Inhalt.
A. Einleitung. 2
B. Hauptteil. 3
I. Essstörungen: Definitionen. 3
1. Magersucht. 3
2. Bulimie. 5
3. weitere Essstörungen (BED, EDNOS) 6
4. Exkurs: Adipositas. 7
II. Soziologische Theorien. 8
1. Familiensoziologie basierend auf symbolischem Interak-
tionismus. 8
2. Feminismus basierend auf Ethnomethodologie. 9
III. Erklärungsansätze zur Entstehung von Essstörungen aus der
Sicht der Familiensoziologie und des Feminismus. 10
1. Essstörungen aus der Sicht der Familiensoziologie. 11
2. Essstörungen aus der Sicht des Feminismus im Zusam-
menhang mit „Doing Gender“ 13
C. Schlussbetrachtung. 16
D. Literatur. 17
1
A. Einleitung.
Die vorliegende Hausarbeit entstand im Zusammenhang mit dem Hauptseminar „Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen in soziologischer Perspektive“, das an der WWU Münster im Sommersemester 2006 unter Leitung von PD Dr. Wichard Puls stattgefunden hatte.
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit Hypothesen zur Entstehung von Essstörungen, basierend auf den soziologischen Theorien der Familiensoziologie und des Femi-nismus. Es soll der Versuch unternommen werden, die Entstehung von Essstörun-gen aus Sicht der beiden ausgewählten Soziologien zu erklären. Als die bekanntesten Essstörungen gelten die Magersucht und die Bulimie. Es existieren jedoch noch einige weitere, differenziertere Essstörungen, wie die Binge-Eating Disorder (BED) und die Eating Disorders Not Otherwise Specified (ED-NOS - nicht näher klassifizierte Essstörungen). Die genannten Störungen sol-len im ersten Abschnitt der Arbeit definiert werden. Des Weiteren wird die Adipositas oftmals fälschlicherweise als Essstörung bezeichnet; dieser weitverbreitete Irrtum soll im Exkurs geklärt werden.
Im zweiten Abschnitt der Hausarbeit sollen die ausgewählten Theorien der Familiensoziologie, basierend auf dem symbolischen Interaktionismus und des Feminismus, auf Basis der Ethnomethodologie vorgestellt werden. Der dritte Abschnitt schließlich behandelt die Zusammenhänge zwischen den genannten soziologischen Theorien und der möglichen Entstehung der Essstörungen. Ebenso sollen die möglichen Ursachen für die Entstehung der Essstörungen aus der Sicht der Familiensoziologie und des Feminismus im Zusammenhang mit „Doing Gender“ mit Hilfe von Literaturanalyse herausgearbeitet werden. Dabei soll die Problematik der Magersucht als der am häufigsten in der Pubertät auftretenden Essstörung besonders beachtet werden, zumal sich daraus die Entstehung der anderen Essstörungen anschaulich ableiten lässt.
In der Schlussbetrachtung soll noch einmal kurz auf die Darstellung der Essstörungen in den Medien am Beispiel von „Germany’s next Topmodel“ eingegangen werden.
2
B. Hauptteil.
I. Essstörungen: Definitionen.
Essstörungen entstehen und manifestieren sich meistens zu Beginn der Adoleszenz, seltener auch später oder, in seltensten Fällen auch eher, im Kindesalter. Unter Essstörungen werden Verhaltensweisen verstanden, die im Zusammenhang mit der Nahrungseinnahme von der Norm abweichen, d. h. von dem Verhalten, „das die Mehrzahl der Menschen einer bestimmten Altersgruppe innerhalb eines gemeinsamen soziokulturellen Kreises in spezifischen Situationen zeigt“ 1 . Essstörungen gewinnen immer mehr an Bedeutung, da viele junge Mädchen und Frauen Angriffspunkte bilden für das in unserer Gesellschaft verbreitete Schlankheitsideal und dem damit verbundenen Begriff der Schönheit und des Erfolgs. Im Folgenden werden die beiden bekanntesten Essstörungen (Magersucht und Bulimie) definiert und erklärt; ebenso werden weitere, nicht näher klassifizierte Essstörungen (BED, EDNOS) thematisiert und schließlich wird noch auf die oft fälschlicherweise als Essstörung bezeichnete Adipositas eingegangen.
