Abstract
Ich werde in meiner Hausarbeit Pollocks (1989) Split-Infl-Analyse als Erklärungsansatz für die Struktur und die Hierarchie von funktionalen Kategorien im Französischen und Iatridous (1990) Kritik an Pollocks Ansatz gegenüberstellen. Anhand dieser Gegenüberstellung soll die Frage diskutiert werden, ob alle drei der von Pollock vorgeschlagenen funktionalen Kategorien TNSP, NEGP und AGRP in einer Split-Infl-Analyse des Französischen enthalten sein sollten. Insbesondere werde ich untersuchen, welche Evidenz es für die Existenz der von Pollock vorgeschlagenen Zwischenlandeposition für Verbbewegung im Französischen gibt. Ich werde dabei Pollocks und Iatridous Argumentation mit sprachlichen Daten des Französischen überprüfen. Aufgrund dieser Analyse werde ich versuchen, Argumente für bzw. gegen die Integrierung einer funktionalen Kategorie als Zwischenlandeposition für Verbbewegung in eine Split-Infl-Analyse des Französischen zu sammeln. Dabei läßt es sich nicht umgehen, daß sich Anschlußfragen ergeben, die offen gelassen werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. - Einleitung 1
1.1. - Ouhalla (1991) 2
1.2. - Pollock (1989) 5
1.2.1. - Typologische Wortstellungsunterschiede zwischen
dem Französischen und dem Englischen 5
1.2.1. - Short Verb Movement 7
1.2.1.1. - Eine Split-Infl-Analyse des Französischen 8
1.2.1.3. - Der Verbbewegungsparameter 8
1.2.1.4. - Pollocks Argumentation für eine Zwischenlande-
position für Verbbewegung 10
2. - Hauptteil 10
2.1. - Eine Untersuchung der Pollockschen Analyse
von Adverbien 10
2.2. - Argumente für eine Zwischenlandeposition
f ür Verbbewegung 14
2.2.1. - Eine einheitliche Charakterisierung typologi-
scher Wortstellungsunterschiede 14
2.2.2. - Evidenz aus einer Studie mit französischen
Muttersprachlern 14
2.3. - Argumente gegen eine Zwischenlandeposi-
tion für Verbbewegung 16
2.3.1. - Unterschiedliche basisgenerierte Positionen
verschiedener Adverbien 16
2.3.1.1. - Iatridou (1990) 16
2.3.1.2. - Ayoun (1999) 18
2.3.1.3. - Ouhalla (1991) 20
2.3.2. - Semantische (In)Kompatibilität zwischen
Adverb und Adjektiv 22
3. - Schlußteil 23
3.1. - Eine Beschränkung von Parametrisierung auf die
funktionale Kategorie TNSP 23
3.2. - Ergebnisse 24
4. - Bibliographie 26
1. Einleitung
Ich werde zunächst die Grundzüge der von Ouhalla (1991) formulierten Theorie der Parametisierung darlegen, wonach sich Parametrisierung ausschließlich auf die lexikalischen Eigenschaften funktionaler Kategorien beschränkt. Die von Ouhalla formulierte Charakterisierung von funktionalen Kategorien wird sowohl von Pollock wie auch von Iatridou, wenn auch in einer zum Teil anderen als der von Ouhalla benutzten Terminologie, vertreten und spielt eine grundlegende Rolle für Pollocks Split-Infl-Analyse. Von entscheidender Wichtigkeit sind hier die von Ouhalla und von Pollock beschriebenen parametrischen Eigenschaften der funktionalen Kategorien TNSP, NEGP und AGRP für sprachspezifische Verbbewegung im Französischen und Englischen. Auch werde ich auf die Relevanz der c- und m-selektionalen Eigenschaften funktionaler Kategorien für die von Pollock und Ouhalla analyiserten typologischen Unterschiede zwischen dem Französischen und Englischen eingehen. Dieser erste Schritt soll die Ausgangsposition und die syntaktischen Mechanismen erhellen, auf denen Pollocks Split-Infl-Analyse des Französischen aufbaut. In einem zweiten Schritt beabsichtige ich, die Argumente zu analysieren, mit denen Pollock eine Split-Infl-Analyse des Französischen begründet und aufgrund derer er den unter INFL generierten grammatischen Merkmalen TNS, NEG und AGR den Status einer eigenen syntaktischen Kategorie zuschreibt. Von besonderem Interesse soll dabei Pollocks Argumentation für eine funktionale Kategorie als Zwischen-landeposition für Verbbewegung sein. Der von Pollock angeführten Evidenz für die Existenz einer solchen funktionalen Kategorie werde ich Iatridous alternative Split-Infl-Analyse des Französischen gegenüberstellen. Ich werde mich bei der Diskussion der Evidenz für eine solche funktionale Kategorie fast ausschließlich auf die Stellung von Adverbien in infiniten Kontexten beschränken. Des weiteren soll versucht werden, Pollocks und Iatridous Standpunkte durch eine Belegung mit sprachlichen Daten des Französischen zu überprüfen. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung werden typologische Unterschiede von Verbbewegung zwischen dem Französischen und Englischen stehen, welche sich in unterschiedlichen strukturellen Positionen von „floating quantifiers“, Adverbien und Negation in der Syntax beider Sprachen äußert. Auch sollen sprachliche Daten des Zweitspracherwerbes von Französisch aus Ayouns (1999) Korpus miteinbezogen werden. Die Auswertung aller Ergebnisse soll es abschließen ermöglichen, zu entscheiden, ob die Integrierung einer funktionalen Kategorie als Zwischenlandeposition für Verbbewegung in eine Split-Infl-Analyse des Französischen notwendig ist oder ob eine einzig aus TNSP und NEGP bestehende Split-Infl-Analyse genügend Erklärungskraft besitzt, ob die von Pollock und Iatridou angeführten sprachlichen Daten zu analysieren.
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1.1. Ouhalla (1991)
Ouhalla (1991) argumentiert für eine Aufspaltung des herkömmlichen INFL-Knotens und für die Zuweisung des Status einer eigenständigen syntaktischen Kategorie gemäß dem X-bar-Schema an die unter INFL generierten grammatischen Merkmale TNS, AGR, ASP und NEG. Die Charakterisierung funktionaler Kategorien in einer solchen Split-Infl-Analyse besitzt in mehrerlei Hinsicht Vorteile gegenüber der Struktur des konventionellen INFL-Knotens. So begründet Ouhalla die Evidenz für eine Split-Infl-Analyse u.a. durch eine größere Erklärungskraft für sprachliche Phänomene: „The evidence consists of attempts to show that some facts drawn from a relatively broad range of languages can be best explained if each of this elements is assumed to head its own maximal projection.“ (Ouhalla,1991;S. 52)
Zwar ist die Integrierung des konventionellen INFL-Knotens in die Syntax vorteilhaft, da diese „I-Analyse“ eine Annäherung an eine einheitliche strukturelle Charakterisierung von sowohl lexikalischen wie auch funktionalen Elementen gemäß dem X-bar-Schema darstellt. Somit nimmt eine I-Analyse in Ansätzen bereits einige Eigenschaften einer Split-Infl-Analyse vorweg. Ouhalla betont die Vorteile einer Ausweitung des X-bar-Schemas auf funktionale Kategorien folgendermaßen:
„On the theoretical level, this move enhances the status of X-bar-theory as a component of UG which constraints the structural representation of all categories, that is both substantive and functional.“ (Ouhalla,1991;S. 54)
Auch ergibt sich nach Ouhalla durch eine solche Ausweitung des X-bar-Schemas die Möglichkeit einer einheitlichen Charakterisierung sprachtypologischer Unterschiede allein auf der Grundlage von funktionalen Kategorien:
„Furthermore, given the cross-linguistic nature of the evidence mentioned above, the attempt to generalize X-bar-theory lends significant support to the one fundamental assumption in Transformational Grammar, namely that all languages, despite their superficial differences, are identical at some deep and abstract level. A common way of substantiating this claim relevant to the present context is to argue that all languages have a common clause structure.“ (Ouhalla,1991;S.54/55)
Somit ergibt sich bereits durch die I-Analyse nach Ouhalla ansatzweise die Möglichkeit einer starken Erklärungskraft für unterschiedliche sprachliche Phänomene auf-grund einiger weniger syntaktischer Mechanismen:
