Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes 3
2. Begriffliche Festlegung des Sozialismus und des Kapitalismus. 4
3. Voraussetzungen und Merkmale des modernen Kapitalismus nach Weber 5
3.1. Haushalten und Erwerben 6
3.2. Zu Webers Sozialismusbegriff 7
3.3. Webers ökonomische Sichtweise eines sozialistischen Systems 8
3.3.1. Verkehrswirtschaft und Planwirtschaft 10
3.3.2. Formale und materiale Rationalität 11
3.3.3. Das Rationalitätsdefizit des modernen Sozialismus. 13
3.4. Webers Bewertung des sozialistischen Wirtschaftssystems 14
4. Zusammenfassung/ Abstract 17
Literaturverzeichnis. 18
2
1. Einleitendes
Das Gesamtwerk des Soziologen Karl Emil Maximilian Weber (1864 - 1920) sowie die Sekundärliteratur zu Person und Werk ist beinahe bibliotheksfüllend und sehr komplex. Erhebt man den Anspruch, einen kleinen Teil des Großen Ganzen verstehen und nachvollziehen zu wollen, kommt man schnell vom Hundertsten ins Tausende, nicht zuletzt dank Webers Art, stets konsekutiv definierend und typisierend vorzugehen. Bei der Bearbeitung des Themas dieser Arbeit wurden v.a. Webers Werke Wirtschaft und Gesellschaft, Wirtschaftsgeschichte und seine politische Rede Der Sozialismus als Primärliteratur herangezogen. Gegenstand der Untersuchung ist Webers politökonomische Position zum Sozialismus und dem sozialistischen Wirtschaftssystem. Wie sieht seine Position überhaupt aus, weshalb wird ihm in bezug auf seine „sozialistische Gesinnung“ Ambivalenz und Relativismus vorgeworfen?
Und weshalb ist nach Weber eine kapitalistische Wirtschaftsordnung rationaler als eine sozialistische Planwirtschaft, welche er als „irrational“ einstuft? Um diesen Fragenkomplex zu beantworten, sollen ad hoc Webers Sozialismusbegriff sowie seine Sichtweise eines sozialistischen Systems dargestellt werden. Um seinen Ausführungen zum Sozialismus folgen zu können, ist es unumgänglich, Webers Kapitalismusbegriff gegenüberzustellen, zumal Weber einen kapitalökonomischen Status quo konzediert.
Weiter wird auf seinen Rationalitätsbegriff eingegangen, um zu klären warum Weber die sozialistische Wirtschaftsordnung als irrational und restriktiv bezeichnet. Abschließend soll in Webers Bewertung des sozialistischen Wirtschaftssystems die Frage geklärt werden, warum er für den Sozialismus eine Diskreditierung befürchtet und dennoch das kapitalistische System bevorzugt.
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2. Begriffliche Festlegung des Sozialismus und des Kapitalismus
Der Sozialismus als politische Weltanschauung zielt darauf ab, eine solidarische Gesellschaft zu schaffen, in der die Grundwerte Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden. Er entstammt dem aufklärerischen Denken und ist u.a. den Prinzipien der Französischen Revolution verpflichtet. Er wendet sich gegen die einseitige Überhöhung individueller Freiheitsrechte und die Verabsolutierung des Privateigentums. Es gibt unterschiedliche Ausprägungen des Sozialismus, doch der Grundgedanke - die Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen - trug wesentlich zu seiner internationalen Verbreitung bei. Sozialismus als Begriff kommt im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf und wird mit nichtkapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystemen verbunden, in denen genossenschaftliche, gesellschaftliche oder staatliche Eigentumsverhältnisse vorherrschen. Einen rapiden Aufschwung erhält der Sozialismus in der Zeit der Industrialisierung, in der er zur Bewegung gegen die massenhafte soziale Verelendung und die Ausbeutung der Arbeiterschaft wird. National und kulturell entstehen unterschiedliche Varianten des Sozialismus, so entwickelt sich bspw. in Deutschland eine breite Arbeiterbewegung, die sowohl eine starke gewerkschaftliche Interessenvertretung als auch eine politisch prägende Organisation (SPD) gegenüber dem autoritären Staat hervorbringt. (Schubert/ Klein 2006: 277-278). Im Gegensatz zum Sozialismus hat im Kapitalismus der Faktor Kapital im Vergleich zu anderen Wirtschaftsfaktoren eine überproportionale Bedeutung. Die Grundlagen sind eine Eigentumsordnung, die die freie Verfügung über das Privateigentum schützt, ferner ein durch staatliche Ordnung gesichertes, gleichwohl von staatlichen Eingriffen weitgehend freies Wirtschaftssystem auf der Basis des Marktmechanismus und der Selbststeuerung durch Angebot und Nachfrage. Die daraus resultierenden enormen Kapitalanhäufungen führen bis heute zu politischen und sozialen Auseinandersetzungen (Schubert/ Klein 2006: 155). Während der Sozialismus für Karl Marx und Friedrich Engels vornehmlich die Rolle einer Übergangsphase zwischen Klassengesellschaft bzw. Kapitalismus und klassenloser Gesellschaft bzw. Kommunismus hatte (Marx/ Engels 2002: 76-78), war dieser für Max Weber ein zwar veränderlicher, doch fester Bestandteil seiner Grundüberlegungen. Um seinen Ausführungen zum Sozialismus folgen zu können, ist es unumgänglich, Webers Kapitalismusbegriff gegenüberzustellen, zumal Weber einen kapitalistischen Status quo konzediert: „Und heute werden, im Gegensatz zum größten Teil der Vergangenheit, unsere Alltagsbedürfnisse kapitalistisch [...] gedeckt“ (Weber 1991: 239). Im Folgenden wird auf den modernen Kapitalismusbegriff Webers eingegangen.
