1 Einleitung. 3
2 Gottfried von Straßburg 5
3 Der Prolog 6
3.1 Die historische Entwicklung 6
3.2 Der Prolog im Mittelalter. 7
4 Der Prolog des Tristanromans. 9
4.1 Die Struktur 9
4.2 Formbildende Aspekte des inneren Aufbaus 10
4.2.1 Vers und Reimschema 10
4.2.2 Das Akrostichon 11
4.2.3 Sprachlich- rhetorische Gestaltung. 13
4.3 Thematische Analyse. 14
4.4 Der Prolog als thematisch- kausales Konstrukt. 16
4.5 Die Form des Prologs auf der Grundlage des Erarbeiteten 17
5 Form und Inhalt als Aspekt mittelalterlicher Prologtheorie. 19
6 Schlusswort 20
Literaturverzeichnis 21
2
1 Einleitung
Welche Bedeutung hat der Prolog für den Leser?
Der Prolog ist die erste kurze Informationsquelle über das Werk und den Autor, jedoch wird er sehr häufig übersprungen, manchmal ist er in seiner Funktion vielen sogar völlig unbekannt.
Der Leser der Gegenwart scheint immer seltener das Buch als eine Gelegenheit zum Gespräch mit seinem Autor zu begreifen. In einer Welt, die ununterbrochen danach strebt, den bereits gigantischen Informationsfluss durch innovative Technologien zu beschleunigen, nehmen Bücher hinter den digitalen Medien oft erst weit hinten ihren Platz ein. Nicht, als ob sie nicht geschätzt würden, denn viele Menschen schaffen sich schließlich opulente Hausbibliotheken an, doch meist werden neu erworbene Bücher nur in die Reihe kostbarer Bücher eingeordnet und enden dort. Sie werden kaum geliebt. Sie erweisen sich nämlich für viele als zu anspruchsvolle Gefährten, für die man viel Zeit und Geduld aufwenden muss. Dagegen bieten moderne Medien auf Abruf das, was der Konsument gerade benötigt. Der schnelle Zugriff auf Informationen im Alltag wirkt sich auf unsere Haltung im Umgang mit Buchtexten entsprechend aus. Möglicherweise verzichten viele heutige Autoren bewusst darauf, Prologe zu ihren Werken abzufassen, da sie gar nicht darauf hoffen können, dass diese gelesen werden.
Im Mittelalter, als das sehr teure Pergament als Beschreibstoff diente und die Tinte immer knapp war, hatten Bücher in der Gesellschaft des Klerus und des Adels eine wesentlich höhere Wertschätzung erfahren, als man es heute oft ahnt. Die ungeheuer großen Herstellungskosten für ein größeres Werk machten ein Buch zu einem für viele unerschwinglichen Luxusgut, dessen Anspruch an Form und Inhalt enorm hoch war.
Die Rolle des mittelalterlichen Prologs ist als sehr wichtig einzustufen. Ein Prolog wurde nicht einfach gelesen, er war das Einlasstor in das Werk. Ein Autor gab sich daher stets große Mühe, dieses Portal mit all dem Nötigen auszustatten, damit in ihm ein Gespräch zwischen Autor und Leser über das Thema stattfinden konnte, an dessen Ende der Leser voll und ganz davon überzeugt sein sollte, das spezielle Buch zu lesen.
3
Der „Tristan“ Gottfried von Straßburgs zählt ohne Zweifel zu den bedeutenden deutschsprachigen Werken der mittelalterlichen Literatur. Maßgeblich für diese Stellung sind Faktoren wie der Einsatz ausgereifter Stilistik, die durchdachte Verwendung rhetorischer Mittel oder Darstellungen, die mit spürbarer Sachkenntnis des Autors ausgeführt werden. Dies findet auch schon in den ersten Versen des Prologs seine Bestätigung.
Durch den historischen Abstand sowie die schlechte Quellensituation der Entstehungszeit des „Tristan“ allgemein, vor allem aber in Bezug auf Werk und Autor, ist anzunehmen, dass dieser Prolog eine Schlüsselposition für das Verständnis des Werkes einnimmt. Viele Passagen des Werkes bleiben jedoch im Dunkeln, weil wir zu wenig über den Autor, die Quellen, das Werk selbst, historische Hintergründe und soziale Aspekte des mittelalterlichen Lebens wissen. Konsequenterweise wurde der Prolog daher näheren Untersuchungen unterzogen, da zu vermuten ist, dass der Autor sein Anliegen hier in komprimierter Form darzustellen versuchte.
Den Ausgangspunkt bildet die äußere Struktur, also die theoretischen Voraussetzungen, die dem Prolog des Mittelalters im Allgemeinen zu Eigen sind. Sie sollen mit den Gegebenheiten des Prologs im „Tristan“ verglichen und ausgewertet werden.
Bevor der Prolog im „Tristan“ näher untersucht wird, werden einige Vorkenntnisse über den Autor selbst sowie über den Prolog des Mittelalters im Allgemeinen vorangestellt, die für die Interpretation und den Einsteig in den Prolog wichtig und sinnvoll sind.
4
2 Gottfried von Straßburg
Über die historische Person Gottfried von Straßburg wissen wir nicht sehr viel. Alles was heute über ihn bekannt ist, ist lediglich das, was sich aus seinen Werken selbst erschließen lässt.
