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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Twin Peaks Fire walk with me
3. Symbolik in Twin Peaks
3.1. Wasser
3.2. Ring
3.3. Feuer
3.4. Tiersymbole
3.4.1. Hund
3.4.2. Pferd
3.4.3. Rabe und Affe
3.5. Farbsymbolik
3.5.1. Rot
3.5.2. Blau
3.5.3. Schwarz und Weiß
4. Engel
4.1. Allgemeines
4.2. Cherubim und Seraphim
4.3. Erzengel Michael und Luzifer
4.4. Schutzengel
5. Engel und Dämonen in Twin Peaks
6. Schlussbetrachtung
7. Literatur
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1. Einleitung
Erst durch die Seminarsitzung „Das Kino der Engel“ fiel mir auf, welche unterschiedlichen Gestalten Engel im Film annehmen können. Mir war vorher der Film „Twin Peaks – Fire walk with me“ von David Lynch bekannt und bisher habe ich nur die in dem Film auftauchenden traditionellen Engel als solche angesehen. Dadurch inspiriert habe ich mich eingehender mit dem Film auseinandergesetzt und stellte fest, dass in dem Film zahlreiche Engel unterschiedlicher Gestalt zu sehen sind. Durch die TV-Serie war mir auch das religiöse System in Twin Peaks bekannt. Daher habe ich mich auch mit den religiösen Symbolen beschäftigt. Es war problematisch für dieses spezielle Thema Literatur zu finden. Stefan Harbers geht ein wenig auf die Engel und religiöse Symbolik ein. Deshalb habe ich versucht, aus den verschiedenen Interpretationen zu dem Film und Bücher zur Engelthematik eigene Schlussfolgerungen und Deutungen zu ziehen.
Die folgende Hausarbeit erhebt nicht den Anspruch, alle Symbole ausführlich zu behandeln, da das den Rahmen sprengen würde und mein Schwerpunkt die Engel sind. Des Weiteren möchte ich anmerken, dass David Lynch ein Vertreter des surrealistischen Films ist und daher nicht eindeutig interpretierbar ist. Mehrdeutigkeit der Symbole ist also von Lynch ausdrücklich gewollt.
„Twin Peaks – Fire walk with me“ (dt.: Twin Peaks – Der Film) erzählt die Vorgeschichte der TV-Serie „Twin Peaks” (dt.: Das Geheimnis von Twin Peaks), die sich mit dem Mordfall Laura Palmer beschäftigt. Deshalb werde ich bei der Analyse des Filmes auch Rückgriffe auf die TV-Serie vornehmen, um Sachverhalte, die im Film unverständlich sind, zu erklären.
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2. Twin Peaks – Fire walk with me
Der Film erzählt im Hauptteil die Passion der Laura Palmer, ihre letzten Lebenstage. Er lässt sich in zwei Teile untergliedern, die stark abgegrenzt sind. Die erste halbe Stunde ermitteln die FBI-Agenten Chester Desmond und Sam Stanley den Mord an Teresa Banks. Sie finden heraus, dass Teresa Drogen nahm und ihr Geld als Kellnerin verdiente. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass sich unter ihrem Fingernagel ein kleiner Zettel mit dem Buchstaben „T“ befindet. Sie bemerken ebenso, dass ein Ring fehlt, den Teresa Banks trug. Dieser Ring ist die Verbindung zum zweiten Teil, der sich bis zum Schluss in Twin Peaks abspielen wird. Die Musterschülerin Laura Palmer ist drogenabhängig. Seit ihrer Kindheit wird sie regelmäßig von Bob vergewaltigt. Sie findet heraus, dass Bob nicht real existiert, sondern dass er das Böse an sich ist, das Besitz ergriffen hat vom Vater. Der Preis für diese Erkenntnis ist ihr Tod.
