I
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG 1
2 (6 , 7('(6 2/'(6 3
2.1 Vom Altertum zur NeuzeLW 3
2.2 'HU ROGVWDQGDUG 5
2.3 Der Gold-Devisenstandard und das Abkommen von Bretton Woods 7
2.4 Die Goldbaisse von 1980 2000 9
2.4.1 Goldleihe der Zentralbanken 9
2.4.2 Hedging und De-Hedging 9
3 AKTUELLE SITUATION A1/ (1,09(5 /(, 10
3.1 NWLHQ 10
3.2 QOHLKHQ 11
3.3 ,PPRELOLHQ 12
3.4 ROG 13
4 1 ( 2781'1 )5 ( 14
4.1 QJHERW 14
4.2 Nachfrage 16
5 1/ ( 7( 25,(1 18
5.1 Physische Anlage. 18
5.1.1 0 Q HQ 18
5.1.2 DUUHQ 22
5.1.3 ROGNRQWR 24
5.1.4 (LQNDXIVJHPHLQVFKDIWHQ 25
5.1.5 Digitales Gold Währung der Zukunft? 26
5.1.6 ( FKDQJH7UDGHG)XQGV(7)V 30
5.1.7 ( FKDQJH7UDGHG RPPRGLWLHV(7 32
5.2 Nicht-Physische Anlage. 33
5.2.1 NWLHQ 33
5.2.2 NWLHQIRQGV 38
5.2.3 Aktienindizes 41
5.2.4 Zertifikate 44
5.2.5 Optionen und Optionsscheine (Warrants) 46
6 1/ (675 7( ,(1 51
6.1 ROGDQWHLOHLQHV3RUWIROLRV 51
6.2 Aufteilung eines GoldpRUWIROLRV 53
6.2.1 Drittelmix 53
6.2.2 Sicherheitsstrategie 55
II
6.2.3 Gewinnstrategie 55
7 86 00(1) 6681 57
8 6 /866 (75 781 58
9 /,7(5 7859(5 (, 1,6 60
9.1 FKHU 60
9.2 Artikel und Zeitschriften 60
9.3 ,QWHUQHW 61
III
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Verhältnis DJI zu Gold 1880 bis
Abb. 2 Vergleich Dez.2007 2008 Gold (blau) MSCI World in USD (grau)
Abb. 3 'HUUHDOH ROGSUHLVYRQELVLQ86'YRQ
Abb. 4 ROGEDUUHQ
Abb. 5 M3 :DFKVWXP
Abb. 6 US- DXVSUHLVHMlKUObQGHUXQJHQ
Abb. 7 Gold QJHERWXQG1DFKIUDJH
Abb. 8 ROGUHVHUYHQGHU1RWHQEDQNHQ
Abb. 9 (GHOPHWDOODQODJHDUWHQ
Abb. 10 PHULFDQ(DJOH ROG8Q H
Abb. 11 9HUJOHLFK QODJHP Q HQ
Abb. 12 Aufgeld der Maple Leaf Goldmünze in Abhängigkeit von ihrer
U H
Abb. 13 6DPPOHUP Q HQYHUVFKLHGHQHU UWHQXQG U HQ
Abb. 14 9HUJOHLFK6DPPOHUP Q HQ
Abb. 15 ROGEDUUHQYHUVFKLHGHQHU U HQ
Abb. 16 XIJHOGGHU ROGEDUUHQLQ EKlQJLJNHLWYRQLKUHU U H
Abb. 17 Verkaufsverlust bei Goldbarren zum Materialwert in Abhängigkeit von ihrer
U H
Abb. 18 Vergleich EinkaufsgemeiQVFKDIWHQ
Abb. 19 :LH ROGPRQH IXQNWLRQLHUW
Abb. 20 (QWZLFNOXQJ ROGSUHLVXQG HVWlQGHGHU(7)V
Abb. 21 Gold-(7)V
Abb. 22 ROGSURGXNWLRQLQ7VG8Q HQ
Abb. 23 ROGIRQGVLPhEHUEOLFN
Abb. 24 3HUIRUPDQFHGHV ):RUOG ROG)XQG
Abb. 25 Vergleich Performance HUI XAU ROGSUHLV
Abb. 26 9HUJOHLFK8QWHUQHKPHQVOLVWH 8XQG 8,
Abb. 27 (PLWWHQWHQYRQ2SWLRQVVFKHLQHQ
Abb. 28 'XUFK8PVFKLFKWXQJYRQ QWHLOHQZLUGGDV'HSRWHIIL LHQWHU
Abb. 29 Drittelmix XIWHLOXQJHLQHV ROGSRUWIROLRV
Abb. 30 XIWHLOXQJ ROGSRUWIROLR
Abb. 31 Goldanlage 6LFKHUKHLWVVWUDWHJLH
Abb 32 Goldanlage HZLQQVWUDWHJLH
Gerade heute ist das Thema der richtigen Asset-Allokation aktueller denn je. Seit dem Platzen der Internetblase 2000 und dem darauffolgenden Absturz der Weltbörsen, spätestens aber seit der Finanzkrise 2008, ist Gold wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ± bietet es doch Inflationsschutz und Werterhalt in schwierigen Börsenzeiten wie diesen. Gold hat eine geringe negative Korrelation zu Aktien und zum Dollar 1 und ist daher auch im Ä0DUNRYLW]¶VFKHQ Portfoliotheorie³ 2 ideal zur Risikoreduktion eines Sinne der
