Inhaltsübersicht II
Inhalts übersicht
Inhaltsübersicht........................................................................................ II
Inhaltsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis. VII
Tabellenverzeichnis. VIII
1 Einleitung 1
2 Historie der Kampfsportarten 7
3 Dimensionen der seelischen Gesundheit 10
4 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Judos auf die seelische
Gesundheit 18
5 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Fußballs auf die seelische
Gesundheit 35
6 Eigene empirische Untersuchung 44
7 Zusammenfassung und kritische Diskussion. 70
Anhang. IX
Literaturverzeichnis XVII
Inhaltsverzeichnis III
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 1
1.1 Hintergrund der Arbeit 1
1.2 Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit 1
1.3 Methodische Vorgehensweise. 2
1.4 Forschungsstand im Überblick 3
2 Historie der Kampfsportarten 7
2.1 Judo - der sanfte Weg 7
2.2 Entwicklung des Judos in Deutschland. 8
2.3 Die Grundelemente des Judo 8
3 Dimensionen der seelischen Gesundheit 10
3.1 Was versteht man unter Ärger? 10
3.1.1 Wie entsteht Ärger? 10
3.1.2 Formen des Ärgers 12
3.2 Was versteht man unter Aggression? 13
3.2.1 Wie entsteht Aggression? 14
3.2.2 Formen der Aggression. 15
3.3 Gegenüberstellung von Ärger und Aggression 16
4 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Judos auf die
seelische Gesundheit 18
4.1 Studie von Reynes Lorant (2002) 19
Inhaltsverzeichnis IV
4.2 Studie von Reynes Lorant (2004) 20
4.3 Studie von Nosanchuk MacNeil (1989) 21
4.4 Studie von Nosanchuk (1981) 23
4.5 Studie von Nosanchuk Lamarre (1999) 24
4.6 Studie von Trulson (1986) 26
4.7 Studie von Skelton, Glynn Berta (1991) 28
4.8 Studie von Daniels Thornton (1990) 29
4.9 Studie von Robazza, Bertollo Bortoli (2006) 31
4.10 Fazit 33
5 Aktueller Forschungsstand: Effekte des Fußballs auf die
seelische Gesundheit 35
5.1 Studie von Lemieux, P., McKelvie, S. Stout, D. (2002) 35
5.2 Studie von Thomas, S., Reeves, C. Smith, A. (2006) 37
5.3 Studie von Coulomb, G. Pfister, R. (1998) 37
5.4 Studie von Coulomb, G. Rascle, O. (2006) 39
5.5 Fazit: 41
6 Eigene empirische Untersuchung 44
6.1 Fragestellung 44
6.2 Aufbau des Fragebogens 44
6.2.1 Das State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar 44
Inhaltsverzeichnis V
6.2.2 Der „Aggression Questionnaire“ 46
6.2.3 Selbst entwickelter Teil des Fragebogens. 48
6.3 Vorgehensweise der Befragung. 48
6.3.1 Befragung von Judokas (n 40) 48
6.3.2 Befragung von Fußballern (n 40) 49
6.4 Ergebnisse: Aggressions- und Ärgerpotential bei Judokas und
Fu ßballern. 49
6.4.1 Wie unterscheiden sich Judokas von Fußballern auf dem State-Trait-
Ärgerausdrucks-Inventar? 50
6.4.2 Wie unterscheiden sich Judokas von Fußballern auf dem Aggression
Questionnaire ? 57
6.4.3 Unterschiede im Bezug auf die Körpergröße 61
6.4.4 Wie beeinflusst die Bildungsstufe Aggression und Ärger? 63
6.4.5 Aggressive Handlungen vor und seit Trainingsbeginn. 65
6.4.6 Was sind die Trainings- und Motivationsgründe von Judokas und
Fu ßballern? 66
6.5 Interpretation der Ergebnisse. 66
7 Zusammenfassung und kritische Diskussion. 70
7.1 Aussichten und Implikationen für die Praxis. 70
7.2 Kritik und Würdigung der eigenen Untersuchungsmethode 72
7.3 Schlussbetrachtung 74
Abkürzungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis
2nd ed. second edition
A Anger
AC Anger control
AI Anger-in
AO Anger-out
AQ Aggression Questionnaire
Aufl. Auflage
Ed. editor
ed. edition
Eds. editors
H Hostility
p. page
PA Physical aggression
pp. pages
Red. Redaktion
S. Seite
STAXI State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar
TA Trait anger
TA/R Trait anger reaction
TA/T Trait anger temperament
unpubl. unpublished
unveröff. unveröffentlicht
VA Verbal aggression
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Hinweise für die Interpretation der Skalen des STAXI (Schwenkmezger et al., 1992,
S. 25)
Abbildung 2: Mittelwerte der Ärger-Disposition-Skala nach Gruppen.
