INHALT
Einleitung. 3
1. Das Feldlager des Königs 4
1.1 Die Lagerstrukturen im Vergleich 4
1.2 Transport-, Versorgungsmöglichkeiten und -mittel. 7
2. Persönliche Einstellung zur Armee. 11
2.1 Der König und die Offiziere 11
2.2 Der König und die Mannschaften 14
2.3 Beförderungen, Kriterien des Monarchen. 16
3. Der König im Feld 17
3.1 Tätigkeiten und Gefühle im Feldlager 17
3.2 Der König in der Schlacht. 21
Literaturverzeichnis 26
2
Einleitung
In der folgenden Arbeit, der Betrachtung des absolutistischen Königs im Feld, möchte ich die Funktion des Feldherren näher untersuchen. Diese Untersuchung wird sich auf die beiden Könige Friedrich den Großen und Ludwig XIV. beschränken, wobei auch hier, aufgrund der umfangreichen Literatur und meiner für eine genauere Analyse nicht ausreichenden Kenntnisse bezüglich der beiden Herrscher, nur eine Grundrißbetrachtung möglich ist. Aus diesem Grund sollen keine Beschreibungen der Feldzüge oder der strategischen Feldzugsplanung oder Sachverhalte der Kriege gemacht, sondern die grundsätzliche Einstellung der beiden Könige zur Armee und zu den Tätigkeiten als Feldherr verglichen werden (mit größerem Gewicht auf Friedrich den Großen). Natürlich bedarf es hier zudem des Vergleiches der persönlichen Auffassung von den Pflichten eines Feldherren, der die Funktion des Königs als Feldherr letztendlich deutlich machen soll. Als Grundvorlage für diese Untersuchungen dienten "Die Memoiren des Herzogs von Sain - Simon" Hg. von Sigrid Massenbach (bezüglich Ludwig XIV.) und "Friedrich der Große und seine Armee" von Christopher Duffy.
Die historischen Gesamtzusammenhänge bezüglich der Einstellungen der beiden Könige im einzelnen darzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Deshalb soll zunächst einmal die Tatsache genügen, daß sich die Vorstellungen eines Feldherren zur Zeit Ludwigs XIV. in Frankreich von denen in Preußen (etwa ein halbes Jahrhundert später) unterschieden, nicht zuletzt durch die die soldatische Feldherrenfunktion einleitenden Gedanken Friedrich Wilhelms I. ('der Soldatenkönig'), dem Vater Friedrichs des Großen. Die Armee war nicht nur, wie in Frankreich um 1700, ein Teil des Staates, sondern die bestimmende soziale Macht, "die zugleich die Macht des Königs war, Staat und Gesellschaft durchdrang" 1 und deren Feldherr bzw. König ein Teil ihrer selbst war. Demnach wird sich zeigen, daß die Funktion des preußischen Feldherren Friedrich des Großen eine soldatische gewesen sein muß. Das bedeutet, daß sich der König direkt als Planer und Ausführender Krieger am Krieg beteiligte, er erscheint als der 'typische' Feldherr. Wohingegen Ludwig XIV. vermutlich eine hauptsächlich nur auf Repräsentation und Ritualeinhaltung beschränkte 'Feldherren'funktion hatte.
Bei dem Vergleich der Einstellung zur Armee, dem Vergleich der Tätigkeiten im Feldlager und in der Schlacht wird die Funktion in Ansätzen deutlich.
Auch die Gefühle nach einem siegreichen oder aber auch verlustreichen Feldzug geben über die Feldherrenpersönlichkeit Auskunft.
Um aber überhaupt einen solchen Feldzug erfolgreich durchführen zu können, benötigte man einen beweglichen Stützpunkt: in ihm sollte die Verpflegung und die Versorgung gesichert, die Planung des Feldherren möglich und schließlich die Unterkunft der Soldaten gewährleistet sein. Denn aufgrund der absolutistischen Heerführung gab es oft längere Kampfpausen, entweder Nachts, um den Gegner im Morgengrauen zu überraschen oder generell solange, bis sich die Armeen wieder zu einer bestimmten Formation geordnet hatten. 2 Dieser Stützpunkt war das Feldlager der absolutistischen Armee.
