Gliederung:
1. Einführung
2.1.Entstehung des frühneuzeitlichen Territorialstaates in Spanien
2.2. Die Kirchenpolitik um 1500
3. 1.Die Expansionspolitik um 1500
3.2.Das Erbe der Katholischen Könige
4. Resümee
5. Literaturverzeichnis
3
1. Einführung:
Überblickt man die Jahrhundertwende des ausgehenden 15. hin
zum 16.Jahrhundert in Europa, lässt sich eine Neuorientierung und Neuordnung der staatlichpolitischen Strukturen erkennen. 1
Die Zeitenwende erscheint janusköpfig einerseits die mittelalterlichen Weltvorstellungen zu verabschieden und andererseits den Beginn der Moderne den Weg zu bahnen. Es beginnt eine Zeit der Nationen in Europa, welche durch gestärkte nationale Königtümer, Souveränität im Prozess der Nationalstaatenbildung erlangen. Durch die Expansion der Geldwirtschaft sowie dem Aufstieg des Bürgertums wurde der alte Feudaladel geschwächt und verlor seine militärische Unabhängigkeit. Begünstigt durch diese Entwicklungen konnten monarchische Kräfte ihr Gewaltmonopol gegen den Adel durchsetzen und an i hrem Hof konzentrieren. Innenpolitisch trat bei der gefestigten,
frühabsolutistischen Machtpolitik die Sicherung des inneren Friedens, die Einigung der Länder unter der Krone und das Erwecken eines nationalen Gemeinschaftsgefühls in den Vordergrund. 2 So stimmten in Spanien und Frankreich die Vorstellungen von Nationalidee und Staat am Ende des 15. Jahrhunderts weitgehend überein. 3
Die Situation im Heiligen Reich Römischer Nationen entwickelte sich zu dieser Zeit jedoch keinesfalls schon in Richtung frühneuzeitlicher Territorialstaat. Vielmehr verschob sich die Macht zunehmend auf Seiten der Aristokratie, welche bestrebt war die kaiserliche Kompetenz zu
1 Vgl. F. Merzbacher: Europa im 15. Jahrhundert in : G. Mann /A. Nitschke (Hg.): Propyläen Weltgeschichte Bd.6,
Frankfurt a. Main 1986, S.373-428. Im Folgenden: Vgl. F. Merzbacher: Europa um 15. Jahrhundert
2 D. Schwanitz: Bildung. Frankfurt a. Main 1999
3 Vgl.: F. Merzbacher: Europa im 15. Jahrhundert
beschränken.
So konnten trotz der Tradition des Kaisertums oder gar durch die vom Islam ausgehende Bedrohung, vor allem nach dem Fall von Konstantinopel 1453 und dem damit verbundenen Ende des oströmischen Reiches 4 , die nationalen und staatlichen Ideen in Deutschland, wie auch in Italien, noch nicht in Einklang gebracht werden. 5
Kennzeichnend war zu dieser Zeit auch die Auseinandersetzungen der Großmächte um die Vormachtstellung in Europa. Eine Sonderrolle kommt hier wiederum Spanien zu.
Schon nach der Heirat der Katholischen Könige 1469 und der nationalen Einigung, begann Spanien auch außenpolitisch in Europa großräumig Einzugreifen und später unter Karl V zur europäischen Hegemonialmacht aufzusteigen. 6
Es stellt sich natürlich die Frage, woran man die oben skizzierte Sonderrolle Spaniens in Europa, gegenüber anderen Großmächten festmachen kann und worin die Vorraussetzungen lagen, die diesen Aufstieg ermöglichten.
4 H. Kinder / W. Hilgemann: dtV- Atlas zur Weltgeschichte Bd.1. München. 1995. Im Folgenden: Vgl.: H. Kinder/ W.
Hilgemann: dtv- Atlas zur Weltgeschichte.
5 U. Muhlack: Die Geburt der Neuzeit im Geist der Antike. In: P. Burgard: Die Frühe Neuzeit. München. 1997, S.19-23.
6 W. Herzog: Spanien. München 1995
2.1. Die Entstehung des Frühneuzeitlichen Territorialstaates in Spanien
Die Schicksalsstunde für die nationale Einigung Spaniens schlug mit der Hochzeit Ferdinands von Aragon und Isabella von Kastilien im Jahre 1469. 7
Erst jedoch nach heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Dynastie und des Hochadels übernahmen beide 1474 die Regierung. 8
Durch diesen Akt wurden die zwei größten, christlichen Königreiche der iberischen Halbinsel, in Personalunion 9 vereinigt. Dies bedeutete jedoch keine staatsrechtliche Verschmelzung beider Reiche, vielmehr sollten die verfassungsmäßigen Besonderheiten der ererbten Königreiche auch zukünftig respektiert werden.