Abbildung 3: Mittelwerte der Ärger-Temperament-Skala nach Gruppen
Abbildung 4: Mittelwerte der Ärger-Reaktion-Skala
Abbildung 5: Mittelwerte der Skala zur Erfassung von nach innen gerichtetem Ärger
Abbildung 6: Mittelwerte der Skala zur Erfassung von nach außen gerichtetem Ärger
Abbildung 7: Mittelwerte der Ärger-Kontroll-Skala
Abbildung 8: Mittelwerte von TA, TA/T, TA/R, AI, AO, AC im Vergleich nach Gruppen
Abbildung 9: Mittelwerte der Physical Aggression Skala nach Gruppen
Abbildung 10: Mittelwerte der Verbal Aggression Skala nach Gruppen
Abbildung 11: Mittelwerte der Anger Skala nach Gruppen
Abbildung 12: Mittelwerte der Hostility Skala nach Gruppen
Abbildung 13: Mittelwerte von PA, VA, A, H im Vergleich nach Gruppen
Tabellenverzeichnis VIII
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Gruppenstatistiken 52
Tabelle 2: Gruppenstatistiken hinsichtlich des Aggression Questionnaires 58
Tabelle 3: Mittelwerte der Variablen TA, TA/T, TA/R, AI, AO, AC nach Körpergröße 62
Tabelle 4: Mittelwerte der Variablen PA, VA, A, H nach Körpergröße 63
Tabelle 5: Mittelwerte der Variablen TA, TA/T, TA/R, AI, AO, AC nach Bildungsstand. 64
Tabelle 6: Mittelwerte der Variablen PA, VA, A, H nach Bildungsstand. 65
Tabelle 7: Jährliche Mitgliedsbeiträge in Judo- und Fußballvereinen 68
Einleitung 1
1.1 Hintergrund der Arbeit
Hartmann und Graf (1979, S. 8) betiteln Judo als einen „Sport, der gleichzeitig Lebensphilosophie ist: Kampf ohne Hass, Kraft unter Kontrolle, Ritterlichkeit, stoisches Hinnehmen von Sieg und Niederlage“. Dieses Zitat deckt sich mit dem gängigen Stereotyp, Judo mache aggressiv, ganz und gar nicht. Fakt ist, dass Aggression im Sport gängige Praxis ist. Fast jeder assoziiert mit dem Namen Mike Tyson einen Boxer, welcher einem seiner Gegner in einem Kampf ein Stück des Ohres abbiss. Auch ist vielen Frank Rijkaard ein Begriff, welcher bei der Fußballweltmeisterschaft im Jahre 1990 Rudi Völler anspuckte.
Sport hat aber umgekehrt auch das Potential, Aggressionen zu kontrollieren und einzudämmen. Viele Menschen sehen sowohl Judo als auch Fußball als gesellschaftlich annehmbares Ventil um Aggressionen abzubauen. Andere behaupten, es mache in erster Linie aggressiv (Weinberg & Gould, 2003, S. 512).
Es gibt mehrere Theorieansätze und Modelle, welche die Entstehung und die Gründe von Aggression und Ärger thematisieren. Schlicht und Strauß (2001) gehen auf Ansätze ein, die einen oder mehrere psychologische Prozesse thematisieren. Sie nennen die triebtheoretischen Ansätze Siegmund Freuds und Konrad Lorenz, die Frustrations-Aggressions-Hypothese von Dollard et al., die Theorie der aggressiven Hinweisreize von Berkowitz und der Theorie des sozialen Lernens von Bandura (Schlicht und Strauß, 2001). Ob sich eine der oben genannten Theorien im Verlauf dieser Arbeit bestätigen lässt, wird sich zeigen.