1. Das Feldlager des Königs
Nicht nur der Aufbau bzw. die Struktur der Lager Friedrichs des Großen und Ludwigs XIV. sondern auch die damit verbundene Transport- und Versorgungslage sollen hier - zumindest in Ansätzen - dargestellt werden. Dabei wird sich bei genauerem Betrachten zeigen, daß Gemeinsamkeiten und auch Unterschiede bei den Feldlagern der beiden Könige zu erkennen sind. Dabei ist es wichtig, die sich aufzeigende unterschiedliche Einstellung der beiden Herrscher bezüglich der Planung zu erkennen. Durch das Erkennen dieser Einstellung läßt sich bereits im ersten Teil der Arbeit die unterschiedliche Funktion des jeweiligen Königs im Feld, die im weiteren Verlauf der Arbeit noch deutlicher gemacht werden soll, aufzeigen.
1.1 Die Lagerstrukturen im Vergleich
Eine bestimmte Form des Aufbaus eines Feldlagers findet sich bereits im klassischen Altertum unter Gaius Iulius Caesar. Schon zu dieser Zeit war das Lager Stützpunkt für die Soldaten und Lagerort für das schwere Gepäck wie zB. "[...] Mühlen, Zelte, Geschütze, Waffenvorräte, Roheisen, Blei, Feldschmieden und Holz [...]." 3 Der Lagerplatz wurde nach bestimmten Kriterien wie zB. Schutz vor Feinden (Lage) und Versorgung (Trinkwasser und Feuerholz) ausgesucht; das Lager schlugen die Römer nach einem bestimmten Muster auf:
Dieses hatte meist eine Rechteckform mit einer nach der Anzahl der Soldaten festgelegten Länge. "Auf jeder Seite gab es ein Tor [...]. In der Mitte des Lagers war das Feldherrenzelt (praetoritum), vor diesem die Rednertribüne (tribunal) mit dem Versammlungsplatz des Heeres. Außen lief um das Lager ein Wall (vallum), eine Palisade und ein Graben [...]. Vor jedem Tor lag eine Kohorte auf Wache." 4
Neben der Überlieferung von Lagerstrukturen seiner Vorfahren, hat das römische Feldlager in dieser Form wohl eine Vorbildfunktion für den absolutistischen König bzw. seinen Strategen gehabt, denn die Lagerstrukturen beispielsweise Friedrichs des Großen hatten ähnliche Kennzeichen: so wurde auch hier die Lagergröße nach der Anzahl der Soldaten abgeschätzt und durch den Generalquartiermeister oder durch Adjutanten des König abgesteckt. 5 Den Appellplatz und die Zelte errichtete man nach genauer Anlage. Das Zelt des Feldherren stand auch hier in der Mitte des Lagers, es hatte ein großes Vordach und zusätzlich die Funktion des Hauptquartiers. Um dieses herum standen nach Dienstgraden in bestimmten Abständen gehalten die Zelte der Offiziere, Unteroffiziere und schließlich die der Mannschaften. Diese waren haargenau nebeneinander ausgerichtet und so geordnet, daß im Falle eines Angriffes sehr schnell eine Truppenaufstellung und Angriffsformation gebildet werden konnte. 6 Zwischen den Zelten der Soldaten fand sich eine Vielzahl anderer Einrichtungen wie zum Beispiel die Zelte der Marketender, die der Feldbäckereien, die des Frisörs, die der Diener und Knechte und nicht selten die Zelte einiger Prostituierter. Diese Einrichtungen waren Bestandteil der Versorgungsbasis. Auch was die Lagerwache betraf, gab es unter Friedrich strenge Regeln, um das Lager (Proviant, Kriegskasse, Material und das eigene Leben) gegen Feinde zu sichern und um Deserteure, deren Zahl durch die preußische Zwangsrekrutierung sehr hoch war, 7 schnell fassen zu können. Daher gab es - ähnlich wie bei den Römern - rund um die Uhr Wachketten innerhalb und außerhalb des Lagers, die strenge Vorschriften zu beachten hatten. So wurden Deserteure immer unter den Augen des gesamten Lagers bestraft: "Wiederholte Fahnenflucht wurde mit 20maligem Gassenlaufen geahndet; dies bedeutete für den Verurteilten den sicheren Tod." 8
Der preußische König schildert das Lager bei Bunzelwitz in einem Brief an den Marquis d'Argens 1761wie folgt:
"Ein Berg, von Schanzen rings umfaßt,
Oft dienten Friedrich aber auch Festungen als Lager oder Bauern-
Häuser als Hauptquartier. Hier lassen sich Parallelen nicht nur zu den Römern sondern auch zum Sonnenkönig ziehen, dessen Armeen besonders im Winter die umliegenden Bauten, sogar ganze Städte, sehr oft als Lager umfunktionierten. 10
Was die grundlegenden Strukturen des Lagers betrifft, waren die Lagerbauten Friedrichs - bis auf einige Ausnahmen 11 - ähnlich der des französischen Lagers; denn dieses wurde auch abgesteckt, die Zelte der Höflinge, der Soldaten und der Dienerschaft um das große prunkvolle Zelt des Königs herum aufgestellt und Lagerplätze und Quartiere für Pferde und Knechte eingerichtet. Je näher ein Zelt - beispielsweise eines Höflings - am Zelt des Königs stand, um so größer war die Gunst Ludwigs XIV. diesem gegenüber. Diese Aufstellung nach Sympathie bzw. Antipathie hätte für den preußischen Feldherren keinen besonderen Zweck gehabt und deshalb muß man davon ausgehen, daß dort die genaue Ausrichtung der Zelte der Infanterie, Kavallerie und der Offiziere ausschließlich einem militärischen Nutzen diente.
