Aufbau der Reihe 1.1. Thema
Kennenlernen verschiedener Gedichte und Verfassen eigener Gedichte zur Förderung des poetischen Schreibens und des kreativen Umgangs mit Sprache sowie zur Förderung der Reflexion über Sprache und Sprachstrukturen. 1.2. Themen der Unterrichtseinheiten
1.2.1. Einführung in die Thematik und Förderung des handelnden Umgangs mit Texten durch Kennenlernen verschiedener Gedichte und betontes Lesen, gestaltendes Abschreiben und Zusammensetzen von Zeilen eines zerlegten Gedichts.
1.2.2. Verfassen eines Analog-Gedichts zur Förderung des kreativen Umgangs mit Sprache.
1.2.3. Rechtschriftliche Überarbeitung der Gedichte durch Verbesserung in Schreibkonferenzen zur Förderung der Reflexion über Rechtschreibung und Abschreiben und Ausgestalten der Gedichte in Hinblick auf die Veröffentlichung zur Würdigung der Produkte.
2. Darstellung des didaktisch-methodischen Schwerpunktes 2.1. Inhalt und Lernvoraussetzungen
Durch den kreativen Umgang mit dem Gedicht „Faulenzen“ von Josef Reding erweitern die Kinder ihren kreativen und reflektierten Umgang mit Sprache, indem sie ein ähnliches Gedicht mit derselben Struktur schreiben. Damit werden elementare Fähigkeiten und Fertigkeiten des Faches Deutsch gemäß Lehrplan erfüllt. 1 Die Unter-richtsstunde lässt sich dem Aufgabenschwerpunkt „poetisches Schreiben“ des Fachbereiches „schriftliches Sprachhandeln“ mit dem Unterrichtsgegenstand „Strukturen poetischer Texte für eigene Texte nutzen“ 2 zuordnen, da die Kinder nach dem Lesen und Reflektieren des Gedichts und seiner Struktur analoge Gedichte schreiben sollen, indem sie die Struktur des Gedichts mit seinen verschiedenen Vergleichen nutzen und ähnliche Vergleiche zum Verb ‚faulenzen’ oder anderen Verben zu finden. Zugleich wird durch den Umgang mit dem Gedicht der Erfahrungshorizont der in Bezug auf die Rezeption poetischer Texte erweitert, was mir insbesondere deshalb wichtig erscheint, da angenommen werden kann, dass poetische Texte in der Lesesozialisation, die stark durch außerschulische Erfahrungen geprägt wird, im Vergleich zu anderen Literaturgattungen eine untergeordnete Rolle spielen. 3 Insgesamt haben die Kinder im Laufe ihrer Grundschulzeit zwar selbstverständlich Gedichte kennen gelernt, jedoch diese Gattung nicht durchgehend vertiefend behandelt, so dass poetische Texte zum Ende des 4. Schuljahres noch einmal Unterrichts-gegenstand sein sollen. Durch Lesen und Kennenlernen verschiedener Gedichte sowie erste kreative Umgangsformen mit Gedichten 4 sollen die Kinder dazu gebracht
1 Vgl. Lehrplan Deutsch o. J., S. 3.
2 A. a. O., S. 10.
3 Vgl. zur Lesesozialisationsforschung Hurrelmann 2006a und Hurrelmann 2006b, zur entscheidenden Rolle der Familie in der Lesesozialisation Hurrelmann 2006a, 15.
4 Passend zum Aufgabenschwerpunkt „Interpretieren“ des Bereiches „Umgang mit Texten und Medien“ des Lehrplans (a. a. O., 14).
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werden, sich auch auf die für sie vielleicht ungewohnte Textform einzulassen, um dann in der geplanten Stunde selber kreativ poetische Texte zu schreiben. Das Schreiben nach vorgegebenen Strukturen soll dabei stützend wirken. In der Stunde werden verschiedene Sozialformen eingesetzt. Zunächst wird das Gedicht im frontal gelenkten Klassengespräch erarbeitet. Dann arbeiten die Kinder in Einzelarbeit an eigenen Gedichten, die sie dann in Partnerarbeit anderen Kinder vorlesen und in Partner- oder Gruppenarbeit rechtschriftlich überprüfen. Letztlich lesen die Kinder die Gedichte ihrer Mitschüler in einem ‚Museumsgang’, bevor die Arbeit (wieder im Klassengespräch) reflektiert wird. Von den Kindern wird somit ein häufiger Wechsel der Sozialformen verlangt, der ihnen jedoch zugemutet werden kann, da sie in allen Sozialformen Erfahrungen haben und der ‚Gang durch die Stunde’ im Sinne der Prozesstransparenz zu Beginn der Stunde verdeutlicht wird. Lediglich die Methode des ‚Museumsgangs’ ist noch nicht so eingeübt und wird daher etwas ausführlicher erklärt. Durch die verschiedenen Sozialformen, Handlungsmuster und Verlaufs-formen wird zugleich die Forderung nach Methodenvielfalt berücksichtigt. 5 Das Sozialverhalten aller Kinder ist überwiegend soweit ausgeprägt, dass bzgl. des selbstständigen Erarbeitens, des Zusammenarbeitens mit Partner sowie der Reflexion im Unterrichtsgespräch keine Probleme zu erwarten sind.