Gesamtportfolios geeignet 3 . Für die Performance eines Portfolios spielt die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen ± und somit auch auf Gold - eine große Rolle um größtmögliche Diversifikationseffekte zu realisieren 4 .
Dabei war das gelbe Metall in den vorangegangenen zwei Dekaden bis 2000 aus dem Blickwinkel der Anleger gerutscht ± während Gold immer tiefer im Preis sank, haussierten die Aktien. Gingen die Kurse einmal nicht nach oben, so wurde das als günstiger Einstiegszeitpunkt gesehen. Doch das Blatt hatte sich im Jahr 2000 gewendet, wie man in der Abbildung 1 sehen kann 5 .
1 Vgl. FAZ, Korrelationskoeffizienten von Rohstoffen zum Euro-Dollar Kurs, 24.10.2007
http://www.faz.net/s/Rub58BA8E456DE64F1890E34F4803239F4D/Doc~E532308BAC87147D39EBA
DA6FD16258A6~ATpl~Ecommon~SMed.html
2 Vgl. Markowitz, Portfolio Selection, The Journal of Finance, vol. 7, no. 1, 1952, 77ff; siehe auch
Kapitel 5 - Anlagestrategien
3 Vgl. Eibl, Alles was Sie über Rohstoffe wissen müssen, München 2007, 188
4 Vgl. Steiner/Bruns, Professionelle Wertpapieranalyse und Portfoliostrukt., 9.Aufl., Stuttgart 2007, 92
5 Vgl. Gordon, The Long Wave Analyst, http://www.thelongwaveanalyst.ca/downloads/Dow_Gold.doc
1
Bekam man 1980 noch den Dow Jones für eine Unze Gold, so musste man im Juli 1999 schon fast 44 Unzen bezahlen. Seitdem wird das Gold im Vergleich zum Dow wieder teurer und man braucht heute (Stand Dezember 2008) nur mehr ca. 10 Unzen dafür bezahlen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist, Gold als Anlagealternative zu durchleuchten und Strategien zu erläutern, wie man die vorgestellten Investitionsmöglichkeiten auch umsetzen kann. Entschließt man sich für eine Investition in Gold, dann stehen einem zahlreiche Anlagearten zur Verfügung ± von der physischen Form mittels Barren, Anlage- und Sammlermünzen bis hin zur nicht-physischen Form über Aktien, Fonds, Zertifikate und Optionsscheine, aber auch weitere, weniger bekannte Anlageformen wie digitales Gold. Die vorliegende Arbeit soll diese Möglichkeiten beschreiben und die einzelnen Vor- und Nachteile aufzeigen. Dabei kommt es ± wie schon erwähnt - auch auf das Timing an: wer zur falschen Zeit in Gold investiert hat, hat möglicherweise immer noch Verluste, da beispielsweise die Goldhöchststände zu Beginn der 80er Jahre real nicht mehr erreicht wurden 6 . Gold eignet sich in erster Linie zur Risikostreuung - vor allem in einem inflationären Umfeld konnte sich Gold gut behaupten. Hohe Kursgewinne sind auch bei Gold möglich, doch darf man aber auch nicht die Risiken außer acht lassen. Während der aktuellen Wirtschaftskrise erwarteten viele Goldbullen stark steigende Kurse, doch diese sind bislang noch nicht eingetreten. Zumindest hat sich Gold besser als einige andere Anlageklassen geschlagen 7 .
