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Inna Molchanova
Suche nach Glück und die Ohnmacht des Geldes in „Fortunatus“
TPS: Heimat und Ferne
SS 2001
3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Reiseerfahrungen 4
2.1. Ausgangssituation. 4
2.2. Erste Erfahrungen mit dem neuerworbenen Reichtum. 5
2.2.1. Lüpoldus 5
2.2.2. Die Reise 6
2.3. Wiedergewinnung einer standesgemäßen Existenz. 8
2.4. Feudale Gesellschaft. 8
3. Bedeutung des Geldes im Roman. 9
3.1. Beziehungen. 9
3.2. Fortunatus Suche nach Glück und Identität. 11
3.3. Das Geld als Schöpfer seines Besitzers 11
4. Frühhumanistische Moral-Philosophie 12
4.1. Virtus und fortuna im „Remedia“ 14
4.2. Im Roman. 15
5. Fazit 15
Bibliographie 17
4
1. Einleitung
Der Verfasser des 1509 in Augsburg gedruckten Romans war sehr darauf bedacht, dem Leser nahe zubringen, dass nicht die Wahl zwischen Weisheit oder Reichtum besteht, sondern beide Güter wichtig und sogar unzertrennlich sind. Im Epilog verweist er auf die salomonische Weisheit, eine Wahl, die dem mächtigen Herrscher nicht nur Ruhm gebracht, sondern ihn auch zum reichsten Herrscher der Welt gemacht hat.
Der Fortunatus-Roman versucht, die Notwendigkeit von Erziehung und Bildung über die Darstellung von negativen Folgen ihrer Mängel der Öffentlichkeit zu vermitteln. 1
2. Reiseerfahrungen
2.1. Ausgangssituation
Fortunatus kommt aus einer verarmten Patrizierfamilie, sein Vater ain edler purge / altz herkommens verlor sein Vermögen bei Spielen, stechen und dueliren. Als Nichtadeliger ließ er sich auf eine feudale Art zu leben ein. Adelige Standeszugehörigkeit wurde durch Repräsentation dokumentiert. Dabei taucht ein Problem auf: Der Besitz des Adels war unproduktiv, er war weniger auf Verwendung des Wertes als vielmehr auf die Aneignung von Gebrauchswerten gerichtet. Die feudale Gesellschaft war agrarisch, der Adel lebte vom Ertrag der Bewirtschaftung seines Bodens. 2 Theodorus versäumte bei seiner nicht standesgemäßen Lebensart, seine Lebensgrundlage und Standeszugehörigkeit zu sichern. Er hinterließ seinem Sohn nichts anderes als eine Erziehung, die den feudalen Ansprüchen als Junker genügte. 3 Die Armut zwingt Fortunatus zum Entschluss, in die Fremde zu ziehen. Er gibt die traditionelle Gemeinschaft auf und somit seine Bindungen, um nach dem Glück zu jagen. Bei seiner Glückssuche in der Welt hat er das Ziel, die Rehabilitierung der Familie, immer vor Augen. Fraglich ist, ob dieses Ziel auch sein Glück garantiert. 4
Er begibt sich in den Dienst, des Grafen von Flandern, um so vielleicht sein Glück zu finden und Zugehörigkeit zu sichern. Zweimal hat es den Anschein, dass Fortunatus sich in eine traditionelle Gemeinschaft integrieren kann und sogar Aufstiegschancen hat. Doch beide Male wird er als Opfer brutaler gesellschaftlicher Verhältnisse vorgeführt und somit aus diesen Gemeinschaften herausgerissen. Erst dann, in vollkommener Isolation, begegnet er Fortuna.
1 Vgl., Kästner, H., „Fortunatus“, S. 186
2 Vgl., Bachorski, H.-J., „Geld und soziale Identität im ´Fortuntaus`“, S 237
3 Ebd., S. 168
5
2.2. Erste Erfahrungen mit dem neuerworbenen Reichtum
Fortuna stellt Fortunatus vor die Wahl: das ist weyßhait, Reichtumb, Stercke , Gesundthait, Schone und langs leben (46). Da sein Vater ihn nicht belehrte, dass Geld Gefahren mit sich bringt, entscheidet er sich, wie es sich für einen Glücksritter gehört, für das Geld, aber er lernt sehr schnell, dass er damit eine schlechte Entscheidung getroffen hat. 5 Die junkfraw des glücks bedenkt ihn mit unermesslichem Reichtum, sie fordert aber gleichzeitig seine Isolation, denn nur so kann die Tugend des Säckels und sein Leben garantiert werden. 6 Nachdem Fortunatus die von Fortuna angebotene Weisheit zugunsten des Geldes verschmäht hat, erhält er eine zweite Möglichkeit, für das standesgemäße Überleben das nötige Wissen zu sammeln. Er schlägt den Weg der experienc, des Lernens durch Erfahrung, ein. 7 Nach der unerfreulichen Begegnung mit dem Waldgrafen lernt er schnell, dass, sobald die Menschen seinen Reichtum bemerken, und ihn als einen ungebornen sehen, sein Leben bedrohen. Er begreift, dass Besitz von unbegrenzten materiellen Mitteln ist nicht alles, man muss mit diesem Reichtum vernünftig umgehen können. Von jetzt an achtet er immer darauf, dass er als eerlich Mann, wie es sich gehört, mit einem Diener auftaucht.
2.2.1. Lüpoldus
Die nächste Station seiner Reise ist Nantis, dort will er hoffzucht sehen. Sein Verhalten in der Herberge macht den Wirt misstrauisch, aber als das Finanzielle geklärt ist, wird der Wirt die Freundlichkeit in Person. Jetzt ist Fortunatus der willkommene Gast, er erhält sofort das beste Zimmer im Haus, und wird bei den edelleüten an den Tisch gesetzt, mit dem neu erworbenem Reichtum wird nun vieles ermöglicht.
Als sozialer Aufsteiger ist Fortunatus risikobereit und schnell in seinen Entscheidungen. Das sind Charaktereigenschaften, die nötig sind, um die fremden bedrohlichen Welten zu überleben. Er ist klug genug sich dazu Lüpoldus Hilfe zu holen. 8 Lüpoldus ist ein alter edelman (54), den Fortunatus während der Feierlichkeiten in Nantis kennenlernt. Er ist durch zway kaiserthumb und zwaintzig christenlicher künigreich umbgezogen (55) und jetzt auf dem Weg nach Hause. Fortunatus sieht sofort seine Chance und ergreift sie, denn Lüpoldus hat das, was ihm noch fehlt, nämlich das Wissen und die Lebenserfahrung, die man bei einer Weltreise unbedingt zum Überleben braucht. Die Erfahrungen, die er bis jetzt in der Fremde gemacht hatte, haben ihm gezeigt, dass Geld nicht alles ist, was man zum erfolgreichen Fortkommen braucht. Als Edelmann besitzt Lüpoldus
4 Vgl., Kästner, H., „Fortunatus und Faustus“, S. 93
5 Vgl., Classen, A., „Mentalitäts- und Alltagsgeschichte der deutschen Frühneuzeit: Fortunatsu“, S. 27
6 Vgl., Müller, J.-D., „Die Fortuna des Fortunatsu“, S. 228
7 Vgl., Kästner, H., „Fortunatus“, S. 48
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Inna Moltschanova, 2001, Suche nach Glück und die Ohnmacht des Geldes in Fortunatus, München, GRIN Verlag GmbH
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