1 Einleitung
1.1 Historischer Hintergrund
Seit ist S¨ udafrika eine Demokratie. Seit sind die Wirtschaftssanktionen, die zuvor die internationalen Wirtschaftsbeziehungen S¨ udafrikas behinderten, aufgehoben. Und seit ist S¨ udafrika auch offiziell, trotz Fak-toren wie hoher Gewaltt¨ atigkeit, wieder als Tourismusziel f¨ ur die erste Welt interessant - selbst wenn schon vorher Tausende von haupts¨ achlich deutschen Touristen sich die “Welt in einem Land”, so der Tourismusslogan S¨ udafrikas, nicht entgehen lassen wollten, startet erst jetzt der richtige Boom.
1.2 Ein Markt mit großem Potential Das Branchenwachstum lag ¨ uber die letzten Jahre bei fast %. Mit aber
nur , Millionen Touristen, die j¨ ahrlich nach S¨ udafrika kommen, ist S¨ udafrika als Markt noch kaum erschlossen, denn im Vergleich dazu besuchen jedes Jahr ca. Millionen Touristen sowohl Spanien als auch Frankreich. S¨ udafrikas Tourismuspotential ist auch deshalb so groß, da das Land f¨ ur seinen immensen nat¨ urlichen Reichtum bekannt ist, und es durch seine In-
frastruktur von Erste-Welt-Niveau, die noch ¨ uber große freie Kapazit¨ aten
verf¨ ugt, im internationalen Markt positiv auff¨ allt. Es hat noch keine ¨ kommerzialiserung und -entwicklung stattgefunden, wie sie in den letzten Jahren z.B. um das Mittelmeer herum eingetreten ist, und daher hat das Land seinen eigenen Charakter beibehalten.
Erst fiel der Startschuß im Entwicklungsrennen, als die Regierung in einem sogenannten “White Paper” die Tore einem beschleunigten Wachstum ¨ offnete. Eine rasante Entwicklung der Industrie wird sich auch kaum dadurch aufhalten lassen, daß das s¨ udafrikanische Touristenb¨ uro SATOUR ein Jahresetat von nur ca. DM Mio. hat und gr¨ oßtenteils von Sponsorships der Wirtschaft abh¨ angig ist.
Rosige Aussichten f¨ ur S¨ udafrika also, m¨ ochte man meinen. Oder doch nicht? Ich behaupte nein; und zwar meine ich, daß dieses rasante Wachstum ist ¨ uberhaupt nicht so w¨ unschenswert ist.
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1.3 Tourismus unterst¨ utzt die wirtschaftliche Entwick-lung
Viele Studien zitieren Statistiken und Argumente, die beweisen, weshalb Entwicklungsl¨ ander unter allen Umst¨ anden versuchen sollen, ihre Tourismusindustrie zu f¨ ordern. Wachstum in der Industrie f¨ uhrt angeblich zu Arbeitspl¨ atzen, Entwicklung, Kulturf¨ orderung, Bekanntheit im Ausland und vielem mehr - nat¨ urlich alles nur zu Positivem. Doch ist das Thema nicht so zu vereinfachen. “Tourismus in S¨ udafrika” ist eine Frage, die ¨ uber den
ublichen Merkspruch “Tourismus ist gut” weit hinausgeht. ¨
Das Wachstum der Branche muß auf alle F¨ alle auf ein Ziel hin gesteuert werden, und es muß einen Entwicklungsplan geben. Diese Erkenntnis hat inzwischen auch die Regierung gemacht, die gerade zum jetzigen Zeitpunkt in Seminaren und Sitzungen in Pretoria auf Entscheidungen hinarbeitet, die langfristig wom¨ oglich die gesamte sozio-¨ okonomische und somit auch politische Zukunft des Landes bestimmen werden. Es stellt sich die Frage: Welche Modelle gibt es ¨ uberhaupt? Welche kommen in Frage? Letztendlich gibt es zwei grobe grunds¨ atzliche Philosophien, wie man den Tourismus in einem Land entwickeln kann. Diese Philosophien werden im folgenden dargestellt.
2 Massentourismus
2.1 Kurzdefinition Einerseits gibt es den ¨ uberall in der Welt verbreiteten Massentourismus. Ziel ist es, so viele Touristen wie m¨ oglich ins Land zu schleusen, denn jeder einzelne Tourist gibt Geld aus und hilft so, die Wirtschaft anzukurbeln.
2.2 Abschreckende Beispiele
Der Begriff “Massentourismus” erweckt Assoziationen mit “Ballermann Tourismus” und “Tourismus um jeden Preis”, wie er in Mallorca gef¨ uhrt wird. Statt nur die Dollarzeichen vor den Augen zu haben, sollte man sich da eher an bestimmte Bilder erinnern, wie zum Beispiel der Piazza San Marco in Venedig, wo Tage im Jahr Reisegruppen hinter den F¨ ahnchen ihrer Gruppeneiter her trappeln und die Gruppen jede Viertelstunde von einer neuen Menschenmasse abgel¨ ost werden.
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Oder auch folgendes Szenario macht sich gut: Mallorca und die Costa del Sol in Spanien, wo der gesamte Strand mit schnellgebauten Hotels in Formen von grauen Betonkl¨ otzen zugebaut wird und die Touristen in der Hochsaison wie Sardinen in der Dose brutzeln.
Diese Beispiele zeigen, welche Auswirkungen eine ziellose Wachstumspolitik der Touristenbranche in Richtung Massentourismus haben kann.
3 “High yield”-Tourismus
3.1 Kurzdefinition
Im Gegensatz zum oben beschriebenen Massentourismus gibt es das Konzept des “High yield, low volume tourism”, was auf Deutsch in etwa bedeutet: “hohe Ertr¨ age bei einer niedrigen Anzahl Touristen”. Die Vorstellung, die Sie mit diesem Tourismusmodell verbinden k¨ onnen, ist ein Lager in einem Naturreservat, wo Sie mit Ihren guten Freunden um ein Lagerfeuer sitzen und dabei mit einem “Gin and Tonic” in der Hand den afrikanischen Sonnenuntergang genießen.
Stellen Sie sich vor, wie Sie von der afrikanischen Ger¨ auschkulisse umgeben sind, Sie h¨ oren nur ab und zu das Br¨ ullen von L¨ owen aus weiter Entfernung gegen den Hintergrund vom Zirpen der Grillen.
3.2 Der “High Yield”-Tourismus erfreut sich wachsen-
der Beliebtheit
Immer mehr L¨ ander, die sich erst heute zu Touristenzielen entwickeln, folgen diesem zweiten Kurs, wenn auch nur begrenzt und als zweitrangig zum Massentourismus. Das erste Land, das sich diesem Modell vollst¨ andig verpflichtet hat, ist Botswana, ein Land mit , Mio. Einwohnern. In nur Jahren hat jeglicher Massentourismus aufgeh¨ ort, und nur Touristen, die als High-Yield Touristen gelten, werden umworben und, durch hohe Preise als Filter, im Land willkommengeheißen. Die Erfolge sind vielversprechend und korrespondieren den erwarteten Vorteilen, die Sie sich sicherlich denken k¨ onnen.
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Arbeit zitieren:
Rolf Endres, 2001, Südafrika als zweites Mallorca?, München, GRIN Verlag GmbH
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