Abb. 2 Vergleich Dez.2007 ± 2008 Gold (blau) ± MSCI World in USD (grau); Quelle: Börse Stuttgart
Die eigene Strategie muss jeder Investor für sich selbst finden, die Beispiele im Kapitel Ä$QODJHVWUDWHJLHQ³ sollen hierbei nur als Leitfaden dienen. Am Ende der Arbeit wird noch ein Ausblick gegeben, wie sich der Goldmarkt in der Zukunft entwickeln könnte.
6 Siehe auch Kapitel 2, Die Goldbaisse von 1980 ± 2000, 12
7 Gold hat den MSCI World Index im Zeitraum von Dezember 2007 ± Dezember 2008 um ca. 40%
outperformed.
2
Um Gold zu verstehen, muss man auch seine Geschichte kennen. Die folgenden Kapitel beschreiben, wie Gold den Lauf der Geschichte geprägt hat und das jahrtausendealte Zahlungsmittel mit der Aufhebung des Bretton Woods Abkommens durch die USA 1971 letztendlich demonetisiert wurde.
2.1 Vom Altertum zur Neuzeit
Die Geschichte des Goldes beginnt in Bulgarien. Im Jahre 1972 wurde am Rande der bulgarischen Hafenstadt Varna ein kupferzeitlicher Friedhof entdeckt. In den Gräbern befanden sich 3010 Goldgegenstände mit einem Gesamtgewicht von 6 Kilogramm reines 24 Karat Gold. Mittels C-14-Analyse wurde die Zeit der Entstehung auf 4600 ± 4200 v.Chr. datiert. Fast alle Gegenstände haben eine geometrische Form: Kreis, Halbkugel, Spirale und Zylinder. Sie sind gut poliert und in fast allen Fällen nicht verziert. Es handelte sich dabei um eine Meisterleistung, da sich reines Gold nur schwierig bearbeiten lässt. Die Herkunft des Varna-Goldes wird auf Goldvorkommen weiter im Westen, in Transsylvanien in Rumänien und auf Goldminen der Thraker in Nordgriechenland zurückgeführt 8 .
Vor 6000 Jahren machten einige ägyptische Arbeiter eine Entdeckung. Unter einer Feuerstelle hatte sich durch Zufall ein Klumpen von reinem Gold gebildet. Kurz danach begannen die Ägypter mit dem Abbau des Goldes. Die ursprünglich flachen Gräben wichen immer komplexeren und tieferen Untertagbauschächten. Pro Jahr wurde bis zu einer Tonne Gold gefördert, das hauptsächlich aus den kargen und öden Landschaften Südägyptens und Nubiens kam. Nub ist das ägyptische Wort für Gold. Nubien sollte auch weiterhin sein Gold in die westliche Welt liefern, bis weit ins 16. Jahrhundert hinein. Die Fördermenge der Minen in Nubien war bedeutend größer als die Gesamtmenge, die aus allen Minen der damals bekannten Welt in den nachfolgenden Zeitaltern bis zur Entdeckung Amerikas gefördert wurde 9 . Aus dieser Zeit stammen die ersten bearbeiteten Goldobjekte. In einem Gräberfeld an der bulgarischen Schwarzmeerküste fand man aus Goldblech gehämmerte Stierfiguren und Ringe mit einem Gesamtgewicht von 6 Kilogramm.
3000 v.Chr. schmiedeten die Hethiter den Schatz von Troja, der aus goldenen Bechern, Kannen und Schmuck besteht. Gold wird zum Mittel der Selbstdarstellung der Mächtigen, es
8 Vgl. Utter, Gold ± Edelmetall und Phänomen, Kulmbach 2008, 72
9 Vgl. Bernstein, Die Macht des Goldes, 1. Aufl., München 2005, 26
3
sichert ein glanzvolles Weiterleben im Jenseits. Die handwerklichen Möglichkeiten Gold zu bearbeiten steigen, als die ägyptischen Goldschmiede im 2. Jahrtausend v. Chr. eine Methode fanden, wie man Silber und Kupfer von Gold trennen und legieren konnte 10 .
