2 Einleitung
3 Definition des Bösen
'DV%|VHDGG%RVLYRQYRUGHXWVFKEDXVMDÄJHULQJVFKOHFKW³LVWGHU*HJHnbegriff zum Guten und ein zentrales Konzept der Philosophie- und Religionsgeschichte. 1
1DFKVWHKHQGHLQLJH'HILQLWLRQHQVRZLH*HGDQNHQ]XPÄ%|VHQ³'LHDOOJHPHLQVWH aller Definitionen könnte lauten: Böse ist eine Handlung, wenn sie wissentlich und willentlich den Schaden anderer herbeiführt. Nun haben wir aber die Frage, wann ist eine Handlung wissentlich und willentlich, das heisst in absoluter Freiheit, vollzogen worden? Auch ist das Empfinden von Schaden individuell verschieden. Annamarie Piper sagt, dass das Böse die Herbeiführung des Schadens anderer in der Einschränkung der Freiheit ist, in welcher der andere nach seinem persönlichen Ziel strebt. 2
Die soziologische Sicht versucht das Böse zu erklären als etwas, was dem Menschen in Form von destruktiven, ungerechten gesellschaftlichen Strukturen begegnet. Auch wenn diese menschengemacht sind, wirken sie wieder auf den Menschen zurück und fördern so das Böse im Menschen.
In der Philosophie ZLUGDOVÄ%|VH³GDVEH]HLFKQHWZDVHWKLVFKIDOVFKLVW'DV%|VH LVWGDV*HJHQWHLOGHV%HJULIIHVÄPRUDOLVFKJXW³'LH%HJULIIHÄJXW³XQGÄE|VH³VLQG normative und präskriptive Begriffe. Die Begriffe werden auch als gegensätzliche 3ROHEHWUDFKWHW.DUO-DVSHUVDJWLQVHLQHP:HUNÄ(LQIKUXQJLQGLH3KLORVRSKLH³ dass das Verhältnis zwischen Gut und Böse mit drei Stufen zu erklären sei. Der Mensch hat die Alternative bei der Entscheidung: Das moralische Verhältnis. Es steht im kantschen Sinn zwischen Neigung und Pflicht, sich von den Antrieben leiten zu
1 Duden, Das Synonymwörterbuch
2 Piper, Gut und Böse, S. 16 f
lassen. Das ethische Verhältnis, das von der Wahrhaftigkeit der Motive bestimmt ZLUG'DV%|VHLVWKLHUÄ6FKZlFKH³GLHGHU1HLJXQJQDFKJLEWDas metaphysische Verhältnis, welches das Verhältnis zwischen zum Sein drängende Liebe und zum Nichtsein drängender Hass beschreibt. 3 Leibniz unterscheidet drei Formen des Übels: das Metaphysische, welches die Unvollkommenheit schlechthin darstellt, das Physische, welches das Leiden und das Moralische, welches die Sünde beschreibt. *RWWHUVFKDIIWÄGDV%|VHYRQ0|JOLFKHQ³1DFKGLHVHP3ULnzip sei die Welt erschaffen. 4 'DV%|VHKDW.DQWLQVHLQHP:HUNÄ'LH5HOLJLRQLQQHUKDOEGHU*UHQ]HQ GHUEORVVHQ9HUQXQIW5*9³DOVXQHUNOlUOLFKHV3KlQRPHQGHILQLHUWGDVMHGHQ Menschen eigen ist: Jeder Mensch trage von Natur aus dem Hang zum Bösen in sich. Dieses Prinzip sei es, was den Menschen abhalte, moralisch zu handeln. 5
Die Ethik beschäftigt sich damit, was gutes Handeln oder schlechtes Handeln ausmacht. Das ethische Denken fragt also danach, wie der Mensch handeln soll und wie nicht. Dazu gehören auch die Auseinandersetzung mit dem Ausmass individueller menschlicher Freiheit sowie eine Bestimmung von Gut und Böse. 6
Die Religionswissenschaft unterscheidet zwei Formen des Bösen: Das Böse in der menschlichen Sphäre (als Gegenpol des sittlichen Guten). Das Böse als göttliche bzw. geistige Mächte. Ihr Wirken ist schädigend. Die Gegenmacht versucht das Verhältnis zwischen Gott und Menschen zu bedrohen und zu zerstören. Die Gegenmacht (das Böse) versucht den göttlichen Heilsplan zu durchkreuzen. Das Christentum erklärt das Böse aus dem menschlichen Urtrieb, selbst Gott sein zu wollen. Es wird versucht dies zu belegen mit dem Sündenfall und die daraus