Es soll in dieser Arbeit untersucht werden, ob regelmäßiges und konstantes Judotraining das psychische Wohlbefinden fördert. Es wird davon ausgegangen, dass Aggressivität abgebaut, Selbstbeherrschung gesteigert und die Fähigkeit mit Ärger kontrolliert umzugehen (Ärgerkontrolle) in hohem Maße verbessert wird. Menschen, die regelmäßig Fußball spielen, weisen hingegen ein höhere Aggressionspotential auf und können ihren Ärger weniger gut beherrschen als Judokas.
1.2 Fragestellung und Zielsetzung der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die Effekte des Judos und Fußballs auf die seelische Gesundheit zu erforschen. Es sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob männliche Judokas weniger aggressiv sind als männliche Fußballer. Außerdem soll überprüft werden, ob sich Judokas im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger häufig ärgern beziehungsweise ihren Ärger besser
Einleitung 2
kontrollieren können. Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage, die im Rahmen dieser Magisterarbeit beantwortet werden soll:
Hat Judotraining einen Einfluss auf das Aggressionspotential von Judokas? Wenn ja, wovon hängt dieser Einfluss ab. Gibt es Unterschiede bezüglich der Selbstbeherrschung zwischen Judokas und Fußballern?
Um diese Fragen beantworten zu können, bedarf es der Klärung der folgenden Punkte: 1) An welchen Parametern lässt sich das Aggressionspotential bzw. die Selbstbeherrschung feststellen? Wie lässt sich Ärger überprüfen? 2) Wie lässt sich der Erfolg messen?
1.3 Methodische Vorgehensweise
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird auf die Historie der asiatischen Kampfkünste - respektive auf die Historie von Judo - eingegangen. Weiterhin wird geklärt, was unter Ärger verstanden wird, wie er entsteht und welche Formen es hiervon gibt. Nachfolgend wird untersucht, was Aggression bedeutet, wie sie entsteht und welche Formen davon auftreten können. Im Anschluss werden die Effekte des Judos auf die seelische Gesundheit untersucht. Grundlage hierfür sind verschiedene sportpsychologische Studien. Vor allem Artikel der Forscher Reynes und Lorant (2002, 2004), sowie Nosanchuk (1981, 1989, 1999) werden hierfür herangezogen. Der letzte Abschnitt des theoretischen Teils befasst sich mit den Effekten des Fußballs auf die seelische Gesundheit. Auch hier wird der aktuelle Forschungsstand kurz thematisiert. Im empirischen Teil werden Judokas und Fußballer hinsichtlich ihres Aggressionspotentials und ihrer Ärgerkontrolle untersucht: es soll herausgefunden werden, ob Erstere auf Grund ihrer sportlichen Betätigung weniger Aggressionspotential aufweisen und besser in der Lage sind, mit Ärger kontrolliert umzugehen (Ärgerkontrolle), als Letztere. Hierfür wurde ein Fragebogen entwickelt, der auf dem State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar von Schwenkmezger, Hodapp und Spielberger (1992), sowie auf dem Buss-Perry Aggression Questionnaire (Buss & Perry, 1992) basiert.
Mittels des Fragebogens wurden Judokas des Judovereines Rot-Weiß Lörrach (n=10), Judokas des Budo-Sportzentrums Offenburg (n=14), Judokas des Kodokan Freiburg (n=6), sowie Judokas des 1.
Einleitung 3
Viernheimer Judoclub (n=10) befragt. Zudem wurde der Fragebogen von Fußballspielern ausgefüllt. Hierzu zählen Fußballspieler des FC Bötzingen (n=12), Fußballer des FSV Altdorf (n=10), und Fußballer der luxemburgischen Polizeischule (n=18). Teil 1 bis 3 des Fragebogens dienen persönlichen Angaben und Einschätzungen, basierend auf dem STAXI von Schwenkmezger et al. (1992) und auf dem Aggression Questionnaire von Buss und Perry (1992). Der 4. Teil des Fragebogens erfragt unter anderem demographische Angaben, Trainingszugehörigkeit und Fragen zu körperlich aggressiven Handlungen vor und seit Trainingsbeginn. Die empirische Untersuchung teilt sich in folgende Phasen auf:
1. Phase: Aushändigung des Fragebogens an erwachsene, aktive Mitglieder (Judoverein Rot-Weiß Lörrach, 1. Viernheimer Judoclub, Kodokan Freiburg, Budo-Sportzentrum Offenburg).
