Vorwort:
„I get by with a little help from my friends, I get high with a little help from my friends, Going to try with a little help from my friends.” The Beatles, 1967
„Neun Zehntel unseres Glücks allein beruhen auf der Gesundheit“
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 01
1. Frauen in Beruf und Familie 02
1.1 Arbeitswelt und Familienleben von Frauen im Wandel 02
1.2 Lebenslage von erwerbstätigen Müttern 03
1.3 Das Verhältnis von Arbeit und Familie als Quelle 05
von Belastung und sozialer Unterstützung
2. Theoretischer Hintergrund / Modelle 05
2.1 Gegenstandsbestimmung und begriffliche
Abgrenzung Belastung, Beanspruchung und Stress 06
2.1.1 Konzepte der Belastungs- und Stressforschung 06
2.1.2 Das Konzept Belastung und Beanspruchung 07
2.1.3 Das kognitiv-transaktionale Stressmodell 08
2.2 Ressourcen 10
2.2.1 Die Wirkung von Ressourcen im Stressprozess 11
2.2.2 Methodische Überlegungen 12
2.2.3 Die „Conservations of Resources“ Theorie 13
2.3 Soziale Unterstützung 14
2.3.1 Begriffserklärung 16
2.3.2 Differenzierung von objektiver und
subjektiver Unterstützung 17
2.3.3 Quantitativer und qualitativer Aspekt 18
2.3.4 Arten/Inhalte sozialer Unterstützung 18
2.3.5 Quellen sozialer Unterstützung 19
2.3.6 Effekte von sozialer Unterstützung 20
2.3.6.1 Soziale Unterstützung und Gesundheit 20
2.3.6.2 Direkte Effekte auf die Gesundheit 21
2.3.6.3 Indirekte Effekte 22
2.3.6.4 Moderator- oder Puffereffekt 22
2.3.6.5 Negative Effekte auf die Gesundheit 24
II
2.4 Work-Family Conflict 25
2.5 Empirische Befunde zur Situation berufstätiger Mütter / 29 aktueller Forschungsstand
3. Empirischer Teil 31 3.1 Fragestellung 31 3.2 Hypothesen 31 3.3 Stichprobe 32 3.4 Untersuchungsdesign 33 3.5 Durchführung 33 3.6 Erhebungsmethoden / Operationalisierung der Variablen 34
3.7 Auswertungsverfahren 39
4. Kritische Betrachtung der vorgestellten Untersuchung / Diskussion 40 4.1 Validitätseinschränkungen 40 4.2 Methodenkritik 40 4.3 Diskussion 42
5. Zusammenfassung und Ausblick 44 6. Abbildungsverzeichnis 46 8. Literaturverzeichnis 47
III
Anhang:
A: Fragebogen der Studie mit Anschreiben an die Teilnehmerinnen B: Skala KFZA C: Skala Irritation D: Skala SF12 E: Skala Soziale Unterstützung F: Skala Work-Family Conflict
IV
0. Einleitung
Vor dem Hintergrund einer stetigen Ausweitung der Erwerbsbeteiligung von Frauen gewinnt das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund kommen Maßnahmen zur Verbesserung der beiden Hauptlebensbereiche eine besondere Bedeutung zu. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist das Ergebnis ein Gesundheitsberichts einer Stadt in Baden-Württemberg. Wie in vielen anderen Untersuchungen geht auch hier daraus hervor, dass berufsbedingte Krankheiten abnehmen, psychische Belastungen aber zunehmen. Insbesondere Frauen sind oft Mehrfach-belastungen ausgesetzt. Barnett und Baruch (1985, S.137) fassen wie folgt zusammen: „Es häufen sich Anzeichen dafür, dass die Mutterrolle der größte Stressfaktor im Leben einer Frau ist.“ In diesem Zusammenhang soll die vorliegende Arbeit mit ihrer gewählten Fragestellung einen aufklärenden Beitrag in Richtung gesundheitsfördernde Ressourcen für berufstätige Mütter leisten. Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung des Zusammenwirkens von arbeitsbezogener Belastung und Sozialer Unterstützung sowie dem Work-Family Conflict auf Beanspruchung bei berufstätigen Müttern als Entwurf für eine empirische Studie. Im Zentrum der Analyse steht die Frage nach dem direkten Effekt von Belastung auf Beanspruchung, bzw. deren Folgen und dem moderierten Effekt von sozialer Unterstützung und Work-Familiy Conflict auf den erstgenannten Zusammenhang. Der Studienentwurf basiert auf einer geplanten schriftlichen Befragung von berufstätigen Müttern, die im Verwaltungswesen einer Stadt in Baden-Württemberg tätig sind.
Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über Frauen in Beruf und Familie einschließlich einer Beschreibung zum Verhältnis von Arbeit und Familie als Quelle von Belastung und sozialer Unterstützung gegeben. Anschließend folgt neben der Begriffserläuterung zum Bereich Belastung und Beanspruchung, soziale Unterstützung und Work-Family Conflict die Darstellung der relevanten Theorien, auf deren Grundlage die Herleitung der Fragestellung und Hypothesen erfolgte. Da der Work-Family Conflict eine Form des Interrollenkonflikts ist, werden die wichtigsten Mechanismen der Rollentheorie erläutert. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Erwartung der Mitglieder der Domänen Arbeit und Familie an die jeweilige Rolle.
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Empirische Befunde zur Situation berufstätiger Mütter schließen den theoretischen Teil der Arbeit ab.
Im methodischen Teil folgt zunächst die Darstellung der vier Hypothesen, die Beschreibung der Stichprobe der berufstätigen Mütter bei der Stadtverwaltung und des Untersuchungsdesigns sowie der Durchführung. Anschließend werden die entsprechenden Erhebungsmethoden für die Variablen Belastung und Beanspruchung, soziale Unterstützung und Work-Family Conflict beschrieben. Im vorletzten Kapitel folgt die Diskussion einschließlich entsprechender Methodenkritikpunkte im
Themenzusammenhang. Die Zusammenfassung und der Ausblick bilden den Schluss dieser Studie.
1. Frauen in Beruf und Familie 1.1 Arbeitswelt und Familienleben von Frauen im Wandel
Während der letzten Jahrzehnte vollzog sich für Frauen ein grundlegender gesellschaftlicher Wandel. Frauen wurden nicht nur aus normativen Zwängen freigesetzt, vor allem im Bereich des vorfamilialen partnerschaftlichen Zusammenlebens, im Ausbildungs- und Berufskontext, auch im Verlauf von Individualisierungsprozessen entwickelten sie Lebenskonzepte mit vielen unterschiedlichen, für sie gleichwertigen Optionen. Es erfolgte eine Angleichung der Berufsorientierung an die der Männer. Trotz nach wie vor bestehender Benachteiligung im Berufskontext nehmen sie - nicht mehr nur aus materiellem Grund heraus sondern aus hoher intrinsischer Motivationimmer stärker am außerhäuslichen Erwerbsleben teil. Die Berufswelt mit ihrer gesamten Auseinandersetzung ist in die Persönlichkeitsentwicklung der Frauen integriert. Das Selbstverständnis der Frauen ist im Umbruch und die traditionelle Frauenrolle funktioniert nicht mehr ohne weiteres. Trotzdem ist sie tief verwurzelt in den männlichen und weiblichen Lebenskonzepten und wird in der Lebensplanungsphase in Frage gestellt und wird insbesondere in kinderbezogenen Familienzyklusphasen gelebt. Diskontinuitäten treten im weiblichen Lebenslauf auf, wenn zu der Berufsorientierung die ebenso hoch bewertete Lebensperspektive der Elternschaft hinzukommt: Frauen als erfolgreiche Erwerbstätige, als selbstständige und selbstbewusste Partnerinnen, als Geliebte und Ehefrauen,
