Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3-5
II. Die öffentliche Meinung in den USA zu Kriegsbeginn
1. Die Haltung der Amerikaner zum Ersten Weltkrieg 6-7
2. Die soziale Stellung und Struktur der Deutsch-Amerikaner 7-8
3. Die Haltung der Deutsch-Amerikaner zu den
kriegerischen Ereignissen in Europa 8-10
III. Eugen Kühnemann
1. Kühnemanns Arbeit in den Vereinigten Staaten
von Amerika während des Ersten Weltkrieges 11-13
2. Kühnemanns Argumentation 13-15
IV. Hugo Münsterberg
1. Münsterbergs Arbeit während des Weltkrieges 16-18
2. Münsterbergs Argumentation 18-21
V. Kuno Francke
1. Kuno Francke in Amerika während des
Ersten Weltkrieges 22-23
2. Franckes Argumentation 23-26
VI. Schlussbetrachtung 27-28
VII. Literatur 28-32
2
I. Einleitung
In Deutschland ist man sich kaum bewußt, wie hartnäckig und erbittert der Kampf auf dem amerikanischen Kriegsschauplatze tobte, und welch tiefen Einfluß die Vorgänge dort tatsächlich auf die europäischen Ereignisse hatten. Nur die Waffenausfuhr und ihre Wirkung auf die Weltlage wurden ernsthaft beachtet; aber meisthin glaubte man in Deutschland, daß sie allein durch Gewinnsucht aufrecht erhalten wurde. In Wahrheit hätte man sofort Wege gefunden, sie zu unterdrücken, wenn nicht die überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Waffenausfuhr verlangt hätte, um Deutschland zu bekämpfen. 1
Diese Worte über den Einfluss der öffentlichen Meinung in Amerika und die Auswirkungen auf die politische Weltlage während des Ersten Weltkrieges stammen aus dem Vorwort von Hugo Münsterbergs Amerika und der Weltkrieg. Dieses Buch ist die deutsche Ausgabe der beiden englischsprachigen Bücher The War and America und The Peace and America. Das Zitat zeigt deutlich, für wie wichtig Münsterberg die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten von Amerika für den Verlauf des Krieges hielt. Mit dieser Einschätzung stand er keineswegs alleine. Auf Initiative der deutschen Botschaft, erst unter dem Botschaftsrat Haniel von Haimhausen, später auch unter Obhut des deutschen Botschafters Johann Heinrich Graf von Bernstorff, arbeitete ein Pressebüro zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. 2 Um die Arbeit an der öffentlichen Meinung in den neutralen Ländern professionell zu gestalten, gab es sogar Angebote, diese Arbeit von Werbefachleuten leiten zu lassen, allerdings ohne dass von deutscher Seite je davon Gebrauch gemacht wurde. 3
Aber nicht nur von offizieller Seite wurde versucht, die Meinung der amerikanischen Bürger für Deutschland zu gewinnen. Von Deutschland aus gab es von jü-
1 Münsterberg,Amerika und der Weltkrieg; ein amerikanisches Kriegstagebuch, Leipzig 1915, S. 1.
2 Zur offiziellen deutschen Propagandaarbeit in Amerika und speziell zur Arbeit des deutschen Pressebüros siehe, Doerries, Imperial Challenge, Ambassador Count Bernstorff and the German-American Relation 1908±1917, London 1989, S. 41ff., Bernstorff, Deutschland und Amerika, Erinnerungen aus dem fünfjährigen Krieg, Berlin 1920, S 36ff.