1. Magersucht.
Die Magersucht oder Anorexia nervosa zeichnet sich durch extreme, absichtlich herbeigeführte Aushungerung des eigenen Körpers aus. Der Begriff „Anorexie“ hat die Bedeutung „Appetitlosigkeit“, der in sofern irreführend ist, als dass die Betroffenen sehr wohl Appetit verspüren, ihn aber mit allen Mitteln zu bekämpfen versuchen, um so an Gewicht zu verlieren. Aus diesem Grund eignet sich für diese Störung besser der deutsche Begriff „Magersucht“ oder „Hungersucht“. 2 Der Zusatz „nervosa“ deutet darauf hin, dass die Störung psychisch verursacht ist.
1 Vgl. Scharfetter 1991, zitiert nach Petermann, F. e. a.: Klassifikation und Epidemiologie psychischer Störun-
gen, in: Petermann, F. (Hrsg) 2002: Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie und -psycho-therapie, Göttin-
gen: Hogrefe 5 , S. 31.
2 Laut A. Franke ist auch die Endsilbe „-sucht“ als problematisch anzusehen, da es sich bei der Krankheit nicht
um eine Suchterkrankung als solche handelt. Auch die Begriffe „die Magersüchtige/Anorektikerin“ sind ihrer
Meinung nach nicht korrekt, weil dadurch die Krankheit „personifiziert“ wird und der individuelle Charakter der
einzelnen Patientin hinter dem Begriff verschwindet. (Vgl. Franke, A. 2003: Wege aus dem goldenen Käfig.
Anorexie verstehen und behandeln, Weinheim (u. a.): Beltz, S. 20ff.)
3
Nach dem ICD-10 werden Anorexia nervosa (F 50.0) und atypische Anorexia nervosa 3 (F 50.1) unterschieden, dazu zählen Patientinnen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von weniger als 17,5.
Nach dem DSM-IV 4 wird Magersucht wie folgt definiert:
A) Weigerung, das Körpergewicht auf mehr als 85% des für Alter und Größe angemessenen zu erhöhen
B) Trotz Untergewicht Angst vor Gewichtszunahme oder Dicksein C) Bestehende Körperschemastörung; Selbstwertgefühl wird von der subjektiven Wahrnehmung der eigenen Figur abhängig gemacht; Ernsthaftigkeit des bestehenden Untergewichts wird geleugnet
D) Amenorrhoe (Aussetzen von mindestens drei aufeinanderfolgenden Zyklen)
Als Subkategorien der Anorexie werden nach dem DSM-IV der restriktive (asketische) Typus und der puging- (bulimische) Typus unterschieden. Bei dem restriktiven Typus wird Nahrungsaufnahme verweigert bzw. stark eingeschränkt und jedwede Konfrontation mit Essen in Gesellschaft vermieden. Im Falle eines purging-Typus werden Hungerphasen durch Essanfälle abgelöst, wobei anschließend versucht wird, diese wieder „rückgängig zu machen“. Dies geschieht oftmals durch selbstinduziertes Erbrechen, extreme körperliche Betätigung und/oder Missbrauch von Laxantien. Oftmals werden während der Hungerphasen auch Appetitzügler und/oder Diuretika eingenommen.
Magersüchtige beschäftigen sich in Gedanken ständig mit Essen. Auch kommt es vor, dass sie für andere sehr aufwändige und oftmals hochkalorische Speisen zubereiten, ohne mitzuessen oder auch nur zu probieren. Die Essenden werden dann mit einer gewissen Abwertung betrachtet. Das eigene Hungern jedoch wird als Leistung angesehen, und durch das Widerstehen wächst das Selbstwertgefühl. Andererseits werden verschiedene Maßnahmen zur Ablenkung von den Hungergefühlen getroffen, wie zum Beispiel Sport; oder die Magersüchtigen versuchen,
3 Atypische Anorexia nervosa bezeichnet eine Störung, die einige, aber nicht alle Kriterien der Anorexia nervosa
erfüllt (Quelle: http://www.ab-server.de/essstoerungen/icd10_essstoerungen_f50.html (abgerufen am 15. 09.
2007))
4 Nr. 307.1, vgl. Fichter, M. und P. Warschburger: Essstörungen, in: Petermann (2002), S. 563/564.
4
Arbeit zitieren:
Alexa Sheltko, 2006, Erklärungsansätze zur Entstehung von Essstörungen aus soziologischer Perspektive, München, GRIN Verlag GmbH
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