2. Phase: Aushändigung des Fragebogen an eine homogenen Kontrollgruppe (erwachsene Fußballspieler des FC Bötzingen, des SFV Altdorf, der Polizeischule Luxemburg). 3. Phase: Auswertung und Deutung der Ergebnisse der ausgefüllten Fragebögen mittels SPSS. 4. Phase: Zusammenfassung der Ergebnisse und kritische Diskussion: Implikationen für die Praxis werden herausgearbeitet, d.h. Aussichten und Chancen des Judosports in Bezug auf das Aggressionspotential und die Ärgerkontrolle im Vergleich zu Fußballern. Weiterhin werden Verbesserungsvorschläge für die eigene Untersuchungsmethode erläutert. Die Ergebnisse werden in der Schlussbetrachtung hinterfragt und kritisch bewertet.
1.4 Forschungsstand im Überblick
Nachfolgend wird der aktuelle Forschungsstand kurz wiedergegeben. Im 4. Teil dieser Arbeit wird dieser ausführlicher behandelt, indem die Studien einer Kritik unterzogen und Verbesserungsvorschläge angefügt werden.
In „Jugendliche und Kampfsport - Persönlichkeitsentwicklung und Wertevermittlung in der Kampfsportausbildung“ von Langewitz und Bernart (2007) geht es um die Befragung von über 50 Jugendlichen, mit der Zielsetzung herauszufinden, ob Judo nicht nur die körperliche Fitness trainiert, sondern auch moralische Werte vermittelt, die wiederum zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Unter moralischen Werten wird beispielsweise der Respekt gegenüber dem Lehrer,
Einleitung 4
Trainingspartnern und Mitmenschen verstanden oder die Einhaltung gewisser Regeln, welche nicht nur beim Judo, sondern auch im alltäglichen Leben unumgänglich sind. In dieser Studie wurde ein Abbau von Aggressionen festgestellt und die Mehrheit der Befragten fühlte sich durch das Judotraining ausgeglichener. Bei den befragten Judokas konnten auch ausgeprägte soziale und kulturelle Werte bescheinigt werden. Soziale Werte beinhalten Toleranz, Solidarität und Mitgefühl, wohingegen kulturelle Werte Gepflogenheiten, Sitten und Bräuche meinen. Judokas sind häufig sozial engagiert (ehrenamtliche Tätigkeiten). Ob dies auch auf die Judokas der durchgeführten Studie zutrifft, wird sich im empirischen Teil zeigen.
Murphy (1994) fand heraus, dass gewisse Kampfkünste einen Beitrag zur integralen Entwicklung des Menschen leisten. Sie fördern nicht nur das „moralische Empfinden“, sondern auch die athletischen Fähigkeiten und sind demnach den modernen Trendsportarten überlegen. Nach Szabo und Parkin (2001) weisen Kampfsporttrainierende niedrigere Aggressionswerte auf. Allerdings stellt sich nun die Frage nach dem Aggressionspotential von Judokas, die ihr Training aufgeben. Die Forscher beobachteten gesteigerten Ärger, als auch Stimmungsschwankungen beim Aussetzen des Trainings. Dies bestätigt die positiven Forschungsergebnisse zu den Konstrukten Aggressionsverhalten und Ärger.
Reynes und Lorant (2002) fanden in einer Längsschnittstudie mit Hilfe des Buss-Perry Aggression Questionnaire heraus, dass Judotraining nicht zu einem Abbau von Aggressivität führt. Es wurden hierzu 27 Grundschüler und 28 junge Judokas untersucht.
Reynes und Lorant (2004) fanden in einer weiteren Längsschnittstudie, welche auf der von 2002 aufbaut mit Hilfe des Buss-Perry Aggression Questionnaire heraus, dass traditionelles Training, welches Kata und Meditationselemente beinhaltet, Aggressivität weder abbaut, noch aufbaut. Sind diese Elemente allerdings nicht vorhanden, scheint Judotraining einen negativen Effekt auf Ärger-Punktwerte zu haben. Befragt wurden hierzu 14 Judokas, 9 Karateka und 20 Grundschüler. Nosanchuk (1981) erforschte ein Querschnitt von 42 Karateka unterschiedlicher Kampfsportschulen und fand mittels eines dreiteiligen Fragebogens, welcher aus dem Picture Frustration Test von Rosenzweig (1978) und aus items, welche Novaco (1975) entwickelt hat, zusammengestellt ist, heraus, dass längere Trainingszugehörigkeiten mit geringeren Aggressivitätsphantasien gekoppelt sind.
