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Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung. 3
2.) Eine begriffliche Definition 3
3.) Die Aventiure - von Gott gegeben 5
4.) Die Aventiure als Kommunikationsmittel 6
5.) Kalogrenants Antwort auf die Aventiure-Frage 7
6.) Vergleich: Allgemeine Definition versus Kalogrenants Antwort. 8
Literaturangaben 11
3
1.) Einleitung
Gegenstand dieser Arbeit soll ein Vergleich zwischen der Definition des Aventiure-Begriffes durch Literaturwissenschaftler und dem wirklichen Erscheinungsbild der Aventiuren in Hartmanns von Aue Texten sowie der Erklärung Kalogrenants auf die Aventiure-Frage in Hartmanns von Aue Iwein, sein.
Am Tag des Pfingstfestes erzählt Kalogrenant von seinem Brunnenabenteuer und berichtet in diesem Kontext von der Begegnung mit einem wilden Mann, der sich nach Kalogrenants Vorhaben und Absicht erkundigte. Mit der Antwort und dem Begriff der Aventiure kann er nur wenig anfangen und stellt darauf die entscheidende Frage „Aventiure, waz ist daz?“ 1 Der wilde Mann ist nicht in das höfische Leben integriert, folglich kann er dieses Konzept kaum kennen. Es folgt eine kurze Begriffserläuterung durch Kalogrenant. Diese soll im fünften Teil dieser Arbeit genauer beleuchtet werden und erster Gegenstand des Vergleiches sein. Die Frage nach der Aventiure beschäftigt Literaturwissenschaftler schon seit geraumer Zeit, so war dies Thema eines Aufsatzes von Jakob Grimm 2 und wird auch heute noch intensiv erforscht. Über die Jahre hinweg ist somit zwar keine einheitliche Definition des Aventiure-Begriffes entstanden, jedoch sind gemeinsame Aspekte und Ansätze in der heutigen Forschung erkennbar, die Grundlage des zweiten zu vergleichenden Teils sein sollen. Im Folgenden soll auf die unterschiedlichen Definitionen und Aspekte näher eingegangen werden, bevor beide Aventiure-Begriffe gegenübergestellt und verglichen werden.
2.) Eine begriffliche Definition
Der Begriff Aventiure wurde im 12. Jahrhundert aus dem Französischen abgeleitet und stellt heute ein literaturwissenschaftlich beschriebenes Handlungsschema dar. Auch unser heutiger Abenteuer-Begriff lässt sich direkt von der Aventiure ableiten. Per Definition verstehen wir unter Abenteuer ein Unternehmen, welches mit einem gewissen Risiko behaftet ist und Erlebnisse, die nichts Alltägliches beinhalten und sich vom normalen Dasein unterscheiden und abheben.
1 Hartmann von Aue: Iwein, 527
2 Vgl. Schnyder, Mireille: Aventiure? Waz ist daz? In: Euphorion 96, 2002. S.257
4
Der Begriff der Aventiure geht weit über dies hinaus. Er impliziert gleichsam Elemente wie Zufälliges und Ankunft und bezeichnet darüber hinaus das Ausziehen eines Ritters in die Welt und das dort Erlebte. Diesem Ausziehen muss ein bestimmtes Motiv zu Grunde liegen. Das unmotivierte Ausreiten, welches lediglich darauf abzielt, etwas erleben zu wollen, hat mit der Aventiure nichts gemein.
Die Ausgangsposition, die eine Aventiure mit sich bringt, ist immer die selbe. Der Hof - in diesem Fall der Arthushof - stellt eine in sich abgeschlossene eigene Sphäre dar. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, wie die Ordnung innerhalb dieser Sphäre gestört wird und somit die notwendige Motivation zum Aufbruch geliefert wird.
Bei der ersten Möglichkeit wird die bestehende Ordnung am Hofe durch äußere negative Einwirkungen zerstört, woraufhin ein Ritter ausziehen muss, um diese wieder herzustellen und beispielsweise einen Ehrverlust ausgleichen, so wie es bei Iwein der Fall ist. Dies nennt man extrinsische Motivation, die von der zweiten Möglichkeit, der intrinsischen Motivation zu unterscheiden ist:
Wie der Name bereits sagt, kommen hier die Gründe für das Ausreiten aus dem Inneren heraus. Die bestehende Ordnung wird durch ein Ereignis direkt am Hofe beeinflusst und gefährdet. Ein Beispiel hierfür findet man in Hartmanns von Aue Erec: Direkt nach seiner Hochzeit verbringt Erec den Tag als Nacht mit seiner Frau Enite und vergisst darüber seine ritterlichen Pflichten, was zu Unruhe und Gerede am Hofe führt. Auch dieser Fehler kann und muss durch eine Aventiure ausgeglichen werden; folglich reitet Erec aus, um die Ordnung wieder herzustellen. 3 Das Ausreiten ermöglicht es deshalb, die Ordnung wieder herzustellen, da „verbleibendes Konfliktpotential nach außen, in die Aventiurewelt abgedrängt und dort durch die Tat des Ritters überwunden werden [kann]“ 4 . In den meisten Fällen ist es jedoch kaum möglich, klar zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation zu unterscheiden. Vielmehr wirken beide Möglichkeiten zusammen und ziehen gemeinsam die Aventiure nach sich.
Die Aventiure beinhaltet zweierlei Aspekte. Der oben beschriebene Ausritt eines Ritters, der sich dem Zufall aussetzt und sich durch die Aventiure lenken lässt, ist nur der eine Aspekt. Beinahe noch wichtiger als das pure Erleben der Aventiure ist der Bericht über das Geschehen. Erst durch das Erzählen und Reflektieren kann die Aventiure abgeschlossen werden. Auf diesen zweiten ausschlaggebenden Aspekt wird in Kapitel vier näher eingegangen.
3 Vgl.Hartmann von Aue: Erec 3100ff
4 Cormeau, Christoph und Wilhelm Störmer: Hartmann von Aue Epoche-Werk-Wirkung, München 1985. S.221.
Arbeit zitieren:
Svea Oberg, 2007, Aventiure, waz ist daz? Der Vergleich zweier Definitionen, München, GRIN Verlag GmbH
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