Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Medien und Terrorismus. 2
3. Auswertung - bildliche Analyse der Sendungen 3
3.1.1 Tagesschau - was wird gezeigt 4
3.1.1.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 4
3.1.2 Tagesthemen - was wird gezeigt 5
3.1.2.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 6
3.2 Tag 3 8
3.2.1 Tagesschau - was wird gezeigt 8
3.2.1.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 8
3.2.2 Tagesthemen - was wird gezeigt 9
3.2.2.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 10
3.3 Tag 4 11
3.3.1 Tagesschau - was wird gezeigt 11
3.3.1.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 12
3.3.2 Tagesthemen - was wird gezeigt 13
3.3.2.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert. 14
4. Zusammenfassung der Sendungen. 15
4.1 Bildliche Darstellungsmuster im Vergleich 15
4.2 Darstellungswandel der Emotionen 16
5. Fazit 18
6. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Am frühen Morgen des 11. April 2004, zwischen 7:39 und 7:42 Uhr Ortszeit, explodierten in der spanischen Hauptstadtmetropole Madrid, im Umkreis der drei Bahnhofsstationen: Atocha, El Pozo und Santa Eugenias, fast zeitgleich, zehn Sprengsätze; und das drei Tage vor den spanischen Parlamentschaftswahlen. Dabei kamen etwa 191 Menschen zu Tode und 2051 wurden verletzt. Spaniens Bürger und ganz Europa wurden plötzlich Zeuge der „gewaltigen Kraft“ des islamistischen Terrors. Erstmalig zeigte der islamistische Terrorismus in Europa sein „wahres Wesen“, das schreckliche Ausmaß seines Gewaltpotentials und sorgte gleichermaßen für eine völlig neue Gesamtinterpretation zur europäischen Sicherheitslage. Spaniens konservative Regierung unter Ministerpräsident Aznar fasste hingegen relativ schnell einen Täterkreis ins Auge: die baskische Untergrundorganisation „ETA“ und ließ von dieser Vermutung nicht ab, als die fortlaufenden Ermittlungsergebnisse eine eindeutige Täterschaft der ETA ausschlossen.
In der vorliegenden Arbeit sollen die dargestellten dramaturgischen Wandlungsprozesse in den Berichterstattungen von Tagesschau und Tagesthemen evaluiert und schließlich, die damit verbundenen Auswirkungen auf den Zuschauer näher untersucht werden. Die Sendungen der Tagesschau und Tagesthemen vom 11. 13. und 14. März 2004 stehen dabei als Datenmaterial zur Verfügung. Im Fokus befinden sich die in den Nachrichtenblöcken gezeigten und konstruierten Emotionen, wie auch die durch Visualisierung und Ton verstärkt zur Geltung kommenden bildlichen Eindrücke. Jede Sendung wird einzeln für sich betrachtet, d.h. zu allererst wird nur dargestellt, was an Bild-und Informationsgehalt dem Zuschauer präsentiert wird, um dann in die Interpretation einzusteigen: welche Gefühle sollen beim Zuschauer ausgelöst werden und wie lassen sich diese anhand des vorliegenden Materials erklären. Daraufhin erfolgt der Versuch einer „komparativen Analyse“ der systematischen Struktur von auffälligen Bildelementen -Gemeinsamkeiten und Unterschiede - beider Nachrichtenformate, um dann abschließend den emotional-dramaturgischen Spannungsbogen im zeitlichen Verlauf zu skizzieren. Mit einer Verlagerung gewisser Themenschwerpunkte im Sendungsverlauf, dürfte sich auch die Perzeption des Zuschauers ändern und diese soll deutlich herausgestellt werden. Was die Zuordnung von Bildern und Emotionen betrifft: so wird auch in der vorliegenden Arbeit keine abschließende objektivierte Zuordnung von Emotionen möglich sein. Die vorliegende „Metaanalyse“ macht es unmöglich, Szene um Szene, jedes kleinste
1
Detail herauszuarbeiten 1 . Die resultierende Gesamtbetrachtung, versucht die wichtigsten Details und Muster aus dem kontextuellen Zusammenhang herauszulösen und zu interpretieren.
