Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Historisches Seminar
Proseminar (A): Ostafrika unter deutscher und britischer Herrschaft 1889-1964
Die Araber in Ostafrika
Herrschaft oder nur wirtschaftliche Interessen?
I
Inhalt
Einleitung :
Arabische Kolonialherrschaft? 1
1. Die Araber in Ostafrika 2
1.1 Geschichte bis ins 19. Jahrhundert 2
1.2 Der Aufstieg Seyyid Saids 3
1.3 Karawanenhandel 4
1.3.1 Ausweitung des Inlandhandels 4
1.3.2 Auswirkungen des Inlandhandels 6
1.3.3 Tippu Tip 8
2. Was ist Herrschaft? 9
2.1 Kolonialismus 9
2.2 informelle Herrschaft S.11
Schlu ßbetrachtung:
gro ßer wirtschaftlicher Einfluss - aber kein Kolonialystem S.12
II
Arabische Kolonialherrschaft?
„I am nothing but a merchant...“ 1 soll Seyyid Said, der große Herrscher des Oman und von Sansibar, kurz vor seinem Tod 1856 gesagt haben. Die Aussage dieses Satzes zieht sich wie eine zentrale These durch die Betrachtung der arabischen 2 Herrschaft über Ostafrika. Waren die Araber nur Händler? Oder verfolgten die Swahili-Kaufleute ganz andere Interessen? Wollten sie gar einen großen Flächenstaat errichten, um für immer vom Handel mit den, in den Industrienationen so begehrten, Gütern zu profitieren? Viele unterschiedliche Ansichten werden hierzu von der Forschung vertreten. Oft genug erscheint Autoren die viele hundert Jahre andauernde Zeit der arabischen Vorherrschaft über Ostafrika nur einige Seiten wert zu sein. Dabei wird häufig übersehen, welch großen Einfluss die Araber auf die Bevölkerung Ostafrikas hatten. Zwar nicht unbedingt in direkter Art und Weise, wie ihn die späteren Kolonialherren hatten, doch teilweise in viel größerem Umfang als vermutet - durch den Sklavenhandel, der letztlich zu einer Entvölkerung Ostafrikas in schrecklichem Ausmaß führte, und bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur Ostafrikas hatte.
Zum Forschungsstand lässt sich sagen, dass zwar eine Reihe von Werken über die Kolonialherrschaft in Ostafrika verfasst wurden, diese aber größtenteils älteren Datums sind, und somit oft noch vor der Unabhängigkeit Tansanias, und der sich damit veränderten Betrachtungsweise auf den Kolonialismus, geschrieben wurden. Dadurch fehlen in vielen Werken kritische Töne zu den (britischen) Kolonialherren. Desweiteren beschränkt sich die Forschung allzu oft auf die europäischen Herrscher, und lässt die arabische Herrschaft außen vor. Diese Lücke wurde allerdings von afrikanischen und anderen Autoren in den letzten Jahrzehnten verkleinert, wenn auch noch viele Themen unerforscht bleiben.
1 Nach Coupland, R.: East Africa and its Invaders. From the earliest times to the death of Seyyid Said in 1856, Oxford 1968, S.299.
2 Der Terminus Araber ist eigentlich nicht korrekt, da es sich zum Großteil um eine neu entstandene arabisch-afrikanisch-asiatische Mischrasse, die sog. Swahili handelte. Da es viele Verbindungen mit indigenen Frauen gab, waren viele von ihnen nur noch entfernt mit den „echten“ Arabern aus dem Oman verwandt. In der Forschung ist es jedoch verbreitet den Terminus Araber zu benutzen, was sich auch in der vorliegenden Arbeit nicht ändern soll.
1
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil beginnt mit einer kurzen Darstellung der arabischen Geschichte in Ostafrika, und untersucht dann die Auswirkungen des arabischen Wirtschaftstreibens auf die Bevölkerung. Im zweiten Teil wird versucht, zu beantworten, was Herrschaft eigentlich bedeutet. Hierbei wird bewußt Abstand genommen von den theoretischen Herrschaftsgebilden, welche britische und französische Kolonialherrschaft unterscheiden. Im Schlußteil wird schließlich versucht, die Frage zu beantworten, inwieweit die arabischen Händler einen Einfluss auf die indigene Bevölkerung Ostafrikas hatten.
1. Die Araber in Ostafrika
1.1 Geschichte bis ins 19. Jahrhundert
Ab dem 7. Jahrhundert gibt es nachweisbare Handelsbeziehungen zwischen Arabern und Ostafrika. In den nächsten hundert Jahren wurden mehrere Siedlungen gegründet, darunter Mogadischu, Pemba, Sansibar, Kilwa u.a.. Diese ersten Zentren arabischer Kultur lagen in der Regel auf Inseln, welche sich gut verteidigen ließen und die Kontrolle des Handels ermöglichten. 3
In den Städten siedelten sich schnell indische Händler und Geldverleiher an, welche einen wichtigen Teil des Wirtschaftslebens übernahmen. Es entstand eine arabischafrikanische Mischkultur mit eigener Sprache - die Swahili-Kultur. 4 Die Städte formten jedoch kein gemeinsames Reich. Die Jahrhunderte waren geprägt von wechselnden Bündnissen und Rivalitäten, aber auch von großem Reichtum. Ende des 15. Jahrhunderts erlangte Kilwa eine Vormachtstellung. 5 Das Leben der küstennahen Stämme wurde von der Kette aus arabischen Kolonien bedeutend beeinflusst. Doch scheinen die ersten Kontakte, bis auf wenige Ausnahmen friedlich gewesen zu sein. Den Arabern fehlte nicht nur der Wille, sondern auch die Möglichkeit die Stämme militärisch zu unterwerfen. Sie waren vielmehr auf Handel aus und kämpften nur, um Handelswege offenzuhalten, niemals
3 Vgl. Coupland, Invaders S.21-25.
4 Swahili bedeutet „Küstenmenschen“; vgl. ebd., S. 25-28.
5 Vgl. ebd., S. 25f.
2
Arbeit zitieren:
Stefan Zahnweh, 2002, Die Araber in Ostafrika im 19. Jahrhundert. Herrschaft oder nur wirtschaftliche Interessen?, München, GRIN Verlag GmbH
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