Eine weitere Parallelität findet sich bei der Betrachtung der Schutzeinrichtungen des Lagers, denn wie die Soldaten unter dem Preußenkönig stellten die Franzosen Lagerwachen, wenn auch in abgeschwächter Form, auf und bauten um die Lager und Festungen Laufgräben und Schanzen.
"[...] beide Flügel waren an zwei Wäldchen angelehnt; vor der Mitte standen Hecken und ziemlich ausgedehntes Buschwerk" 12 , zwischen beiden Armeen "war kaum eine halbe Meile
Abstand" 13 schreibt Sain - Simon in seinen Memoiren und zeigt damit, daß auch die Ausnutzung des Geländes - ähnlich wie bei den Römern - eine wichtige Rolle bei der Armee Ludwigs XIV. gespielt haben muß.
Daß Friedrich der Große den Ort des Lagerplatzes nach bestimmten Gesichtspunkten mit Sicherheit auch ausgewählt hat, dürfte hinsichtlich seines in der Geschichtsliteratur immer wieder erwähnten militärischen und organisatorischen Genies auf der Hand liegen, zudem er im Gegensatz zum Sonnenkönig - und das wird im späteren Teil meiner Arbeit noch zu zeigen sein - fast ausschließlich alle militärischen Entscheidungen selbst traf. Aus diesen Gegebenheiten zeigt sich, daß die Lagerstrukturen der beiden absolutistischen Herrscher in den Grundzügen annähernd gleich gewesen sein dürften, obwohl Friedrich der Große etwa 50 Jahre später im Gegensatz zu Ludwig XIV. weniger Wert auf eine prunkvolle Ausstattung denn auf eine strategisch bedeutsame Ausrichtung legte. Diesem rationaleren Denken liegen nicht zuletzt auch Friedrichs aufklärerische Gedankenzüge zugrunde, die er in seinem Werk 'Antimachiavell' niedergeschrieben hat.
1.2 Transport-, Versorgungsmöglichkeiten und -mittel
Nachdem man sich nun ein grundlegendes Bild eines Feldlagers machen kann, vergleiche ich im Folgenden die zum Funktionieren des Lagers benötigten Transport- und Versorgungsmöglichkeiten und -mittel, die zudem ein noch etwas genaueres Bild des Lagers im allgemeinen aufzeigen. Hier weisen sich auch Unterschiede bezüglich der Transport- und Versorgungsproblematik bei den Armeen Ludwigs XIV. und Friedrichs des Großen auf. Während die französische Armee zur Zeit Ludwigs XIV. in den Wintermonaten, bis auf wenige Ausnahmen, weitgehend ruhte, da die Nachschublage aufgrund der Witterungsverhältnisse oft schlecht war, 14 man sich daher zurückziehen mußte, konnte die Armee Friedrichs theoretisch auch Feldzüge im Winter durchführen. Dies kann und soll aber hier nicht verallgemeinert werden, da es mit Sicherheit auch vorkam, daß bei den Preußen "die Witterungsverhältnisse [...] größere Operationen sehr erschweren", sogar unmöglich machen konnten. 15 Außerdem wurden die Versorgungslinien der preußischen Armee in den ersten Kriegsjahren des Schlesischen Krieges durch ein zu weites Vordringen oft
Arbeit zitieren:
Stephan Becht, 1994, Der absolutistische König im Feld, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Stephan Becht's Text Der absolutistische König im Feld ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Stephan Becht hat den Text Der absolutistische König im Feld veröffentlicht
Stephan Becht hat einen neuen Text hochgeladen
König Ludwig II. - Deine Treuen. Bayerns König Ludwig II.-Vereine und ...
Alfons Schweiggert
0 Kommentare