Das einzig sichere erhaltene Werk Gottfrieds ist der knapp 20 000 Verse umfassende Tristanroman. Es ist anzunehmen, dass es sich bei Gottfrieds Auftraggeber um einen gewissen DIETÊRICH handelt, wie das Akrostichon nahe legt. In der Forschung wurde der Versuch unternommen, Gottfrieds Biographie von der Geschichte Straßburgs her zu beleuchten und sowohl Gottfried als auch seinen Auftraggeber sieht man am ehesten aus intellektuellen Patrizierkreisen stammen. 1 Es besteht aber lediglich die Vermutung, dass der Autor des „Tristan“ in Straßburg gelebt hat, seinen Wirkungskreis in der Region oder gar in der Stadt selbst hatte oder vielleicht nur während der Schaffensperiode des „Tristan“ dort gewohnt hat. Keine dieser Spekulationen kann eindeutig bewiesen werden, da keine schriftlichen Zeugnisse vorhanden sind.
Aus dem Tristanroman kann man erschließen, dass Gottfried mit der höfischen deutschen und französischen Literatur vertraut war und dass er zudem eine hohe lateinisch- artistische Bildung besaß sowie gute Kenntnisse des Laienrechts, der höfischen Sachkultur und der Musik.
Die Lebensdaten Gottfrieds sind nicht zu ermitteln. Sein Roman ist zwischen 1200 und 1220 entstanden und er ist nicht vollendet. Die späteren Fortsetzer Ulrich von Türheim (1243) und Heinrich von Freiberg (um 1290) geben zu Protokoll, dass Gottfried durch den Tod an der Fertigstellung des Romans gehindert worden sei. Dies wird aber bis heute angezweifelt. 2
Für den Publikumserfolg seines „Tristan“ spricht wohl die verhältnismäßig reiche Überlieferung in 11 vollständigen Handschriften und 16 Fragmenten. Es wird darauf hingewiesen, dass Gottfried in der deutschen Literatur des 13. Jahrhunderts ein Stilvorbild und immer wieder auch thematischer Bezugspunkt war. 3
1 Huber, Christoph: Gottfried von Straßburg. Tristan. Berlin 2001, S. 27f
2 Glauch, Sonja: Gottfried von Straßburg. http://www.mediaevum.de/autoren/gottfried_von_strassb.pdf.
Erlangen 2003
3 Huber, S.30
5
3 Der Prolog
Der Prolog des Mittelalters entstammt antiker Tradition. Etymologisch geht prolog aus dem Griechischen hervor und bedeutet Vorrede oder Vorspruch. Es handelt sich um die Einleitung eines dramatischen Textes, die als integrierter oder selbstständiger Teil szenisch dargestellt, von Figuren des Werkes oder von einer nur im Prolog auftretenden Gestalt erzählt wird. Seine Funktionen sind vor allem Begrüßung und Huldigung des Publikums, Information über das Stück, die Verdeutlichung von Handlungsstrukturen oder die Vorausdeutung auf den Schluss. Ferner kann der Prolog aber auch ideologische Reflexionen enthalten sowie didaktische, moralische oder sozialkritische Anliegen erörtern und sogar eine Selbstdeutung des Werkes durch den Autor sein. 4
3.1 Die historische Entwicklung
Wenn auch die Wortbedeutung erhalten blieb, so veränderte sich doch das Wesen des Prologs gegenüber dem Vorbild im antiken Drama stark. 5 Der Akzent verlagerte sich hin zu einer in Absicht und Stil relativ werkunabhängigen Konstruktion. Aus heutiger Sicht hat er eher den Charakter eines Vorwortes, welches mit Nachdruck den Angesprochenen in direkter Rede von Thema und Werk überzeugen will. Es erscheint daher nicht verwunderlich, dass der Prolog in der mittelalterlichen Theorie als Bestandteil der Rhetorik begriffen wurde, sodass sich sein Stil an entsprechenden Regeln auszurichten hatte.
Die Rhetorik ist die Frage nach dem Wie. Die Sache wird in eine Form gebracht, welche helfen soll, die Zuhörenden für einen vorgebrachten Standpunkt einzunehmen. Mittelalterliche Rhetorik entwickelte sich aus der Theorie und Praxis der römisch- antiken Gerichtsrede. 6
Auf die Gerichtsrede bezogen, findet der Prolog in der gerichtlichen Vorrede seine natürliche Entsprechung, da auch sie an den Anfang gestellt wurde. Ihr Zweck bestand darin, Wohlwollen, Aufgeschlossenheit und Aufmerksamkeit des Hörers zu gewinnen. 7 Der Sprecher will Einfluss auf das Urteil über eine Handlung haben. Die
4 Metzler, J.B.: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Stuttgart 1990, S. 364, Stichwort Prolog
5 Stadler, Edmund: Prolog. Reallexikon der Deutschen Literaturgeschichte. Bd. 3. Berlin 1966, S. 262-283, §4/5
6 Brinkmann, Hennig: Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung. 1964. S.4
7 Cicero: De oratore. Über den Redner. Lateinisch/ Deutsch. Hg. Merklin, Harald. Stuttgart 1997, S. 317
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Arbeit zitieren:
Evelyn Habel, 2007, Der Prolog des Tristan von Gottfried von Straßburg, München, GRIN Verlag GmbH
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