„Typological differences relating to word order (...) are to be considered to be surface phenomena which are the result of the operation of some movement process, motivated by an interaction between the general principles of UG and language-specific properties.“ (Ouhalla,1991;S.55)
Bietet die I-Analyse aufgrund ihrer Konzeption von funktionalen Kategorien die Möglichkeit einer einheitlichen Charakterisierung aller syntaktischen Kategorien entspre-
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chend des X-bar-Schema, so sieht sich diese Analyse doch mehreren Problemen gegenübergestellt. Ein terminologisches Problem betrifft die Klassifizierung aller unter dem INFL-Knoten generierten grammatischen Merkmale als ausschließlich funktionale Elemente. Diesbezüglich führt Ouhalla an:
„There is an obvious and intuitive sense in which AGR and TNS are inflectional elements. However, one would be hard pushed to treat English NEG (...) as inflectional elements, unless one empties the notion of inflection from its intuitive content. (...) the argument, that INFL speficies a position rather than a specific category, thereby licensing the presence of a seemingly uninflectional element underneath it, is at odds with the fundamental assumption that head categories project from the lexicon.“ (Ouhalla,1991;S.56)
Ein theoretisches Problem bezieht sich auf die Tatsache, daß die Struktur eines INFL-Knotens das X-bar-Schema verletzt. Hinsichtlich dieses Problems bemerkt Ouhalla: „(...) the fact that it is multi-headed violates the isomorphic constraint on cate-gories and their projections implicit in X-bar-theory.“ (Ouhalla,1991;S.56)
Des weiteren dominiert der INFL-Knoten in der I-Analyse sowohl das als nominal klassifizierte Element AGR wie auch das als verbal eingestufte Element TNS. Diesbezüglich bemerkt Ouhalla:
„This situation, obviously, gives rise to a clash of features and raises the question as to which of these elements determines the categorial status of the IP projection. Although one of these elements can be singled out as the virtual head of IP, this choice would be extrinsically imposed rather than made to follow from the principles of X-bar-theory as should be the case.“ (Ouhalla,1991;S.56/57)
Ein empirisches Problem bezieht sich auf die Reihenfolge der unter dem INFL-Knoten generierten funktionalen Elemente. Die Reihenfolge der funktionalen Elemente TNS, AGR, NEG und ASP kann aufgrund sprachtypologischer Eigenschaften in verschiedenen Sprachen unterschiedlich sein. Ouhalla weist in diesem Punkt auf Erklärungsschwierigkeiten der I-Analyse hin:
„Any analysis which assumes AGR, TNS and NEG to be all dominated by a single syntactic node would not be able to predict the differences in order. The only way in which the order of these elements can be fixed within the I-analysis is in terms of extrinsically imposed language specific (re)ordering rules. In addition to the stipulatory nature of these rules the I-analysis fails to relate the order of these elements to that of the subject and the verb.“ (Ouhalla,1991;S.58)
Ein weiteres empirisches Problem der I-Analyse besteht in der Tatsache, daß sich alle unter dem INFL-Knoten generierten funktionalen Elemente in verschiedener Hinsicht wie eigenständige syntaktische Kategorien verhalten. Aufgrund ihrer Konzeption umgeht Ouhallas Split-Infl-Analyse die o.a., mit einer konventionellen I-Analyse verbundenen Probleme und besitzt darüberhinaus eine stärkere Erklärungskraft für verschie-
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Arbeit zitieren:
Markus Mross, 1999, Die Struktur von funktionalen Kategorien im Französischen: Eine Split-Infl-Analyse mit oder ohne Zwischenlandeposition für Verbbewegung?, München, GRIN Verlag GmbH
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