Die Inkas der vorkolumbianischen Zeit verwendeten Gold für Kunstwerke, Schmuck und viele weitere Zwecke. Jeder Inkaherrscher nahm seinen Goldschatz mit ins Grab und überließ es seinem Nachfolger, sich selbst solch einen Schatz zu erwerben. Als die spanischen Entdecker in ihre Heimat zurückkamen und von all dem Schmuckgold der Inkas berichteten, stachelte das gelbe Metall die Phantasie vieler Menschen im Spätmittelalter an. Am Beginn des 16. Jahrhunderts sandte das spanische Herrscherpaar Ferdinand und Isabella Schiffe in die neue Welt um dort Gold zu finden. Diese Schiffe kamen mit Goldladungen für die N|QLJOLFKHQ6FKDW]NDPPHUQ]XUFNGDVÄ*ROGHQH=HLWDOWHU³6SDQLHQVKDWWHEHJRQQHQ 11 . Das Volumen das von den spanischen Schiffen nach Spanien gebracht wurde, war so groß, dass die Gesamtmenge des Goldes auf das Fünffache der Menge von 1492 stieg. Und dies trotz der erheblichen Verluste durch Unwetter und Piraten.
Trotz dieser enormen Goldmengen die nach Spanien flossen, war Spanien nicht die wohlhabendste Nation Europas. Der Grund lag darin, dass Spanien sich mehr auf das Geldausgeben verlegte, als es darauf bedacht war, die Staatseinnahmen durch Eigenproduktion zu steigern. Hinzu kam, dass die Spanier einen schwerwiegenden Fehler gemacht haben, als sie 1492 die Juden und Moslems aus dem Land vertrieben. Die meisten christlichen Spanier seinerzeit waren Analphabeten und die Aristokraten entsagten der Beschäftigung völlig. Im Gegensatz dazu waren die Juden und Moslems hervorragend ausgebildet und erfahren im Handel. Aus diesen Gründen wurde Spanien zur größten Schuldnernation Europas des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Karl V. der 1516 den Thron bestieg machte in seiner 40 jährigen Herrschaft mehr Schulden als in dieser Periode an Edelmetall nach Spanien kam 12 .
10 Vgl. Blawat, Süddeutsche Zeitung Wissen, Faszination Gold, H. 7/8, 2008, ???
11 Vgl. Rogers, Rohstoffe ± Der attraktivste Markt der Welt, München 2005, 192
12 Vgl. Bernstein, Die Macht des Goldes, 1. Aufl., München 2005, 168
4
13 Abb. 3 Der reale Goldpreis von 1344 bis 2008 in USD von 1998 , Quelle: Sharelynx
Wohin floss aber all dieses Gold? Einerseits in die anderen europäischen Länder, die das Gold durch ihre billigeren Waren anzogen, andererseits in den Fernen Osten im Austausch für Seide, Gewürze und Tee. Der asiatische Appetit auf Gold ist bis in die heutige Zeit geblieben. Die Inder ± die größten Goldkäufer weltweit ± geben mehr Geld aus für Gold als für Autos, zweirädrige Transportmittel, Kühlschränke und Fernseher zusammen 14 .
2.2 Der Goldstandard
Der Goldstandard verdankt sein Entstehen angeblich dem Zufall. Im Jahr 1717 legte Isaac Newton als Münzmeister einen zu niedrigen Goldpreis für Silber fest 15 . Silber war demnach verhältnismäßig teurer und wertvoller als Gold. Dies hatte zur Folge, dass Silber aus dem Markt verschwand und Gold den Geldumlauf dominierte. Dieses Phänomen wird als 13 Vgl. Sharelynx, http://www.sharelynx.com/chartsfixed/600yeargold.gif
14 Vgl. The Economist, 15. Jänner 1998, 67
15 Einige Autoren unterstellen hier den Engländern einen langfristigen Plan um Silber als Währung
EHZXVVW]XYHUGUlQJHQ6LQQJHPlÄ(LQHP*HQLH ZLH1HZWRQXQWHUOlXIWNHLQVROFKHU)HKOHU³9JO
Deutsch, Das Silberkomplott, 2005, ???
5
Greshamsches Gesetz bezeichnet. 1819 wurde schließlich der Goldstandard durch den 3HHO¶V Act eingeführt 16 . In den darauffolgenden Jahren traten immer mehr Länder dem Standard bei. Bis 1878 traten Deutschland, Belgien, Holland, Frankreich, Schweiz und die skandinavischen Länder bei. Bis 1914 kamen noch Österreich, USA, Russland, Japan, Mexiko, Argentinien und weitere Länder hinzu.
