein „sachverständiges“ Anwendungsfeld gefunden hat, eingegangen. Dies wird ebenfalls dokumentiert, um der Leserin/dem Leser einen weiteren, (juristisch-)praktischen, lebensnahen Anwendungsbereich besagter Wortformel der so genannten „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ zu dokumentieren. Ferner wird auf die Wortfolge der sog „an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit“ in anderen Bereichen außerhalb des (ö) Strafrechts eingegangen. Schließlich wird auch noch kurz auf eine Wortfolge des Common Law-„Rechtskreises“ (kritisch-sachlich) eingegangen, wobei auch Übersetzungsfehler und Divergenzen - ua - zwischen „probably“ und „beyond a reasonable doubt“ thematisiert werden. Abschließend werden zentrale Aspekte der wissenschaftlich-seriösen Ansprüchen sich verpflichtet fühlenden Arbeit möglichst akurat zusammengefasst.
1.3 Der Begriff „Wahrscheinlichkeit“ - Abgrenzungen
1.3.1 Der Begriff „Wahrscheinlichkeit“ - Grundsätzliches
Generell ist zu vermerken, dass die sog „an Sicherheit grenzende [sic!] Wahrscheinlichkeit“, welche in diesem Kontext zT herangezogen wird, sachlich iSv wissenschaftlich falsch ist, es müsste „mit sehr großer Wahrscheinlichkeit 10 “ heißen. Wahrscheinlichkeit grenzt - aus seriös-wissenschaftlicher Sicht - nicht an Sicherheit.
1.3.2 Das Wort „Wahrscheinlichkeit“ in den Wirtschaftswissenschaften
Zu vermerken ist ferner Folgendes: In den Wirtschaftswissenschaften 11 - existiert iRd sog „Entscheidungstheorie 12 “ im Zuge von sog „Entscheidungsproblemen unter
10 Oder (alternativ): „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“.
11 NEUS (2005: 37) hält dazu fest: „Für ökonomisch relevante Entscheidungen lassen sich objektive Wahrscheinlichkeiten (wie die Wahrscheinlichkeit von je 1/37 für eine der ganzen Zahlen von 0 bis 36 beim Roulette) gewöhnlich nicht angeben.“ NEUS führt allerdings weiter aus, existierende „Informationen“ über „Zukunftsentwicklungen“ [sic!] könne man - so NEUS - „jedoch in subjektiven Abschätzungen“ [sic!] - wie NEUS formuliert - „umsetzen“ [sic!].
12 Vgl diesbzgl ua etwa SCHNECK 1993: 631, der vermerkt: „Die Wahrscheinlichkeiten sind insbesondere in der Entscheidungstheorie (Risikosituation) von Bedeutung.“
6
Unsicherheit 13 “-, das Wort „Wahrscheinlichkeit 14 “ (zahlreiche AutorInnen 15
unterscheiden zwischen „der“ sog objektiven Wahrscheinlichkeit 16 bzw. sog objektiven
Wahrscheinlichkeiten 17 - nicht zuletzt die, auf dem Gedanken der Symmetrie 18
fußende, mit dem sog „Gesetz des zwingenden Grundes“ 19 und dem sog „Prinzip
13 SCHWARZE (1997: 27) etwa vermerkt, dass „im Zusammenhang mit Entscheidungsproblemen unter Unsicherheit häufig der Begriff der subjektiven Wahrscheinlichkeit“, die im Folgenden im Rahmen dieser Arbeit näher behandelt wird, „auftauchen“ würde.