UHVXOWLHUHQGH(UEVQGHQOHKUH'HU7KHRORJH'DOIHUWKVDJWLQVHLQHP:HUNÄ'DV %|VH³GDVVHLQH:HOWRKQH/HEHn nicht besser wäre, als eine Welt mit dem Bösen, weil es in ihr weder Gutes noch Böses gäbe. Nur einer Welt, der etwas Wirkliches widerfährt, ist eine Welt mit Leben. Nur, wo es Leben gibt, kann etwas widerfahren. Ein Widerfahrnis ist das, was einem Lebewesen passiv, und zwar ohne eigenes Zutun und wider Erwarten geschieht. Das Leben wird so betroffen, dass es dadurch anders wird. Was widerfahren ist, zeigt sich daran, wie ein Leben auf das Betroffenwerden reagiert. 7 Der Theologe Barth sagt in seinem VortrDJÄ'DV3UREOHP GHV%|VHQ³GDVVGDV%|VHGLH%KQHGHV:HOWJHVFKHKHQVEHKHUUVFKW(VJlEH keine Historie, kein Drama ohne das Böse. 8 Bosheit wird als Widerfahrnis der Seele empfunden. Das Böse wird zu einer auf uns eindringenden Macht. Es gewinnt eine hinreissende persönliche Gewalt. Es begegnet den Menschen als diabolischen Widersacher. Eine andere Möglichkeit ist, dass Gott selbst der Urheber des Bösen sei. Andere Gedankengänge sind, dass Gott das Böse als Strafe billige. Damit würde aber der Begriff der Güte sinnlos, da Gott selbst zu bösen Mitteln greift. Oder Gott ist das Böse nicht mächtig, weil er als Schöpfer die Freiheit des Geschöpfs zugelassen hat. Gott steht vor der Wahl, entweder das Böse oder die Schöpfung aufzuheben. Dann gäbe es keine Freiheit ohne den Preis des Leidens. Im Christusereignis stellt
3 Jasper, Einführung in die Philosophie, Kapitel 5
4 Leibniz, Gesammelte Werke, S. 601 ff
5 Kant, Werke in 12 Bänden. Band 8, S. 680 - 688
6 (LJHQH1RWL]HQ/HKUJDQJÄHWKLVFKH(QWVFKHLGXQJVILQGXQJLQ2UJDQLVDWLRQHQ³)+1RUGZHVWVFKZHL] Dialog Ethik und Universität Freiburg, 2008
7 Lüthi, Gott und das Böse, S. 6 ff
8 Barth, Das Problem des Bösen, S. 9
sich Gott dem Bösen, indem er es auf sich nimmt. Christus ist die letzte Antwort auf die Theodizeefrage. 9
Es kann gesagt werden, dass das Böse, das dem Guten Entgegengesetzte ist, das Verwerfliche. Es gilt als Ursache von Leid und Unglück in der Gesellschaft. Das Problem des Bösen in seiner Unfassbarkeit sowie Unerklärlichkeit ist ein dauernder Gesprächsstoff in der Geistesgeschichte. Diskussionen über seine Herkunft finden wir schon in der Genesis (Gen. 3). Im 19. Jahrhundert setzte eine Positivierung des Bösen ein, besonders von Schelling vorangetrieben. 10 Die natürlichen Erklärungen und metaphysischen Rechtfertigungen wurden verworfen. Das Böse wurde als der unaufhebbare Gegensatz zum Guten aufgefasst. Probleme ergeben sich bis heute in der Fragestellung, entweder ist der Mensch zum Bösen determiniert; dann trifft ihn keine Schuld, denn er handelt nicht willentlich. Seine Handlungen lassen sich nicht moralisch bewerten, denn jede Moral setzt Freiheit voraus. Oder der Mensch ist frei. Dann ist böses Handeln unsinnig. Das böse Handeln beschneidet seine Freiheit. Heute wird auch die Definition des Bösen zusammengefasst unter dem Begriff Ä$JJUHVVLRQHQ³'DUXQWHUZLUGHLQDIIHNW- oder triebbedingtes Angriffverhalten des Menschen verstanden. Es gibt die These, dass es sich bei Aggressionen um Fehlleistungen eines lebenswichtigen Instinkts handelt, der sein adäquates Ventil nicht finden kann. Aggression ist verknüpft mit dem nicht gestillten Verlangen nach Gerechtigkeit. 11
Aus dem Erwähntem sieht man, dass die Definition des Bösen viele Blickwinkel hat.