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3. Voraussetzungen und Merkmale des modernen Kapitalismus nach Weber
„Kapitalismus ist da vorhanden, wo die erwerbswirtschaftliche Bedarfsdeckung einer Menschengruppe auf dem Wege der Unternehmung stattfindet, gleichviel um welchen Bedarf es sich handelt“ (Weber 1991: 238). In Wirtschaft und Gesellschaft hebt Weber hervor, dass nicht jeder Erwerb als solcher bereits „Unternehmung“ zu nennen sei, sondern erst dann, wenn sich dieser Erwerb an der Kapitalrechnung orientiere (Weber 1972: 51). Von Kapital lasse sich „nur für den reden, dem das Darlehen Gegenstand seines Erwerbsbetriebes [Banken bestimmter Art] bildet, sonst aber nur von ‚Geldleihe‛“ (Weber 1972: 51). Das Ziel kapitalistischer Erwerbsbetriebe ist Geld und dessen Vermehrung. Begrifflich geht Weber von einem allgemeinen, historisch unspezifischen Kapitalismus aus: „Während Kapitalismus verschiedener Form uns in allen Perioden der Geschichte entgegentritt, ist Deckung der Alltagsbedürfnisse auf kapitalistischem Wege nur dem Okzident 1 eigen und auch hier erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Gegebene.“ (Weber 1991: 239).
Den modernen Begriff präzisiert er anhand eines Zustandes, bei welchem die privaten Unternehmer die ökonomische Bedarfsversorgung sichern. Kauf- und Lohnverträge dieser Unternehmer beschaffen ihnen die sachlichen Betriebsmittel, Beamte sowie Arbeitskräfte, um auf eigenes ökonomisches Risiko und durch erhofften Profit Güter herstellen zu lassen, die auf dem Markt zu verkaufen sind. Das Risiko, durch den Produktabsatz soviel Gewinn machen zu können, dass dadurch eine Versorgung der Güterbedürftigen gewährleistet ist, wird als „Anarchie der Produktion“ bezeichnet (Weber 1995: 84-85). Aufgrund der Tatsache, dass die Privatwirtschaft mit privater bürokratischer Organisation sowie mit der Trennung des Arbeiters von den Betriebsmitteln verbunden ist, beherrsche diese ein Gebiet, das bis dahin noch nie vorkam: Den Prozess der „gewerblichen Produktion“ (Weber 1995: 86) als Merkmal des modernen, okzidentalen Kapitalismus. Als allgemeine Voraussetzung für das Bestehen dieses neuzeitlichen Kapitalismus gilt eine „rationale Kapitalrechnung als Norm für alle großen Erwerbsunternehmungen, die sich mit Alltagsbedarfsdeckung befassen“ (Weber 1991: 239). Diese Kapitalrechnung setzt wiederum die „Möglichkeit der ausschließlichen Orientierung der Bedarfsdeckung an Marktchancen und an Rentabilität“ (Weber 1991: 240) voraus. Weiter fasst Weber zusammen, dass nur der Kapitalismus [im Vergleich zu früheren Kulturepochen, nicht im Vergleich zum Sozialismus] rationale Arbeitsorganisationen und eine Aufhebung der Schranken zwischen Binnenwirtschaft und Außenwirtschaft kenne. Und nur der moderne okzidentale Kapitalismus
1 Dem Westen, Europa.
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Arbeit zitieren:
Melanie Baschin, 2007, Max Webers Bewertung eines sozialistischen Wirtschaftssystems, München, GRIN Verlag GmbH
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