2. Medien und Terrorismus
Medien sollten das wachsame und informierende Auge einer demokratischen Öffentlichkeit sein. Denn sie erfüllen eine „normative Funktion“, indem sie über aktuelle Ereignisse wertneutral und objektiv berichten. Demgegenüber sind Medien auch immer die Plattform für „politische Eliten“. So werden diejenigen Informationen medial aufbereitet und informativ an den Zuschauer weitergeleitet, die in den Augen der politischen Entscheidungsträger für wichtig erachten werden. Im Gegenzug präsentieren die Sender auch immer die wichtigen politischen oder gesellschaftlichen „Autoritäten“, die die höchstmögliche Kompetenz aufweisen. Jedem Ereignis wird daher ein bestimmter Wert zugewiesen und je außergewöhnlicher sich das vorliegende Ereignis präsentiert, desto eher steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass darüber in den Medien berichtet wird 2 . Bestimmte Ereignisse, vorzugsweise diejenigen, welche von der Normalität abweichen, wie Naturkatastrophen oder auch größere Krisen stellen „inkommensurable Größen“ dar. Terroranschläge sind plötzliche, bisweilen unangekündigte Ereignisse wie der 11. September 2001. Als die Flugzeuge ins „World Trade Center“ lenkten, wurde die Welt nicht nur Zeuge der allgemeinen Gräueltaten islamistischen Terrorismus, sondern ihnen wurde zugleich auch eine neue „Qualität des Terrors“ vor Augen gehalten, die die Weltöffentlichkeit zuvor noch nicht erfahren konnte und in „Echtzeit“ mitverfolgen durfte 3 . Bei derartigen Ereignissen wird ein hoher Nachrichtenwert präsupponiert, der schließlich zu einer ausführlichen Berichterstattung im Fernsehen führt.
Kennzeichen des heutigen islamistischen Terrorismus ist deren sorgfältiger Gebrauch von „Kommunikationsstrategien“. Westliche Demokratien mit ihren ausdifferenzierten Medienlandschaften dienen dem Terrorismus neuerdings, als Träger und Übermittler von Informationen, als nützliches Instrumentarium, um weite Teile der Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler spricht daher von einer: „medialen Inszenierung der Opfer“. Die terroristische Tat bemisst sich nicht mehr ausschließlich an dem angefügten Schaden und der Zahl von Toten und Verletzten, sondern
1 Das gilt auch für die Analyse der Struktur und den dramaturgischen Spannungsverlauf, die beide nicht bis ins
Detail reichen können. Hier können nur bestimmte, wiederkehrende Deutungsmuster vorgestellt werden.
2 Vgl. Joachim F. Staab, Entwicklung der Nachrichtenwert-Theorie, S. 161 ff.
3 Vgl. Ulrich Schneckener, Globaler Terrorismus (Einleitung).
2
inwieweit sie es darüber hinaus auch schafft, die „psychischen Folgen“ der Gewaltanwendung, die „fragile psychische Textur hoch entwickelter Gesellschaften“ für sich zu nutzen 4 . Der Terrorismus verlässt sich also auf die Aussagekraft der gezeigten Bilder, verbreitet dort Schrecken, wo die Medien ihm die Plattform zur Selbstinszenierung bereitstellen.
Drastische Illustrationen in Berichterstattungen wecken nicht nur die Aufmerksamkeit der Zuschauer, sondern erhöhen auch die Wahrscheinlichkeit, dass diese aufmerksam weiterverfolgt werden 5 . Sie versprechen den Rundfunkanstalten höhere Einschaltquoten und den Terrorismus weitreichende Publizität. Zwischen Medien und Terrorismus ist demnach ein komplementäres Verhältnis zu erkennen. Folglich kann bei den Berichterstattungen kaum noch von einer objektiven Wiedergabe der Realität die Rede sein. Der Zuschauer wird allenfalls zum Konsumenten einer medial dargebotenen „Medienrealität“. Hierin manifestiert sich die Macht qua direkter Informations- und Erkenntnislenkung der Medien, die Wahrnehmung des Publikums zu beeinflussen. Die symbolische Wirkungskraft von Bildern „zielen, gleich ob sie authentisch oder gefälscht sind“, auf eine bestimmte Reaktion beim Publikum ab und sollten daher nicht unter-, aber auch nicht überschätzt werden. Denn was der Einzelne hört, sieht und an persönlichen Erkenntnissen generiert, entspricht seiner subjektiven Wahrnehmungen.
Das wissenschaftliche Interesse an der „symbiotischen Beziehung“ (Sonja Glaab: 2007) von Medien und Terrorismus kann also nur darin liegen, herauszufinden, wie genau diese psychischen Folgen der Gewalt, medial sich entwickeln und welche Bilder oder Bildelemente Auslöser für ganz bestimmte Emotionen sein können.