Einleitung 5
Nosanchuk und MacNeil (1989) beobachteten mittels einer Querschnittstudie, die aus dem Picture Frustration Test von Rosenzweig (1978) und aus items, welche Novaco (1975) entwickelt hat, bestehen, dass Kampfsportler (38 Ausübenden von Karate, Taekwondo und Jiu-Jitsu ) mit zunehmendem Gürtelgrad in traditionellen Kampfsportschulen geringere Aggressionsphantasien aufweisen.
Nosanchuk und Lamarre (1999) untersuchten mit Hilfe einer Querschnittstudie die Auswirkungen von traditionellem Judotraining auf das Aggressionspotential. 51 Judokas wurden examiniert. Die Aggressivität ging mit zunehmendem Alter und Trainingserfahrung zurück. Überraschenderweise hatte das Geschlecht keinen Einfluss in dieser Studie. Die Forscher bedienten sich an Szenarien aus einer Studie von Novaco (1975) und an dem Picture Frustration Test von Rosenzweigs (1978). Trulson (1986) untersuchte anhand einer Längsschnittstudie 34 männliche, jugendliche Straftäter. Es stellte sich heraus, dass traditionelles Taekwondo Training gesetzeswidrige Neigungen jugendlicher Straftäter reduziert, wohingegen die moderne Art des Taekwondo eine gesteigerte Tendenz bezüglich Straffälligkeit auf dem MMPI 1 , sowie einen großen Zuwachs von Aggressivität und einen geringeren Wert auf dem JPI bewirkte. Wie auch in der Studie von Nosanchuk und Lamarre (1999), bedient sich Trulson an Szenarien der Studien von Novaco (1975) und dem Picture Frustration Test von Rosenzweig (1978). Diese verbindet er mit dem Jackson Personality Inventory (1986).
Skelton et al. (1991) untersuchten mittels einer Querschnittstudie 68 Kinder aus verschiedenen Taekwondoschulen. Es zeigte sich, dass zunehmende Taekwondo-Kenntnisse mit einer Abnahme aggressiven Verhaltens einhergehen. Untersucht wurde dies, indem ein auf dem Revised Child Behavior Profile aufgebauter Fragebogen den Eltern der Kinder zum Ausfüllen gegeben wurde. Daniels und Thornton (1990) untersuchten in einer Querschnittstudie fünf Gruppen (Karataka, Jiu-Jitsuka, Badmintonspieler, Rubyspieler, und eine Kontrollgruppe) mit jeweils 18 Studenten. Mit Hilfe des Buss-Durkee Inventars fanden sie heraus, dass Jiu-Jitsu- und Karatetraining mit einem Rückgang von „Assaultive Hostility“ einhergeht.
Anhand einer weiteren Querschnittstudie analysierten Robazza, Bertollo und Bortoli (2006), inwiefern Judokas, Ringer und Rugbyspieler ihre Ärgergefühle als leistungssteigernd ansehen. Sie verwendeten hierzu eine modifizierte Version des STAXI. Es stellte sich heraus, dass die
1 Minnesota Multiphasic Personality Inventory (MMPI) ist ein Persönlichkeitstest in der klinischen Psychologie und
Psychiatrie und dient dazu, psychische Störungen zu untersuchen
Einleitung 6
Probanden dazu tendierten, Ärger während des Wettkampfes als leistungssteigernd und nicht als leistungshemmend zu interpretieren. Es gibt demnach Situationen, in denen Ärger förderlich ist. Auf die Ärgerkontrolle im alltäglichen Leben wurde in dieser Studie nicht eingegangen.