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als Hausfrauen und Mütter. Die alten Werte zerfallen und machen neuen Platz, die wiederum noch nicht gefestigt und erprobt sind. Traditionelle Rollenmuster zeigen sich während dieser Phase und internalisierte Mutterideale werden angestrebt. Die Geschlechtsrollendifferenzierung erzwingt in dieser Phase die verschiedensten berufsbiographischen und familienbezogenen Anpassungsleistungen von Frauen (Brüderl, 1992). Laut Brüderl (1992) resultiert die Anstrengung um eine gleichzeitige Verwirklichung beider wesentlichen Lebensorientierungen und
Entwicklungen bei Frauen zu einem täglichen physischen und psychischen Spagat zwischen zwei getrennten Lebenswelten. Daran wird sich auch so bald nichts ändern, denn zum Einen werden strukturelle und gesellschaftspolitische Maßnahmen hinsichtlich einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie nur bedingte Wirkung bei fortbestehender, ungleicher Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern haben. Zum anderen sind die Entwicklungschancen für demokratische Familienmodelle gering, da traditionelle Vorgaben der Haushaltsführung und Mutterschaft in Frauen und Männern weiterleben und auch handlungsleitend sind. Es werden auch die in diesen Familienmodellen heranwachsenden Frauen schwer haben, die psychischen Barrieren für einen ganzheitlichen Lebensvollzug zu überwinden, solange Frauen auch weiterhin im täglichen Balanceakt zwischen Beruf und Familie mit „Superfrau“-Strategien beinahe alle vielfältigen Anforderungen privat und individuell zu lösen versuchen und ihre Partner aus der Verantwortung entlassen bzw. ihre Partner nicht in die Verantwortung nehmen (Brüderl, 1992). Umso wichtiger sind daher Ressourcen, insbesondere die soziale Unterstützung, um den vielfältigen Anforderungen im Alltag einigermaßen gerecht werden zu können.
1.2 Lebenslagen von erwerbstätigen Müttern In den letzten Jahrzehnten hat sich die Rolle von Müttern sehr widersprüchlich entwickelt. Traditionelle Erwartungen halten sich trotz ansteigender Frauenerwerbstätigkeit. Aber auch die Zuständigkeit für die Familienarbeit liegt nach wie vor fast ausschließlich bei den Frauen (Erler, 2002).
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Die soziale Lage berufstätiger Mütter wird größtenteils durch die Art ihrer Arbeit bestimmt. Hier muss deutlich zwischen erwerbstätigen Müttern in qualifizierten Berufen mit entsprechender Bezahlung und Müttern mit gering qualifizierten und unterbezahlten Erwerbstätigkeiten unterschieden werden. Mütter sind in unterschiedlichen Formen und Lebensphasen berufstätig. Einige sind ganztags mit kleinen Kindern berufstätig, andere steigen erst wieder in den Beruf ein, wenn die Kinder aus dem Haus sind. In Deutschland sind rund 63% aller Mütter im Alter zwischen 18 und 65 mit Kindern unter 18 Jahren teilzeit- oder vollerwerbstätig; der Teilzeiterwerbsanteil beträgt rund zwei Fünftel (Statistisches Bundesamt, 2005). In Baden-Württemberg ist die Teilzeiterwerbstätigkeit für Frauen mit Kindern die häufigste praktizierte Form zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Im europäischen Vergleich nehmen deutsche Frauen in punkto Teilzeit sogar einen Spitzenplatz ein. Der zeitliche Umfang der Erwerbstätigkeit wird jedoch überwiegend durch Anzahl und Alter der Kinder bestimmt. Mütter mit einer qualifizierten Berufsausbildung sind intensiver am Erwerbsleben beteiligt (Statistisches Bundesamt Baden-Württemberg, 2005).