4 Woher kommt das Böse?
Die Frage, woher das Böse komme, beschäftigt uns seit Jahrhunderten. Nachfolgend einige Aussagen und Vorstellungen zur Frage, woher das Böse kommt:
6DIUDQVNLHUZlKQWLQVHLQHP:HUNÄ'DV%|VHRGHUGDV'UDPDGHU)UHLKHLW³GDVVLQ der Sündenfallgeschichte das Böse in der Entfremdung von Gott, in der Geschichte von Kain und Abel in der Verfeindung zwischen den Menschen zu finden ist. 12 Nach KLUFKVFKOlJHUVHW]WGLH)UDJHÄZDUXPXQGZRKHUGDV%|VH³YRUDXVGDVVPDQ Auskunft geben kann, was das Böse ist. 13 Traditionelle Definitionen des Bösen befriedigen den heutigen Menschen kaum noch. Menschen des 20. Jahrhunderts haben das Böse mehrfach erlebt wie in Auschwitz, im Gulag sowie in Jugoslawien oder im Irak. Die Rede vom Bösen beschäftigt jedoch den Menschen seit Beginn seiner Geschichte. Der Mensch hat die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden. Weitere Fragen nach der Bedeutung des Bösen finden wir in den Evangelien. Das Böse in Gestalt des Teufels ist ein zentrales Thema in den Evangelien. Jesus versteht sein Wirken als Auseinandersetzung mit dem Bösen, als Zerstörung der Werke des Widersachers Gottes. 14 Die Grundmaxime der Christen lautet: Ä:LGHUVWHKWGHP7HXIHOXQGHUZLUGYRQHXFKIOLHKHQ³-DN$XFKGDV17VHW]W
9 Hofmann, Katholische Dogmatik, S. 84 ff
10 Ritter, Gründer und Gabriel, Historisches Wörterbuch der Philosophie, S. 682 - 708
11 (LJHQH1RWL]HQ/HKUJDQJÄHWKLVFKH(QWVFKHLGXQJVILQGXQJLQ2UJDQLVDWLRQHQ³)+ Nordwestschweiz, Dialog Ethik und Universität Freiburg, 2008
12 Safranski, Das Böse oder das Drama der Freiheit, S. 335 f
13 Kirchenschläger, Das Phänomen des Bösen, S. 11 ff
14 Evangelisches Erwachsenenkatechismus; Kursbuch des Glaubens, S. 335
VLFKPLWGHU)UDJHVWHOOXQJDXVHLQDQGHU6RVDJW5XVVHOOLQVHLQHP:HUNÄ%LRJUDILH GHV7HXIHOV³GDVVGDV17HLQLJHWUDGLWLRQHOOH9RUVWHOOXQJHQYRP7HXIHOGHP%|VHQ übernommen hat. Der Teufel ist ein gefallener Engel. Er wird zum Anführer einer Schar von Dämonen. Er ist das Prinzip des Bösen und das Böse ist Nicht-Sein. Das NT hat diese Elemente aufgegriffen, sie verfeinert und verändert. Die Namen, die das NT dem Bösen gibt, spiegeln sowohl den Hintergrund der hellenistischen Kultur als auch den des apokalyptischen Judentums wider. Der Kampf zwischen Gott und dem Bösen steht im Mittelpunkt des NT. Man folgt Gott nach oder man ist dem Bösen unterworfen. Das Böse in der Figur des Teufels ist der Widersacher Christi (Mk 8,33; 22,3; Joh 13,2, 13,27). Am deutlichsten ist es in der Versuchung zum Ausdruck gekommen. Er versucht den Erlöser, um ihn zu verleiten, sein Erlösungswerk aufzugeben (Mt 4,1-11) 15 als Gegensatz zwischen Geist und Körper, auch als Kampf zwischen Licht und Finsternis, wird der Kampf zwischen der alten Zeit, der vom Satan beherrschten Welt und der neuen Zeit, des Reich Gottes, dargestellt. Eine wichtige Aufgabe des Bösen im NT ist das Reich Gottes lange und gründlich zu verhindern. 16