Historie der Kampfsportarten 7
Kunst und Handwerk, Jagd und Religion sind wertvolle Kulturgüter. Oftmals wird hierbei vergessen, dass die Kampfkunst auch hinzuzuzählen ist. Diese ist in der Tat eine der ältesten Künste der Menschheit. Der Begriff Kampfkunst leitet sich von dem Begriff „ars martialis“ ab und stammt aus dem Lateinischen. Übersetzt bedeutet er die Kunst des Mars. Mars war ein Kriegsgott im antiken Rom und wird mit dem Begriff ‚martialisch’ oder ‚kriegerisch’ assoziiert. Auf der ganzen Welt entwickelten sich unterschiedlichste Kampfpraktiken, welche entweder für kriegerische Zwecke oder zum persönlichen Schutz gebraucht wurden. Unter ‚Kampfsport’ werden „Sportarten und Bewegungssysteme [verstanden], die sich aus alten Kampfkünsten und Waffenübungen entwickelt haben, noch heute dem Zweikampf oder zur Selbstverteidigung dienen bzw. die Bewahrung alten Brauchtums und traditioneller Bewegungskultur zum Inhalt haben“ (Weinmann, 1991, S. 7). Seit Menschengedenken gibt es Selbstverteidigungs- und Kampfsysteme unterschiedlichster Art. Wurden die Kampfkünste im Altertum und im Mittelalter hauptsächlich des Angriffs und der Verteidigung wegen genutzt, entwickelten sich aus einigen Kampfkünsten über Jahre hinweg Kampfsportarten (Weinmann, 1991). Kriegerische Aspekte gelangten in den Hintergrund, wohingegen der Wettkampfgedanke und erzieherische Ideen mehr und mehr an Bedeutung gewannen. Eine Legende berichtet:
„Ein weiser Japaner beobachtete im Winter in seinem Garten den Schneefall auf einen Weidenbaum. Die
Last des Schnees brachte die Zweige zum Nachgeben, der Schnee stürzte mit aller Wucht nach unten und
die Weidenzweige kehrten in ihre alte Lage zurück, während daneben ein spröder Ast von einem
Kirschbaum brach“ (Peters, 1997, S. 10).
Der Weise käme dieser Betrachtung folgend zu der Einsicht, dass Menschen auf Aggressionen und Angriffe genauso reagieren können, wie der Weidenzweig. Die Idee einer waffenlosen Verteidigung war geboren (Peters, 1997). Heute ist Judo eine der bekanntesten waffenlosen Verteidigungen.
2.1 Judo - der sanfte Weg
Judo ist eine asiatische Kampfsportkunst und bedeutet wörtlich übersetzt ‚sanfter Weg’. Das Prinzip des Judo lautet „Siegen durch Nachgeben“ beziehungsweise „maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand“ (Lehmann, 1987; Weinman, 1991). Hartmann und Graf (1979, S.11) definieren Ju als das „Prinzip des Nachgebens und der Anpassung an die Absichten des Partners, um zu einer Problemlösung - beim Wettkampf zum Sieg, im Alltag zum Wohlergehen - zu
Historie der Kampfsportarten 8
gelangen [und Do als den] Weg und [die] Lehre, um durch aktive Betätigung die eigene Persönlichkeit, seinen Charakter zu entwickeln“. Was heute unter dem Namen Judo bekannt wurde, verkörpert der 1882 von Jigoro Kano Shihan als Judoschule gegründete Kodokan (Peters, 1997). Professor Jigoro Kano entwickelte diesen Sport aus japanischen Kampf- und Verteidigungskünsten der Feudalzeit basierend auf den Grundsätzen Seiryoku Zenyo, d.h. der möglichst wirksame Gebrauch der körperlichen und geistigen Kräfte und Jita Kyoei, d.h. das Wohlergehen für alle durch gegenseitiges Helfen und Verstehen (Weinmann, 1991, S. 108).
2.2 Entwicklung des Judos in Deutschland
Judo wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa bekannt. Anfangs erweckte Jiu-Jitsu 2 die größere Aufmerksamkeit. Allerdings verlor das Jiu-Jitsu an Bedeutung aufgrund der schnellen Entwicklung des Judo im Mutterland Japan, so dass selbst japanische Experten dieser alten Kampfkunst im eigenen Lande kaum noch ein Betätigungsfeld hatten (Lehmann, 1987). Judo wurde in Deutschland erst Ende der 20er Jahre richtig bekannt, als Alfred Rhode den ersten Judo-Club gegründet hatte. 1934 lösten die Nationalsozialisten sämtliche Judoverbände auf und unterstellten deren Mitglieder dem Fachamt ‚Schwerathletik’ im nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen. „Damit hatten die faschistischen Machthaber die Voraussetzung geschaffen, auch den Judosport als Mittel zur moralischen Erziehung und physischen Ausbildung der Jugend bei der Verwirklichung ihrer aggressiven Ziele einzusetzen“ (Lehmann, 1987, S. 11). Nach dem zweiten Weltkrieg erfuhr der Judo-Sport in Deutschland einen rasanten Aufschwung. Im Jahre 1964 wurde Judo schließlich zur olympischen Disziplin.