Im Erwerbsleben gibt es Belastungsfaktoren, die sich auf Mütter besonders nachteilig auswirken. Hierzu gehören vor allem unflexible Arbeitszeiten, Rufbereitschaften und auch die Nutzung des öffentlichen Verkehrsnetzes, die oft nicht mit den Kinderbetreuungszeiten der Einrichtungen vereinbar sind. Zu den stärksten negativen Stressoren für erwerbstätige Mütter gehört, immer auf dem Sprung sein zu müssen, damit das Kind pünktlich abgeholt wird. Vollberufstätige Müttern mit kleinen Kindern haben mit durchschnittlich 72 Arbeitsstunden (Erwerbs- und Familienarbeit) die höchste Wochenarbeitszeit aller Bevölkerungsgruppen (Bundesfrauen-gesundheitsbericht, 2001). Für viele berufstätige Mütter in festen Partnerschaften besteht ein deutlich zusätzlicher Belastungsfaktor darin, dass sie nicht wie die meisten ihrer männlichen Kollegen mit einer Entlastung durch den Partner rechnen können. Folgende Belastungsfaktoren bestehen darüber hinaus: fehlende Zeit, um sich der eigenen Gesunderhaltung zu widmen, mangelnde und unflexible Kinderbetreuungsangebote, fehlendes Verständnis der Arbeitgeber für mütterliche Verpflichtungen, zu wenig
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Freizeit, unqualifizierte Tätigkeiten und fehlende Möglichkeiten, an Fortbildungen teilzunehmen (Bundesfrauengesundheitsbericht, 2001).
1.3 Das Verhältnis von Arbeit und Familie als Quelle von Belastung und sozialer Unterstützung
Laut Zapf und Semmer (2004) ist schon länger bekannt, dass sich Belastungen in der Arbeit und außerhalb der Arbeit gegenseitig beeinflussen können. Nach Untersuchungsergebnissen von Bamberg stehen beide in Korrelation mit dem Befinden (Bamberg, 1992, zitiert nach Zapf & Semmer, 2004). Sehr wichtig ist auch die Frage des „spill-over“ (siehe hierzu Punkt 2.4.1) zwischen unterschiedlichen Lebensbereichen. Ebenso sind auch Nachwirkungen von Stresssituationen seit langem bekannt, wie z.B. ein erhöhter Hormonspiel nach der Arbeit verursacht durch Stress in der Arbeit. Forschungsergebnisse zum sog. „unwinding“ (= Rückstelleffekte, die für ,„die Fähigkeit, nach Belastung schnell und umfassend die psychophysiologische Aktivierung zurückzustellen, d.h. die Möglichkeit sich von einem Arbeitstag zum anderen zu erholen“ stehen (Rau, 1998, S.194)) für den Erholungsprozess belegen diese Aussage. Das wiederum kann dazu führen, dass die Zeit, die benötigt wird, den tiefsten nächtlichen Blutdruck zu erreichen, verlängert wird. Häufig wird eine stärkere Reizbarkeit nach der Arbeit berichtet, dessen Aspekte mit dem Konzept der „Gereiztheit und Belastetheit von Mohr im deutschsprachigen Raum erfasst werden können (siehe Punkt 3.6.2) (Mohr, 1991, zitiert nach Zapf & Semmer, 2004).
2. Theoretischer Hintergrund / Modelle
Ziel dieses Kapitels ist es, die grundlegenden Theorien zum Thema Belastung und Beanspruchung, sozialer Unterstützung sowie Family-Work Conflict im Hinblick auf die für die Fragestellung dieser Arbeit relevanten Aspekte der arbeitswissenschaftlichen, bzw. -psychologischen Perspektive darzustellen.