Ein Goldstandard zeichnet sich durch folgende drei Charakteristika aus:
1. Der Wert des Geldes ist an den Wert des Goldes gebunden: das heißt, dass eine Währung in festen Paritäten zum Goldgewicht definiert wird; 2. Konvertibilität im klassischen Sinn: das Papiergeld kann vollständig bei der Notenbank in Gold getauscht werden;
3. Freier Kapitalverkehr: internationale Gold- und Kapitaltransaktionen werden nicht vom Staat beschränkt.
Diese Periode des Goldstandards war durch großen Wohlstand, sehr starken Wirtschaftswachstum und gleichbleibende Preise gekennzeichnet. Der Index der Großhandelspreise lag 1913 ± ungeachtet der temporären Schwankungen ± wieder genau auf dem Niveau von Mitte der 1850er Jahre 17 . Sogar Alan Greenspan beschrieb 1966, lange bevor er das Amt des Vorsitzenden der FED übernahm, sehr präzise den Unterschied zwischen Golddeckung und Papiergeld und kam zu dem Schluss, dass es ohne den Goldstandard gibt es keine Möglichkeit, die Ersparnisse vor der Konfiskation durch Inflation zu schützen. 18
Das Ende des Goldstandards kam mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs als die Nationen die Geldmengen stark erhöhten um die Kriegskosten zu finanzieren. Im Laufe des Krieges verfünffachte sich die im Umlauf befindliche Papiergeldmenge und die Staatsverschuldung stieg stark an. Gold und Silbermünzen verschwanden aus dem Umlauf und patriotische %UJHUJDEHQLKU*ROGEHLP6WDDWDEQDFKGHP0RWWRÄ*ROGJDELFKIU(LVHQ³'D*ROGGDV einzig international anerkannte Zahlungsmittel war, brauchte es der Staat für wichtige Einfuhren. Nach dem verlorenen Krieg explodierten die Staatsverschuldung, die Preise und die Bargeldmenge bis schließlich ein Brot 300 Millionen Mark kostete. Die Bevölkerung verlor ihr gesamtes Geldvermögen und das mehrerer Generationen. Die gesamten
16 Vgl. Mildner, Der Goldstandard vor dem Ersten Weltkrieg, http://www.weltpolitik.net/print/2205.html
17 Vgl. Bandulet, Das geheime Wissen der Goldanleger, Rottenburg 2007, 135
18 http://www.321gold.com/fed/greenspan/1966.html
6
Kriegsschulden von 154 Milliarden Mark hatten schließlich nur mehr einen Wert von 15,4 Pfennigen der Zeit vor 1914 19 .
2.3 Der Gold-Devisenstandard und das Abkommen von Bretton
Woods
Am 2. Juli des Jahres 1944 trafen sich 44 Nationen im Luftkurort Bretton Woods (New Hampshire, USA), um das im September 1931 zusammengebrochene internationale Währungssystem neu zu ordnen. Es wurden Verträge über die Errichtung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (Weltbank) geschlossen. Mit diesen Verträgen wurde ein Wechselkurssystem mit stabilen Wechselkursen auf freien Devisenmärkten etabliert. Zugleich wurde damit die Vormachtstellung der Vereinigten Staaten gefestigt (Rückkehr zur Golddevisenwährung) 20 .
