Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Entwicklung des Sporttourismus 3
2.1 Historische Verknüpfung von Sport und Tourismus 3
2.2 Definition Sport und Tourismus 5
2.3 System des Sporttourismus 7
2.4 Aktuelle Tourismustrends und Sport als Wirtschaftsfaktor 8
3. Sporttouristische Angebote 11
3.1 Sporttouristischer Wettbewerbskatalog: Radsport und Wandern 11
3.2 Sportliches Freizeitangebot Willingens 14
3.3 Spitzensport als Tourismus- und Imagefaktor 17
3.4 Sportevents als passive Seite des Sporttourismus 18
4. Fazit 21
5. Literaturverzeichnis 24
6. Abbildungsverzeichnis I-IX
Abb. 1: Die touristische Wertschöpfungskette I
Abb. 2: Vertriebswege II
Abb. 3: Markt für Sporttourismus III
Abb. 4: Wanderweg in Mecklenburg-Vorpommern E9 IV
Abb. 5: Wanderweg in Mecklenburg-Vorpommern E9a V
Abb. 6: Wanderweg in Bayern Spessartweg 2 VI
Abb. 7: Wanderweg in Bayern Frankenweg VII
Abb. 8: Uplandsteig Willingen VIII
Abb 9: Vergleich Wettbewerbskatalog IX
1. Einleitung
Trotzt wirtschaftlicher Schwierigkeiten befindet sich die deutsche Tourismusindustrie nach wie vor im Aufwind. Laut ADAC gaben die Deutschen im Jahr 2006 circa 51 Mrd. € für ihren Urlaub aus. Statistiken aus dem Reise Monitor 2007 belegen diese Entwicklung, denn aktuell interessieren sich 39 % der Deutschen für Informationen über Reisen und Urlaubsziele. Damit liegt das Interesse deutlich über dem für Mode, Autos, Gesundheitsprodukte, Altersvorsorge oder technische Geräte. Zudem sind der Anteil der deutschen Urlaubsreisenden 2007 auf 65,1 % und die Ausgaben für Auslandsreisen um 4,4 % gestiegen (vgl. 2.4). Für die kommenden Jahre prognostizieren Experten nochmals einen deutlichen Anstieg der Urlaubsausgaben. Des Weiteren planen 77,9 % der Deutschen mit großer Sicherheit nächstes Jahr einen Urlaub, so dass sich der aufsteigende Trend auch zukünftig fortsetzt. 1
Über Einzelheiten der individuellen Urlaubsvorlieben lassen sich für die Zukunft sicherlich keine definitiven Aussagen treffen, jedoch befindet sich die junge Branche des Sporttourismus aktuell auf dem Vormarsch. Bezieht man passive Sporttouristen wie beispielsweise die Zuschauer eines Fußballspiels oder anderen Sportevents in den Bereich des Sporttourismus mit ein, so lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit ein bedeutendes Wachstum in diesem Segment voraussagen. Am Beispiel der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, deren wirtschaftliche und touristische Auswirkungen uns nachwievor positiv beeinflussen, lässt sich die enorme Bedeutung, die Sport für den Tourismus einnehmen kann, repräsentativ ablesen (vgl. 2.4).
Zudem machen viele Menschen ihre Urlaubsentscheidung auch von den sportlichen Begebenheiten der in Betracht kommenden Destination abhängig. Gerade die Beliebtheit des Fahrradtourismus befindet sich nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Beinahe 45 % aller Deutschen geben in einer Untersuchung des deutschen Tourismusverbandes an, ihr Fahrrad im Urlaub nutzen zu wollen. 2 Aber auch das Wandern und vor allem das Klettern erfreuen sich nach allerneusten Untersuchungen zunehmender Beliebtheit, was nicht zuletzt auch auf das Bedürfnis zurückzuführen ist, einen Ausgleich für die zunehmende Verstädterung der Gesellschaft und den häufig am Schreibtisch sitzend verbrachten Berufsalltag zu schaffen. 3 Auch persönliche Erfahrungen als Reisebegleiter einer Jugend- und Erwachsenengruppe haben mir erstmals verdeutlicht, dass der Wunsch nach aktiver Freizeitgestaltung im Urlaub,