Bezeichnenderweise wiesen die Könige die Benennung “Spanische Könige” in der Herrschertitulatur zurück und bestanden auf eine aneinander Reihung der Teilreiche, somit Könige von Kastilien, Leon, Aragon... 10
Nicht zu letzt deutet dies auf Partikularismen und Regionalismen, resultierend aus geografischer Lage und historischen Entwicklungen, hin.
Dennoch konnten die Katholischen Könige - ein Titel der ihnen vom Papst nach der Eroberung Granadas verliehen wurde- bei der Reichseinheit an eine lange, kulturelle Tradition anknüpfen, die den Einheitsgedanken bei der breiten Bevölkerung tief verankerte. Anders als z. B. in Deutschland, wo sich viele Einzelstaaten den Weg zu einer einflussreichen Gesamtpolitik im
7 Vgl.: F. V. Grunfeld: Die Könige von Spanien. München. 1983. Im Folgenden: Vgl.: F.V. Grunfeld: Die Könige von
Spanien.
8 W. Zöllner: Kulturgeschichte im Prisma: Spanien. Leipzig 1988. Im Folgenden: Vgl.: W. Zöllner: Spanien.
9 Vgl.: F. Kurowski: Spanien. Aufstieg und Niedergang eines Weltreiches. Berg am See 1991. Im Folgenden: Vgl.: F.
Kurowski: Spanien.
10 W. L. Bernecker/ H. Pietschmann: Geschichte Spaniens. Stuttgart. 1993. Im Folgenden : Vgl.: W. L. Bernecker / H.
Pietschmann: Spanien.
Rahmen eines Nationalstaates verbauten, 11 war auf der iberischen Halbinsel die Idee eines einheitlichen Spaniens seit der Antike erhalten geblieben. Schon seit der römischen Besetzung, wurde an das lateinischen Hispania, neben der geografischen Fixierung, die Vorstellung einer politischen und kultureller Identität, trotz verschiedener Territorien geknüpft.
Die Entstehung des Westgotenreiches schaffte dann vormals schon die Einigung Spaniens. Die Vernichtung dieser Einheit durch die muslimische Invasion Spaniens lies in der Bevölkerung den Einheitsgedanken fortleben und sollte in der Reconquista, der Rückeroberung, während des ganzen Mittelalters wieder hergestellt werden.
In den rückeroberten Gebieten wurde dieses historisch -kulturelle Erbe z. B. in Volksgesängen überliefert. 12
Wichtig um eine Sonderrolle Spaniens in Europa um 1500 zu erkennen, ist somit die Tatsache, dass die Vorstellung einer weitgehenden Verschmelzung von Staat und Nation nicht neu, sondern in der Tradition schon lange verankert war.
Die monarchische Einigung, durch die Könige Isabella und Ferdinand, konnte somit an dieses Fundament anknüpfen und für den Aufbau eines frühneuzeitlichen Territorialstaates nutzen. In diesem Sinne war ihnen die Begeisterung der Bevölkerung, nach ihrer erfolgreichen Rückeroberung Granadas 1492, sicher. Die damit zu Ende gebrachte Reconquista, erfasste nun den letzten, arabischen Staat auf europäischem Boden und stellte einen lang ersehnten Triumph für Spanien sowie das christliche Europa dar. 13
11 M. Frinkes: Die politischen Verhältnisse in Europa. In: H. Pleticha (´Hg.): Entdecker und Reformatoren. Die Welt im 16.
Jahrhundert. Gütersloh. 1989, S.131-170.
12 Vgl.: H. L .Bernecker/ H. Pietschmann: Spanien.
13 Vgl.: M. Vincent/ R. Stradling: Spanien und Portugal. München 1995. Im Folgenden: Vgl.: M. Vincent/ R. Stradling:
Spanien und Portugal.
Arbeit zitieren:
Eva Schneider, 2002, Die Sonderrolle Spaniens in Europa um 1500, München, GRIN Verlag GmbH
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gute analyse aber nicht ganz schlüssig
am Friday, November 14, 2008-