3 Roselius, Briefe, Bremen 1919, S. 1±2.
3
discher Seite Versuche, an den Gerechtigkeitssinn ihrer amerikanischen Glaubensgenossen zu appellieren. 4 Auch versuchten einige, wie der Marburger Philo-sophieprofessor Hermann Cohen, direkt in den Vereinigten Staaten für Deutsch-land zu werben, was allerdings vom deutschen Auswärtigen Amt abgelehnt wurde. 5
Zur Zeit des Ersten Weltkrieges gab es eine Vielzahl deutscher Professoren, die an amerikanischen Universitäten lehrten. Mit Kriegsausbruch stellten sie sich größtenteils in den Dienst ihres Vaterlandes und bearbeiteten die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten, da sie über die notwendigen sprachlichen Grundlagen und über ein hohes Ansehen in der Bevölkerung verfügten. 6 Manch einer verzichteten auf lukrative und hoch angesehene Lehrstühle wie der Keltologe Kuno Meyer, der eine Austauschprofessur ablehnte und versuchte, die englandfeindlichen irischstämmigen Amerikaner für Deutschland zu gewinnen. 7
Die vorliegende Studie soll die Arbeit dreier Professoren, die während des Krieges in den Vereinigten Staaten von Amerika aktiv waren, untersuchen. Bei den drei Professoren handelt es sich um den Breslauer Philosophieprofessor Eugen Kühnemann, den in Harvard lehrenden deutsch-jüdischen Psychologen Hugo Münsterberg und um dessen Kollegen, den deutsch-amerikanischen Historiker Kuno Francke. Unersucht werden sollen die Unterschiede in ihrer Arbeit und ihren Argumentationen. Mit welchen Mitteln versuchten sie die Amerikaner von der
4 Siehe dazu Segel, Der Weltkrieg und des Schicksal der Juden, Stimme eines galizischen Juden an VHLQH*ODXEHQVJHQRVVHQLQGHQQHXWUDOHQ/lQGHUQ%HUOLQXQG&RKHQÄ'XVROOVWQLFKWHLn-KHUJHKHQDOVHLQ9HUOHXPGHU³± Ein Appell an die Juden Amerikas in: Hermann Cohens Jüdische Schriften, Bd. 2, Zur jüdischen Zeitgeschichte, Berlin 1924, S. 229±237 (Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums).
5 Sieg, Jüdische Intellektuelle im Ersten Weltkrieg, Kriegserfahrungen, weltanschauliche Debatten und kulturelle Neuentwürfe, Berlin 2001, S. 65.
6 Keller, German-America and the First World War, Michigan, 1969, S. 174. Neben deutschen oder deutschstämmigen Professoren wie Münsterberg, Francke, von Mach, Boas und Meyer, gab es auch eine kleine Minderheit nicht deutschstämmiger Professoren, die Deutschland und die Mittelmächte unterstützten. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang Hall und Burgess. Siehe für Hall, Falcke, Vor dem Eintritt Amerikas in den Weltkrieg. Deutsche Propaganda in den Vereinigten Staaten von Amerika 1914-1915, Dresden 1928, S. 64 und für Burgess, Keller, German-America, S. 175±176.
7 Kluge, Irland in deutscher Geschichtswissenschaft, Politik und Propaganda vor 1914 und im Ersten Weltkrieg, Frankfurt/Main 1985, S. 222 und Monatshefte für Deutschen Unterricht, Deutsche Sprache und Deutsche Literatur, Nationales Deutschamerikanisches Lehrerseminar, Februar 1915, S. 88.
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Unschuld Deutschlands zu überzeugen? Gab es Unterschiede in den Vorgehensweisen und Argumtentaionssträngen?
Aufgebaut ist die Arbeit so, dass zuerst in einem kurzen Teil knapp die Ausgangssituation dargestellt wird. Dieser Teil befasst sich mit der allgemeinen öffentlichen amerikanischen Meinung zum Ersten Weltkrieg und auch mit den sozialen Strukturen Deutsch-Amerikaner und deren Haltung zum Krieg. Damit soll eine Basis geschaffen werden, um die Arbeit der Professoren besser einordnen zu können. Die kommenden Teile beschäftigen sich dann ausnahmslos mit der Arbeit der drei Professoren beginnend mit dem deutschen Kühnemann über den in den USA lehrenden deutschen Münsterberg bis zum Deutsch-Amerikaner Francke.
Als Quellengrundlage dienten die zahlreichen Publikationen der drei Professoren, bei denen es sich teilweise um propagandistische Veröffentlichungen sowie um retrospektivische Autobiographien handelt.