14 Hinzuweisen ist, dass aus wissenschaftlicher Sicht, etwa auf dem Boden der Wissenschaftstheorie aber auch auf jenem etwa der betriebswirtschaftlichen Teildisziplin der Investitionsrechnung, wie etwa KRUSCHWITZ (1995: 251-252) dies festhält, „verschiedene miteinander konkurrierende Wahrscheinlichkeitsinterpretationen“ existieren, „va“ sei die Unterscheidung zwischen „objektiver Wahrscheinlichkeit“ und „subjektiver Wahrscheinlichkeit“ nennenswert. LOISTL (1994: 97) etwa deutet diese Kontroverse auch an, indem er (ua) von einer „Diskussion über Inhalte des Wahrscheinlichkeits-Begriffs“ schreibt. Was die sog „subjektive Wahrscheinlichkeit(sdefinition)“ anbetrifft, so wird etwa mit BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) vermerkt: „In vielen Fällen, beispielsweise bei Entscheidungssituationen im Wirtschaftsleben, lassen sich Wahrscheinlichkeiten weder unter Verwendung der klassischen noch unter Zuhilfenahme der statistischen Wahrscheinlichkeitsdefinition bestimmen.“ Man müsse sich dannso
BLEYMÜLLER/GEHLERT/GÜLICHER (2008: 28) - „sogenannter subjektiver Wahrscheinlichkeiten“ bedienen. Ferner halten RASCH/HERRENDÖRFER/BOCK/GUIARD (1996: 30) ua fest: „[…]Will man vor dem Versuch eine a priori-Wahrscheinlichkeit angeben oder ohne Versuch die Wahrscheinlichkeit ermitteln, so kann man versuchen, den Überzeugtheitsgrad [sic!] zu quantifizieren.“ Festzuhalten ist, dass letztlich allerdings - entgegen dem oben genannten Artenspektrum - zufolge DROSG das entscheidende Kriterium für alle (!) Arten von Wahrscheinlichkeit Folgendes ist: die Unterscheidung zwischen sog theoretischer Wahrscheinlichkeit einerseits gegenüber sog praktischer Wahrscheinlichkeit andererseits (private Mitteilung von Prof Dr. Otto DROSG vom 18.3.2009).
15 Vgl etwa RÜGER (1999: 120f).
16 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es die „objektive Wahrscheinlichkeit“ in - wie er schreibt - „drei Versionen“ gäbe: „als klassische (a priori) Wahrscheinlichkeit, als frequentistische (a posteriori) Wahrscheinlichkeit und als logische Wahrscheinlichkeit.
17 RÜGER (1999: 120) etwa verweist darauf, dass es „drei Versionen“ der sog „objektiven Wahrscheinlichkeit“ gebe: die sog „klassische“ (a priori) Wahrscheinlichkeit, die sog „frequentistische“ (a posteriori) Wahrscheinlichkeit“ sowie die sog „logische“ Wahrscheinlichkeit. Zur sog „klassischen Definition der Wahrscheinlichkeit“ siehe ua ZÖFEL (2003: 19).
18 MISES (1951: 85) etwa, will (erfolglos) die Vertreter der sog „a priori-Auffassung“ widerlegen und sie zu seiner - wissenschaftlich unhaltbaren - Behauptung überreden, was ihm keinesfalls gelingt, wenn er schreibt: „Wenn man einmal einen Vertreter der a priori-Auffassung zu einer deutlichen Erklärung zwingt, was er eigentlich unter der vollkommenen Homogenität versteht, so beschränkt er sich schließlich auf die Forderung, daß der Schwerpunkt des Körpers mit dem geometrischen Mittelpunkt zusammenfallen muß und - falls der Befragte über genügende Kenntnis der Mechanik verfügt - daß die Trägheitsmomente für die zwölf Kanten als Drehachsen gleich [sic!] sein sollen“: Das Wort „gleich“ sagt überhaupt nichts aus. Was heißt „gleich“? MISES müsste sagen, dass es z.B. auf ein ppm (part per million) genau muss. KEEL (1992: 8) stellt etwa klar, dass betreffend die sog „klassische“ Wahrscheinlichkeit eine sog „faire (symmetrische) Münze“ zu werfen ist. Er stellt fernerhin klar, dass das vorgenommene Zufallsexperiment auf der sog „Gleichwahrscheinlichkeit“ basiert: „Die Versuchsanordnung (faire Münze) gibt“ - so KEEL (1992:8) - „keinen Anlass, einen der möglichen Ausgänge [maW: den Ausgang „Kopf“ oder den Ausgang „Zahl“ bei Werfen der sog „symmetrischen“ Münze] zu bevorzugen.“ RÜGER 1999: 120 hält fest, dass es um „Symmetrieeigenschaften des betreffenden Zufallsexperiments“ iZm der sog „klassischen“ Wahrscheinlichkeit gehe.