1 Vgl. CHRISTIAN KRAUSE: Reise Monitor 2007, 2007, S. 7f.
2 Vgl. DTV: Tourismus in Deutschland 2006, 2006, S. 18.
3 Vgl. TROEGER-WEIß: Neue Tourismustrends in Deutschland, 2003, S. 1.
2
verbunden mit dem Erlernen oder Ausüben einer bestimmten Sportart, den des eher passiven Bade- und Strandurlaubs überwiegt. Meines Erachtens rechtfertigt speziell diese Entwicklung, die sich zudem auch durch Untersuchungen touristischer Datenerfassung (vgl. 2.4) belegen lässt, sich im Rahmen dieser Hausarbeit vertiefend mit der Frage zu beschäftigen, welche spezifischen Vorteile eine Destination durch ihre angebotenen Sportmöglichkeiten gewinnen kann. Dazu erscheint es nach einer definitorischen Eingrenzung des Themenbereiches (vgl. 2) zunächst sinnvoll, sich primär auf die Zusammenstellung eines Wettbewerbskataloges zu forcieren (vgl. 3), mit dessen Hilfe die verschiedenen Sportangebote analysiert und deren Werbeattraktivität bezüglich des touristischen Aufenthalts aufgezeigt werden sollen. Dabei ist mir bewusst, dass durch die Formulierung meiner Aufgaben- und Fragestellung bereits von einem bestehenden Vorteil touristischer Destinationen mit einem Sportangebot gegenüber solchen ohne ein vergleichbares Angebot ausgegangen wird. Aus diesem Grund kann auf den Vergleich von Sportdestinationen mit Nichtsportdestinationen verzichtet werden. Die in der vorliegenden Arbeit durchgeführte Gegenüberstellung beruht maßgeblich auf dem Sportangebot der Region Willingen, welches mit den zuvor katalogisierten Angeboten verglichen (vgl. 3) und abschließend bewertet wird (vgl. 4).
2. Entwicklung des Sporttourismus
2.1 Historische Verknüpfungen von Sport und Tourismus
Die Entwicklung des heutigen Sporttourismus resultiert aus der Zeit der antiken Griechen, die schon damals sportliche Wettkämpfe zelebrierten und zu Tausenden besuchten. 4 Seit dieser Epoche entwickelte sich diese Verbindung der sportlichen Freizeitgestaltung und des Reisens kontinuierlich weiter. Es bildeten sich immer tiefergehende Verknüpfungen bis hin zur Ausprägung völlig neuer Formen des Tourismus (vgl. 2.3).
Infolgedessen pilgerten bereits vor über 1000 Jahren zehntausende Griechen und Römer zu den Olympischen Spielen. Kein anderes Ereignis der damaligen Zeit mobilisierte so viele Menschen, die trotz widriger Mobilitätslage eine lange Reise auf sich nahmen, um an diesem sportlichen Großereignis teilnehmen zu können.
Bereits 200 Jahre vor Christus und somit weit vor den Olympischen Spielen entstanden rudimentäre Ausprägungen des Sporttourismus in vergleichbarer Form zum heutigen Badeur-
4 Diese Form des passiven Sporteventtourismus werde ich im Verlauf meiner Arbeit noch ausführlicher betrachten (vgl. 3.5).
3
laub. Die Römer verbrachten mit großer Vorliebe ihre Freizeit mit Besuchen von Gladiatorenkämpfen und verbanden dieses Event häufig mit einem Aufenthalt in einem römischen Bad oder einer Therme. Mit der Ausweitung des römischen Reiches etablierten sich in belagerten oder verbündeten Ländern wie beispielsweise Deutschland, Belgien, England oder Israel ähnliche Badeeinrichtungen, die sich häufigen Besuchen von Offiziellen der Römer während deren Auslandsaufenthalten beliebten. Baden und Körperpflege oder der weiterreichende Begriff der Wellness als sehr populäres Urlaubsmotiv ist also mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Römer zurückzuführen (vgl. 3.1).
