1.) Theoretischer Hintergrund
2.) Überprüfung der Theorie und Mortalitäts-Salienz-Induktion 3.) Kritisches Fazit 1.) Theoretischer Hintergrund
„Auf der politischen Ebene löste die Volkssouveränität die monarchisch-religiöse Legitimation des Staates ab. Parallel dazu, wird das religiöse durch ein rationalaufklärerisches Weltbild verdrängt. Fragen über menschliches Leid, Leben und Tod lassen sich jedoch nicht befriedigend über Rationalität und Vernunft beantworten. Es ist der Nationalismus und die (eigene) Nation, die nun einen großen Teil an Sinnstiftung übernehmen; eine Aufgabe, welche früher großzügig durch die Religion abgedeckt war. Diese Überlegung würde auch die starke affirmative Kraft, die das Nationale auf Menschen ausübt, erklären (Smutny, S.68).“
Mit diesem Zitat, welches bei Florian Smutny in Anlehnung an die Überlegungen Benedict Andersons zu finden ist, lässt sich eine Brücke schlagen zwischen den Überlegungen, welche seitens der Politik und seitens der Psychologie zum Thema eines möglichen tieferen Sinns von „Nationalismus“ existieren. Ernest Becker ist das theoretische Konstrukt zu verdanken, welches heute unter dem Begriff der „Terror Managment Theory“ bekannt ist und insbesondere von der Gruppe um Greenberg, Solomon und Pyszczynski erforscht wurde.
Becker geht zunächst davon aus, dass die dem Menschen eigene Fähigkeit über sich und sein Schicksal in eine-m/r von ihm kaum beeinflussbaren Kosmos/All/Welt zu einer Art von ultimativem Entsetzen (Terror) führen müsste. Der Mensch wäre demnach nicht mehr in der Lage zu handeln, da all sein Handeln als sinnlos und der Endgültigkeit des Todes preisgegeben gelten würde. An dieser Stelle kommen die Religionen jeglicher Art ins Spiel. Sie alle haben eins gemein: Sie bieten Antwort auf die Frage nach dem Sein und vor allem dem Tod, wobei letzterer nie als endgültig gesehen wird und es stets ein „danach“ gibt. An dieser Stelle sei ein kurzer Ausflug zu Freud erlaubt: Er postulierte, dass der Ur-Mensch sich erst in dem Moment Gedanken um den Tod machte, als eine ihm nahe stehende Person starb. Dennoch lebte diese Person sozusagen weiter, da sie in den Gedanken und Gefühlen des Verbliebenen nach wie vor präsent war. Daraus leitet er den Geisterglauben und in letzter Konsequenz einen Aspekt der Religion ab.
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Dem Menschen ist der Selbsterhaltungstrieb zu Eigen, dem wiederum durch Nach-Tod-Versprechen entsprochen wird. In Zeiten, in denen die sonst diese Versprechen haltende Religion an Anziehungskraft verliert, bedarf es eines neuen Trägers dieser Versprechen, um sicherzustellen, dass der Mensch nach wie vor sein Entsetzen „managen“ kann. Hier sei wieder an das einleitende Zitat von Smutny erinnert, wird dort doch der Nationalismus als Religionsersatz gesehen. So auch bei Becker: Die Nation ist eine Konstante, die auch nach dem Tod des Individuums weiter besteht. Und der Einzelne kann an dieser auch nach seinem Dahinscheiden bestehenden Institution quasi teilhaben, in dem er, so Becker, ein wertvolles Mitglied dieser Nation wird. Dies lässt sich wie folgte verstehen: Die Nation definiert sich durch bestimmte Werte, Traditionen und Verhaltensweisen. Durch das Teilen dieser eine bestimmte Nation ausmachenden Inhalte verbindet sich das Individuum also mit diesem übergeordneten System, und kann damit auch nach seinem eigenen Tod als Teil davon fortbestehen.