Auch Philosophen setzen sich mit der Frage, woher das Böse komme, auseinander. +DQQDK$UHQGWVFKUHLEWLQLKUHP:HUNÄ%DQDOLWlWGHV%|VHQ³GDVVGDV%|VH NHLQHVZHJVUDIILQLHUWVHL'DV%|VHVHLJHUDGHEHLDQJHSDVVWHQÄEDQDOHQ³0HQVFKHQ verbUHLWHW$UHQGWYHUVXFKW]XHUNOlUHQZLHÄEUDYH)DPLOLHQYlWHU³]X1D]LVZXUGHQ Überzeugt waren nicht alle. Sie taten es, weil alle es taten. Dass Millionen von Menschen vernichtet wurden, der Nachbar, der Lehrer, der Freund, interessierte GLHVHÄEDQDOHQ³ Menschen nicht. Sie waren nicht einmal in der Lage, sich in die Situationen der Abtransportierten zu versetzen. 17
5 Die Personifikation des Bösen
'HU%HJULIIÄ3HUVRQLILNDWLRQ³LVWHLQHUKHWRULVFKH)LJXUGLH3IODQ]HQ*HJHQVWlQGHQ oder abstrakten Wesenheiten eine Stimme gibt oder menschliche Züge verleiht. 18 Eine der ersten Personifizierungen des Bösen in der abendländischen Kultur ist die Schlange. Die Kulturen haben verschiedene Personifikationen des Bösen: germanischer Loki, christlicher Teufel oder der arabische Dschinn. Im Hinduismus sind es die Dämonen. Allen gemeinsam ist, dass sie aus freiem Willen und eigenständig Unglück und Verdammnis bringen. Im Judentum wird nichts als das personifizierte Böse betrachtet. Es gibt keinen Teufel. Hebr. 2,14 redet YRQÄGHQGHU GHV7RGHV*HZDOWKDWQlPOLFKGHQ7HXIHO³9RQHLQHUDEVWUDNWHQ,GHHZLUGZLHYRQ einer Person gesprochen. Die Bibel benutzt oft Personifikationen. Der Teufel oder auch Satan genannt, repräsentiert die bösen Wünschen in uns. Im NT personifiziert sich das Böse in der Gestalt des Satans wie in der Versuchung Jesus, in der das Böse als eigenständige widergöttliche Macht agiert (Mt 4, vergl. Kor 7,5, 2 Kor 11,14). Das Böse kann Menschen befallen oder Judas zu seinem Verrat verführen (Luk 23,3). Am Ende der Zeit wird Satan losgelassen und er kann sein Zerstörungswerk in Angriff nehmen (Apk 20, 2.7). Paulus spricht davon, dass wir ]ZHL:HVHQLQXQVKlWWHQGHU0DQQGHV)OHLVFKHVÄGHU7HXIHO³NlPSIWJHJHQGHQ
15 Russell, Biografie des Teufels, S. 47 ff
16 Russell, Biografie des Teufels, S. 49
17 Ruffing, Philosophie, S. 238
18 Duden, Das Fremdwörterbuch, S. 753 f
Arbeit zitieren:
Franz Ludin, 2009, Das Böse in der abendländischen Kultur, München, GRIN Verlag GmbH
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