Da die Propagandaarbeit in der Literatur über den ersten Weltkrieg nur ein Randthema darstellt, sind nicht außerordentlich viele Monographien zu diesem Thema entstanden. Nennenswert sind hier die Arbeiten von Jürgen Möckelmann Das Deutschlandbild in den USA 1914-1918 und die Kriegszielpolitik Wilsons und Deutsch-amerikanische Beziehungen in der Krise sowie Phyllis Keller German-America and the First World War und States of Belonging, German-American Intellectuals and the First World War.
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II. Die öffentliche Meinung in den USA zu Kriegsbeginn
1. Die Haltung der Amerikaner zum Ersten Weltkrieg
Obwohl von der amerikanischen Regierung gefordert, fiel es vielen Amerikanern schwer, nach Ausbruch des Krieges in Europa nicht Sympathien für die eine oder andere Seite zu entwickeln. In den Augen der meisten Amerikaner wurde das Deutsche Reich für die Vorgänge in Europa als Schuldiger ausgemacht. Der Entente stand das Gros der amerikanischen Bevölkerung sowohl kulturell als auch von ihren politischen und gesellschaftlichen Idealen näher. Die Anglo-Amerikaner stellten immer noch die größte ethnische Gruppe dar und hatten die Vereinigten Staaten von Amerika am deutlichsten durch die Sprache, die politischen Institutionen, die Religion und Demokratie geprägt. 8
Deutschland stand für den Grossteil der öffentlichen Meinung als ein Ort der Reaktion. Dort wurde ein Volk mit brutalen Methoden unter die Herrschaft einer militaristischen und autarkischen Kaste gezwängt und mit den neuesten technischen Errungenschaften die Nachbarn bedroht. Verstärkt wurde das Bild der entmenschlichten Deutschen durch die Meldungen der britischen Presse, die nach dem Kappen der deutschen Unterseekabel ein Nachrichtenmonopol in den USA besaß und deren Berichte größtenteils kritiklos als Wahrheit angenommen wurde. Die britischen Zeitungen stellten durch eine klare schwarz-weiß Malerei Deutsch-land als den Hort des Bösen dar und Deutschlands Gegner als die Guten. So wurde Belgien als wehrloses kleines Land dargestellt, das von dem expansionistischen Deutschland überrannt worden sei: Dabei seien die belgische Zivilbevölkerung den britischen Berichten zu Folge misshandelt und massakriert und die Kulturgüter in Löwen mitsamt der Stadt dem Erdboden gleichgemacht worden. Auch amerikanische Journalisten stellten den deutschen Militarismus gerne an den Pranger. Richard Harding Davis beschrieb den Einmarsch deutscher Soldaten als not men marching, but a force of nature like a tidal wave, an avalanche, or a river
8 Siehe Luebke, Bonds of Loyalty, German-Americans and the First World War, Nothern Illinois 1974, S. 84.
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flooding her banks 9 und drückte damit das Unmenschliche und Unzivilisierte der deutschen Soldaten aus. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. als die personifizierte Arroganz dargestellt und die Hohenzollern seien das wahre Übel der Deutschen. Erst die Hohenzollern hätten die Deutschen zu solch willenlosen Maschinen gemacht. 10
Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass es durchaus Bevölkerungsteile gab, die nicht England und die Entente unterstützten. Zu nennen sind hier zum einen die schwedisch- und finnischstämmigen Amerikaner, die in dem späten 19. Jahrhundert eingewanderten osteuropäischen Juden, die aus Furcht und Hass vor Russland eher pro-deutsch waren, die Iren, da sie gegen England gerichtet waren und die Deutsch-Amerikaner bzw. die Amerikaner österreichischen oder ungarischen Ursprungs. 11
2. Die soziale Stellung und Struktur der Deutsch-Amerikaner 12
Im Gegensatz zu anderen Einwanderergruppen zeichneten sich die deutschstämmigen Amerikaner durch eine hohe soziale Mobilität, einen durchschnittlich höheren Bildungsgrad, ein höheres Startkapital und einen schnelleren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg aus. Vertreten waren deutschstämmige Amerikaner besonders stark in Berufssparten wie Chemiker, Händler, Musiker und Architekten. Die New Yorker Bankenkreise wurden von deutschstämmigen Juden beherrscht und deutsche Wissenschaftler waren auf das Höchste anerkannt. 13 Allerdings assimilierten sich deutsche Einwanderer im Gegensatz zu anderen ethni-
9 Sullivan,Our Times, The United States 1900±1925, Bd. 5 Over here: 1914±1918, New York 1946, S. 21-26. Der Bericht von Harding Davis wurde in der New York Tribune veröffentlichte und in den Vereinigten Staaten eifrig gelesen. Siehe Sullivan, Our Times, S. 21.
