Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung. 3
2 Die muslimische Frauengruppe 3
2.1 Vorstellung der muslimischen Frauengruppe. 3
2.2 Die Interviewpartnerinnen 4
3 Thesen. 7
3.1 These 1 7
3.2 These 2 8
3.3 These 3 9
4 Die Lifemakers Germany 10
4.1 Die Geschichte der Lifemakers - Amr Khaled 10
4.2 Die „Lifemakers Germany“ in Bremen. 11
4.3 Interviewpartnerin Sara Janine - Leiterin der „Lifemakers“ Bremen 11
5 Thesen. 13
5.1 These 1 13
5.2 These 2 14
5.3 These 3 16
6 Vergleich der muslimischen Frauengruppe und der „Lifemakers Germany“ 17
7 Fazit. 18
8 Literatur- und Quellenverzeichnis 19
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1 Einleitung
Das Thema dieser Hausarbeit lautet „Wandel und Kontinuität von Geschlechteridentitäten / -verhältnissen in der Migration am Beispiel einer muslimischen Frauengruppe und den „Lifemakers Germany““. Anhand dieser Thematik soll erforscht werden, inwiefern sich die religiöse Identität von Nicht -Deutschen Musliminnen in Deutschland entwickelt hat. Innerhalb dieser Ausarbeitung werden beide Gruppen vorgestellt und die Gesprächspartner, mit denen ein Experten- beziehungsweise biographisches Interview geführt wurde, bekannt gemacht. Anschließend wurden jeweils drei Thesen formuliert, welche mit Zitaten des Interviews oder wissenschaftlicher Literatur belegt werden. Die Differenzen innerhalb der beiden Gruppen werden in einem Vergleich dargestellt.
Natürlich wurde das Thema in dieser kurzen Arbeit nicht abgeschlossen und müsste in einer größer angelegten Studie erforscht werden, da hierbei nur Einzelfälle zu betrachten sind.
2 Die muslimische Frauengruppe
2.1 Vorstellung der muslimischen Frauengruppe
Die muslimische Frauengruppe versteht sich selber als Anlaufstelle für neu-eingewanderte Musliminnen, Konvertitinnen und Islam-interessierte Frauen. Gegründet wurde die Frauengruppe von der sechsundzwanzigjährigen Deutschen mit türkischen Wurzeln und war ursprünglich hauptsächlich für Konvertitinnen gedacht. Da islamische Gemeinden jeweils meistens aus Mitgliedern der gleichen Nation bestehen und dort größtenteils in der Heimatsprache gepredigt und unterrichtet wird, ist es für Konvertiten schwer sich einer Gemeinde anzuschließen oder sich dort einzubringen. Damit die Konvertitinnen nicht ausgeschlossen werden und auch eine Gemeinde bilden können, rief die türkischstämmige junge Muslima R die Frauengruppe ins Leben. Ungefähr siebzehn Frauen und Mädchen zwischen sechszehn und neunundzwanzig Jahren gehören zu der Gruppe, davon kommen ca. acht regelmäßig. Das Bildungsniveau der Frauen ist relativ hoch. Von Abiturientinnen, Studentinnen bis hin zu Akademikerinnen ist alles vertreten. Die Gruppe trifft sich privat einmal wöchentlich, um über den Islam zu sprechen und ihn zu lehren und lernen. Sie gehen so vor, dass sie ein Thema wählen und dazu passende Koranverse, die Erklärung des Korans (Tafsir) und Aussprüche des
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Propheten Muhammad (Hadithe) mit einbringen, um z.B. Glaubensfragen, Meinungen oder Handlungsweisen zu beweisen oder für falsch zu erklären. In der Gruppe gibt es keine Lehrerin oder Leiterin aber es gibt einige Frauen, die als die “am meisten Wissenden” bekannt sind, zu denen auch die Deutsch-Türkin R gehört. Diese Frauengruppe ist den Schwesterngruppen, die Gritt Klinkhammer erforschte, sehr ähnlich. Auch sie gehen fast genau so vor und teilen beispielsweise die verschiedenen Themen an die Mitglieder auf, die sich bereit erklären ein Thema vorzubereiten und vor den anderen zu referieren. 1 Seit neustem werden innerhalb der Gruppe Spenden für Wohltätige Zwecke oder Dawa-Arbeiten (Einladung zum Islam), gesammelt. Theologisch hält die Frauengruppe sich an den Salafiyya, eine Konfession innerhalb des sunnitischen Islam, die zu den konservativsten Strömungen gehört. Die Moschee, zu der sich die Gruppe größtenteils zugehörig fühlt, ist das islamische Kulturzentrum in Bremen, welche auch zu den konservativsten Gemeinden Bremens zählt.
