sechs Schülern sehr gut, wenngleich mitunter die Kommunikation nicht im Sinne der erteilten Arbeitsaufträge verläuft, so dass ich in der Gruppenarbeit möglichst präsent bin. Mit dem geplanten Produkt des Standbildes haben die Schüler bislang einmalig Erfahrung sammeln können, sie haben aber bereits andere produktionsorientierte Verfahren (Perspektivübernahme beim „Bilder zum Sprechen bringen“, Dialoge schreiben), die sie sehr motiviert haben, mehrfach erprobt. Grundsätzlich ist bei der Verwendung von produktionsorientierten Methoden davon auszugehen, dass sie motiviert und engagiert mitarbeiten werden.
Vorwissen in Bezug auf das gesamte Themengebiet ist bei einigen Schülern in Bruchstücken vorhanden, da sich viele Schüler dieser Lateinklasse auch außerhalb des Unterrichts mit (alt-) geschichtlichen Themen beschäftigen; auch hat sich im bisherigen Unterrichtsverlauf gezeigt, dass viele mit ihren Eltern regelmäßig Museen und Ausstellungen besuchen. André ist als Repetent zwar mit dem Stoff vertraut, beteiligt sich jedoch im Verhältnis zu seinen Mitschülern eher selten aktiv am Unterricht. Der Wechsel von Pascal P. auf die Realschule ist bereits eingeleitet, in seiner Arbeitshaltung ist deutlich zu erkennen, dass er sich innerlich schon verabschiedet hat. Leider steckt er mit diesem Verhalten seinen Sitznachbarn Jonas an, der eigentlich ein aktiver Schüler ist, sich jedoch zu häufig und gern ablenken lässt.
2. Sachanalyse
Das Ideal der Frau beschreibt der Dichter Homer, von vielen auch als der Begründer einer gemeinsamen griechischen Mythologie und damit eines Selbstverständnisses der Hellenen betrachtet wird, bereits in seiner „Odyssee“: Penelope, die Gattin des Odysseus, wartet zwanzig Jahre lang geduldig auf die Rückkehr ihres Mannes, verlässt dabei das Haus nicht und beschäftigt sich stattdessen mit Handarbeiten oder anderer Hauswirtschaft. 1 Die Lebenswelt eines griechischen Ehepaares war bipolar: Während er als freier Athener auf den Marktplatz ging und mit seinen Mitbürgern diskutierte, seine Aufgaben innerhalb der Polis wahrnahm, kurzum als homo politikus ein am Gemeinleben orientiertes Leben führte, gab es für sie nur selten Anlässe, das Haus zu verlassen. Die Frauen waren Hausherrin im Wortsinne, bewirtschafteten Haus und Güter und brachten es in dieser Position auch zu einem gewissen Ansehen. Doch blieb ihr Wirkungsbereich auf den oikos beschränkt, während die polis Männersache war.
Dieses Ideal war auch maßgebend für die Erziehung. Frauen wurden ab ihrem siebten Lebensjahr in Tätigkeiten rund um Hand- und Hausarbeit geschult, um sie auf ihre künftigen Tätigkeiten in der möglicherweise schon jetzt mit einer Verlobung besiegelten Ehe vorzubereiten. Sie wurden nur selten aus Liebe verheiratet, sondern mit etwa fünfzehn Jahren in eine arrangierte Ehe mit einem ungefähr doppelt so alten Mann geschickt. 2 Dieses Ideal wurde auch von den Philosophen vertreten und
1 Vgl. Höcker, Christoph: Griechische Antike, Köln: Du Mont 1999, S. 110.
2 Vgl. Vollkommer, Rainer: Das antike Griechenland, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag 2007. Dies wird
vor allem auch im ersten der Texte deutlich.
2
diskutiert, ihre Aussagen, die den Schülern als Textquelle vorliegen werden, fanden Eingang in die schriftliche Überlieferung.
Zwei Textauszüge (A, B) 3 stammen aus dem Buch oikonomikos (Hauswirtschafslehre) von Xenophon, einem Schüler Sokrates’, ein dritter (C) 4 aus Aristoteles’ politeia (Politik). Zeitlich sind sie in das 5.-4. Jahrhundert v. Chr. einzuordnen und geben die dort herrschende Ansicht wieder: „Eine ehrbare Frau bleibt im Haus; die Straße gehört den Frauen, die nichts wert sind.“ 5 Dies wird im Detail auch in den Textauszügen deutlich, von denen die durch Xenophon überlieferten ein Gespräch zwischen Sokrates und seinem Schüler Ischomachos darstellen. So entnehmen die Schüler aus Textausschnitt A, dass die (junge) Frau des Sprechenden zu dessen großer Freude wohlerzogen, unkritisch und fügsam war und darüber hinaus bereits Kenntnisse in Handarbeit und im Kochen aufwies. Textausschnitt B liefert die Begründung für das arbeitsteilige Rollenverhältnis von Mann und Frau, da letztere von Natur aus besser für die Arbeiten im Haus geeignet ist: ihr Körper ist weniger widerstandsfähig als der des Mannes. Ähnlich argumentiert Aristoteles als Verfasser von C, der nicht nur die Rollenverteilung, sondern auch eine Herrscherrolle des Mannes über Frauen und Kinder mit einer „von Natur aus“ besseren Eignung begründet. Das Gesamtbild all dieser Textausschnitte liefert damit einen nahezu vollständigen Blick über die Rolle der Frauen im antiken Athen und lässt auch die Begründung dazu nicht aus.