,P$UWLNHO ,9GHV$ENRPPHQKHLWHVÄ'HU:HFKVHONXUVGHU:lKUXQJMHGHV0LWJOLHGVVROO ausgedrückt werden in US-Dollar oder in Gold als gemeinsamen Nenner des Reinheitsgrades XQGGHV*HZLFKWHVZLHVLHDP-XQLJDOWHQ³*HPHLQWZDUGDPLWGDVVHLQH8Q]H*ROG offiziell 35 USD kostete und gleichzeitig auch der Wert jeder beliebigen Währung in Gold angegeben werden konnte. Das galt freilich nicht für ihre eigenen Bürger, diese mussten wie im stalinistischen Russland oder im Nazideutschland ihre Goldmünzen und Barren abgeben. Die Goldeinlösungspflicht bezog sich lediglich auf die Zentralbanken der beteiligten Mitglieder des Bretton Woods Abkommens: Sie konnten jederzeit ihre Dollar Guthaben in Washington vorlegen und dafür Gold kassieren, denn der Dollar war goldgedeckt. 21
Dieses Abkommen erlaubte den Amerikanern ihren Konsum auszuweiten, Kriege zu führen und wirtschaftliche Eroberungen zu machen, da sie zur Finanzierung nur Dollars zu drucken brauchten und brachte somit einen großen Vorteil. Sie konnten sich ein permanentes Leistungsdefizit erlauben, da sie an der großen Quelle saßen. Und so entwickelte sich die USA vom weltgrößten Gläubiger zum weltgrößten Schuldner. War die offizielle Golddeckung vor 1945 noch bei 42%, so wurde sie danach auf 25% herabgesetzt und schließlich 1968 ganz abgeschafft, da das Gold als Währungsdeckung nicht mehr ausreichte und nach den Worten
19 Vgl. Deutsch, Das Silberkomplott, Rottenburg 2006, 72
20 Vgl. Historisches Lexikon Schweiz, Abkommen von Bretton Woods, http://hls-dhs-
dss.ch/textes/d/D13744.php
21 Vgl. Bandulet, Das geheime Wissen der Goldanleger, Rottenburg 2007, 32
7
von Präsident JohnsonV 6FKDW]PLQLVWHU + )RZOHU ÄGLH 6WlUNH GHV 'ROODUV DXI GHU DPHULNDQLVFKHQ:LUWVFKDIWXQGQLFKWDXIHLQHU*ROGGHFNXQJEHUXKW³
Da immer mehr Investoren und Bankiers Gold am freien Markt kauften, stieg der Goldpreis über 40 USD. Um dem gegenzusteuern wurde 1961 der Gold-Pool gegründet bei dem anfänglich auch Frankreich dabei war. Frankreich trat dann 1967 wieder aus, nachdem es schon ab 1966 Gold am freien Markt gekauft hatte. Schließlich musste der Gold-Pool 1968 aufgelöst werden, da immer mehr Gold herausfloss und die USA aufgrund ihrer schlechten Außenhandelsbilanz dem nicht entgegenwirken konnte.
Das Ende kam am 15. August 1971. Nixon schloss das Goldfenster oder anders ausgedrückt: Nixon verkündete die Bankrotterklärung der USA, da die Schulden nicht mehr in der international akzeptierten Währung Gold, sondern in der ungedeckten Währung Dollar zurückgezahlt würden 22 . Außerdem fror er die Löhne und Gehälter für 90 Tage ein und verhängte einen 10%igen Importzoll um die Inflation zu bremsen 23 .
Von diesem Zeitpunkt an war der Markt nicht mehr wie früher. Er entwickelte seine eigene Dynamik und seine eigenen Strukturen. Ein internationaler globaler Markt war entstanden und man konnte Gold 6 Tage die Woche 24 Stunden handeln. Der neue Goldpreis war durch eine gestiegene Volatilität bestimmt und kletterte auf bis zu 850 USD im Jahre 1980. Danach begann eine fast 20 jährige Baisse die bei ca. 250 USD und mit dem Beginn des neuen Jahrtausends endete 24 .
22 Vgl. Nixon beendet Bretton Woods Abkommen, http://www.youtube.com/watch?v=qTLX1ow-aCw
23 Vgl. Otto, Der Crash kommt, Berlin 2007, 62
24 Vgl. Eibl, Alles was Sie über Gold wissen müssen, München 2008, 20
25 www.wiwo.de/mediadatabase/9437865_large_1.jpg
8
2.4 Die Goldbaisse von 1980 - 2000
2.4.1 Goldleihe der Zentralbanken
Zentralbanken, die immer noch die Hälfte der gesamten existierenden Goldmenge von knapp 30.000 Tonnen besitzen 26 , sorgten hauptsächlich in der Zeit zwischen 1980 und 2000 durch die Methode der Goldleihe für fallende Kurse. Die Zentralbanken verliehen Gold an Investmentbanken, die ihrerseits das Gold verkauften und den Erlös in höher rentierende Anlagen investierten. Am Ende der Laufzeit kauften sie das Gold am Markt zurück und gaben es den Zentralbanken zurück, die dafür die Leihgebühr kassierten. Das funktionierte aber nur solange der Goldpreis sank, weil dadurch nicht nur Profit durch die Gewinnspanne des Verkaufs und Kauf des Goldes, sondern auch durch die kurzfristige Anlage in Wertpapiere entstand. Der massive Verkauf von Gold drückte natürlich die Preise.