2.3 Die Grundelemente des Judo
Es ist eine Tradition des Judosports, dass alle judospezifischen Begriffe auf Japanisch gelehrt werden. Judokas trainieren in einem Dojo, was soviel wie „Übungshalle“ heißt; der Trainer wird als Sensei bezeichnet. Judokas wird eine große Disziplin abverlangt. Beim Betreten der Judostätte ist eine kurze Verbeugung üblich. Auch vor Beginn des Trainings sind traditionelle Verhaltensweisen wie die Begrüßung (Rei) oder der Konzentrationssitz (Mokuso) gebräuchlich. Lehmann & Müller-Deck (1987) sind der Meinung, dass traditionelle Rituale als wichtig erachten werden müssen, um den Erziehungsprozess erfolgreich zu gestalten (S. 16).
Formale Kämpfe, die auf den traditionellen Elementen des Judos basieren, werden Kata genannt, während Zweikämpfe auf der Tatami, also den Judomatten als Randori bezeichnet werden. In den
2 eine von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst der waffenlosen Selbstverteidigung
Historie der Kampfsportarten 9
meisten Judovereinen werden die formalen Kämpfe kaum noch durchgeführt. Judo wird in Deutschland heutzutage meist wettkampforientiert gelehrt. Aus diesem Grund wird beim Training großen Wert auf Technikschulung und Randori gelegt.
Judokas tragen einen weißen Judoanzug (Judogi) sowie einen Gürtel in einer bestimmten Farbe. Die Farben geben Aufschluss über das technische Können des jeweiligen Judokas. Nach einer gewissen Trainingszugehörigkeit dürfen Judokas an einer Gürtelprüfung teilnehmen. Beim Bestehen dieser Prüfung sind sie berechtigt, den nächst höheren Gürtel zu tragen. Es gibt 8 Schülergrade (Kyu-Grade), sowie 10 Meistergrade (Dan-Grade). Als Meister ist man befugt, den schwarzen Gürtel zu tragen. Die Judotechniken unterteilen sich in die Fallschule (Ukemi), Wurftechniken (Nage-Waza), Grifftechniken und Bodentechniken (Katame-Waza), sowie Würge- und Hebeltechniken. Ursprünglich enthaltene Waffen-, Tritt- und Schlagtechniken wurden Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Lehrplan entfernt, um Judo zu einer Lehre für Körper und Geist werden zu lassen. Nachfolgend soll nun auf den Aspekt „Körper und Geist“ eingegangen werden und im ersten Schritt die Dimensionen der seelischen Gesundheit erörtert werden.
Dimensionen der seelischen Gesundheit 10
3.1 Was versteht man unter Ärger?
Ärger ist eine grundlegende Emotion, welche im alltäglichen Leben häufig auftritt und meist sehr intensiv erlebt wird. Sie ist eine der Emotionen, über die am meisten geredet wird, die aber zugleich am wenigsten erforscht ist (Novaco, 1978). Dieses Statement liegt zwar schon einige Zeit zurück, aber Weber (1994) sieht hier immer noch enormen Forschungsbedarf und fügt an, dass Novacos Aussage immer noch in abgeschwächter Form zutrifft.
Was aber ist eine Emotion genau? Im allgemeinen Sprachgebrauch wird unter einer Emotion ein mentaler und physiologischer Prozess verstanden, welcher mit einer breiten Auswahl an Gefühlen, Gedanken und Verhaltensweisen einhergeht. Sie stellt eine Gemütsbewegung, oder auch Erregung, dar (Das Bertelsmann Lexikon, 1994). Sie ist eine primäre Determinante im Sinne von subjektivem Wohlbefinden und spielt eine zentrale Rolle bei vielen menschlichen Aktivitäten. Es gibt in der Forschung viele Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Definition und Klassifizierung von Emotionen. (z.B.?)
Darauf soll jedoch nicht näher eingegangen werden, sondern die Emotion „Ärger“ beleuchtet werden.