2.2 Die Interviewpartnerinnen
Am 19.12.08 wurde mit drei muslimischen Mitgliedern der Frauengruppe ein biographisches Gruppeninterview zum Thema “Wandel und Kontinuität von Geschlechteridentitäten / -verhältnissen in der Migration” geführt. Alle drei Frauen sind praktizierende Musliminnin und leben seid mindestens vierzehn Jahren in Deutschland.
Meine erste Interviewpartnerin R ist sechsundzwanzig Jahre alt und die Gründerin der Frauengruppe. Ihr Großvater kam aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland und holte seine Familie nach, unter der auch die Mutter von R dabei war, die in Deutschland eher nicht-religiös aufwuchs. Die Religiosität kam allmählich durch andere Gastarbeiter aus der Türkei, wodurch die Familie von R erst Mitglieder der Grauen Wölfe, dann der ATIB und schließlich der Milli Görüş wurden. Somit wurde R zwar religiös, nach ihren Aussagen aber mit allen Freiheiten erzogen: „Bei meinen Eltern hatte ich alle Freiheiten und ich finde so sollte man seine Kinder erziehen, dass sie keine Wünsche mehr offen haben, verstehst du? Guck mal, ich bin sogar für ein Jahr ganz alleine nach Syrien und Ägypten gefahren. Für meine Eltern ist das gar kein Problem, obwohl die so religiös sind.“ 2
1 Vgl. „Moderne Formen islamischer Lebensführung“ Gritt Klinkhammer, S. 97.
2 Zitat aus dem Gruppeninterview vom 19.12.2008
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Trotz aller Freiheiten, entschied sie sich schon mit neun Jahren aus eigenen Stücken für das Kopftuch. Sie besuchte das Gymnasium, machte ihr Abitur und begann ein Arabistik-Studium. In dieser Zeit veränderte sich zunehmend ihr Kleidung, die immer weiter wurde, so wie das Verhältnis zu ihren männlichen Mitmenschen. Seit dem Abitur vermeidet sie jegliche Berührungen und auch engere Kontakte zu Jungs und Männern. Als sie die salafitische Gemeinde kennen lernt, verlässt sie die sufische Gemeinde, zu der ihre Eltern gehören und schließt sich den Salafiyya an. Kurz danach beschließt sie die Geschlechtertrennung auszuleben, weswegen sie ihr Studium aufgibt. Außerdem entscheidet sie sich für das Tragen des Gesichtsschleiers (Niqab), um die Geschlechtertrennung auch in der Öffentlichkeit zu vollziehen, beispielsweise beim Einkaufen. Ihren Mann heiratet sie erst nach ihrem Übertritt zum Salafismus. Dieser unterstütze sie bei ihren Entscheidungen, doch der Entschluss zur Geschlechtertrennung und für den Gesichtsschleier komme von ihr. Sie habe ihren Mann sogar in der Einhaltung der Geschlechtertrennung gestärkt. Zur Zeit macht sie ein Online-Studium in dem Fach Islam, jedoch nicht um berufstätig zu werden, sondern um sich weiter zu bilden. Neben der Frauengruppe, gibt sie auch Unterricht zum Koranlesen.
