Trotz intensivster Forschung zu Hans Holbein dem Jüngeren und sein Werk in den letzten Jahren gibt es kaum neue Informationen. Das wenige was man über den Künstler und sein Leben weiß, war schon weitgehend im späten 19. Jahrhundert bekannt. 1 Der 1498 in Augsburg geborene Hans Holbein der Jüngere schuf neben sakralen Werken und monumentalen Wandgemälden, bedeutende Porträts mit gewaltiger Detailtreue und Stofflichkeit, so dass eines seiner Bilder sogar lange Zeit als Kunstwerk Leonardo da Vincis galt. 2 Es handelt sich dabei um Holbeins Bildnis des „Charles de Solier, Sieur de Morette“, welches sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet. Ein Porträt, welches die besondere Fähigkeit von Holbein verdeutlicht, seine Bilder lebendig erscheinen zu lassen.
Der dargestellte Charles de Solier (1480/81-1564) war sowohl Kammerherr als auch Ratgeber des französischen Königs Franz I, bewährte sich jedoch gleichermaßen als Diplomat und Krieger. Er hielt sich vom 3. April bis zum 26. Juli 1534 als Botschafter in London auf. 3 Während dieser Zeit muss Holbein ihn porträtiert haben. Holbein selbst lebte schon seit 1532 in London. Es ist bereits sein zweiter Aufenthalt in England. Bereits 1526 bis 1528 verbrachte Holbein in London und knüpfte dort erste Kontakte zum Adel und zur Königsfamilie, die ihm nun bei seinem zweiten Aufenthalt sehr nützlich waren und ihm Aufträge am englischen Hof verschafften.
Die 92,5 x 75,4 cm große Eichenholztafel präsentiert dem Betrachter einen annähernd lebensgroßen Charles de Solier. Der leicht ergraute 54 Jährige steht vor einem seidig schimmernden, dunkelgrünen Damastvorhang. Der in tiefe Falten gelegte Stoff weist bei genauerem Betrachten eine ornamentale Verzierung auf. Charles de Solier selbst nimmt nahezu das gesamte Bild ein und steht dem Betrachter zentral und frontal gegenüber. Diese frontale Figurenansicht, die den Porträtierten bis zur Hüfte zeigt, übernahm Holbein aus Frankreich. 4 Sie ist jedoch in Holbeins Werk nicht neuartig. So findet man den großen Figurenausschnitt bereits 1527 in dem Bildnis des Sir Henry Guilford, während die Frontalansicht beispielsweise bei dem Porträt eines Mitgliedes der Familie Wedigh von 1533 bekannt ist. Bei diesem Bild des Charles de Solier stellt Holbein den Dargestellten
1 Vgl. hierzu: Aufsatz, Claussen, Peter Cornelius, Holbeins Karriere zwischen Stadt und Hof.
2 Vgl. hierzu: Buck, Stephanie, Hans Holbein - Meister der deutschen Kunst, Köln, 1999, S. 104.
3 Vgl. hierzu: Anmerkung 1, S. 103.
4 Vgl. hierzu: Bätschmann, Oskar / Griener, Pascal, Hans Holbein, 1997, S. 135.
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genau in die Bildmitte, so dass sich die Mittelachsen von Bild und Figur decken. Auf diese Weise beherrscht der Gesandte völlig den Bildraum. Diese Darstellung verdeutlicht bereits seine Machtposition. Zusätzlich weist aber auch die Kleidung auf den sozialen Stand und auf den Reichtum des Dargestellten hin. Wie viele der Porträts die während Holbeins Englandaufenthaltes entstanden, diente auch dieses als Repräsentationsbildnis.
Charles de Solier erscheint als ein elegant und kostbar gekleideter Hofmann. Souverän und stark steht er dem Betrachter gegenüber. Er trägt eine mit Zobel gefütterte und gesäumte Schaube über seinem fein bestickten und mit Goldknöpfen versehenen Untermantel. Sowohl der Untermantel, als auch die Ärmel des Obergewandes sind mit goldenen Nesteln versehen. In der rechten Hand hält Charles de Solier einen hellen Lederhandschuh. Mit der noch behandschuhten Linken umfasst er einen goldenen Dolch und die herabhängende Gürtelkordel. Die dunklen Braun- und Schwarztöne seines Gewandes werden nur durch das weiße Hemd, welches am Ärmel herausrafft aufgehellt. Zusätzlich trägt der Dargestellte ein goldenes Amulett, welches halb in der Knopfleiste seines Untermantels verschwindet. Auf dem Kopf trägt er ein schwarzes Barett, welches mit einem goldenen Emblem geschmückt ist.
Die Besonderheit des Porträts liegt in der Darstellung der Details. In einer präzisen Wiedergabe sind selbst die kleinen Härchen am Pelzkragen und die feinen Nähte am Untermantel zu erkennen. Die Darstellung des Handschuhs lässt den Betrachter förmlich das kostbare, weiche Leder spüren.
Diese nahezu fotografische Wiedergabe des Dargestellten machte Holbein schon zu seiner Zeit berühmt. Durch diese kleinteilige Detaillierung erscheinen die Stoffe greifbar. Darüber hinaus steigert Holbein in seiner Darstellung die Qualität der Stoffe, wie sie natürlich gar nicht vorkommen. Der feine seidige Glanz im Damast und der Schimmer in den Falten des schwarzen Gewandes verleihen den Stoffen eine besondere Eleganz. Diese Fähigkeit den Stoffen über ihren materiellen und repräsentativen Wert hinaus eine solche Pracht zu verleihen, findet sich ausschließlich in Holbeins Werken wieder. 5
5 Vgl. hierzu: Anmerkung 1, S. 56.
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Arbeit zitieren:
Cornelia Maser, 2007, Hans Holbein der Jüngere: 'Charles de Solier, Sieur de Morette' - Ein Künstler, der Porträts zum Leben erweckt, München, GRIN Verlag GmbH
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