CNPq Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico CONACYT Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología DC Developing Countries EAP East Asia and Pacific ECA European and Central Asia EPO European Patent Office GDP Gross Domestic Product HI High-Income LAC Latin American and Caribbean MENA Middle East and North Africa PPP Purchasing Power Parity OECD Organisation for Economic Cooperation and Development R&D Research & Development RICYT La Red de Indicadores de Ciencia y Tecnología SH South Asia SHA Sub-Saharan Africa UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization USA United States of America USPTO U.S. Patent and Trademark Office VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau WuT Wissenschaft und Technologie
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Ä:LUPHOGHQQXUQRFKJDQ]ZHQLJH3DWHQWHDQ³ 1 , so der Vorstand des weltweit bedeutendsten Stahlwerkbauers SMS Group in der Januar Ausgabe der Financial Times Deutschland. Speziell asiatischen Konkurrenten sei es heutzutage ohne Weiteres möglich, aus den nach 18 Monaten nach Patentanmeldung zugänglichen Offenlegungsschriften geschützte Produkte zu NRSLHUHQ 0LWWOHUZHLOH ZHUGHQ GLH 6FKlGHQ GXUFK 3ODJLDWH ZHOWZHLW DXI ELV ]X 0UG ¼ geschätzt, so dass Experten wie der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) Hannes Hesse Empfehlungen ausgeben, Patente nur noch für technisch sehr komplexe Produkte anzumelden. Laut VDMA gebe es gerade in China kaum eine realistische Chance, sich auf dem Rechtsweg gegen Produktpiraterie zu wehren. 2 Trotz dieser Vorkommnisse sind und bleiben die angemeldeten und gewährten Patente ein aussagekräftiges Indiz für Innovation und somit für den Stand des technischen Fortschritts eines Landes, da diese, wie sich im Folgenden zeigen wird, eng mit dem Pro-Kopf-Einkommen und anderen Innovationsvariablen korrelieren (vgl. 3.2.2). Durch einen länderübergreifenden Vergleich fand man heraus, dass annäherungsweise die Hälfte aller Einkommens- und Wachstumsunterschiede auf Differenzen in der Totalen Faktorproduktivität beruhen, die ihrerseits eng mit dem vorherrschenden technischen Fortschritt und der Entwicklung eines Landes verbunden ist. Es stellt sich daher die Frage, warum es den Entwicklungsländern nicht möglich ist, technischen Fortschritt effektiv zu adaptieren, um so ihre eigene Produktion auszuweiten. Man muss allerdings bedenken, dass selbst das Übernehmen vorhandenen Wissens mit Kosten verbunden ist, die von Entwicklungsländern nur schwerlich aufgebracht werden können. Um darüber hinaus die erlangten Kenntnisse verarbeiten zu können, bedarf es bestimmter Voraussetzungen, die nur durch Investitionen in Forschung und Entwicklung (R&D) konstituiert werden können.
Um die angedeutete Diskrepanz und deren Relevanz für viele Entwicklungsländer genauer darstellen zu können, erscheint es zunächst sinnvoll nach einer einleitenden definitorischer Erläuterung der relevanten Innovationskriterien (vgl. 2) eine Länderanalyse durchzuführen, die auf wesentliche innovationdefinierende Variablen fokussiert ist. Auf diese Weise soll der aktuelle Entwicklungsstand einiger Länder im Allgemeinen und der lateinamerikanischen Staaten im Speziellen komparativ zu dem in Industrieländern dargestellt (vgl. 3) und abschließend bewertet werden (vgl. 4). 3
Weiterhin soll im Verlaufe dieser Arbeit auch die Innovationsposition Lateinamerikas im Vergleich zu anderen Transformations- und Entwicklungsländern verdeutlicht werden. Grundsätzlich sind unter dem Begriff der Entwicklungsländer wirtschaftlich und gesellschaftlich rückständige Nationen zu verstehen, deren Wirtschaft im Gegensatz zu der von Industrie- 1 Onlinequelle[2].
