Inhalt
Inhalt ............................................................................................................................... 1
1. Einleitung 2
2. Der Regisseur und sein Film 2
3. Das Irrlicht - Le Feu Follet 4
3.1 Der Hauptdarsteller 5
4. Alain Leroy - seine Gefühlswelt 6
4.1 Die Unberührbarkeit der Dinge 7
4.2 Das Erwachsenwerden 7
5. Alain Leroy - seine Umwelt 8
5.1 Alain und seine Freunde 8
5.1.1 Dubourg 8
5.1.2 Eva 9
5.1.3 Cyrille 10
5.2 Alain und die Frauen 10
5.2.1 Lydia und Dorothy 11
5.2.2 Maria 11
5.2.3 Solange 12
6. Die Fluchtmöglichkeiten 13
6.1 Der Alkohol 13
6.2 Der Selbstmord 14
7. Fazit und Schlusswort 15
8. Literatur 17
1
1. Einleitung
Verstehe oder verachte ich ihn? Diese Frage habe ich mir beim Betrachten der Figur des Alain Leroy in Louis Malles Das Irrlicht oft gestellt und nie wirklich beantworten können. Auch die hitzige Diskussion, die im Anschluss an unser Referat im Plenum entstand, konnte diese Unentschlossenheit nicht beruhigen - im Gegenteil. Mir wurde deutlich, wie gespalten die Geister bezüglich Alains Charakter und der Rechtfertigung seines Selbstmordes sind. Er ist einerseits ein Charakter, der durchaus Sympathien und Mitgefühl beim Zuschauer wecken kann. Andererseits ist es ebenso wahrscheinlich, dass man ihn verachtet und für seine Entscheidung, dass Leben aufzugeben, verurteilt. Gerade diese konträren Positionen sind es, die zeigen, wie spannend und facettenreich Alain Leroys Charakter ist und mit welcher Sorgfalt Malle diese komplexe Person gezeichnet hat. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschlossen, mich in dieser Arbeit eingehender mit der Figur des Alain Leroy zu befassen und zu versuchen, sie zu durchleuchten.
Auf den folgenden Seiten soll zunächst auf Louis Malles Beziehung zu diesem sehr persönlichen Film eingegangen werden, ebenso wie auf die Lebensphase, in der er sich beim Schaffen dieses Werkes befand. Weiterhin werde ich eine eingehende Charakteranalyse Alain Leroys erstellen und ihn auch in seinem Umfeld betrachten. Dazu werde ich mich eingehend mit seinem Freundeskreis beschäftigen, der eine wichtige Rolle in den letzten Stunden seines Lebens spielt. Abschließend werde ich versuchen, Alains Selbstmord anhand der vorhergegangenen Analysen zu betrachten, um dessen Beweggründe für den Freitod festzumachen. In einem abrundenden Fazit soll eben diese Ambivalenz, die die Figur Alain Leroy ausmacht, definiert und erklärt werden.
2. Der Regisseur und sein Film
„Die Leute finden es immer schwer, in meinen Filmen eine Linie zu finden, Aber ich finde es sehr einfach: Es ist mein Leben, meine Neugier, Dinge die in meinem persönlichen Leben geschehen sind. Was immer ich in Filmen gemacht habe ist eine Reflexion meines Lebens.“ 1 1 Jansen, Peter W; Schütte, Wolfram (Hrsg.): Louis Malle, Reihe Film 34, Carl Hanser Verlag München Wien 1985. S. 33
2
Mit dieser Aussage beschreibt Louis Malle in wenigen Worten, wie Das Irrlicht zu lesen ist, denn für den Regisseur repräsentiert der Film nicht nur einen weiteren Meilenstein seiner Karriere, sondern er steht ebenso für eine Art Katharsis 2 , die er in dieser Phase seines Lebens dringend benötigte. Das Irrlicht folgte auf Privatleben 3 , welcher von vielen Kritikern stark kritisiert wurde. Der junge Regisseur verlor daraufhin den Halt und widmete sich zunächst wieder den Ursprüngen seiner Karriere
- dem Dokumentarfilm. Er reiste mit einem kleinen Filmteam nach Algerien und verbrachte dort insgesamt vier Monate, um sein verlorenes Selbstbewusstsein wiederzuerlangen 4 . Nach seiner Rückkehr nach Paris im Herbst 1962 begann er, ein Drehbuch über einen jungen Mann zu schreiben, der Selbstmord begeht. Da Malle mit seinem Entwurf nicht sonderlich zufrieden war, machte ein Bekannter ihn auf den Roman Le Feu Follet von Drieu la Rochelle aufmerksam, welcher eine ähnliche Thematik behandelt. Malle hatte den Roman bereits viele Jahre zuvor gelesen und beschloss, ihn als Vorlage für seinen Film zu verwenden. Besonders die Parallelen zu Malles Leben, die der Roman aufweist, müssen ihn überzeugt haben. Drieu la Rochelle beschreibt den Selbstmord einer seiner Freunde - Jacques Rigaut - welcher immerzu seinen Suizid ankündigte, jedoch bei keinem seiner Freunde Gehör fand und sich schließlich umbrachte. Unter Schuldgefühlen seitens Drieu la Rochelles ist daraufhin dieser Roman entstanden, der die letzten Tage Jacques Rigauts beschreibt. 5 Auch einer von Malles Freunden hatte sich unter ähnlichen Umständen umgebracht, wodurch sich der Regisseur auch persönlich von dem Roman ergriffen gefühlt haben musste. Er bearbeitete ihn und schrieb erstmals alleine ein Drehbuch 6 . Daran lässt sich erkennen, wie nahe ihm das Thema gegangen sein musste und wie sehr es ihm am Herzen lag.