19 Siehe hierzu ua DILLMANN (1990: 1).
7
vom unzureichenden Grund“ 20 in (enge) Verbindung gebrachte sog „klassische“
Wahrscheinlichkeit 21 (auch „Wahrscheinlichkeit nach Laplace“ 22 , „Laplace’sche
Wahrscheinlichkeit[sdefinition]“ 23 oder sog „logische Wahrscheinlichkeit“ 24 genannt,
die sich dem KANTschen „a priori“ 25 verpflichtet wissen und von einer sog
„Gleichmöglichkeit 26 “ 27 sowie einer „Gleichwahrscheinlichkeit“ im Kontext einer sog
20 Diese „Prinzip“ bestehe - zufolge LEINER (2004: 73) - in Folgendem: „(man hat dann keinen zureichenden Grund, dem Ereignis z.B. eine größere Chance zuzumessen)“. RÜGER 1999: 123 vermerkt in diesem Kontext: „Dabei wird die Anwendung des Prinzips vom unzureichenden Grund entweder durch Symmetrieeigenschaften (klassische Wahrscheinlichkeit), als logische Prämisse (logische Wahrscheinlichkeit) oder in Form subjektiven Vorwissens (subjektive Wahrscheinlichkeit) gerechtfertigt.“ DILLMANN 1990: 7 vermerkt iZm dem sog „Prinzip vom unzureichenden Grund“: „Dabei bedeutet „unzureichender Grund“, daß keine Gründe für die Begründung der Behauptung unterschiedlicher Plausibilität der endlich vielen verschiedenen Alternativen vorliegen, weshalb Gleichverteilung als vernünftigste [sic!] Annahme angesehen wird.“
21 Zur sog „klassischen“ Wahrscheinlichkeit siehe ua KEEL (1992:8), BOSCH (1997: 302), HEINRICH (2006: 219), ZEIDLER (1996: 1020f), ZÖFEL (2003: 18-19),
SCHAICH/EBERHARD/KÖHLE/SCHWEITZER/WEGNER (1993: 19f), STOYAN (1993: 90). Verfehlt ist in diesem Zusammenhang etwa der (vermeintliche) „Einwand“ etwa von SPIEGEL/STEPHENS (2003: 161) gegen diese Wahrscheinlichkeit(sdefinition).
22 Vergleiche diesbezüglich etwa BIERMANN/GROSSER (1999: 194).
23 So etwa EPELT/HARTUNG (2004: 24-25).
24 So etwa MEISSNER (2004: 228).
25 Siehe diesbezüglich ua ZEIDLER (1996: 1033), der festhält: „Im Sinne der Philosophie von Immanuel Kant (1724-1804) geht der moderne Aufbau der Wahrscheinlichkeitsrechnung davon aus, dass Wahrscheinlichkeiten a priori existieren.“ Zum „a priori“ siehe ua LEONHART (2009: 113).