2 Vgl. ebd.
3 Vgl. LEDERMANN / MALONEY: R&D and Development, 2003, S. 1ff.
ländern wie der USA, Deutschland und Frankreich überwiegend auf der Landwirtschaft basiert und folglich das BIP aus dem Export agrarischer Produkte akkumuliert wird. Diese Länder sind zudem durch ein niedriges Pro-Kopf-Einkommen, eine ungleiche Einkommensverteilung und das für die nachfolgende Untersuchung ausschlaggebende Investitionsdefizit im Bereich der Forschung und Entwicklung gekennzeichnet und somit deutlich von Schwellen- und Transformationsländern zu differenzieren. 4 Schwellenländer (engl. Newly Industrializing Economies) wie beispielsweise Südafrika, Mexiko, Brasilien oder Indien VLQGÄ(QWZLFNOXQg-VOlQGHU³ GLH sich bereits auf dem Weg zur Industrialisierung befinden. Dabei wird jedoch häufig festgestellt, dass gesellschaftliche und soziale Indikatoren, wie Lebenserwartung oder Alphabetisierungsrate, nicht zeitgleich zur wirtschaftlichen Entwicklung anwachsen. 5 Von den Entwicklungs- und Schwellenländern zu differenzieren sind weiterhin Länder wie Polen, Ungarn oder Tschechien, die man als so genannte Transformationsländer bezeichnet. Diese befinden sich im Übergang von einer zentral staatlich gesteuerten Planwirtschaft zu einer marktwirtschaftlichen Ökonomie, die dem System der Industrieländer ähnelt. 6 Im Folgenden werden überwiegend Transformation- mit Schwellenländern, den lateinamerikanischen Staaten und so genannten Hocheinkommensländern verglichen, um auf diese Weise das Innovationspotential Lateinamerikas darstellen und bewerten zu können. Entwicklungsländer werden aus diesen Betrachtungen weitgehend ausgeklammert, da ihre defizitäre Wirtschafts- und Innovationsposition keinen adäquaten Vergleich ermöglichen.
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Innovation
Der Begriff Innovation bezeichnet definitorisch die allgemeinen technologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Neuerungen und Verbesserungen in Form neuer Produkte und Produktionsverfahren. Dabei impliziert der Begriff der Innovation auch gleichzeitig die Durchführung bzw. die ökonomische Anwendung und Nutzung neuer Erfindungen. In nahezu jedem Bereich können Innovationen stattfinden. 7 Dabei lassen sich Innovationen unterschiedlichen spezifischen Innovationsobjekten zuweisen. Die Innovationsobjekte werden entsprechend ihres Wirkungsbereiches in Produkt,- Prozess- und Sozialinnovationen unterschieden. Prozessinnovationen sind beispielsweise Modifikationen im Fertigungs- bzw. Leistungserstellungsprozess eines Unternehmens mit dem Ziel, leistungsfähigere Produkte wirtschaftlicher, effizienter und sicherer zu produzieren. Produktinnovationen sind die Neuerungen, die direkt
4 Vgl. FISCHEDICK: Kurzstudie, 2004, S.9.
5 Vgl. Onlinequelle [3]
6 Vgl. Onlinequelle [4]
7 Vgl. CORSTEN: Überlegungen zu einem Innovationsmanagement, 1989, S. 2f.
absetzbare Produkte und angebotene Dienstleistungen involvieren. Schließlich bilden Sozialinnovationen die Basis für Prozess- und Produktinnovationen. Sie bezeichnen die Verbessrung und Erhöhung des Humankapitals, also eine Steigerung der Qualifikation und Ausbildung der Menschen. 8
Forschung und Entwicklung
Research and Development (R&D), übersetzt Forschung und Entwicklung, bezeichnet die systematische Tätigkeit, neues revolutionäres Wissen zu gewinnen und bereits angewendete Technologien mit Hilfe der neuen Kenntnisse zu optimieren (vgl. 2.3.2). 9 R&D ist ein wesentlicher Bestandteil für die erfolgreiche Einführung der zuvor definierten Innovationen und wird dabei von verschiedenen Institutionen, wie beispielsweise Unternehmen oder Bildungseinrichtungen, wahrgenommen. 10
Technischer Fortschritt
Bei langfristigen Analysen spielt die Änderung des technischen Wissens (technischer Fortschritt) eine bedeutende Rolle. Die Technik bestimmt neben den Faktoreinsatzmengen die Größe und Art des zu erstellenden Outputs. Technischer Fortschritt ermöglicht die Herstellung neuer Produkte und effizientere Produktionsverfahren bei der Herstellung bereits bekannter Produkte. Dabei unterscheidet man faktorgebundenen technischen Fortschritt, bei dem neues technisches Wissen nur mit Hilfe der Produktionsfaktoren in den Produktionsprozess eingebracht werden - so können bspw. viele neue Produktionstechniken nur mit Hilfe neuer Maschinen realisiert werden - von faktorungebundenem technischen Fortschritt, der nicht über die Produktionsfaktoren, sondern z.B. über organisatorische Verbesserungen eingeführt wird. Qualität und Einsatzmenge der Produktionsfaktoren können hier konstant bleiben. Der technische Fortschritt kann sich so auswirken, als ob die Einsatzmengen eines oder mehrerer Faktoren zunehmen würden. 11 Technischer Fortschritt ist eng mit dem Begriff Innovation verknüpft. Man unterscheidet zwischen autonomem technischen Fortschritt (Produktinnovation), der aufgrund spontaner Erfindungen erfolgt, und induziertem technischen Fortschritt (Prozessinnovation), der durch besondere Aktivitäten wie zum Beispiel Forschung, Ausbil- GXQJRGHUÄ/HDUQLQJE\GRLQJ³hervorgerufen wird. 12
