1. Thema der Stunde
Das Thema der heutigen Stunde ist die Vertiefung des Brustbeinschlags und die Einführung des Brustarmzugs im Schwimmen bei einer multi-kulturellen Gruppe ausländischer Studierender ohne größere Vorerfahrung, zur Erreichung einer späteren Schwimmfähigkeit.
1.1 Adressatengruppe
Die Gruppe besteht aus ca. 20 ausschließlich ausländischen Studierenden beiden Geschlechts ohne Schwimmerfahrung und aus unterschiedlichen Ländern. Zudem ist dies eine gemischtgeschlechtliche Gruppe, und das motorische, wie auch das kognitive Lernvermögen sind definitiv als sehr heterogen zu bezeichnen.
Die Motivation zur Teilnahme an diesem Kurs besteht ganz klar darin, dass die motorische Schwimmfähigkeit erlernt werden, bzw. bei ca. fünf Teilnehmern, der im letzten Semester begonnene Kurs vertieft oder beendet werden soll. Dieser Kurs findet einmal wöchentlich im Uni-Bad der RUB statt. Es befinden sich ca. 5 Leute in diesem Kurs, welche sich bereits an einem Anfängerschwimmkurs versucht haben, und somit einen gewissen Vorteil gegenüber den anderen Teilnehmern mitbringen, da ihnen einige Übungen und Bewegungsabläufe schon teilweise bekannt sind, sie die Techniken jedoch noch nicht beherrschen. Die Teilnehmer sind sehr konzentriert und engagiert bei der Sache, und sind aus meiner Sicht als sehr lernwillig einzustufen.
Auch haben sie untereinander keinerlei Berührungsängste am nackten Körper, was mir die Durchführung effektiver Partnerübungen ermöglicht und gestattet, da hier keine Probleme von Seiten der Teilnehmer zu erwarten sind.
Als großer Problempunkt ist herauszuheben, dass in diesem Kurs drei Teilnehmerinnen vorhanden sind, welche die ersten drei bzw. vier Übungseinheiten versäumt haben, motorisch und kognitiv die schlechtesten der gesamten Gruppen sind, und die Gruppe auch dementsprechend stören oder behindern können. Mit diesen Frauen ist eine Differenzierung bei diesem Niveau ausgeschlossen aus meiner Sicht, da sie sich erst einmal mit der Wassergewöhnung beschäftigen müssten, dies jedoch den Rest der Gruppe zu stark zurückwerfen würde.
Zudem habe ich es hier mit einer jungen Frau zu tun, welche jede Stunde aufs Neue ihre Angst, dass Gesicht unter Wasser zu bringen, überwinden muss.
Außerdem ist zu bemerken, dass auf Grund der mangelnden Deutsch-Kenntnisse teilweise Englisch im Kurs gesprochen wird, was jedoch auch noch keine Garantie für ein reibungsloses Verständnis seitens der Teilnehmer ist.
Auffällig werden mit Sicherheit die vier Schwarzafrikaner sein, welche einen lockeren Umgangston bevorzugen und immer für gute Stimmung in der Gruppe zu haben sind. Dazu gehören auch diverse „ Überraschungen“ kreativer Neuinterpretationen gewisser Übungen von ihrer Seite.
Der Kurs wird vom Hochschulsport der RUB angeboten und findet im Uni-Bad statt. Hier ist als Problem anzumerken, dass zeitgleich ein Aquagymnastikkurs, ein Tauchkurs und ein Technikkurs stattfinden, was meinen Aktionsradius teilweise auf das Lehrschwimmbecken oder einen halben Nichtschwimmerbereich einschränken könnte. Von den Hilfsmitteln her, die nötig sein könnten, ist jedoch kein Mangel oder Überschneidungen zu befürchten, da genügend Material vorhanden ist. Zu den Besonderheiten der Sportstätte verweise ich an dieser Stelle auf die entsprechenden Schwimmbadregeln bzw. die Hausordnung.
1.2 Gegenstand
„ Brustschwimmen ist die am häufigsten verbreitete Schwimmtechnik. Dadurch, dass der Kopf während des Schwimmens mühelos über Wasser gehalten werden kann, erlaubt die Brustschwimmtechnik auch älteren und untrainierten Menschen, längere Strecken zurückzulegen, ohne sich dabei übermäßig zu verausgaben“ ( Bissig / Gröbli 2004, S.103 ). Unter anderem aus einer solchen Feststellung ergibt sich, dass das Brustschwimmen dem Anfänger eine relativ ökonomische Schwimmfähigkeit ermöglicht, was im Anfängerbereich durchaus wünschenswert ist.