2.1 Gegenstandsbestimmung und begriffliche Abgrenzung Belastung, Beanspruchung und Stress
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Hinsichtlich der Definition und begrifflichen Abgrenzung der Begriffe Belastung, Beanspruchung und Stress lag lange Zeit eine Zweideutigkeit vor, sowohl im umgangssprachlichen als auch im wissenschaftlichen Bereich. Seit den siebziger Jahren haben dann schließlich Rohmert und Rutenfranz (vgl. Rohmert und Rutenfranz, 1975; Ulich 2005) auf klare Trennung der Begriffe gedrungen. Als Belastung sollen nur objektive, also von außen auf den Menschen einwirkende Faktoren gelten, die subjektiven Folgen aus solchen Belastungen sind als Beanspruchung anzusehen, also Auswirkungen im Menschen auf den Menschen (Richter und Hacker, 1997). Auf dieser Grundlage hat die DIN EN ISO 10075-1 (2001) folgende Definition aufgestellt. Psychische Belastung (stress) wird verstanden als: “Die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“ Psychische Beanspruchung (strain) wird verstanden als: „Die unmittelbare (nicht die langfristige) Auswirkung psychischer Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategie.“ (zitiert nach Ulich & Wülser, 2004).
Im Zusammenhang mit Belastung und Beanspruchung wird häufig auch von Stress gesprochen. Stress ist ein Teilbereich der Belastungs- und Beanspruchungsthematik und erzeugt in der Diskussion eine erhebliche Vielfalt von sowohl nicht miteinander übereinstimmenden Konzepten als auch Inkonsistenzen innerhalb einzelner Konzepte (Ulich, 2005). Hacker und Richter (1980) haben den Stressbegriff daher sehr eng zusammengefasst, indem sie Stress als einen Zustand der angstbedingt erregter Gespanntheit bezeichnen, der durch erlebte Bedrohung durch Arbeitsbeanspruchung entsteht.
2.1.1 Konzepte der Belastungs- und Stressforschung
Die vielen vorliegenden Konzepte lassen sich im Wesentlichen in drei Klassen unterscheiden: (vgl. z.B. Frieling & Sonntag, 1999; Richter & Hacker, 1998; Udris & Frese, 1988):
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1. Der reizorientierte Ansatz: Im Mittelpunkt der reizorientierten Ansätze steht die Identifizierung von Stimuli (sog. Stressoren), die das Risiko von Stresszuständen erhöhen (Zapf & Semmer, 2004). 2. Der reaktionsorientierte Ansatz: Selye (1953) definiert Stress als unspezifisches Reaktionsmuster, das in Form des dreistufig ablaufenden „Allgemeinen Adaptionssyndroms“ v.a. physiologische Prozesse der Stressreaktion ins Zentrum der Betrachtung rückt. 3. Der transaktionale Ansatz: Nach diesem Ansatz entsteht Stress infolge einer dynamischen Beziehung zwischen Person sowie äußeren oder inneren Anforderungen und ist somit als relationales Konzept aufzufassen (Lazarus & Launier, 1981).
2.1.2 Das Konzept Belastung und Beanspruchung
Das Belastungs-Beanspruchungskonzept oder auch reizorientiertes Stressmodell nach Rutenfranz und Rohmert (1974) genannt, interpretiert Stressoren als Situationen die Stress erzeugen (z.B. Verlust eines Arbeitsplatzes oder Tod eines nahestehenden Menschen). Dieses Konzept hat sich in der deutschsprachigen Arbeitswissenschaft weitgehend durchgesetzt, demzufolge werden Belastungen als „objektive, von außen her auf den Menschen einwirkende Größen und Faktoren“ benannt, Beanspruchung als „deren Auswirkungen im Menschen und auf den Menschen“ (Rohmert & Rutenfranz, 1974, S.8, zitiert nach Ulich & Wülser, 2004), was auch einen Niederschlag in der DIN EN ISO 10075 und der darin genannten Definitionen von psychischer Belastung und Beanspruchung fand. Die Definition von Stress ist hier die Gesamtheit aller Bedingungen, die auf den Menschen einwirken, also eine unabhängige Variable. Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Belastungen sind schädlich. Entscheidend für das Ausmaß der Belastung sind Belastungsdauer und -höhe. Das Modell berücksichtigt jedoch keine individuellen Unterschiede in Reaktion, Bewertung und Bewältigung (Richter & Hacker, 1997). Ihm wird vorgeworfen, das es elementaristisch sei, da es komplexe psychosoziale Belastungen, Mensch-Umwelt-Transaktionen, Belastungsverarbeitung und langfristige Folgen vielfach ausklammert (Bamberg, Busch, Ducki, 2003). Es handelt sich eher um einen naturwissenschaftlichen und mechanischen
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Ansatz, der später um den Einfluss der subjektiven Bedeutung zum transaktionalen Konzept von Lazarus erweitert wird (Richter & Hacker, 1997).
