1. Einleitung
Generally speaking, the Germans regard themselves as modest, rather ordinary sort of people. Give them a beer, a Wurst, a bit of Gemütlichkeit (cosiness) and another German with whom to argue politics or bemoan the stress of life, and they will be content. They are not greedy, do not expect something for nothing and pay their bills on time. Simple, honest Volk. (Xenophobe´s guide to the Germans, 4)
Dies ist nur eine von vielen Aussagen über Deutsche, die das Bild, das andere Länder von uns haben, widerspiegelt. Doch nicht nur stereotypenspezifische Literatur enthält solche verallgemeinernde Darstellungen über bestimmte Nationen und andere Gruppen. Zwar spielen die Massenmedien in diesem Kontext eine wichtige Rolle, doch oft wird vergessen, dass Schulbücher und Fremdsprachenlehrwerke eine der ersten Instanzen darstellen, über die solche Aussagen vermittelt werden. Auch wenn sie heutzutage nicht mehr zu den ersten Quellen zählen, aus denen wir Informationen und Eindrücke zu einem bestimmten Land erhalten, hinterlassen Lehrbücher für Fremdsprachen einen bleibenden Eindruck, besonders weil sie sie den Anspruch haben, wissenschaftlich fundierte Informationen zu Land und Leuten der jeweiligen Sprache zu vermitteln. Viele darin vermittelte Eindrücke bleiben im Gedächtnis des Lerners haften und sind oft auch Jahre danach noch abrufbar. Daher spielen diese Lehrbücher eine wichtige Rolle in der Forschung zu Nationalstereotypen und können zu der Beantwortung der Frage, wie ein bestimmtes Bild eines Landes entstehen kann, beitragen.
In diesem Kontext der Betrachtung von Nationalstereotypen in Fremdsprachenlehrwerken sind Stereotype als kognitive Komponenten von Vorurteilen zu verstehen. Diese wiederum sind vorschnelle, negativ wie positiv eingefärbte Verallgemeinerungen gegenüber Personengruppen (Nationen), wohingegen Stereotype bereits feste Urteile darstellen. Weiterhin existiert in den Köpfen der Lerner ein Bild von einem Land, eine komplexe Vorstellung von Erfahrungen, Kenntnissen und auch Stereotypen und Vorurteilen, die in ihrer Gesamtheit ein keineswegs objektives Bild darstellen, dass mit der Realität übereinstimmen muss. (vgl. Byram, 22) Auf den nachfolgenden Seiten soll versucht werden, das Bild der US-amerikanischen Deutschlerner anhand zweier Lehrbücher zu untersuchen. Dabei wird an diese Arbeit keinesfalls der Anspruch der Vollständigkeit gestellt, da sie sich nur auf die beiden
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untersuchten Lehrbücher bezieht. Außerdem konnten nicht alle darin behandelten kulturellen und landeskundlichen Aspekte berücksichtigt werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Im Folgenden wird auf einige ausgewählte Aspekte eingegangen, die meiner Meinung nach die zentrale Thematik der Lehrbücher widerspiegeln. Dabei soll untersucht werden, ob und wie die Autoren mit bestimmten Stereotypen umgehen, bzw. ob sie diese aufzeigen, um sie daraufhin zu revidieren, oder ob diese als Tatsachen dargestellt werden. Denn bereits durch die Themenwahl, die Wahl der Darstellung der gewählten Personen, die Perspektive, die Aufgaben- und Übungsgestaltung, das Bildmaterial usw. können Stereotype gefestigt oder gar neu geformt werden. (vgl. Byram, 22)
2. Lehrbücher
Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sind zwei englischsprachige Lehrbücher, beide erschienen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mangels Auswahl konnten keine europäischen Lehrbücher zur Betrachtung herangezogen werden, da die hier verfügbaren Lehrbücher für Deutsch als Fremdsprache ausnahmslos in deutschen Verlagen erschienen sind und somit keine Heterostereotype darstellen.