10 Luebke, Loyalty, S. 85.
11 Siehe, Zechlin, Die deutsche Politik und die Juden im ersten Weltkrieg, Göttingen 1969, S. 455, Doerries, Imperial Challenge, S. 57ff., Kluge, Irland, S. 222ff., Wiedemann-Citera, Die Auswirkungen der Ersten Weltkrieges auf die Deutsch-Amerikaner im Spiegel der New Yorker Staatszeitung, der New Yorker Volkszeitung und der New York Times 1914±1926, Frankfurt 1993, S. 40.
12 Laut der letzten Zählung vor dem Ersten Weltkrieg lebten 1910 8.282.618 Personen in den Vereinigten Staaten von Amerika, die entweder noch deutsche Staatsangehörige waren, in der ersten Generation aus Deutschland eingewandert waren und die amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen oder deutschstämmig schon mehrere Generationen in den USA lebten. Wittke, The German-Language Press in America, Kentucky 1957, S. 235.
13 Wiedemann-Citera, Deutsch-Amerikaner, S, 19.
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schen Gruppen sehr schnell und legten dabei auch die deutsche Sprache und Teile der deutschen Kultur ab, so dass das Interesse an einem Deutschtum zunehmend erlosch, was sich besonders an dem Leserschwund der deutschsprachigen Zeitungen ablesen lässt. 14
Unterschieden werden die Deutsch-Amerikaner in der Literatur als soul Germans, einer kleineren Gruppe deutschstämmiger Amerikaner, die ihr Deutschtum bewusst artikulierten und idealisierten und stomach Germans, Amerikaner deutscher Herkunft, die eher materialistisch eingestellt waren und, abgesehen vom Gebrauch der deutschen Sprache und des Studierens deutscher Tageszeitungen, ihren deutschen Ursprung nicht außerordentlich pflegten. 15
Als Überbleibsel ihrer deutschen Herkunft organisierten sich die Deutsch-Amerikaner in Vereinen, die sich an der ursprünglichen regionalen Herkunft und dem Glauben unterschieden. Mit in die Vereinigten Staaten wanderte somit auch die deutsche Kleinstaaterei und die Spaltung des christlichen Glaubens ein. Unte-reinander gab es zwischen den einzelnen Gruppen wenig bis gar keinen Kontakt. 16
3. Die Haltung der Deutsch-Amerikaner zu den kriegerischen Ereignissen in Europa
Dass Interesse seitens der deutschstämmigen Amerikaner an den Geschehnissen in Europa und insbesondere in ihrer alten Heimat bestand, zeigt sich an der gesteigerte Auflagenstärke der deutschsprachigen Zeitungen. 17 Die deutschsprachige Presse ihrerseits versuchte ein Gegengewicht zu der schon angesprochenen übrigen anglophonen Presse zu bilden. Allerdings konnte das Handicap der deutschen Sprache nie wirklich überwunden werden. Es war somit schwer für die prodeutsche Presse, die übrigen Amerikaner zu erreichen.
14 Wiedemann-Citera, Deutsch-Amerikaner, S. 20-21.
15 Ebd. S. 22.
16 Zur Frage der Heterogenität der Deutsch-Amerikaner, Ebd. S. 23ff.
17 Ebd. S. 32.
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Arbeit zitieren:
Thomas Löwer, 2003, Deutsche Professoren in den USA während des Ersten Weltkrieges, München, GRIN Verlag GmbH
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