2.1.3 Das kognitiv-transaktionale Stressmodell
Die transaktionalen Stressmodelle sind als kognitive und handlungs-orientierte Konzepte zu verstehen. Das wohl einflussreichste Stressmodell stammt von Richard S. Lazarus (1966, 1999; Lazarus & Folkman, 1984, Lazarus & Launier, 1981, 1981; vgl. Abb. 1). In diesem Ansatz stehen die subjektiven Bewertungen von Ereignissen sowie deren Bewältigung im Mittelpunkt (zitiert nach Zapf & Semmer, 2004, S. 1020). Ausgangspunkt des Stressprozesses sind Belastungen bzw. Stressoren. Belastungen sind Bedingungen, die die Handlungsregulation beeinträchtigen und potentiell Stress auslösend wirken und negative Folgen für die Gesundheit mit sich bringen. Wichtige Belastungen sind etwa Zeitdruck oder Probleme aus dem arbeitsorganisatorischen Ursprung. Ressourcen sind die „Hilfsmittel“ oder Möglichkeiten, mit Belastungen umzugehen. Durch sie können Belastungen reduziert und gesundheitliche Belastungsfolgen kompensiert werden und sie sind eine wesentliche Voraussetzung für ein effektives Bewältigungsverhalten. Häufig diskutierte Ressourcen sind z.B. soziale Unterstützung oder Handlungsspielraum (Zapf & Semmer, 2004).
Ferner wird im transaktionalen Modell hervorgehoben, dass Stressoren interindividuell unterschiedlich bewertet werden. Stressfolgen können die somatische, die kognitiv-emotionale und die Verhaltsebene betreffen. Psychosomatische Beschwerden, Depressivität, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Fehler und Unfälle bei der Arbeitstätigkeit werden in der Literatur vielfältig als Stressfolgen genannt. Die Bedeutung von Regulationsprozessen wird meist auf Stressbewältigung (Coping) bezogen, ihre Wirkung geht jedoch weit darüber hinaus: Die Selbstregulation (z.B. welchen Zielen Prioritäten eingeräumt wird oder wie Ziele verfolgt werden) übt einen Einfluss auf den gesamten Stressprozess aus (Bamberg, Busch & Ducki, 2003).