2.2. Struktur der Stunde und Begründung der Methoden
Zu Beginn der Stunde wird den Kinder Ziel-, Prozess- und Methodentransparenz gegeben. Sie erfahren, dass sie ein neues Gedicht kennenlernen werden und selber ein ähnliches Gedicht schreiben sollen. Die Prozess- und Methodentransparenz soll den Kindern trotz des recht häufigen Wechsels der Arbeitsphasen Sicherheit und Struktur geben.
Im Anschluss wird den Kindern das Gedicht (durch Folie auf dem OHP) vorgestellt. Die Kinder sollen es zunächst jeweils für sich leise lesen. Anschließend werde ich das Gedicht einmal laut vorlesen. Durch dieses erste Kennenlernen soll den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, die Besonderheiten poetischer Texte zu erfahren und sich darauf einzulassen.
Anschließend möchte ich die Aufmerksamkeit der Kinder auf die drei Vergleiche im Gedicht lenken und sie fragen, warum die Vergleiche passend (zum Verb ‚faulenzen‚, das ja zugleich der Titel des Gedichts ist) sind und darauf hinweisen, dass alle Vergleiche jeweils einen Gegenstand in einer bestimmten Situation zum Inhalt haben. Diese Reflexion der Struktur erscheint mir erforderlich, damit die Kinder dann eigene Vergleiche finden können und entsprechend ein analoges Gedicht schreiben können. Beim Verfassen eines eigenen Gedichts möchte ich dabei die Wahl des Verbs und die damit zusammenhängenden Vergleiche freigeben. Zwar könnte das Thema ‚Faulenzen’ durch die zeitliche Nähe der Sommerferien durchaus dem Erfahrungs- und Empfindungshorizont der Kinder entsprechen, doch letztlich sollen sie erfahren, dass sie kreative und insbesondere poetische Texte und Textstrukturen nutzen können, um eigene, vielleicht aktuell ganz andere, Empfindungen ausdrücken zu können. 6 Die anschließende Phase des gegenseitigen Vorlesens soll dazu dienen, die expressiv-lautliche Seite der entstandenen lyrischen Texte angemessen zu berücksichtigen,
5 Vgl. Meyer 2005, 74ff.
6 Vgl. Bartnitzky 2003, 66ff und 73f.
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aber auch dazu, evtl. erste spontane Rückmeldungen und Reflexionen zuzulassen, die evtl. zu einer Überarbeitung des Gedichts führen können. 7 Die anschließende Reflexion im ‚Museumsgang’ sowie im Unterrichtsgespräch hat die Funktion, die Gedichte der Kinder entsprechend zu würdigen und gleichzeitig über die entstandenen Produkte nachzudenken. Dabei kann deutlich werden, dass die Bewertung kreativer und poetischer Texte subjektiv ist, zugleich können aber auch besondere Leistungen (ausgefallene Ideen, Sprachspiele, passende Wörter etc.) ho-noriert werden. 8 Durch die Vorstellung und Veröffentlichung der Gedichte wird den Kindern zudem neben dem expressiven Schreiben für sich selbst eine weitere Begründung für das Verfassen ihrer Gedichte gegeben („Schreiben für sich und andere“ 9 ).
2.3. Differenzierungsmöglichkeiten
Inhaltlicher Schwerpunkt der Stunde ist die kreative Auseinandersetzung mit einem Gedicht. Die Aufgabenstellung, ein analoges Gedicht zu schreiben, bietet dabei die Möglichkeit, dass unterschiedliche Interessen und unterschiedliche Niveaus der Sprachentwicklung berücksichtigt werden können, da lediglich die Struktur des Gedichts vorgegeben ist, der Inhalt und somit die Wortwahl aber individuell gewählt werden können (qualitative Differenzierung).
Darüber hinaus bietet die Aufgabenstellung auch die Möglichkeit, unterschiedliche viele Vergleiche zu finden und zu nutzen, oder mehrere Gedichte zu schreiben. (quantitative Differenzierung). 10
Die soziale und mediale Differenzierung ist jedoch nur eingeschränkt möglich, da sich jedes Kind mit seinem eigenen Gedicht beschäftigen muss. Nur so kann Textproduktion als Ausdruck eigener Empfindungen deutlich gemacht und umgesetzt werden.
Die Minimalanforderung der Unterrichtstunde ist es, sich mit dem Gedicht auseinander zu setzen und eigene Vergleiche zu finden und dadurch ein eigenes Gedicht zu schreiben.
Darüber hinaus können die Kinder aber verschieden viele Vergleiche finden bzw. unterschiedliche Verben in ihre Gedichte einbauen und dazu jeweils wieder weitere Vergleiche finden, so dass mehrere Gedichte entstehen können. Ebenso können neben der kreativen Textproduktion auch Sprach- und Schreibanregungen durch die Texte der anderen Kinder gewonnen werden. Durch die Überarbeitung der Rechtschreibung können zudem die Fähigkeiten auf diesem Gebiet weiterentwickelt werden.
7 Vgl. a. a. O., 92ff.
8 Vgl. ebd.
9 Lehrplan Deutsch o. J., 10.
10 Vgl. Richtlinien o. J., 6f.
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Arbeit zitieren:
Benjamin Seidel, 2007, Unterrichtsstunde: Verfassen eines Analog-Gedichts zur Förderung des kreativen Umgangs mit Sprache (Deutsch, 4. Klasse), München, GRIN Verlag GmbH
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