3. Auswertungen - bildliche Analysen der Sendungen
3.1. Tag 1
3.1.1 Tagesschau - was wird gezeigt
Die Tagesschau beginnt mit kurzen Videoaufnahmen der zerstörten Zugwaggone. Bergungstrupps, Polizisten und zivile Helfer laufen durchs Bild, transportieren die Verletzten auf Tragen ab. Diese »visuellen Eindrücke« werden im Verlaufe des Tagesschau-Blocks
4 Vgl. Herfried Münkler, Die Neuen Kriege, S. 175-205.
5 Vgl. Thomas Petersen, Lasswells Frage und Hovlands Problem. Feldexperiemente zur Wirkung potenziell
emotionalisierender Bildelemente in der Medienberichterstattung, S. 40.
3
„Terror in Madrid“ - zwischen den einzelnen Beiträgen - immer wieder gezeigt. Einleitend dazu setzt Nachrichtenmoderator Jan Hofer den Zuschauer über die bisherigen Fakten in Kenntnis 6 . Hinter dem Nachrichtenpult wird das Bild eines zerbombten Zugwagons projiziert. Es folgt: ein Überblick schaffender Themenblock der Tagesschau, wo das Ereignis „von heute Morgen“ kurz zusammengefasst wird. Dabei greift die ARD überwiegend auf das Videomaterial der spanischen Nachrichtenagentur ETE und der Fernsehsender TVE1 und Telecinco zurück. Es werden Interviews mit einzelnen madrilenischen Passanten geführt, die von ihren persönlich-visuellen Eindrücken (Verletzungsgrade; Tod von Menschen) berichteten. Nachfolgend werden im Beitrag noch demonstrierende Menschen gegen den Terror und die ETA gezeigt. Es folgen die offiziellen Stellungnahmen der spanischen Regierung unter dem Vorsitz des Innenministers Ángel Acebes und Ministerpräsidenten José María Aznar. Beide halten die baskische Untergrundorganisation „ETA“ für den Hauptverdächtigen der Tat. Die verbotene Basken-Partei „Batasuna“ - „politischer Arm der ETA“ - weist in einer Pressekonferenz die Anschuldigung aus Regierungskreisen von sich. Es folgt ein separater Nachrichtenblock über die internationalen Stellungnahmen zur Tat, kurze Statements vom Bundeskanzler Gerhard Schröder, den amerikanischen Präsident Bush und Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan.
3.1.1.1 Interpretation - welche Emotionen werden evoziert
Die Anmoderation lässt dem Zuschauer „kaum Zeit zum Atmen“. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden die zerstörten Zugwaggone gezeigt. Rettungskräfte rennen hektisch umher, versuchen noch Menschen aus den Trümmern zu bergen. Den Zuschauern wird in diesem Moment das Ausmaß, die Dimension der Tat bewusst - sie dürften von dem visuellen Treiben schockiert sein. „Die spanische Regierung sprach von Massenmord.“ Detaillierte Aufnahmen der Zugwracks aus der Luft (Totale) zeigen die Sprengkraft der Bombenhiermit verschafft sich der Zuschauer erst einmal einen räumlichen Überblick. Dieser ist auch zwingend notwendig, da die helfende Stütze, der Nachrichtensprecher, nicht dirigiert und den Zuschauer bei der Hand nimmt. Die vielen Halbtotalen Einstellungen rücken die körperlichen Aktionen der schnell handelnden Rettungskräfte ins Zentrum, während gerade die vielen close-ups genutzt werden, um die Verzweiflung (auf dem Boden kniender, das Gesicht verdeckender Menschen), Hilflosigkeit (apathischer Blick von Opfern und Bergungstrupps) und Orientierungslosigkeit der betroffenen Menschen einzufangen. Der Zuschauer muss
6 Handlungsort: Spaniens Hauptstadt Madrid; Typ von Handlung: Bombenattentat / 10 Sprengsätze; Betroffene:
Spanische Bürger; Zahl der Toten und Verletzten: ca. 190 Menschen / mehr als 1200 Verletzte; Täterschaft:
Nationalität unbekannt; Verantwortlichkeit: aus Regierungskreisen wird gemutmaßt ETA
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Arbeit zitieren:
Felix Iwert, 2009, Terrorismus in den Medien - Wie der Terrorismus sich die westlichen Medien zu nutze macht, München, GRIN Verlag GmbH
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