Bei der Fokussierung auf Bewertungs- und Bewältigungsprozesse in der Person werden drei Phasen dieses Stressmodells erarbeitet. In Phase „1“
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(primary appraisal) findet eine erste Einschätzung der Situation statt. Bewertet wird, ob die Situation in Bezug auf eine mögliche Bedrohung irrelevant, günstig-positiv oder schädlich (stressful) ist. Trifft Letzteres zu, folgt die Frage, ob die Anpassungsfähigkeiten des Individuums davon betroffen sind. „D.h., ob die Situation einen Verlust (harm-lost), eine Bedrohung (threat) oder eine Herausforderung (challenge) darstellt“ (Udris, 1999, S.431). Im Zuge einer zweiten Bewertung (secondary appraisal) erfolgt in Phase „2“ eine Einschätzung der persönlichen Bewältigungsfähigkeiten und situativen Bewältigungsmöglichkeiten sowie der Wahl einer instrumentellen oder palliativen Copingstrategie, d.h. welche Bewältigungsfähigkeiten und -möglichkeiten in Bezug auf den Umgang mit den Stressoren sind vorhanden (interne und externe Ressourcen). „Primär und „sekundär“ impliziert dabei weder unterschiedliche Wichtigkeit noch die zeitliche Abfolge. So wird z.B. eine Situation, von der feststeht, dass man sie sehr gut bewältigen kann, von vornherein nicht als bedrohend bewertet. In Phase „3“ (reappraisal) wird die gewählte Strategie auf ihre Wirksamkeit überprüft. Dies kommt einer Bewertung von Erfolg oder Misserfolg der gewählten Strategie gleich. Entsteht in diesem Zusammenhang ein Zukunftsbezug, werden Lernprozesse initiiert. Bei erfolgreicher Bewältigung wird man die gleich Situation in Zukunft also als weniger stressend erleben. Einfluss auf Phase „3“ haben unterschiedliche Werte, Handlungsmuster, Überzeugungen sowie der Grad der Situationskontrolle der Person (zitiert nach Udris, 1999, S. 431).
Das Lazarussche Stressmodell weist die Tendenz auf, Stress sehr individualistisch aufzufassen. So hängt es ausschließlich von der individuellen Bewertung einer Person ab, ob ein Ereignis oder ein Merkmal einen Stressor darstellt oder nicht (Zapf & Semmer, 2004).
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Abb. 1: Das Stresskonzept von Lazarus (Quelle: Zapf & Semmer, 2004, S. 1020)
2.2 Ressourcen
Bereits 1966 hatte Lazarus die Bedeutung der Ressourcen im Stressgeschehen hervorgehoben und sie gewinnen in vielen arbeitspsychologischen Stresskonzepten zunehmend Bedeutung (Zapf & Semmer, 2004). Nach Richter und Hacker (1997) beinhaltet der Begriff der Ressourcen Komponenten, die es erlauben, die eigenen Ziele anzustreben und unangenehme Einflüsse zu reduzieren. Richter und Hacker (1998) nehmen eine Ressourcenklassifikation wie folgt vor (Klassifikation gesundheitsfördernder Ressourcen unter dem Ressourcen-Aspekt):
• Organisationale Ressourcen (Aufgabenvielfalt, Tätigkeitsspielraum, Qualifikationspotential, Partizipationsmöglichkeiten)
• Soziale Ressourcen (Unterstützung durch: Vorgesetzte, Arbeitskollegen, Lebenspartner, andere Personen)
• Personale Ressourcen (Kognitive Kontrollüberzeugungen: Kohärenzerleben, Optimismus, Selbstkonzept: Kontaktfähigkeit, Selbstwertgefühl; Handlungsmuster: positive Selbstinstruktionen, Situationskontrollbemühen, Erholungsfähigkeit).
Im Kontext von Arbeit und Organisation sind Kontrolle und soziale Unterstützung die am häufigsten untersuchten Ressourcen (Sonnentag & Frese, 2003; Zapf & Semmer, 2004). Im Zusammenhang mit Stressoren sind Ressourcen als Mittel zu sehen, „die eingesetzt werden können, um das Auftreten von Stressoren zu vermeiden, ihre Ausprägung zu mildern, oder ihre Wirkung zu verringern“ (Zapf & Semmer, 2004, S.1042).
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Laut Zapf und Semmer (2004) lassen sich Ressourcen in interne (diejenigen, die über die die Person selbst verfügt) und externe Ressourcen (diejenigen, die durch die Situation gegeben werden) unterscheiden, wobei Kontrolle und soziale Unterstützung die Wesentlichsten sind.
2.2.1 Die Wirkung von Ressourcen im Stressprozess
Die momentan in den Fokus gerückte „Ressourcenforschung“ (Badura, 1981, S.16) hat im Unterschied zu den oben genannten Entwicklungen in der „Belastungsforschung“ (Badura, 1981, S.16), die Identifizierung gesundheitsschützender Faktoren zum Ziel.