2.4.2 Hedging und De-Hedging
Ähnliche Auswirkungen, aber andere Motive, hatte die Tätigkeit der Goldminen. Diese haben HLQHQEHWUlFKWOLFKHQ7HLOGHU3URGXNWLRQLP9RUDXVYHUNDXIWÄgehedged³XPJHJHQVLQNHQGH Preise gewappnet zu sein. Als aber nach dem Börsencrash 2000 die Anleger in Gold Zuflucht suchten und der Goldpreis in die Höhe schoss, kamen einige Goldminen in Bedrängnis. Teilweise mussten diese sogar Konkurs anmelden, da sie das Gold zu den aktuellen Marktpreisen nicht mehr zurückkaufen konnten. Ein Beispiel dafür war das renommierte australische Minenunternehmen Sons of Gwalia, das seine im Voraus verkauften Positionen nicht mehr zurückkaufen konnte und Gläubigerschutz anmelden musste 27 . Die Jahre bis 2007 waUHQ JHNHQQ]HLFKQHW GXUFK GDV VRJHQDQQWH Ä'H-+HGJLQJ³ GHU *ROGPLQHQEHWULHEH 9RQ 2001 bis 2006 wurden insgesamt 1.900 Tonnen Gold im Rahmen von De-Hedging-Aktivitäten der Goldminenbetreiber aufgekauft. Dies entspricht einem durchschnittlichen Anteil an der Gesamtnachfrage von knapp 8 %. Insbesondere 2006 waren die De-Hedging-Käufe überdurchschnittlich. Den größten Anteil hieran hatte das kanadische Unternehmen Barrick Gold, das nach der erfolgreichen Übernahme von Placer Dome dessen gesamtes Hedge-Buch auflöste. 2007 dürfte die Summe noch höher ausgefallen sein, da das De-Hedging bereits im ersten Halbjahr einen Umfang von 295 t hatte. Mittlerweile ist die Praxis des Hedgings und der Goldleihe nicht mehr so in Mode 28 .
26 Vgl. World Council, Quarterly Gold and FX Reserves, June 2008
27 Vgl. Eibl, Alles was Sie über Rohstoffe wissen müssen, München 2007,188
28 Vgl. LBBW, Commodity Yearbook 2008, 51
9
Arbeit zitieren:
DI Paul Lakmayer, 2009, Gold - Investitionsalternative für den Privatanleger, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Organisationsgrenzen in dynamischen Umwelten - Eine Revision der '...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Diplomarbeit, 175 Seiten
Der Höhenflug des Goldpreises - Empirische Analyse und ökonomische Hin...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Referat (Ausarbeitung), 23 Seiten
Die DRG-basierte Krankenhausvergütung in Deutschland
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 16 Seiten
Sprachförderung in der Grundschule
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Seminararbeit, 21 Seiten
Der Konflikt zwischen Theologie und Naturwissenschaft
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 15 Seiten
Frankreich in der Europäischen Union
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Bedeutung von Alice Salomon für die Soziale Arbeit
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 27 Seiten
Die tiergestützte Therapie bei Menschen mit Demenz
Bachelorarbeit, 61 Seiten
Das Toyota Produktionssystem - Vorbild für die deutsche Automobilindus...
Just-in-Time betrachtet aus de...
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Essay, 23 Seiten
Erwachsenenbildung und Schlüsselqualifikationen am Beispiel der Kranke...
Pflegemanagement / Sozialmanagement
Hausarbeit, 23 Seiten
Paul Lakmayer, MBA, PMP's Text Gold - Investitionsalternative für den Privatanleger ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Paul Lakmayer, MBA, PMP hat den Text Gold - Investitionsalternative für den Privatanleger veröffentlicht
Paul Lakmayer, MBA, PMP hat einen neuen Text hochgeladen
Extreme Value Hedging: How Activist Hedge Fund Managers Are Taking on ...
How Activist Hedge Fund Manage...
Ronald D. Orol
The Guru Investor: How to Beat the Market Using History's Best Investm...
How to Beat the Market Using H...
John P. Reese, Jack M. Forehand
0 Kommentare