26 BUCHNER in CORSTEN (1993: 1327) etwa vermerkt, dass iZm dem Bruch „günstige Fälle zu mögliche Fälle“ diese Definition - so BUCHNER - voraussetzen würde, „dass man a priori die Anzahl der gleichmöglichen Ereignisse kennt“ und - so BUCHNER - „wegen dieser Voraussetzung“ [sic!] sei diese Definition heftig kritisiert worden: BUCHNER wirft dieser Definition sohin vor, dass man nicht wisse [sic!], wie viele günstige Fälle es sein werden, sei dies ein Grund für Kritik an dieser Definition gewesen. Dem ist entgegen zu halten, dass man - wüsste man, wie viele günstige Fälle es sein werden, das ja dann sicher [sic!] wäre. Kritisch ist ferner BUCHNERs Hinweis zu sehen, wonach als Konsequenz besagter Kritik ua von MISES den sog „klassischen“ a priori Wahrscheinlichkeitsbegriff durch einen sog „objektiven“ „a posteriori Wahrscheinlichkeitsbegriff ersetzt“ habe, welcher von MISES - zufolge BUCHNER in CORSTEN (1993: 1328) „als Grenzwert, gegen den die relative Häufigkeit für ein zufälliges Ereignis in einer unendlich [sic!] langen Versuchs[sic!]-reihe strebt“, definiert habe, und zwar insofern als es eine unendlich lange Versuchsreihe nicht gibt (!). Es handelt sich bei einer „unendlich langen Versuchsreihe“ um eine contradictio in ipso (!). „Unendlich lang“ und „Versuchsreihe“ „gehen“ nicht (praxisbezogen-sinnvoll) in einen Satz. In der Theorie (!) kann man unendlich viele Messungen fordern, um zB den sog „wahren Wert“ festzustellen, in der Praxis ist das völlig unmöglich, da unendlich viele Messungen nicht durchführbar sind. An dieser Stelle herzlichen Dank Prof Dr Otto DROSG für zahlreiche Erwägungen und Anregungen qua privater Mitteilung vom 4.4.2009.
27 Ins Leere geht in diesem Zusammenhang etwa der „Vorwurf“ von MISES (1951: 82f), wenn er iZm dem sog „Erkennen der Gleichmöglichkeit“ - wie er schreibt - sich den Kopf über die Vorgeschichte [sic!] des Würfels iZm dem Würfeln macht: In Wahrheit geht es hier um ein sog „Bauchgefühl“; Menschen glauben [sic!], dass die Wahrscheinlichkeit höher ist (etwa iZm dem Lotto-Spiel, es spielen mehr Leute mit, dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit in der Tat: dies allerdings ist ein Aspekt der sog „self-fulfilling prophecy“ [sic!]. MISES (1951: 82f) will uns kommunizieren, die Vorgeschichte [sic!] sei interessant. Die Vorgeschichte ist völlig uninteressant, Beim Würfel fängt man immer beim Punkt „0“ an.
8
„Gleichverteilung“ ausgeht), fernerhin die sog „statistische“ Wahrscheinlichkeit 28 iSd
sog Grenzwertes [sic!] der sog „relativen Häufigkeit(en)“ 29 bei unendlich 30 [sic!]
vielen (unabhängigen) Wiederholungen (nach MISES) 31 - im Gegensatz 32 zu - meist
„hilfsweise“ 33 herangezogenen - sog subjektiven Wahrscheinlichkeiten 34 bzw. zu
(„einer“) so genannten subjektiven Wahrscheinlichkeit 35 oder Wahrscheinlichkeit
„subjektiver Natur“ 36 bzw „subjective estimates of probabilities“ 37 ). In diesem Kontext
28 Diese Wortwahl verwendet etwa MEISSNER (2004: 228f). Verfehlt iSv rein theoretisch und praktisch nicht überprüfbar ist freilich auch seine „n gegen unendlich“-„Limes“-Bildung in seiner Formel zu dieser Wahrscheinlichkeit. Kann man hier überhaupt - allen Ernstes und aus praktischer, lebensnaher Sicht - einen sog Grenzwert - aus wissenschaftlicher Sicht - bilden?
29 ZEIDLER(1996: 1033) stellt in diesem Kontext fest: „Relative Häufigkeiten werden durch Experimente a posteriori festgestellt.“
30 Es handelt sich um eine rein theoretische [sic!] Annahme, die in der Praxis nicht erfüllbar ist.
31 Siehe dazu etwa HEINRICH (2006: 219).
32 SCHNECK 1993: 631 will uns wissen lassen, dass sich [erg wohl, nach SCHNECKs Ansicht: erst] „nach der neuen (statistischen) Wahrscheinlichkeitstheorie“ sich „subjektive und objektive Wahrscheinlichkeiten“ unterscheiden ließen.