Hinsichtlich der Wirkung von Ressourcen können drei Fälle (direkter, indirekter und Moderatoreffekt) unterschieden werden (Zapf & Semmer, 2004, vgl. Abb. 2).
Ressourcen können eine direkte positive Wirkung auf das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Bei den meisten Ressourcen ist ein positiver Zusammenhang mit Variablen der Gesundheit und des Wohlbefindens oder dem Gefühl persönlicher Leistungserfüllung sowie ein negativer Zusammenhang mit Variablen psychischer und körperlicher Befindensbeeinträchtigungen mehrfach nachgewiesen (Zapf & Semmer, 2004). Im Zusammenhang mit der Ressourcenwirkung hat das Konzept der Salutogenese (Antonovsky, 1991) stark an Bedeutung gewonnen. Die Salutogenese hebt hervor, dass man sich nicht nur mit Stressfaktoren und den hieraus entstehenden Beeinträchtigungen beschäftigen soll, sondern auch aktiv nach den Faktoren schauen sollte, durch die Gesundheit erhalten, aktiv aufgebaut und wieder herstellt wird, was wiederum zur Betonung von Ressourcen führt (z.B. Udris, Rimann & Thalmann, 1994). Ressourcen sind allerdings schon lange Gegenstand der Stressforschung, daher liegt die wesentliche Neuerung der Salutogenese-Forschung darin, vermehrt Instrumente einzusetzen, die Wohlbefinden (anstatt Befindensbeeinträchtigungen) erfassen. Für die Praxis ist allerdings mit der Salutogenese ein sehr bedeutender Perspektivenwechsel verbunden, auch wenn sie auf lang diskutierte Ressourcenkonzepte zurückgreift. Die indirekte Wirkung von Ressourcen auf das Befinden besteht darin, dass sie dem Entstehen von Belastungen entgegenwirken bzw. dem Belastungsabbau dienen und somit
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mittelbar zu positiven gesundheitlichen Auswirkungen führen. Ressourcen können auch puffernd bzw. moderierend wirken. Wenn sie in ausreichendem Maße vorhanden sind, können sie der Bewältigung bestehender Belastungen dienen und so möglicherweise beeinträchtigende Auswirkungen abschwächen. Bei einer geringen Ausprägung der Ressource erhöht sich dagegen u. U. die Beanspruchungswirkung (Zapf & Semmer, 2004). Dieser dreifache Effekt der Ressourcen zeigt sich am Beispiel sozialer Unterstützung im Belastungs-Beanspruchungsprozess darin, dass diese Ressource im direkten Effekt Belastungsfaktoren reduziert; der indirekte Effekt wird darin offensichtlich, dass soziale Unterstützung wahrgenommene Stressoren abmildert und im Moderatoreffekt in der Pufferwirkung von sozialer Unterstützung im Belastungs-Beanspruchungs-Zusammenhang (vgl. Metaanalyse von Viswesvaran, Sanchez & Fischer, 1999, zitiert nach Zapf & Semmer, 2004, S. 1042).
Abb. 2: Die Wirkung von Ressourcen im Stressprozess (Quelle: Zapf & Semmer, 2004, S. 1042)
2.2.2 Methodische Überlegungen
Hinsichtlich der Moderatoreffekte von Ressourcen zwischen Stressoren und Gesundheit/Wohlbefinden und der damit immer wieder auftretenden verbundenen Fehlinterpretation von Daten sind einige methodische Vorbemerkungen in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Allgemein gesehen bedeutet ein Moderatoreffekt, dass der Zusammenhang von zwei
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Arbeit zitieren:
B.A. Christina Müller, 2009, Der Einfluss von sozialer Unterstützung und Work-Family Conflict auf Belastung und Beanspruchung bei berufstätigen Müttern, München, GRIN Verlag GmbH
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