Abstract:
In der vorliegenden Seminararbeit soll es darum gehen das Gestaltungshandeln betrieblicher Akteure als Arbeitsprozess und als Problem sozialer Steuerung zu analysieren. Die systemische Rationalisierung mit ihren umfassenden Gestaltungskonzepten wird dabei den Bezugsrahmen der Betrachtung darstellen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der soziale Prozess der Gestaltung mit den Besonderheiten der Gestaltungsaufgaben und den einzelnen Prozessphasen, und darauf aufbauend werden die Funktionen und Mechanismen der sozialen Steuerung von Gestaltungsprozessen näher erläutert. Als Basis dieser Arbeit dient eine Studie (1993) von Dieter Seitz zur Problematik der sozialen Steue- UXQJYRQEHWULHEOLFKHQ*HVWDOWXQJVSUR]HVVHQÄ3HU2UGHUGH0XIWLOlXIWQLFKWV³
1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Systemische Rationalisierung 2
2.1 Charakteristik 3
2.2. Konsequenzen. 4
2.3 Integrationsleistungen 5
2.4 Strukturkonservative Mechanismen 6
3. Zum sozialen Prozess der Gestaltung 8
3.1 Gestaltung als Arbeitsprozess 8
3.2 Phasen der Gestaltungsarbeit 9
4. Soziale Steuerung von Gestaltungsprozessen 11
4.1 Funktionen und Mechanismen sozialer Steuerung 12
4.1.1 Hierarchie 12
4.1.2 Markt 13
4.1.3 Professionalität 14
4.1.4 Verhandlung 14
4.1.5 Verständigung 15
4.1.6 Vertrauen 15
5. Resümee 16
Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Der Wandel der traditionellen tayloristisch-fordistischen Produktionsformen in den HU-DKUHQOLHGLH7KHVHHLQHV ÃNeuen RationalisierungstypVµ (vgl. Altmann et al. 1986, Bechtle 1994, Sauer/ Döhl 1994) aufkommen, der zu einem entscheidenden Strukturwandel betrieblicher Rationalisierung führte. Dabei standen neuartige Konstrukte integrativer oder systemischer Rationalisierung zur Umbildung inner- und überbetrieblicher Prozesszusammenhänge im Vordergrund. Jedoch wurden die neuen strategischen Möglichkeiten betrieblicher Rationalisierung zunächst nicht hinreichend erkannt und die (datentechnischen) Integrations- und Vernetzungsentwicklungen gesamtbetrieblicher Prozesse nebensächlich als Folge fortschreitender Automatisierung 6WLFKZRUWÃPDQQORVH)DEULNµEHWUDFKWHW Die Rationalisierungsstrategien beziehen sich hauptsächlich auf den Ausbau des Wertschöpfungsprozesses in den einzelnen Betrieben, GD ÄVLFK veränderte Marktanforderungen nur noch durch Verknüpfung von inner- und überbetrieblichen Produktionssystemen bewältigen ODVVHQ³ vgl. Sauer/ Döhl 1994: 197).
Die Bedeutung des Zusammenwirkens von Arbeit und Technik bestimmt sich nun eher aus deren strategischen Aufgaben bezüglich der Reorganisation unternehmensübergreifender Produktion (vgl. Sauer/ Döhl (1994): 198). Im Prozess der Anpassung und Optimierung auf technologischer und sozialer Ebene müssen vielfältige Problembereiche einbezogen und gelöst werden: Unter anderem machen die wachsende Komplexität der Herstellung und das zunehmende Innovationstempo die Installation neuartiger Technologien in den sozialen Bereich des Betriebes zu einer Herausforderung für die zuständigen Ingenieure 1 , da es eine in diesem Sinne optimale Passfähigkeit zwischen Technik und Organisation in einem sich stets wandelnden sozialen System nicht gibt. Daraus folgt, dass man nicht von einem stabilen betrieblichen Systemzustand ausgehen kann. Desweiteren unterliegen technische Neuerungen ebenso einem dynamischen Entwicklungsprozess an dem die Betriebsorganisation wiederholt angepasst werden muss, nicht zuletzt um wettbewerbsfähig auf dem Markt bestehen zu können (vgl. Seitz 1993: 13). In der wissenschaftlichen Diskussion sind sich die Ingenieure und Soziologen einig:
1 Die nachfolgend verwendete männliche Form bei personenbezogenen Bezeichnungen bezieht selbstver-
ständlich die weibliche Form mit ein. Auf die Verwendung beider Geschlechtsformen wird lediglich mit
Blick auf die bessere Lesbarkeit des Textes verzichtet.
1
ÄTechnische Innovation [ist] nicht länger ohne gleichzeitige organisatorische und per- VRQHOOH,QQRYDWLRQHIIL]LHQWPDFKEDU³ebd.).