Im „Twin Peaks“-Zyklus arbeiten David Lynch und Mark Frost (der aber auf den Film keinen Einfluss hat) mit Symbolen, die, für Lynch typisch, mehrdeutig interpretierbar sind. Selbst der Titel deutet diese Mehrdeutigkeit an: „Zwillingsgipfel“ ist die Übersetzung des Titels, aber umgangssprachlich sind damit auch die Brüste der Frau gemeint. Die Personen in Twin Peaks führen meist ein Doppelleben. Lynch führt das Thema der Verdopplung auch in die Symbolik ein. Dies gibt dem Zuschauer neben dem Gefühl der Verunsicherung auch die Möglichkeit der Interpretation und, so Lynch: „Die Leute sollten ermutigt werden, ihren eigenen Gefühlen zu trauen. Je abstrakter etwas ist, desto weiter wird die Spanne der Interpretationen sein.“ 1 Was könnte hier geeigneter sein, als mythische Symbole zu verwenden, die von verschiedenen Kulturen/Religionen unterschiedlich ausgelegt werden.
In Twin Peaks wird eine indianische Vorstellung von Gut und Böse beschrieben. Ein indianischer Polizist erzählt Cooper von zwei Orten, die sich die weiße und schwarze Hütte nennen. Jeder muss nach indianischem Glauben die schwarze Hütte zu seiner Vollkommenheit durchqueren, um zum Ort des Guten, die weiße Hütte, zu gelangen. Weiter heißt es, dass die Seele in der schwarzen Hütte auf ihr Schattenbild trifft, d.h. jeder der unvollkommenen Mutes ist, dessen Seele wird restlos zerstört (18. Folge). 1 Seesslen, Georg: David Lynch und seine Filme. Marburg: Schüren, 2000, 4. erw. u. überarb. Aufl., S.
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Der Schlüssel, so sagt es Cooper in der 28. Folge, ist Liebe und Furcht. Liebe öffnet den Weg zur weißen Hütte, Furcht den zur schwarzen. Aber der Zugang kann nur alle 25 Jahre betreten werden, wenn Jupiter und Saturn sich treffen, dann nämlich trifft das Gute das Böse und der Kampf beginnt. Diese archaische Vorstellung des Paradieses und der Hölle wird unterschiedlich bewertet. Der Gegenpart zum guten, aber auch naiven Cooper, Windom Earle erklärt ebenfalls das religiöse System. Sein Ziel ist aber ein anderes. Er sagt zur weißen Hütte: „Nach meiner Ansicht ein ekliges Pflaster. Es stank vor lauter Moral. Man hörte das Gewimmere von betenden Müttern und Kindern; und frömmelnde Narren, ob jung oder alt, fühlten sich ohne Grund ständig bemüßigt, Gutes zu tun. [...] es gibt noch einen anderen Ort, das genaue Gegenstück[...] Die Geister, die dort hausen, pfeifen auf gute Taten oder Bittgebete. [...] Aber macht man sich diese Geister dienstbar, in diesem Land der gellenden Schreie und zerbrochenen Herzen, so steht einem eine Macht zur Verfügung, mit der man die Erde nach seinen eigenen Vorstellungen umgestalten kann.“ 2 (26. Folge) So ganz stimmen diese Ausführungen nicht, denn es ist nicht das genaue Gegenstück wie oben beschrieben. Stefan Harbers vergleicht diese „schwarze Hütte“ mit der christlichen Vorstellung des Fegefeuers als eine Art „Durchgangsstation, durch die jeder Mensch nach seinem Tode gehen muß“. 3 Als Hinweis mag auch die schwarzweiße Struktur des Fußbodens gelten, dass sich in der schwarzen Hütte das Böse und Gute trifft, um ihren archaischen Kampf zu führen.
Im Mittelpunkt von Twin Peaks steht, wie so oft bei David Lynch, das Böse. Es beherrscht die Thematik von Twin Peaks. Die verfinsterten Engel sind öfter zu sehen als die lichten Engel. Auch dem Menschen erscheinen die dunklen Mächte häufiger und beeinflussen deren Leben. Es ist daran erkennbar, wer Kontakt zu den Engeln beider Seiten hat. Laura Palmer, ihr Vater, ihre Mutter, Dale Cooper, Ronette Pulaski, Madeleine Ferguson, sie alle werden von Bob heimgesucht, haben Visionen von ihm. Nur Ronette, Laura und Cooper begegnen den göttlichen Engeln.