8 Vgl. SCHUMPETER: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, 1931, S. 100ff.
9 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 26.
10 Vgl. OECD: The Measurement of Scientific and Technological Activities, 1994.
11 Vgl. UZAWA: Neutral Inventions and the Stabilizy of Groth Equilibrium, 1961, S.117-124.
12 Vgl. GABISCH: Skript zur Wachstumstheorie, 2007, S.38.
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Die Bedeutung des technischen Fortschritts in der Wachstumstheorie fasziniert Wirtschaftswissenschaftler seit Jahrhunderten. 13 Wegweisend versuchte 1956 ROBERT M. SOLOW in einem dynamischen Modell den steigenden Lebensstandart sowie die langfristige Entwicklung auf Grundlage einer neoklassischen linear-homogenen Produktionsfunktion < )./ mit konstanten Skalenerträgen zu erklären. In dieser Produktionsfunktion wird das Güterangebot < durch die Produktionsfaktoren Kapital . und Arbeit / erzeugt, die ihrerseits mitei-nander substituierbar sind. Dabei steigt der Output, also die Menge des produzierten Gutes proportional mit der Menge der eingesetzten Inputfaktoren an. Saisonale und konjunkturelle Schwankungen werden von diesem Modell nicht erfasst. Die Grundannahme besagt, dass eine Wirtschaft nach zyklischen Schwankungen auf einen Gleichgewichtspfad zurückkehrt. Das im Folgenden simplifiziert dargestellte Solow-Modell basiert auf einer Reihe von Annahmen, mit deren Hilfe erklärt werden soll, wie beispielsweise Ersparnisse, Investitionen, Bevölkerungswachstum und nicht zuletzt technischer Fortschritt die Entwicklung bzw. das Wachstum einer Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum tangieren. Die Sparquote sowie das Bevölkerungswachstum sind im einfachen Solow-Modell exogen festgelegt. Die Sparquote bezieht sich auf einen bestimmten Teil des Einkommens V< der immer gespart wird; das übrige Einkommen V< wird hingegen konsumiert. Aufgrund der Annahme abnehmender Wirtschaftserträge, durch die ein Ertrag einer Investition umso geringer ausfällt, je höher der Kapitalstock bereits ist, sind ärmere Länder laut Solow in der Lage, das Entwicklungsniveau reicherer Länder zu erreichen. Die Volkswirtschaften der Länder konvergieren ungeachtet ihrer wirtschaftlichen Ausgangssituation zu einem Ä6WHDG\ 6WDWH³ (vgl. Abb. 1). Dieser Punkt bezeichnet ein dynamisches Wachstumsgleichgewicht, in dem die Wachstumsraten aller Pro-Kopf-Größen konstant sind.
