1
GLIEDERUNG
1. Einleitung 2
2. Religion in den Vereinigten Staaten 3
3. Christlicher Fundamentalismus in den USA 4
3.1. Entstehung christlich rechter Organisationen 4
3.2. Neuorientierung der Christlichen Rechten in den 90er Jahren 5
4. Die Christliche Rechte in der politischen Landschaft 6
4.1. Die Christian Coalition an den grass roots 6
4.2. Mobilisierung der christlichen Wählerschaft 8
4.3. Die Christian Coalition in der Republikanischen Partei 9
5. Die Religiöse Rechte unter der Bush-Administration 12
5.1. Die Christliche Rechte im Präsidentschaftswahlkampf 12
5.2. Umsetzung religiös-konservativer Ziele durch die Bush-Administration 13
6. Fazit 15
7. Literaturverzeichnis 17
2
1. EINLEITUNG
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Land der Gegensätze:
„Amerika, das modernste Land auf Erden, hat sich auf einen Sonderweg begeben. Auf erstaunliche Weise kombiniert es Modernität mit Tradition. Es träumt von einem weltraumgestützten Raketenschild und ist fromm bis zur Bigotterie. Es entwickelt die besten Computer der Welt und legt die Bibel wörtlich aus. Es bringt pausenlos Nobelpreisträger hervor und sieht in Darwins Evolutionslehre ein Sakrileg.“ 1
Die Gesellschaft der Vereinigten Staaten ist traditionell mit Religion durchzogen. In God we trust steht geschrieben auf den Geldscheinen des US-Dollars und in der Verfassung. Prominente und vor allem Politiker würzen ihre Reden damit. Der Präsident der Vereinigten Staaten schwört bei Amtsantritt auf die Bibel, genauso wie die Zeugen im amerikanischen Gerichtssaal.
Obwohl auch in den USA eine Trennung zwischen Staat und Kirche besteht, so ist eine moralische Prägung der Politik, vor allem bei der Republikanischen Partei, festzustellen. Die Politik repräsentiert die Stimmen der Bürger und die Bürger wählen ihre Repräsentanten nach ihren Interessen, Forderungen und Wünschen. Viele organisieren sich in Interessengruppen und bemühen sich um politischen Einfluss, um einer besonderen Forderung Gewicht zu verleihen.
Die Religiöse Rechte hat als soziale Bewegung ihre Wurzeln im amerikanisch protestantischen Fundamentalismus. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, den gesellschaftlichen Perspektiven und Interessen ihrer protestantisch-konservativen Trägerschaft auf politischer Ebene Gehör zu verschaffen. Sie hat einen enormen Stamm von Anhängern hinter sich geschart, die bereit sind viel Geld, Wählerstimmen und Arbeitskraft für diese Aufgabe zu investieren. So ein Wählerpotential weckt natürlich das Interesse der politischen Parteien. Im Fall der christlich rechten Interessengruppen hat sich eine enge Verbindung mit der Republikanischen Partei herausgebildet. In dieser Arbeit soll gezeigt werden, wie es der Christlichen Rechten gelingt, ein solches Potential aufzubauen, um in einem engen Verhältnis mit der Republikanischen Partei, ihre Ziele in der amerikanischen Innen- und Außenpolitik umzusetzen. Dafür werden die wesentlichen Entwicklungsschritte dieser Bewegung nachvollzogen und aufgezeigt, wie
1 Brinkbäumer, K./ von Ilsemann, S./ Mascolo, G./ Spörl, G. (Hg.), Die rechte Revolution, in: Der Spiegel, 46/2004, S.
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3
sich ihre Forderungen in der Politik der aktuellen Regierung unter George W. Bush niederschlagen.
2. RELIGION IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Einwanderungsland und damit durch eine Vielzahl religiöser Gruppierungen gekennzeichnet. Jedoch ist das Christentum in den USA vorherrschend. Über 80% der Amerikaner bekennen sich zu dieser Religion. Neben den Anhängern der römisch-katholischen Konfession bilden die Protestanten mit einem Anteil von knapp 60% an der amerikanischen Bevölkerung die größte Gruppe. 2 Mit heute ca. 6 Millionen Anhängern stellen die Juden eine weitere große Religion in den Vereinigten Staaten dar. 3
Wenn man jedoch das politische Verhalten religiöser Gruppen betrachten möchte, ist eine weitere Klassifizierung nötig. Grundsätzlich ordnet man die Katholiken und die Juden eher dem liberalen Politikfeld zu, während die Protestanten politisch eher eine konservative Haltung einnehmen. Ganz so klar ist die Trennung allerdings nicht vorzunehmen, da beispielsweise ein Teil der römisch-katholischen Gläubigen durchaus politisch konservativ eingestellt ist. Innerhalb der Protestanten gibt es drei Untergruppen, die Black Protestants, die Mainline Protestants und die Evangelical Protestants. Hier sind es vor allem die Mainline Protestants aber auch ein Großteil der schwarzen Protestanten, die liberale Ansichten vertreten.