Im Folgenden soll es darum gehen das Gestaltungshandeln betrieblicher Akteure als Arbeitsprozess und als Problem sozialer Steuerung zu analysieren. Die systemische Rationalisierung mit ihren umfassenden Gestaltungskonzepten wird dabei den Bezugsrahmen der Betrachtung darstellen. Zunächst soll dieser Neue Rationalisierungstyp daher näher beschrieben werden, um danach auf die Umsetzung von Gestaltungskonzepten und Integrationsleistungen zu sprechen zu kommen. Eine besondere Bedeutung für die Innovationsfähigkeit eines Betriebes besitzt der Strukturkonservatismus, der anschließend skizziert wird. Im dritten und vierten Abschnitt wird es um die zentrale Thematik dieser Arbeit gehen, dem sozialen Prozess der Gestaltung mit den Besonderheiten der Gestaltungsaufgaben und den einzelnen Prozessphasen, und darauf aufbauend werden die Funktionen und Mechanismen der sozialen Steuerung von Gestaltungsprozessen erläutert.
Als Basis dieser Arbeit dient eine Studie (1993) von Dieter Seitz zur Problematik der sozialen Steuerung von betrieblichen Gestaltungsprozessen: Ä3HU 2UGHU GH 0XIWL OlXIW QLFKWV³ Dabei stellt Seitz unter Bezugsnahme der systemischen Rationalisierung ein Prozessmodell der Gestaltung und sozialen Steuerung von Gestaltungsprozessen auf und überprüft anschließend seine Hypothesen anhand von drei Fallstudien aus dem Bereich der Elektroindustrie.
Die vorliegende Seminararbeit greift die theoretischen Überlegungen des Autors auf und versucht im Anschluss seine Ergebnisse kritisch in einem Resümee zusammenzufassen und einen kurzen Ausblick auf die weitere Entwicklung zu geben.
2. Systemische Rationalisierung
Nachfolgend wird die systemische Rationalisierung charakterisiert und es werden die für die betrieblichen Gestaltungsprozesse zu erwartenden Auswirkungen (2.2) erläutert. Außerdem soll im Punkt 2.3 darauf eingegangen werden, welche sozialen Integrationsleistungen für die verlangten umfassenden, systemischen Innovationsprozesse nötig sind. Desweiteren wird der Versuch unternommen den Terminus des Strukturkonserva-
2
tismus (2.4) näher zu umreißen, der hauptsächlich für das Erschweren integrativer Gestaltung verantwortlich gemacht wird.
2.1 Charakteristik
Haben sich die früheren Rationalisierungsmaßnahmen, wie beispielsweise im Taylorismus, noch auf einzelne Arbeitsschritte, die Automatisierung einzelner Fertigungsstufen oder nur auf eine teilweise Optimierung weniger Produktionsfaktoren gerichtet, so zielt die systemische Rationalisierung nun auf einen Einbezug aller Teilprozesse ab und versucht ihr Zusammenwirken auf ein möglichst optimales Maß zu verbessern. Dabei soll die Optimierung des gesamtbetrieblichen Systems klar im Zentrum stehen. Die technische Basis für diese Gesamtintegration ist durch neue Organisations- und Steuerungstechnologien gegeben (vgl. Seitz 1993: 25).
Die Nutzung von Technik und menschlicher Arbeitskraft streben zunehmend eine Flexibilitäts- und Effizienzerhöhung und einen zügigeren Ablaufprozess innerhalb sowie außerhalb des Unternehmens an. Damit sollen die Maßnahmen der systemischen Rationalisierung die Wertschöpfung in der ganzen Produktionskette erheblich steigern. Überhaupt wird dem Rationalisierungsbegriff eine viel größere Reichweite zugesprochen und er schließt nun mehrere Ebenen mit ein, die er in eine flexibilisierte Beziehung zu-einander stellt (vgl. Sauer/ Döhl (1994): 197f): Ä'LHKHWHURJHQHQ3URGXNWLRQVIRUPHQLQ dezentralisierten Strukturen, d.h. die beträchtlichen Unterschiede zwischen einzelnen Segmenten der Produktionsketten hinsichtlich des Technisierungsniveaus, der Arbeits-organisation und der Qualifikationsanforderungen, werden nun in ihrer Komplementarität mit Hilfe hierarchisch strukturierter Informations- und Kommunikationssysteme zur 6WHXHUXQJ XQG .RQWUROOH IU ]HQWUDOH =LHOVHW]XQJHQ VRJ ÃIRNDOHU 8QWHUQHKPHQµ Je- nutzt³(Jäger 1999: 118).
Desweiteren gehen die Rationalisierungsmaßnahmen weit über die klassischen Ansprüche der betrieblichen Gestaltung der Beziehung von Arbeit, Organisation und 7HFKQLNKLQDXVGHQQHVZLUGÄHLQHEHUEHWULHEOLFKH,QWHJUDWLRQXQGHLQH5H-)Organi- sationvon Markt- XQG $XVWDXVFKSUR]HVVHQ³ DQJHVWHXHUW 6HLW] $XV GLHVHU Zentralität des Markt-Unternehmen-Verhältnisses ergibt sich auch die Dynamik systemischer Rationalisierungsvorgänge. Versuchte man bisher mit Rationalisierung die Ã0LWWHO]XP=ZHFNµXQter unveränderlichen Rahmenbedingungen zu optimieren, besteht
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Arbeit zitieren:
Katja Nixdorf, 2008, Die besondere Bedeutung der sozialen Steuerung innerhalb betrieblicher Gestaltungsprozesse, München, GRIN Verlag GmbH
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