Vereinfacht gesagt: Der Mensch ist sich seines Todes bewusst, versucht aber einen Ausweg in einem diffusen Nach-Tod-Versprechen zu finden. Etwas wird nach seinem Tod von Dauer sein und somit auch ihn quasi unsterblich machen. War dies früher die Religion, so ist es ab dem 18. Jahrhundert (und dann nach und nach fortschreitend) das Prinzip des Nationalismus. Und auch Anderson sieht ihn am besten verstanden, „…wenn man ihn nicht in eine Reihe mit anderen Ideologien stellt, sondern mit den großen kulturellen Systemen, die ihm vorangegangen sind und aus denen - und gegen die - er entstanden ist (S. 19).“ Die Hauptaussage der „Terror Managment Theory“ (im Folgenden: TMT) ist, dass das Wahrnehmen der eigenen Sterblichkeit sich emotional in Furcht und lähmendem Entsetzen widerspiegelt. Dies wiederum motiviert Personen sich kognitiv symbolisch gegen dieses Gefühl zu wehren. Dazu dienen zwei psychologische Mechanismen: Der erste besteht daraus, die Werte an die man glaubt, zu bestätigen indem man sie bei anderen Personen ebenso wieder zu finden sucht (Stichwort: Kultur). Dadurch kann der Einzelne die Welt verstehen und ihr einen Sinn geben, nutzt er doch das durch die Kultur tradierte Werte-/Bezugssystem. Der zweite Mechanismus dient der Erhöhung des eigenen Selbst-Bewusstseins, indem man die Werte höher stellt, welche besagte Kultur auszeichnen.
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2.) Überprüfung der Theorie und Mortalitäts-Salienz-Induktion Ausgehend von den basalen Annahmen wie wir sie im ersten Teil vorgestellt haben, wollen wir uns nun der empirischen Arbeit widmen. Verschiedene Hypothesen wurden aus den Grundannahmen der TMT gewonnen: „…A complementary hypothesis derived from TMT assumptions is the mortality salience hypothesis: reminding people of their own mortality would activate terror management mechanisms and increase their need for cultural world view validation and self-esteem enhancement. That is, making mortality salient should enhance positive evaluation of persons who support one’s own cultural world view and lead to negative evaluation of those who deviate from these cultural world views (e.g. Rosenblatt; Greenberg; Harmon and Florian).” Die hier genannte Mortalitäts-Salienz-Hypothese wird in Untersuchungen derart angewandt, dass die Versuchsteilnehmer in Form eines Fragebogens quasi durch die Hintertür an das Thema Sterblichkeit erinnert werden, wobei deutliche Ich-Bezüge bestehen (Beispiel: „Wenn sie wüssten, dass sie in einigen Monaten aufgrund einer unheilbaren Krankheit sterben müssten, was würde sie in dieser Zeit machen wollen?“).
Um diese erste Hypothese zu validieren, wurde zunächst eine Reihe von sechs Versuchen durchgeführt. Der Schwerpunkt lag hierbei zu untersuchen, ob Personen, welche ihrer eigenen Sterblichkeit erinnert wurden, andere Personen, welche die Werte ihrer Kultur hoch halten positiver bewerten. Im Umkehrschluss würden sie solche Leute, welche die Kultur in irgendeiner Form bedrohten, negativer bewerten. Im ersten Experiment sollten Richter in fiktiven Fällen Prostituierte (welche als Personen definiert wurden, welche die Werte einer Kultur eher verletzen) verurteilen. Die Richter, welche vorher einer Manipulation in Form einer Mortalitäts-Salienz-Induktion (im Folgenden: MSI) unterzogen worden waren verurteilten signifikant höher als die nicht Manipulierten. Im zweiten Versuch wurde das gleiche Ergebnis erzielt, wobei diesmal die Beurteiler Studenten waren. In einem dritten Versuch wurde der Frage nachgegangen, ob man Personen besser bewertet, welche die eigene Kultur hochhalten. Hier galt es fiktive Belohnungen zu verteilen und auch hier zeigte sich, dass unter Einfluss der MSI die Belohnung signifikant höher ausfiel. Die beiden weiteren Versuche dienten dazu auszuschließen, dass dieser Effekt lediglich auf eine durch die MSI ausgelöste, erhöhte Erregung zurückzuführen sei, was auch gelang. Versuch sechs arbeitete lediglich mit einer veränderten MSI.
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Psych. Joachim Stöter, 2005, Nation, Nationalismus und die Terror-Management-Theorie, München, GRIN Verlag GmbH
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Kulturelle Unterschiede zwischen China und Deutschland - Theorie und P...
Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation
Seminararbeit, 21 Seiten
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