Im Mittelalter dominierte die katholische Kirche das Leben der meisten Europäer. Sie bestimmte nicht nur den Alltag sondern auch die Freizeitgestaltung der Bürger. Religiöse Re-formen untersagten einige sportliche Aktivitäten wie beispielsweise Ballspiele. Den sportlichen Ambitionen der spanischen, französischen und englischen Monarchen ist es zu verdanken, dass sportliche Aktivitäten nicht gänzlich untersagt wurden. Als populärste Sportarten galten der Wettkampf professioneller Ritter in einem Turnier sowie das Armbrustschießen. Fußball beispielsweise spielte nur das gewöhnliche Volk in seiner Freizeit oder auf Festivals. Im Zuge der zunehmenden Aufmerksamkeit des Sports und der steigenden Anzahl der Pilgerer konstituierte Richard II. den Vorläufer des heutigen Ausweises, indem er von Reisenden verlangte, eine Art Reiseerlaubnis mit sich zu führen. In der Renaissance (1400-1600) gewannen auch heute noch aktuelle Sportarten an Bedeutung. Tanzen, Ringen, Bogenschießen und Golf waren sehr populär und veranlassten zum Beispiel die Niederländer zu einer Schottlandreise, nur um die schottische Art und Weise des Golfspielens zu erlernen. Neben handelsmotiviertem Reisen gewann der Erlebnis- und Sporttourismus folglich immer mehr an Bedeutung.
Schließlich führten die immer komfortabler werdenden Reisemöglichkeiten verbunden mit dem Bestreben Neues zu entdecken und dem wachsenden Interesse am Sport zu einer völlig neuen Form des Tourismus in Europa, der unter dem Namen „Gran Tour“ bekannt war. Aufkommend im 16. Jahrhundert war diese Form des sportlich motivierten Reisens ausschließlich für Repräsentanten und Staatsmänner gedacht, die ihre körperlichen Fähigkeiten verbessern sollten. Doch auf diese Weise etablierte die „Gran Tour“ das Reisen aus sportlichen Motiven, wenn auch vorerst nur in den höheren Gesellschaftsschichten.
Nach aufkommender Beliebtheit des Badeurlaubes im 18. Jahrhundert fand die wohl signifikanteste Entwicklung von Sport und Tourismus im 19. Jahrhundert statt. Parallel zur „Industriellen Revolution“ weitete sich die Kombination von Sport und Tourismus auch geogra-
4
fisch aus. Die zu der Zeit populärsten Sportarten waren unter anderem das Skifahren, Klettern, Golf, Fahrradfahren und Wandern. 5
Nun gehören auch im 21. Jahrhundert diese Formen des Sports zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen; speziell Willingen im Hochsauerland bietet unzählige Wander-und Skimöglichkeiten sowie dutzende Radwege (vgl. 3.2).
Abschließend lassen sich einige Faktoren herausstellen, die an der Entwicklung des Sports und des Tourismus (des Sporttourismus) einen wesentlichen Anteil hatten. Technische Innovationen, die beispielsweise das Reisen zunächst durch bessere Kutschen sowie später durch Bahnen, Automobile und Flugzeuge wesentlich erleichtern konnten, sowie die zunehmende Finanzstärke der Menschen verbunden mit sich ändernden Werten und Normen und die daraus resultierende Sportifikation der Gesellschaft begünstigten die sporttouristische Entwicklung. 6 Anzumerken sei, dass sich Sport und Tourismus keinesfalls in einer parallelen Entwicklung befanden, jedoch induziert das heutige Reiseangebot eine immer enger werdende Verbindung, die sich in Form des Sporttourismus wiederfindet. Mit Hilfe der folgenden Definitionen soll dieser Aspekt verdeutlicht werden.
2.2 Definition Sport, Tourismus und Sporttourismus
Trotz zunehmender Relevanz als zukunftsversprechender Aspekt des Fremdenverkehrs lässt die wissenschaftliche Literatur eine einheitliche Definition des Sporttourismus vermissen. Daher ist es sinnvoll, zunächst eine genaue semantische Analyse durchzuführen, mit deren Hilfe zunächst die begrifflichen Bestandteile des Sporttourismus abgegrenzt werden. „Sporttourismus“ definiert nach STANDEVEN eine Form des Reisens mit der Intention, entfernt von einer bekannten Umgebung unter nichtalltäglichen Bedingungen an sportlichen Aktivitäten zur Freizeitgestaltung oder aus Motiven der Erholung und Entspannung teilzunehmen. Auch professionell durchgeführte Trainingseinheiten an fremden Destinationen lassen sich demnach dem Sporttourismus zuordnen. 7 Nach HUDSON stellen alle organisierten Formen der aktiven und passiven Partizipation an sportlichen Aktivitäten aus nicht kommerziellen oder geschäftlichen Beweggründen, die es erfordern, eine Reise zu unternehmen, Formen des Sporttourismus dar. 8 Die Definitionen, die SIMON HUDSON und JOY STANDEVEN vor-