3. Didaktische Analyse und Begründung
Im neu erschienenen Kerncurriculum für die Jahrgänge 5-10 ist das Stundenthema im Bereich der Sachkompetenzen dem Punkt „Die SuS erklären die athenische Demokratie als neue Form des Zusammenlebens“ 6 zuzuordnen, wobei im Gegensatz zu den Vorgaben dort nicht die politischen Herrschaftsformen im Vordergrund stehen, sondern der Blickwinkel ein anderer, sozialgesellschaftlicher ist. Das politische Leben ist eine Angelegenheit der Männer gewesen - doch worin besteht die Rolle der Frauen? Diese Frage lässt sich, auch in Bezug auf prozessbezogene Kompetenzen, punktuell auf die Gegenwart (beispielsweise Angela Merkel als Bundeskanzlerin) übertragen und für beide Zeiten beantworten. 7 Gleichzeitig findet sich hier auch eine Anknüpfung an das Reihenthema, denn an dieser Stelle lässt sich sehr gut an die Problemfrage der gesamten Reihe anknüpfen, ob die teilweise noch heute vorherrschende Idealisierung des antiken Griechenlands berechtigt ist.
3 Gekürzt und vereinfacht nach M8 in Stephan-Kühn, Freya: Kindheit in Griechenland. In: Praxis
Geschichte 4 (1992), S. 44.
4 Übernommen aus M1, Teil 3 in Brückner, Dieter/ Harald Focke (Hg.): Das waren Zeiten 1. Ausgabe
Niedersachsen für Geschichte an Gymnasien, Bamberg: C. C. Buchner ²2007, S. 103.
5 Das waren Zeiten 1, S. 101.
6 Niedersächsisches Kultusministerium (Hg.): Kerncurriculum für das Gymnasium Schuljahrgänge 5-
10 - Geschichte, Hannover 2008, S. 13.
7 Kerncurriculum S. 22.
3
Das Stundenthema begründet sich für die Schüler aus zweierlei Perspektiven. Zum einen leben sie selbst in einer Zeit, in der die „klassischen“ Rollenbilder immer stärker überwunden werden. Für ihre Großelterngeneration ist die traditionelle Arbeitsteilung vom alleinverdienenden Ehemann und der treusorgenden Haus- und Ehefrau wohl noch selbstverständlich und auch in Zeiten von Emanzipation und der wirtschaftlichen Notwendigkeit eines doppelten Gehalts unterschwellig nach wie vor präsent. Zwar schreibt Artikel 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik die Gleichberechtigung von Männern und Frauen seit 1949 fest, doch gilt erst seit 1977 das Partnerschaftsprinzip, nach dem es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt und die Frau dem Mann nicht mehr „untertan“ ist. 8 Mehrere Studien belegen allerdings, dass auch bei Berufstätigkeit beider Partner Haushalt und Kindererziehung meistens von der Frau erledigt werden. 9 Eine Abkehr von diesen traditionellen Mustern wird inzwischen gezielt von der Bundesregierung, in persona der Familienministerin Ursula von der Leyen, gefördert.
Zum anderen befinden sich die Schüler selbst in einer Entwicklungsphase, in der sie beginnen, ihre Geschlechterrollen bewusster wahrzunehmen und sich in diesem Zusammenhang mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Dies ist ebenfalls im Sinn des Kerncurriculums, das die Beschäftigung mit solchen Themen als immanent für den eigenen Identitätsgewinn und die Teilhabe am „kulturellen Gedächtnis der Gemeinschaft, der er angehört“, betrachtet. 10
Im Sinne einer didaktischen Reduktion wird in dieser Stunde darauf verzichtet den Blick auf die Frauen, die sich öffentlich bewegen durften, beispielsweise Hetären sowie ältere Frauen ab 60 Jahren, zu richten. Diese Frauen stellten nämlich nur einen kleinen Teil der Bevölkerung dar und sind daher ebenso wenig wie die Priesterinnen, die es ebenfalls zu einer gewissen Anerkennung außerhalb des oikos brachten, repräsentativ. Ebenfalls reduziert wird die (mythologische) Begründung des Frauenbilds durch die Bezeichnung der Frauen als Töchter der Pandora, der schönen, aber Unheil bringenden Tochter des Zeus, die in der „Büchse der Pandora“ bis heute sprichwörtlich erhalten ist.
Hauptlernziel:
- Die SuS charakterisieren mit Hilfe von Standbildern das Rollenverhältnis von Männern und Frauen in der Polis Athen, das sie zuvor aus einem kurzen Quellentext erarbeitet haben. Feinlernziele:
- Die SuS interpretieren eine Zeichnung von Mann und Frau hinsichtlich ihrer Aufgaben im Alltag der Polis Athen, indem sie die dort zu sehenden Personen zum Sprechen bringen.
- Die SuS fassen eine historische Textquelle in eigenen Worten zusammen und arbeiten das dort beschriebene Frauenbild heraus, indem sie es in ein Standbild umsetzen.
8 Siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Gleichberechtigung.
9 Beispielhaft dazu siehe: Reichart, Elisabeth: Studie: Arbeitsteilung in deutschen Haushalten ist
traditionell geprägt, Würzburg 2001.
10 Kerncurriculum S. 7.
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Arbeit zitieren:
Sandra Holtermann, 2008, Unterrichtsstunde: Den Männern untertan? Die Rolle der Frauen in der Polis Athen, München, GRIN Verlag GmbH
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