Die Religion von Twin Peaks wird mit zahlreichen Symbolen bestückt, von denen ich einige nun aufführen und auf die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten eingehen werde.
2 Seesslen, a.a.O., S.119 f.
3 Harbers, Stefan: Amerikanische Gesellschaftsbilder in den Filmen David Lynchs. Alfeld/Leine: Coppi- Verl., 1996 (Aufsätze zu Film und Fernsehen; Bd. 30), S. 68
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3. Symbolik in Twin Peaks
3.1 Wasser 4
Die Serie wie auch der Film beginnen nach der ersten Szene an einem Fluss. In der Serie wird die in Plastikplane gewickelte tote Laura Palmer an das Ufer gespült, im Film schwimmt die Leiche von Teresa Banks, ebenfalls in Plastikplanen gehüllt auf dem „Deep River“. Das Wasser gilt als Symbol für das Leben, den Tod und die Wiedergeburt. Zudem ist es ein Symbol der Reinigung. Dieses Thema wird explizit in einer Szene angesprochen, in der Laura Palmer von ihrem Vater, ihrem zukünftigen Mörder, in einer demütigenden Weise dazu aufgefordert wird, sich vor dem Abendessen, ihre schmutzigen Hände zu waschen. Interessant ist auch die Feststellung Hans Heydebrecks, dass an dem Todesdatum Laura Palmers, der 24. Februar, in Europa in manchen Gegenden Brauch ist, dass sich Frauen in Flüssen rituell waschen. 5 Dass das Bild der Leiche auf dem Wasser als Taufritual verstanden werden könnte, wird durch die Plastikplane bestätigt. 6 Wie bei einem Baby ist die Leiche darin eingewickelt. Im Brief des Paulus an die Römer (Röm 6) spricht Paulus bzgl. der Taufe vom Begraben und Auferstehen. In der Serie kann es so gedeutet werden, dass Laura Palmer mit ihren Sünden begraben wurde und ihre Cousine Madeleine Ferguson, ihr Ebenbild, erscheint kurze Zeit später (ob zufällig oder nicht an dem Tag, an dem Laura Palmer beerdigt wird) in Twin Peaks, frei von Sünde. (3. Folge) Laura Palmer und Madeleine Ferguson werden beide von Sheryl Lee gespielt, also kann man hier von einer abgewandelten Form der Auferstehung sprechen. 7 Ein weiterer Hinweis, das für die Taufe sprechen würde, ist die Bezeichnung des Flusses als „Deep River“, denn es ist eine andere Bezeichnung für den Jordan 8 , der Fluss, in dem nach biblischer Überlieferung Johannes die Menschen getauft hat. 4 Lurker, Manfred (Hrsg.):Wörterbuch der Symbolik, Stuttgart: Kröner, 1983, 2. erw. Aufl., S.753 f. 5 Heydebreck, Hans: Fire walk with me. Feuer, Wasser, Erde, Luft: Die Elemente in den Filmen David Lynchs, in: Pabst, Eckhard (Hrsg.): A strange world. Das Universum des David Lynch. Kiel: Ludwig, 1999, 3. Aufl., S. 287 6 Heydebreck bemerkt, dass bei der Identifizierung Lauras, sie einer Heiligen ähnelt, „da die Stofflichkeit des umrahmenden Plastiks den Faltenwurf gotischer Bildwerke nachahmt.“ ebd.
7 vgl. Heydebreck, a.a.O., S. 287 8 Fischer, Robert; Sloterdijk, Peter; Theweleit, Klaus: Bilder der Gewalt: mit einer Kontroverse zwischen Hans Günther Pflaum und Klaus Schreyer. Frankfurt a. M.: Verl. der Autoren, 1994, S. 94, vgl. auch Heydebreck, a.a.O., S. 288
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Björn Vieth, 2003, "Fire walk with me" - Mythische Symbole und Engel in Twin Peaks, Munich, GRIN Publishing GmbH
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