33 Vgl diesbezüglich etwa SCHWINN 1993: 844, der iZm der sog „richtigen“ [sic!] Schätzung [sic!] im Rahmen der (damaligen, der d Rechnungslegung, bezogen auf den Finanzbereich und hier auf den Bereich der Rückstellungen folgenden) Rückstellungshöhe auf einen „Weg“ verwiese, nämlich die Verwendung subjektiver „Wahrscheinlichkeiten“, wobei SCHWINN festhielt: „Diesen Weg beschreitet man hilfsweise dann, wenn keine bekannten Daten und Wahrscheinlichkeitsverteilungen existieren. An ihre Stelle treten dann subjektiv geschätzte Glaubwürdigkeitsziffern, die in die Prognoserechnungen einbezogen werden.“
34 SCHNEIDER (1970: 66) verwendet statt diesem Wort auch die Worte „Glaubwürdigkeiten, Vertrauensgrade“, an anderer Stelle verwendet SCHNEIDER (1970: 89) auch das Wort „Glaubwürdigkeitsziffern“, wobei er einräumt: „Ob der Begriff „subjektive Wahrscheinlichkeit“ anstelle des Ausdrucks „Glaubwürdigkeiten“ gut ist, sei dahingestellt.“ RÜGER (1999: 121) etwa verweist darauf, dass eine so genannte subjektive „Wahrscheinlichkeit“ „den Grad“ ausdrückt, „mit dem die Person an das Eintreten des Ereignisses glaubt [sic!], oder“ - so RÜGER - „auch die Chance, welche die Person dem Eintreten des Ereignisses gibt“. VIERTL (2003: 22) etwa verweist darauf, dass im Falle des Fehlens einer „große[n] Zahl identischer Versuche“ man „subjektive Wahrscheinlichkeiten“ (in Gestalt „eine[r] numerische[n] Angabe für den Grad des Vertrauens in den Eintritt von Ereignissen“) für den als - wie VIERTL (2003: 22) schreibt - „numerische Grade des Vertrauens in den Eintritt von Ereignissen betrachtet“, die - so VIERTL - „vom Informationsstand H (= Vorwissen)“ abhängen würden, so VIERTL. Fraglich könnte igZ sein, inwieweit - bei lebensnaher Betrachtung - von einem „Vor-Wissen“ (in strengem Sinne) gesprochen werden darf, insbesondere von einem „Wissen“. Ist es - bei lebensnaher Betrachtung - oftmals so, dass - allen Ernstes - ein so genanntes (Vor-)Wissen existiert?
35 Im Englischen mit den Worten „subjective probability“ bezeichnet, soll diese „Wahrscheinlichkeit“
- zufolge VOGT (1993: 179) - „a guess [sic!] or feeling [sic!] about some probability“ sein, die („that“)so VOGT - „is not based on any precise computation.“ RÜGER 1999: 121 hält fest: „Eine subjektive Wahrscheinlichkeit P (A) wird einem Ereignis A von einer Person zugeordnet und drückt den Grad aus, mit dem die Person an das Eintreten des Ereignisses glaubt, oder auch die Chance, welche die Person dem Eintreten des Ereignisses gibt.“ MEISSNER 2004: 230 hält fest, dass es sich bei „der“ subjektiven „Wahrscheinlichkeit“ um eine subjektive Schätzung handelt.
36 So etwa SCHWINN (1993: 27), der igZ festhält: „Im zweiten Fall sind sie Ausdruck des Überzeugungsgrades [sic!] eines Entscheidungsträgers. In diesem Zusammenhang spielt häufig die Erfahrung [sic!] aus ähnlichen Entscheidungssituationen eine große Rolle.“ Dabei ist allerdings festzuhalten: Würde argumentiert, weil etwas früher so und so oft der Fall war, muss es jetzt auch so sein, so wäre dies völlig falsch.
9
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Mag. Georg Schilling, 2009, „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“, Munich, GRIN Publishing GmbH
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