Deutsch Heute – Grundstufe 1 – Sixth Edition
Deutsch Heute ist 1996 erschienen und ist ein umfangreiches Lehrbuch, das hauptsächlich für Studenten aber auch für andere erwachsene Lerner konzipiert wurde. Es hat den Anspruch, sowohl Grundkenntnisse des Deutschen als auch Kommunikationsfähigkeit im Kontext deutschsprachiger Kultur zu vermitteln. Außerdem soll mit Hilfe von simplen, aber inhaltlich anspruchsvollen Dialogen und Texten in zeitgenössisches Leben und Kultur in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeführt werden. Außerdem dienen immer wiederkehrende Texte mit dem Titel „Land und Leute“ zur Darstellung tiefergehenderer Information zu dem jeweiligen kulturellen Thema des Kapitels. Sie werden jeweils von einer Fotographie begleitet, die den Kontext untermalen soll. Die Kombination aus Texten, Fotos, Zeichnungen und Anzeigen in DH soll das Leben in deutschsprachigen Ländern so realitätsnah und aktuell wie möglich darstellen.
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Das Autorenteam setzt sich aus 5 US-amerikanischen Universitätsprofessoren (deren akademischer Werdegang jedoch nicht erläutert wird) und einer deutschen Mitarbeiterin des Goethe-Instituts München zusammen. Daher ist dieses Lehrbuch nicht rein heterostereotyp, jedoch aufgrund der Überzahl ausländischer Autoren durchaus repräsentativ. Zu dem Lehrbuch gehören: Arbeitsheft, Audio-CD, Video und CD-ROM.
Deutsche Sprache und Landeskunde 2 – Fourth Edition
Auch dieses Lehrwerk ist in den USA erschienen, jedoch bereits im Jahr 1993. Seine Zielgruppe ist ebenfalls die der Anfänger, wobei keine spezifisch studenten-orientierte Konzeption erwähnt wird. Es soll ebenfalls in die deutsche Sprache im Kontext des täglichen Lebens eingeführt, sowie die Kultur in den deutschsprachigen Ländern vermittelt werden. Dazu wird kulturelles Material in Dialogen, Texten und authentisches Material in der so genannten „Kulturecke“ präsentiert. Diese erläutert und vertieft das Thema des jeweiligen Kapitels. Zwei der Autoren von DSL sind Germanistik-Professoren an den US- amerikanischen Universitäten Hawaii und North Carolina und haben den Titel des Dr. Phil in Germanistik. Die dritte Autorin hat mehrere Jahre unterrichtet und war maßgeblich an anderen Lehrbüchern für Deutsch als Fremdsprache beteiligt.
3. Das Schulsystem, die Universität und das Studentenleben
Sowohl DH als auch DSL orientieren sich stark an Studenten und sind für diese konzipiert. Dies lässt sich an der ausführlichen Darstellung verschiedener, für Studenten relevanter Themen betrachten. Das deutsche Schulsystem wird dem Lerner näher gebracht und bis ins Detail erklärt. Dabei werden die verschieden Schularten aufgelistet und erläutert, wobei die Autoren den Eindruck erwecken, deutsche Schüler würden sich schon früh für ihren späteren Berufweg entscheiden („depending on their ability and the job career they hope to have“). Die Wichtigkeit der Abitursnote wird betont, ebenso der Mangel an Universitäten und somit Studienplätzen. Auch das hiesige System der Studienplatzvergabe per Numerus Clausus und über die ZVS wird erklärt, wobei die Situation recht dramatisch geschildert wird, da man mit einer unzureichenden Abiturnote jahrelangen Wartezeiten und einer willkürlichen Studienplatzvergabe nicht entgehen kann. Weiterhin werden die verschiedenen Abschlüsse
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(Magister, Diplom und Staatsexamen) erwähnt und auch die Tatsache, dass man sich ab Beginn des Studiums auf eine Richtung (bzw. beim Magisterstudium mehrere) spezialisiert, da mit dem Erhalt des Abiturs der nötige Grad an Allgemeinbildung vorausgesetzt wird. Der Weg über die Ausbildung wird nicht als Alternative dargestellt, sondern nur kurz als einziger Berufsweg für Haupt- und Realschulabsolventen erwähnt.