Da ich es in meiner Gruppe ebenfalls mit Anfängern zu tun haben, ist die Einführung der Brustschwimmtechnik im Hinblick auf das erreichen einer adressatenspezifischen Schwimmfähigkeit eine daraus resultierende, logische Konsequenz. Das Brustschwimmen wird auf Grund seiner Bewegungsausführung noch einmal in zwei Teilkomplexe eingeteilt, und zwar in den Brustbeinschlag und den Brustarmzug, welche dann in Kombination möglichst symmetrisch ausgeführt werden sollten ( vgl. Bissig / Gröbli 2004, S.103-105 ).
Hinzu kommt dann auch noch eine veränderte Art der Atmung, was Rhythmus und Timing in Bezug auf normales Atmen angeht.
Bei der Beinbewegung geht es in erster Linie darum, die Beine zum Gesäß in anzufersen, die Füße nach außen zu drehen, die Knie bis etwa auf Schulterbreite zu öffnen, die Hüfte zu beugen und dann die Unterschenkel in einer Kreisbewegung zusammenzuschlagen, bis sich die Fußsohlen berühren.
Beim Armzug werden zunächst Hand und Unterarm leicht gebeugt und nach außen gedreht ( Wasserfassen ). Anschließend wird mit einer deutlichen Ellbogen - vorn - Haltung auf maximal doppelte Schulterbreite auswärts - rückwärts gezogen ( Zugphase ). Nun findet eine beschleunigte Einwärtsbewegung der Arme vor die Brust statt ( Druckphase ), um anschließend direkt schnell und möglichst widerstandsarm unter der Wasseroberfläche nach vorne geführt zuwerden. Hierbei stoßen Kopf und Schulter energisch nach und die Handflächen zeigen in voller Streckung nach unten ( Vorführphase ) ( vgl. Bissig / Gröbli 2004, S. 105 ff ).
Diese vorangegangene Beschreibung bezieht sich natürlich nur auf den motorischen Aspekt des Schwimmens.
Hinzu kommt bei meiner Gruppe eine Sondersituation. Die Studierenden hatten bis zu diesem Zeitpunkt kaum oder gar keinen Kontakt mit Wasser oder gar mit dem Schwimmsport, da ihnen die Möglichkeit bis jetzt kaum gegeben war, wie sich auch im Verlauf einiger persönlicher Gespräche herausstellte. Also gilt es jeden Tag aufs neue, das Vertrauen der Lernenden zu gewinnen und, ihnen die Hemmungen vor dem Wasser und dem Ausprobieren alternativer Bewegungsmuster im Wasser zu nehmen. Hinzu kommt, dass das Thema in sich stark reduziert werden muss, um den Lernenden verständlich vermittelt werden zu können. Jede kleinste Fortbewegung ohne Bodenkontakt ist für diese Teilnehmer ein Erfolg und suggeriert ihnen eine gewisse Schwimmfähigkeit, welche von allen angestrebt wird. Aber auch als Ausbilder, müssen die Erwartungen in die Gruppe dem entsprecht angepasst werden. Eine gefeilte Technik ist nicht anzustreben sondern eine für die Teilnehmer angemessene Schwimmfähigkeit, was schon schwer genug realisierbar ist.
Hinzu kommt der Aspekt, dass Schwimmen in unserer modernen westlichen Gesellschaft als etwas selbstverständliches angesehen wird, wobei die Vermittlung dessen schon im Kindesalter erfolgt.
Hier gilt es, sich einer gewissen möglichen Scham der Teilnehmer bewusst zu sein, was sich dann auch im mangelnden Stellen von Verständnisfragen wiederspiegelt. Der zweite Aspekt in diesem Zusammenhang ist eine gewisse Übermotivation, die es zu kontrollieren gilt, da es eventuell Drucksituationen gegenüber den Teilnehmern von Seiten Dritter geben kann.
Arbeit zitieren:
Dipl.Sportwissenschaftler Christian Ovelhey, 2006, Einführung des Brustbeinschlags bei einer Anfänger-Schwimmgruppe ausländischer Studierender ohne oder mit geringen Vorkenntnissen, München, GRIN Verlag GmbH
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