Variiert man nun die zunächst als konstant angenommen Parameter des Bevölkerungswachstums und der Sparquote, lassen sich aus einer Erhöhung des Bevölkerungswachstums negative und aus einer Erhöhung der Sparquote positive Wohlfahrtseffekte ableiten. Im Falle des gestiegenen Bevölkerungswachstums reduziert sich der Pro-Kopf-Kapitalstock. Da in diesem Fall mehr Menschen mit Kapital ausgestattet werden müssen, steht dem einzelnen folglich weniger Kapital zur Verfügung. Demzufolge bewegt sich die Volkswirtschaft auf einen Steady State zu, der unterhalb des Ausgangsniveaus liegt (vgl. Abb. 2). Aus dem Solow-Modell mit nicht-konstantem Bevölkerungswachstum lässt sich schlussfolgernd Ländern mit einem hohen Bevölkerungswachstum ein geringeres Pro-Kopf-Einkommen prognostizieren.
Eine Erhöhung der Sparquote wirkt konträr zu einer Erhöhung der Bevölkerungsrate. Es wird dabei mehr gespart als zur Aufrechterhaltung des Kapitalstocks und der Ausstattung der
13 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1f.
Arbeitnehmer mit Kapital notwendig wäre. Dadurch nehmen das Produktionsniveau pro Kopf sowie die Kapitalintensität zu und das neue stationäre Gleichgewicht verschiebt sich auf ein höheres Niveau (vgl. Abb. 3), die Wachstumsraten bleiben jedoch konstant. Eine Zunahme der Wachstumsrate ist im Solow-Modell also nur in Folge technischen Fortschritts möglich. Dieser indiziert beispielsweise eine Effizienzsteigerung der Produktion, macht also Arbeit produktiver. Diese Effizienz wächst aus Vereinfachungsgründen im Solow-Modell mit einer konstanten Rate J. Multipliziert man diesen als $ bezeichneten Effiziensparameter mit dem Arbeitseinsatz / ist das gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau Y nun eine Funktion des Kapitalstocks . und der in Effizienzeinheiten gemessenen Einsatzmenge an Arbeit $/. Schließlich wächst die gesamte Produktion, also das gesamtwirtschaftliche In-landsprodukt, mit der Rate QJ. Technischer Fortschritt ermöglicht demzufolge die Akkumulation eines dauerhaften intensiven Wachstums der Pro-Kopf-Produktion konträr zur Sparquote, die sich lediglich temporär auf das Wachstum auswirkt.
Nimmt man letztlich an, dass technischer Fortschritt ein öffentliches Gut ist, welches allen Ländern international gleichermaßen zur Verfügung steht, so impliziert das Solow-Modell die Möglichkeiten ärmerer Länder mit geringer Kapitalintensität, zu den reichen Industrieländern aufzuschließen. Gilt zudem das anfangs angenommene Gesetz der abnehmenden Grenzproduktivität des Kapitals, so sind die Rentabilität von Investitionen und somit auch der Anreiz zu investieren in armen Ländern höher als in kapitalstarken Nationen. Durch das anfangs aus der erhöhten Investitionsintensität beschleunigte Wachstum der kapitalarmen Länder müssten folglich die Pro-Kopf-Einkommen und die Kapitalausstattung bei gleichem Bevölkerungswachstum und gleicher Sparquote zum gleichen Steady-State konvergieren. 14 Repräsentanten der neuen Wachstumstheorie wie beispielsweise ROMER, AGHION und HOWITT gehen entgegen SOLOWS Annahmen eher von einer endogenen Rate des technischen Fortschritts aus und fokussieren sich bei ihren Studien auf die Interaktion zwischen Wachstum und Innovation. Jedoch behält auch das neoklassische Paradigma seine Gültigkeit, denn viele Wirtschaftswissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass sich ärmere Länder schneller ihrem Steady-State annähern als reiche Länder. Dieser wird jedoch durch eine Vielzahl politischer Faktoren, wie beispielsweise durch die finanzielle Entwicklung, das Bildungsniveau und die Markt- und Handelsoffenheit eines Staates determiniert, von denen wiederum auch die Entwicklung des technischen Fortschritts, also das Maß an Innovation abhängig ist. Welche Indikatoren für die Messung von Innovation verwendet werden können, wird im folgenden Kapitel dargestellt. 15
14 Vgl. LACHMANN: Volkswirtschaftslehre 1, 2003, S.192-199.
15 Vgl. LEDERMANN: Innovation and Development around the world, 2005, S. 1ff.
Arbeit zitieren:
Bastian Herrlich, 2008, Die Innovationsposition Lateinamerikas im Vergleich zu europäischen Transformationsländern und anderen Schwellen- und Entwicklungsländern, München, GRIN Verlag GmbH
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