Im Laufe der Kapitel werden verschieden Universitätsstädte (unter anderem Freiburg, Tübingen und Marburg) und das Leben und Studieren in Deutschland portraitiert: Aufgrund der Tatsache, dass Universitäten staatlich sind, gibt es keine Studiengebühren und der Semesterbeitrag ist kaum erwähnenswert („a small tuition fee“). Das BAföG soll jedem in Deutschland das Studium ermöglichen, doch die Lebenshaltungskosten im Allgemeinen zwingen dennoch viele Studenten zum jobben neben dem Studium. Die Freizeitgestaltung wird nicht von der Universität organisiert und auch Sportmannschaften sowie ein Campus existieren nicht. Die Wohnsituation wird als schwierig beschrieben; Wohnheime sind so knapp, dass manche Studenten sogar in Wohnwagen hausen. Daher existiert das Phänomen der Wohngemeinschaften, das folgendermaßen begründet wird: „to combat the cost of high rent, students frequently group together to form a Wohngemeinschaft“. Das Studium selbst wirkt in der Beschreibung der Autoren überraschend einfach und anspruchslos. Es gibt wenige (manchmal auch gar keine) Klausuren, Hausarbeiten sind selten und Professoren führen keine Anwesenheitslisten. Es ist jedem selbst überlasen, ob wie und wann er studiert. Somit ist der deutsche Student für sein eigenes Vorankommen verantwortlich und erhält auch keine Betreuung („academic counselors are a rarity“). Die langen Semesterferien verbringt er mit jobben oder Praktika und so mancher bereitet sich dann sogar schon auf das kommende Semester vor.
Eine wichtige Rolle im Studentenleben spielen Studentencafés. Dort wird stundenlang Kaffee getrunken, Kuchen gegessen, Zeitung gelesen, über Politik diskutiert oder sich mit Freunden unterhalten. Es entsteht der Eindruck als sei das Studium in Deutschland einerseits sehr locker und entspannt sowie ein besserer Nährboden für freies Denken, politisches Engagement und Eigenständigkeit. Dies geht auch aus einem Brief hervor, in dem eine deutsche Studentin ihre Erfahrungen bei einem Studienaufenthalt in den USA beschreibt und die Unterschiede folgendermaßen betont:
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„Ich will mich ja nicht beklagen, aber in den drei Wochen habe ich schon zwei Prüfungen gehabt. In vier Wochen gibt es wieder Prüfungen, und dann muß ich gleich für die Klausuren am Ende des Semesters studieren. Dazu soll ich noch vier Referate schreiben. Um alles fertig zu bringen, funktioniere ich wie eine Maschine. (…) Es gibt ja soviel auf der Uni zu tun, und die Studenten lassen sich von der Uni gern ihre Freizeit gestalten. Vieles ist kostenlos.
Ich habe immer gedacht, dass ich besser arbeite, wenn ich mich intensiv mit einem Problem beschäftigen kann. Dazu hat man hier natürlich keine Zeit. Aber es ist unglaublich, wie viel ich in diesem Jahr lernen werde. (…) Was mir aber am meisten fehlt ist die Zeit zum politischen Engagement. „ ( DSL,401)
Aus diesem Brief geht abermals hervor, wie sehr sich die Studienbedingungen Deutschlands von denen der USA unterscheiden. Die akademischen Anforderungen scheinen in Deutschland kaum zu existieren, wohingegen soziale Kontakte und politisches Engagement eine weitaus wichtigere Rolle spielen, zumal sie durch Eigeninitiative entstehen. Diese wird auch in anderen Bereichen des Lebens von den Studenten gefordert (jobben) und führt schon früh zu Selbstständigkeit.
Dieser Aspekt ist durchaus als positiv zu betrachten, wenn auch in den Lehrbüchern diesbezüglich keine Wertung erfolgt. Dennoch ist zu betonen, dass für einen uninformierten Lerner ein sehr positives und lockeres Bild des Studentendaseins gezeichnet wird. Da die einzige genannte Hürde sie finanzielle ist, lässt es sich mit den nötigen Mittel ein stressfreies Dasein als Student in Deutschland führen.
4. Die deutsche Essphilosophie:
„Frühstücken wie ein König, Mittagessen wie ein reicher Bürger, Abendessen wie ein Bettler. (DSL, 218)“
Das Thema Essen spielt in vielen unterschiedlichen Situationen der Lehrwerke eine wichtige Rolle und die Autoren haben sehr genaue Vorstellungen von den Essgewohnheiten der Deutschen. In beiden Lehrwerken wird mehrmals betont, dass zwar immer mehr Deutsche mittlerweile abends warm essen, es aber dennoch üblich ist, die warme Mahlzeit mittags einzunehmen. Diese kann aus bis zu drei Gängen bestehen (Vorspeise, Hauptspeise und
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Solmaz Azizi, 2007, Das Deutschlandbild in englischsprachigen Lehrbüchern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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