Bereits als Kind erhält er von seinem Vater den Roman „Illuminatus. Der goldene Apfel“ von Robert Anton Wilson. Karl Koch wird durch dieses Buch in seinem weiteren Leben immer stark beeinflusst sein.
Illuminatus beschreibt eine „Verschwörung der Welt durch die Mächtigen“ 1 , welche durch Erhalt und Vorbehalt von Information ihre Macht aufrechterhalten. Eines der herausstechenden Merkmale der Illuminaten ist die Zahl 23 sowie deren Quersumme 5.
Durch den Tod seines Vaters, zu dem Karl ein sehr kompliziertes Verhältnis hatte, und dem daraus resultierenden Erbe, führt Karl zunächst ein unkompliziertes Leben. Er bezieht mit einem Freund eine Wohnung und muss sich um Geld zunächst keine Sorgen machen. Durch das Buch inspiriert, leistet sich Karl seinen ersten Computer. Die noch in der Entstehung begriffenen ersten Chatrooms ermöglichen Karl einen Austausch mit gleichgesinnten Verschwörungstheoretikern und Computerfreaks. Bei einem großen Treffen mit Computerbegeisterten und einem Vortrag Robert Anton Wilsons lernt er seinen später besten Freund David kennen. Nach einem Fernsehinterview Karls wird Lupo, ein unscheinbarer Gauner, auf die beiden aufmerksam. Er stellt David und Karl Pepe vor und berichtet von dem Plan, für den KGB Informationen aus dem Internet zu spionieren. Nach einiger Zeit entschließen sich Karl und David dazu, gemäß ihrem Hackerkodexgleicher Informationszugang für alle- bei dem Plan mitzuarbeiten. Trotz der teilweise großzügigen Zahlungen des KGB für die gelieferte Ware kommt Karl durch seinen starken Kokainkonsum und großzügigen Lebensstil zunehmend in finanzielle Bedrängnis. Dadurch lässt er sich mit einem Journalisten ein, der einen Hack vor laufender Kamera initiiert. Diese Aufnahmen werden aber zunächst nicht veröffentlicht.
Begünstigt durch seinen starken Kokainkonsum, den vorherrschenden politischen Veränderungen und Geschehnissen, wird Karl zunehmend paranoider. Schließlich fühlt sich Karl für den Supergau in Tschernobyl verantwortlich. Ein Klinikaufenthalt wir unumgänglich.
Bereits einige Zeit vom Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt beobachtet, von der Presse verraten und unter Druck gesetzt, stellt sich Karl schließlich und tritt als Kronzeuge auf.
1 Aus dem Film zitiert
2
Karl Koch kommt am 23.05.1989 aus noch heute ungeklärten Gründen in einem Waldstück ums Leben.
3. Soundtrack
1. Deep Purple: Child in time
2. Killing Joke: Eighties
3. Iggy Pop: The Passenger
4. Ton Steine Scherben: Rauchhaussong
5. 39 Clocks: Dns
6. Flying Lizards: Money
7. Dave Pike: Mathar
8. Roxy Music: Love Is The Drug
9. Freundeskreis: Halt Dich An Deiner Liebe Fest
10. Enjott Schneider: Time Flies
11. Enjott Schneider: Illuminatus
12. Enjott Schneider: Am Winterfeldplatz
13. Enjott Schneider: Vom BKA verfolgt
14. Enjott Schneider: Freundschaft
15. Enjott Schneider: Abschied
16. Enjott Schneider: Die letzte Fahrt
4. Musikprotokoll:
(Es werden nur die Szenen beschrieben, die mit Musik untermalt sind)
1. Der Film beginnt mit dem Lied „Child in time“ von Deep Purple. Die erste Kameraeinstellung hierzu zeigt Karl Koch in einem Büro, die zweite Kameraeinstellung zeigt Karl Koch wie er auf dem Weg zu einem Auto von Reportern verfolgt wird. Die Bewegungen in diesen Einstellungen sind verlangsamt. Das Lied „Child in time“ vermittelt, unterstützt durch die Einstellungen, durch seinen Rhythmus und die Orgel eine gewisse Schwere; es
3
hat aber auch durch das Schlagzeug und die harte Rhythmik einen subversiven Touch.
2. Karl kommt durch den Krebstod des Vaters an ein Erbe von 50.000 Euro. Er löst das Konto sofort auf und bezieht mit einem Freund seine erste Wohnung. Die von „Killing Joke“ mit dem Lied „Eighties“ untermalte Szene zeigt zunächst Karl, wie er das Geld bekommt und wie er seinen Freund in deren zukünftigen Wohnung fragt, ob er Lust hätte mit ihm zusammenzuziehen. Es gäbe keine Bedingungen „ Das ist ne Forschungsstation für freies Leben“. Das Lied suggeriert mit seinen starken, schnellen Rhythmen und Gesang einen revoltären, freien, jugendlichen Lebensstil.
3. Die Einweihungsparty zeigt die Wohnung der beiden voll mit jungen Leuten, Alkohol und lauter Musik. Musikalisch wird die Party mit Ton Steine Scherbens „Rauchhaussong“ begleitet. Wieder zeigt die Wahl der Musik nicht nur Karls vorherrschende politische Grundhaltung, und die der Partybesucher auf, sondern versucht auch hier dem Rezipienten ein gewisses jugendlich- revoltäres Grundgefühl zu vermitteln. Neben den starken, aber einfachen Rhythmen, der subversiven Stimme Rio Reisers, ist auch der Liedtext sehr politisch. 4. Karl erzählt in dieser Sequenz von dem Buch Illuminatus, das sein Vater ihm schenkte, es ihm wieder wegnahm, als dieser erkannte. wie sehr es Karl beeinflusste. Er beschreibt das Aufkommen erster Chatlines, die neuen Kommunikations- und Austauschmöglichkeiten vor allem mit Gleichgesinnten über Robert Anton Wilsons Buch Illuminatus. Hier wird die Sequenz von Enjott Schneiders „Illuminatus“ begleitet. Die musikalische Untermalung findet hier sehr hintergründig und leise statt. Sie besteht aus langgezogenen, ja fast monotonen, streichenden Synthesizerklängen und soll dadurch ein konspiratives und geheimnisvolles Empfinden vermitteln.
5. Die gleiche Stimmung und musikalische Untermalung wird auch in der Szene übermittelt, in der Karl sich mit Gleichgesinnten zur Tagung des Chaos Computer Clubs in Hamburg trifft. Hier hält auch Robert Anton Wilson einen Vortrag.
4
Arbeit zitieren:
Katrin Geier, 2008, Filmmusikanalyse/-protokoll zu "23 Nichts ist so wie es scheint", München, GRIN Verlag GmbH
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