1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit befasse ich mich mit dem Thema der „geschlechterspezifischen Unterschiede im Unterricht“. Zunächst werde ich den Begriff der Koedukation und seine Bedeutung für den schulischen Alltag erläutern.
Der Hauptteil meiner Arbeit beinhaltet Beispiele, welche die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen aufführen und ihre Wirkung auf den Schulalltag verdeutlichen. Im abschließenden Teil werde ich die verwendete Literatur kritisch überprüfen und meine eigene Meinung zu diesem Thema äußern.
2. Koedukation
Die heutige Gesellschaft ist gekennzeichnet durch das Streben nach sozialem Aufstieg und dem damit verbundenen Konkurrenzdenken der Menschen. Der soziale Wandel wirkt sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Familie aus. Demnach führen der Wandel in der Familie und das neue Rollenverständnis der Frau dazu, dass innerhalb der Gesellschaft eine gleichberechtigte Chancenverteilung zwischen Frauen und Männer gefordert wird. Die Einführung der Koedukation ist in diesem Themenbereich von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund werde ich im ersten Teil meiner Hausarbeit den Begriff der Koedukation zunächst erklären und anschließend auf den Schulalltag der Kinder beziehen.
2.1 Der Begriff der Koedukation und seine Bedeutung für den Schulalltag Die Forderung nach einer geschlechterspezifischen Chancengleichheit in der Gesellschaft stellt eine Herausforderung an die Schule dar durch Koedukation ein Gleichgewicht zwischen Jungen und Mädchen herzustellen. Der Begriff der Koedukation, umfasst die gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen in Schulen und Internaten [vgl.: Glumpler, Edith: Koedukation - Entwicklung und Perspektiven. Forschungsergebnisse zur Koedukation und ihre Bedeutung für LehrerInnenbildung. In: Glumpler, Edith (Hrsg.): Koedukation - Entwicklungen und Perspektiven. Bad Heilbrunn, 1994, S.9-11].
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Im Folgenden wird deutlich, dass die Differenz zwischen den Geschlechtern im Schulalltag jedoch auch heute noch Bestand hat. Warum sonst werden Fächer wie Mathematik den Jungen und Sprachen den Mädchen zugeschrieben?
In der Schule werden die geschlechterspezifischen Merkmale, die durch die Einführung der Koedukation abgebaut werden sollten, gefördert. Demnach werden diejenigen Leistungen, die den klischeehaften Rollenerwartungen widersprechen, weniger beachtet, als diese, die dem Geschlecht von vornherein zugesprochen werden.
„Nun ist hinreichend bekannt, daß [sic] es auch noch einen „heimlichen Lehrplan“ gibt, mit dem mehr oder weniger bewußt [sic] und beabsichtigt, Normen und Werte der Gesellschaft tradiert werden“ [Weschke-Meißner, Margret: Der stille Beitrag der Mädchen zur Schulkultur. In: Horstkemper, Marianne; Wagner-Winterhager, Louise (Hrsg.): Die deutsche Schule. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Bildungspolitik und pädagogische Praxis. Mädchen und Jungen - Männer und Frauen in der Schule, o.O. 1990, S. 89].
Dies begründet, warum in den Medien, männliche Wissenschaftler weitaus häufiger vertreten sind als weibliche.
2.2 Jungen und Mädchen im Unterricht
Im Unterricht werden Mädchen zunehmend als so genannte „Puffer“ in eine Gruppe von Jungen integriert, um für ein soziales Arbeitsklima zu sorgen. Die Anwesenheit von stillen und freundlichen Mädchen führt dazu, dass innerhalb der Gruppe eine hohe Leistungsbereitschaft herrscht und sich die Jungen dem ruhigen Charakter der Mädchen schrittweise annähern. Das persönliche Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen wird gestärkt und verringert das Risiko von Streitereien und anderen Unterrichtstörungen. Wohingegen die Gruppenarbeit mit Mädchen im jüngeren Alter als unangenehm empfunden wurde, werden Mädchen ab einem bestimmten Alter als Gruppenmitglieder akzeptiert. Sie stellen keine ernsthafte Konkurrenz für die Jungen dar. Selbst wenn ihre Leistungen viel besser sind als die der Jungen zeigen sie dies nicht und halten sich generell eher im Hintergrund.
Der Umgang mit Mädchen wirkt sich nicht nur durch die erhöhte Leistungsmotivation der Jungen aus, sondern bietet den Jungen darüber hinaus die Möglichkeit ihre
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Persönlichkeit frei zu entfalten. In den Pausen oder am Nachmittag weisen Jungen bevorzugt ein distanziertes und „cooles“ Verhalten auf. Die Beziehung zu Mädchen erlaubt den Jungen erstmals sowohl Stärken als auch Schwächen zu zeigen. Die Einführung der Koedukation hat veranlasst, dass sich die beiden Geschlechter einander annähern und die sowohl positiven als auch negativen
Charaktereigenschaften des anderen Geschlechts kennen lernen können.
2.3 Geschlechtsspezifische Unterschiede aus der Lehrerperspektive
Lehrerbefragungen ergeben, dass das gemeinsame Unterrichten von Mädchen und Jungen als angenehmer empfunden wird, da sich der Einfluss der Mädchen positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung der Jungen und die Gestaltung des Unterrichts auswirkt. Mädchen folgen aufmerksam dem Unterricht und unterstützen die
leistungsschwachen oder ausgeschlossenen Schüler in einer Klassengemeinschaft. Aus diesem Grund werden ihnen bei Gruppenarbeiten pflichtbewusste und vertrauenswürdige Aufgaben zugeteilt, die sie stets zu bewältigen wissen. Dieses soziale Engagement der Mädchen erleichtert den Lehrern/innen das Unterrichten und stärkt ihr Selbstbewusstsein, indem auch unangenehme Aufgaben stets von den Mädchen erledigt werden, ohne das gleich die Autorität der Lehrkraft in Frage gestellt wird [vgl. Weschke-Meißner, Margret: a.a.O., S.89]. Dies hat jedoch zur Folge, dass Lehrkräfte an Mädchen höhere Ansprüche stellen und von ihnen bessere Leistungen erwarten, ohne diese durch eine besonders gute Note kenntlich zu machen. Sobald Jungen eine schlechte Leistung erbringen, wird dies nicht auf ihre mangelnden Fähigkeiten, sondern auf eine schlechte Vorbereitung oder die momentane Stimmungslage des Schülers zurückgeführt. Im Gegensatz zu den Jungen wird bei Mädchen eine schlechte Note mit mangelnder intellektueller Fähigkeit begründet, wobei äußerliche Einflüsse von vornherein ausgeschlossen werden [vgl.: Horstkemper, Marianne: Jungenfächer und weibliche Sozialisation - Lernprozesse im koedukativen Unterricht. „Man kann sagen also sagen, dass [sic!] ein mathematisches Weib wider die Natur sei…(Moebius, 1907). In: Horstkemper, Marianne; Wagner-Winterhager, Louise (Hrsg.): a.a.O., S. 97]. Lehrkräfte reagieren oft erstaunt darüber, dass sie automatisch und unbewusst Schüler und Schülerinnen sowohl anders bewerten, als auch anders wahrnehmen.
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Arbeit zitieren:
Claudia Waindok, 2006, Geschlechtsspezifische Unterschiede im Unterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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