Das Hauptaugenmerk richtet sich aber auf die evangelikalen Protestanten. Denn diese beziehen mit zum Teil extrem konservativen Ansichten immer öfter politische Stellung und entpuppen sich als äußerst loyale Anhänger der Republikanischen Partei. Mit einem Anteil von 24% der als Wähler registrierten Amerikaner und mit ihrer überdurchschnittlich hohen Wahlbeteiligung sind die evangelikalen Protestanten zu einem entscheidenden Bestandteil der republikanischen Wählerschaft geworden. 4
2 Vgl. Braml, Josef (Hg.), 2004: Die religiöse Rechte in den USA. Basis der Bush-Administration?, in: SWP-Studie, Berlin, S.7.
3 Wasser, Hartmut (Hg.), 2000: USA. Grundwissen Länderkunde. Wirtschaft - Gesellschaft - Politik, 4. Aufl., Opladen, S.54.
4 Vgl. ebd. Braml, Josef, S. 7
4
3. CHRISTLICHER FUNDAMENTALISMUS IN DEN USA
Hört man das Wort Fundamentalismus, denkt man im allgemeinen an muslimische Extremisten. Doch auch im Christentum hat es seit jeher Fundamentalisten gegeben. „Fundamentalismus bedeutet hier eine ausgeprägte Orthodoxie, die sich auf die Unfehlbarkeit des biblischen Wortes und eine selektive Adaption religiöser Traditionen gründet und in einer diesseitigen Haltung dezidiert gegen bestimmte Ausprägungen der Moderne wie Liberalismus und Säkularismus Stellung bezieht.“ 5
Politisierung religiöser Ansichten ist nicht neu. So haben bereits Anfang des 20. Jahrhunderts protestantische Fundamentalisten versucht, ihren Ansichten Gehör in der Politik zu verschaffen. Dies ist ihnen damals auch durchaus gelungen, als sie ein Verbot der Evolutionslehre an Schulen erwirken konnten. Mitte der Zwanziger Jahre zogen sie sich jedoch von der Politik zurück. 6
3.1. Entstehung christlich rechter Organisationen
In den 70er Jahren kehrten die konservativen Protestanten wieder zurück auf die politische Bühne. Auslöser hierfür waren vor allem das 1963 erlassene Verbot des Betens an Schulen und das Gerichtsurteil des Supreme Courts 1973, das entschied, dass Frauen innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate ein Abbruch nicht mehr verweigert werden durfte. So wurden im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 1980 diverse christlich rechte Organisationen gegründet, die sich die Ablösung der Regierung Carters zum Ziel machten. Darunter befanden sich zwei der bekanntesten, Moral Majority und Christian Voice. Sie versuchten mit intensiver Lobbyarbeit in Washington D.C. ihre religiösen Forderungen politisch durchzusetzen.
Doch die von ihnen unterstützte Reagan-Regierung löste ihre Wahlversprechungen nicht ein. Die Enttäuschung der Mitglieder und Sympathisanten wuchs und zog einen Rückgang der Spendengelder nach sich. Als dann auch noch in 1986 beide Häuser in demokratische Hand fielen, machte sich Resignation breit und die meisten der großen Organisationen lösten sich auf, darunter auch Moral Majority. 7
5 Minkenberg, Michael, 2003: Die Christliche Rechte und die amerikanische Politik von der ersten bis zur zweiten Bush-Administration, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B46/2003, S. 24
6 Vgl. Mertin, Katja (Hg.), 2004: Zwischen Anpassung und Konfrontation. Die Religiöse Rechte in der amerikanischen Politik, 1.Aufl., Wiesbaden, S.71-73.
7 Vgl. ebd. Mertin, Katja, S.74-80.
Arbeit zitieren:
Julia Wiedersich, 2005, Die Christliche Rechte in der amerikanischen Politik, München, GRIN Verlag GmbH
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