5 Vgl. JOY STANDEVEN, PAUL DE KNOP: Sport Tourism, 1999, S. 14-28.
6 Ebd. S. 28-32.
7 Vgl. HUDSON, SIMON: Sport and Adventure Tourism, 2003, S. 2.
8 Vgl. JOY STANDEVEN, PAUL DE KNOP: Sport Tourism, 1999, S. 12f.
5
schlagen, lassen jedoch die Implementierung der passiven Sporttouristen, also derjenigen, die als Zuschauer zu Sportevents reisen, vermissen.
Zudem stellen die passiven Zuschauer eines Sportevents ebenso wie die aktiven Sportler äquivalente Bestandteile des Sporttourismus dar; daher sollte eine Definition des Sporttourismus alle aktiven Sporttreibenden (Sporturlauber, Aktivurlauber und Leistungssportler), alle Zuschauer von Sportveranstaltungen und sogar alle beruflich mit Sport in Kontakt Kommenden (Sportjournalisten, Sportartikelhersteller, etc.) implizieren. Demnach bedeutet Sporttourismus jegliche Form des Reisens, die von den genannten Gruppen zwecks aktiver oder passiver Partizipation an sportlichen Aktivitäten unternommen wird. 9 Auch „Sport“ als fundamentaler Bestandteil des Sporttourismus bietet verschiedene Definitionsmöglichkeiten aus unterschiedlichen Perspektiven. In einigen Ländern wird die Terminologie oft eng mit dem Wettkampfsport assoziiert, in dem Sport nur unter der Berücksichtigung von fest vorgegebenen Regeln durchgeführt wird. Konträr dazu ordnen andere Definitionen dem Sport einen Nichtwettkampfcharakter zu. Er gilt demnach vielmehr als allgemeines Gut zur Freizeitgestaltung, Entspannung und gesundheitlichen Förderung. 10 Zusammengefasst lassen sich unter dem Begriff „Sport“ also alle professionell und auch nicht wettkampfmäßig betriebenen Aktivitäten subsumieren, deren Ausführungen durch persönliche Fertigkeiten und Fähigkeiten involvierter Individuen auf deren jeweils eigenem Level bedingt werden. 11
Ebenso mangelt es dem „Tourismus“ seinerseits an einer klaren, einheitlichen Definition. Internationale Organisationen wie beispielsweise die World Tourism Organization (WTO), die World Travel and Tourism Concil (WTTC) und die Organization of Cooperation and Development (OECD) erarbeiteten schließlich Erklärungsansätze aus Konsumentensicht und Anbieterperspektive. Aus dem Blickwinkel der Reisenden impliziert Tourismus zunächst einmal die Absicht, überhaupt verreisen zu wollen und demzufolge eine gewisse Zeit im Aus-land oder in einer bestimmten Entfernung zu verbringen. Die Form der Fortbewegung sowie die geographische Lage der Destination sind dabei von primärer Bedeutung. Aus Sicht der Reiseveranstalter repräsentiert der Tourismus die Symbiose von Dienstleistungen und dem Begriff der „Reise“ als Gut menschlicher Aktivität, um eine gewisse Zeit entfernt von zu Hause in nicht alltäglicher Umgebung zu verbringen. 12 Vereinfacht lässt sich Tourismus als
9 Vgl. DREYER, KRÜGER: Sporttourismus, 2004, S. 330f.
10 Vgl. HUDSON, SIMON: Sport and Adventure Tourism, 2003, S. 2f.
11 Vgl. JOY STANDEVEN, PAUL DE KNOP: Sport Tourism, 1999, S. 12f.
12 Vgl. HUDSON, SIMON: Sport and Adventure Tourism, 2003, S. 3f
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Arbeit zitieren:
Bastian Herrlich, 2007, Sport als Wettbewerbsvorteil in touristischen Destinationen anhand des Beispiels Willingen im Hochsauerland, München, GRIN Verlag GmbH
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