Meine zweite Interviewpartnerin E ist einundzwanzig Jahre alt und gehört zu den jüdischen Flüchtlingen aus Russland. Vor vierzehn Jahren kam sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder nach Deutschland. Ihre Eltern seien kaum religiös gewesen, wohin gegen sie und ihr Bruder sich in ihrer Kindheit zunehmend für ihre jüdische Religion interessierten und unter anderem einen jüdischen Unterricht für Kinder besuchten. In ihrer Jugend lebt sie eher nach westlichen Werten und hält sich kaum an religiöse Gebote. Mit achtzehn Jahren konvertiert sie zum Islam, den sie durch Mitschüler und Freunde kennerlernt. Schon früh entscheidet sie sich für das Kopftuch, welches anfangs nur die Haare und den Hals bedeckt. In dieser Zeit geht sie immer noch in die Schule und hat Kontakt zu Mädchen und Jungen. Mit der Zeit ändert sich jedoch ihr Kopftuch und ihre Kleidung: “Meine Mitschüler haben auch mitbekommen, wie mein Kopftuch immer länger und länger wurde”. 3 Zur Zeit trägt sie immer einen weiten langen Rock oder ein Gewand, welches den ganzen Körper bedeckt (Djellaba) und ein langes Kopftuch, dass bis zum Oberschenkel reicht (Khimar). Auch sie vollzieht seit einiger Zeit die Geschlechtertrennung, weswegen sie auch die Schule abgebrochen hat. Nach Meinung der Salafiyya ist das verbleiben von
3 Zitat aus dem Gruppeninterview vom 19.12.2008
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unterschiedlichen Geschlechtern, die nicht verheiratet sind oder untereinander nicht heiraten dürfen, in einem Raum verboten. Das Arbeiten gehört wohl nicht dazu, da E als Verkäuferin beschäftigt ist. Seid drei Monaten ist sie mit einem algerischen Muslim verheiratet, den sie aus ihrer Gemeinde kennt und dem sie die Heirat vorgeschlagen hat. Aus Rücksicht auf ihre Familie, wird sie noch nicht standesamtlich heiraten und mit ihrem Ehemann zusammenziehen. Für ihre Familie soll es erst einmal wie eine Beziehung aussehen. E meint, dass viele Konvertiten zwar islamisch aber noch nicht standesamtlich heiraten, um ihre Eltern nicht zu besorgen.
Die dritte Interviewpartnerin M ist einundzwanzig Jahre alt und gehört der Volksgruppe der Roma aus dem Kosovo an. Sie, ihre Eltern und ihre drei Geschwister kommen vor siebzehn Jahren, wegen der Diskriminierung der Roma und des sich anbahnenden Krieges in Kosovo, nach Deutschland. Ihre gesamte Familie gehört dem Islam an, praktiziert ihn aber kaum. Als sie in Deutschland sind, nimmt die Religiosität mit der Zeit sogar weiter ab.
”Anfangs haben meine Eltern wenigstens noch gefastet. Regelmäßig gebetet haben sie sowieso nicht, mein Vater vielleicht mal ab und zu, aber er ist eigentlich regelmäßig zum Freitagsgebet gegangen. Als ich und meine Schwester noch klein waren, waren wir sogar im Kirchenchor. Wir haben sogar Schweinefleisch gegessen, ich glaub, weil wir im Asylantenheim genommen haben, was da war.” 4 Ihrer Meinung nach könnte ein Grund für die Abnahme der Religiosität der sein, dass ihnen die islamische Gemeinde fehlte und, dass sie sich in Deutschland etwas anpassen wollten. M beginnt mit ca. dreizehn Jahren sich für den Islam zu interessieren. Einen Auslöser habe es nicht gegeben, sie habe den Glauben immer gehabt und der sei irgendwie immer stärker geworden. Mit vierzehn Jahren begann sie im Monat Ramadan zu fasten und mit sechszehn begann sie das fünfmal-tägliche Gebet. Sie sagt, dass ihre Eltern sie immer als zu streng religiös ansahen. Mit achtzehn Jahren trug M gelegentlich das Kopftuch und später sogar in ihrer gesamten Freizeit. Erst mit einundzwanzig Jahren entschied sie sich das Kopftuch für immer zu tragen. Auch M ist verheiratet, hatte aber im Gegensatz zu den anderen beiden Frauen über vier Jahre eine Beziehung mit ihrem nicht-muslimischen Mann und heiratete diesen erst, als er zum Islam konvertierte. M vollzieht keine Geschlechtertrennung, weil sie kein islamisches Gebot kennt, welches dies verlangt.
4 Zitat aus dem Gruppeninterview vom 19.12.2008
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Arbeit zitieren:
Franziska Schau, Habiba Rode, 2009, Wandel und Kontinuität von Geschlechteridentitäten / -verhältnissen in der Migration am Beispiel einer muslimischen Frauengruppe und den „Lifemakers Germany“, München, GRIN Verlag GmbH
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