Die Emotion Ärger wird häufig auch als Verdruss betitelt und geht mit einer spontanen inneren Reaktion auf einen Mitmenschen oder eine Situation einher. Das Resultat von Ärger wird als Ärgernis bezeichnet. Hodapp (2000, S. 199) definiert Ärger, Wut oder auch Zorn als „vielschichtige Gefühle, die wir erleben, wenn wir uns durch andere geschädigt fühlen“. Hannelore Weber (1994, S. 53) schreibt: „Die Emotion Ärger […] kann das Verhalten Aggression nach sich ziehen [und das Verhalten] Aggression kann durch [die Emotion] Ärger motiviert sein“. Schwenkmeztger et al. (1992, S. 8) definieren Ärger als einen emotionalen Zustand, der „aus Gefühlen der Spannung, Störung, Irritation oder Wut besteht und mit einer Aktivierung des autonomen Nervensystems verbunden ist“.
3.1.1 Wie entsteht Ärger?
Die Ärgerauslösung umfasst nach Hodapp (2000) drei Komponenten, nämlich das ärgerauslösende Ereignis, die personspezifische Ärgerneigung sowie die kognitive Bewertung der Situation. Henning und Marietta Allmer (1995) schreiben, dass die Entstehung von Ärger als das „Resultat der
Dimensionen der seelischen Gesundheit 11
subjektiven Bewertung der gegebenen Situationskonstellation aufgefasst wird [und dass] Situationsbewertungen dafür maßgeblich [sind], ob in einer Situation Ärger entsteht oder nicht“ (S. 119). Verrez und Sobez (1980) gehen davon aus, dass Ärger deshalb auftritt, weil andere Menschen ein Prinzip verletzen, welches der Wahrnehmende innerhalb seines Wertsystems als zentral ansieht und als wichtig erachtet.
Kritik oder Provokationen zählen zu den häufigsten Auslösern von Ärger. Auch können Beleidigungen oder Herabwürdigungen, wie beispielsweise verbale Angriffe zu Ärger führen. Hodapp (2000, S. 201) führt außerdem „Ärgernisse unterschiedlicher Provenienz (z.B. soziale und physikalische Reize)“ als Ärgerauslöser an. Attributionstheoretische und kognitive Ansätze verdeutlichen, dass die kognitive Bewertung eines Ereignisses für das Entstehen von Ärger zentral ist. Hodapp (2001) bezeichnet diese Ansätze als „einschätzungstheoretische Ansätze“. Auch verweist er auf Rule und Ferguson (1983), welche in ihrem attributionstheoretischen Ansatz davon ausgehen, dass die Intensität des Ärgers davon abhängt, wie viel Schuld dem Schadensverursacher zugeschrieben wird. Weiterhin äußert er, dass Ärger vor allem dann auftritt, wenn der Eindruck einer absichtlichen Provokation entsteht (Hodapp, 2000).
Es gibt zwei Aspekte der Intentionsbewertung, welche für Ärgerentstehung von großer Bedeutung sind. Zum einen kann eine „beabsichtigte Intentionsrealisierung blockiert oder behindert [werden]“, was zur Folge hat, dass eine Überprüfung des investierten Vorbereitungsaufwands und des eigenen Könnens nicht realisiert werden kann. Zum anderen kann es zu einer „Verfehlung einer Intention“ kommen (Allmer, 1995, S. 121). Schwenmezger et al. (1992) sehen die Blockierung einer zielgerichteten Handlung als Ursache für die Genese einer Ärgeremotion allerdings nicht als hinreichend an.
Schwekmezger et al. verweisen auf Cole, Hunt und Reis (1958), welche ein Phasenmodell der Ärgerentstehung erläutern.
„Eine frustrierende Bedingung, die als Blockade einer Handlung oder als Störung des homöostatischen
Gleichgewichts wahrgenommen wird, nimmt die gesamte Aufmerksamkeit einer Person in Anspruch. Das
Handlungsziel kann nicht erreicht werden oder wird aus den Augen verloren - es entsteht Ärger“
(Schwenkmezger et al., 1992, S. 8).
Leo Montada (1989, S. 1) beschreibt in Möglichkeiten der Kontrolle von Ärger im Polizeidienst, dass eine Ärgerreaktion aus einer „erlebten tatsächlichen oder drohenden Beeinträchtigung, Behinderung oder Enttäuschung“ entsteht (S. 1). Einer anderen Person muss demnach
Arbeit zitieren:
Dominik Lorenz, 2009, Judo - der Weg zu einem ausgeglichenen Leben?, München, GRIN Verlag GmbH
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