Doch nicht nur aufgrund des Selbstmordes von Malles Freund hatte der Regisseur einen persönlichen Bezug zu seinem Drehbuch. Der Protagonist Alain Leroy war für Malle in dieser Zeit eine Art Spiegelbild. Der Regisseur fühlte sich ihm sehr nahe, da er sich in einer ähnlichen Lebensphase befand, wie seine Hauptfigur und auch er auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner stagnierenden Situation war:
„ In gewisser Weise versuchte ich mich hinter Drieu la Rochelle und Jacques Rigaut und 2 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 71 3 Originaltitel: “Vie privée“ (Frankreich/Italien1962) 4 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 64 5 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S. 66
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hinter dieser Geschichte, die nicht meine eigene war, zu verstecken. Aber tatsächlich fühlte ich mich doch sehr betroffen. Und ich war gerade dreißig geworden - das ist immer eine schwierige Zeit. Ich dachte, ich sei nicht mehr jung - genau wie Alain Leroy, der Held im Roman und im Drehbuch. Ich war Alain Leroy.“ 7
In vielerlei Hinsicht erkannte er sich in Alain wieder und spürte dies beim Dreh täglich: „´Le Feu Follet` ist so etwas wie meine Selbstkritik. An manchen Drehtagen rückte mir das Sujet derartig auf den Leib, das ich aussetzen musste. Ich konnte einfach nicht mehr weiterdrehen.“ 8 Der junge Louis Malle lebte zu dieser Zeit in Paris und genoss die Vorzüge der Metropole. Er ging viel aus, feierte mit seinen Kollegen und genoss das ausschweifende Pariser Nachtleben in vollen Zügen. Dennoch war er mit sich und seinem Leben nicht zufrieden und suchte eine Möglichkeit, seiner unbefriedigenden Situation zu entkommen und seine innere Leere zu füllen.
Der Film bot ihm die Chance, die geistige und emotionale Leere zu überwinden, aus der Stagnation herauszukommen und sich von Paris los zu reißen. 9
Um diese Nähe des Regisseurs zu seiner Hauptfigur zu verstehen, soll auf den folgenden Seiten Alain Leroy dargestellt werden. Um ihn zentriert sich die gesamte Handlung und es ist seine Person, die Malles alter Ego und somit seine größten Ängste darstellt.
3. Das Irrlicht - Le Feu Follet
Obwohl sich die Handlung von Das Irrlicht 10
in nur wenigen Sätzen zusammenfassen lässt, gelingt es dem Regisseur dennoch, die 108 Minuten seines Filmes sowohl fesselnd als auch tiefgehend zu gestalten.
Das Irrlicht beschreibt die letzen 48 Stunden im Leben des Protagonisten Alain Leroy, den der Zuschauer auf seiner letzten Reise bis in den Tod begleitet. Bereits die Einführungsszene ist von großer Intensität und vermittelt durch close-ups und 6 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S.67 7 French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S.67 8 Kühn, Siegfried: „Wir haben noch nichts erlebt“. Louis Malle übt Selbstkritik – Gespräch über seinen Film „Das Strohfeuer“. In: Wolfenbütteler Zeitung, 22.08.03 9 vgl. French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S.72 10 Frankreich/Italien, 1963, Schwarzweiß, 108 min., Drama (French, Philip (Hrsg.): Louis Malle über Louis Malle. Alexander Verlag, Berlin 1998. S.108)
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Solmaz Azizi, 2007, Über den Film "Le Feu Follet – Das Irrlicht", Munich, GRIN Publishing GmbH
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