Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
1 Problemstellung und Vorgehensweise 1
2 Begriffsbildungen zu Alter und Altersdelinquenz. 3
2.1 Erörterung des Begriffs „alt“ bzw „Alter“ 3
2.2 Definitionen zur Alters- und Spätkriminalität 5
3 Ausmaß der Altersdelinquenz 7
3.1 Umfang, Entwicklungen und Strukturen im Hellfeld. 7
3.1.1 Besonderheiten der Alterskriminalität. 7
3.1.2 Umfang und Entwicklung anhand der PKS. 11
3.1.3 Umfang und Entwicklung anhand der Verurteiltenstatistiken 17
3.1.4 Analyse der Deliktsstruktur der Alterskriminalität 23
3.1.4.1 Einfacher Diebstahl 27
3.1.4.2 Betrug 30
3.1.4.3 Aggressionsdelikte. 32
3.1.4.3.1 Beleidigung. 32
3.1.4.3.2 Leichte Körperverletzung 34
3.1.4.3.3 Sonstige Aggressionsdelikte der Männer 36
3.1.4.4 Verkehrsdelikte. 38
3.2 Das Dunkelfeld der Altersdelinquenz. 40
3.2.1 Die Problematik des Dunkelfelds im Überblick. 40
3.2.2 Altersdelikte und ihre (Un-)Sichtbarkeit 41
3.2.2.1 Allgemeine Thesen zum Dunkelfeld 41
3.2.2.2 Theoretische Ansätze zum Dunkelfeld. 42
3.2.2.2.1 Kontrolltheoretischer Ansatz. 43
3.2.2.2.2 Labeling approach 44
4 Erklärungsversuche zur Altersdelinquenz. 47
4.1 Erklärungen zu den Ursachen der (Spät-)Kriminalität von Senioren. 48
4.1.1 Biologische bzw medizinische Erklärungen. 48
I
4.1.2 Psychologische Erklärungen. 51
4.1.2.1 Frustrations-Aggressions-Hypothese. 52
4.1.2.2 Lebenszufriedenheit. 53
4.1.3 Sozialpsychologische Erklärungen. 56
4.1.3.1 Halttheorie 56
4.1.3.2 Bindungstheorie. 58
4.1.4 Soziologische Erklärungen 59
4.1.4.1 Ausgewählte Lebensbereiche von Senioren 60
4.1.4.1.1 Familienstand. 60
4.1.4.1.2 Alltagsgestaltung 61
4.1.4.2 Lebensstile von Senioren. 64
4.2 Erklärungen zu den Ursachen des Rückgangs der Kriminalität im Alter. 66
4.2.1 Die Schwächetheorie 66
4.2.2 Die „Burn-out“-Theorie. 68
5 Schlussbetrachtung. 70
Anhangverzeichnis. 75
Anhang. 76
Literaturverzeichnis 88
II
Abkürzungsverzeichnis
AO = Abgabenordnung BGBL = Bundesgesetzblatt bspw = beispielsweise bzw = beziehungsweise ca = circa DE = Deutschland f = folgende Seite Hrsg = Herausgeber insb = insbesondere Mio = Million(en) ORF = Österreichischer Rundfunk oS = ohne Seitenangabe oV = ohne Verfasserangabe PKS = Polizeiliche Kriminalstatistik S = Seite(n) StGB = Strafgesetzbuch StVG = Straßenverkehrsgesetz sog = so genannte(n) TVBZ = Tatverdächtigenbelastungszahl u = und USA = Vereinigte Staaten von Amerika usw = und so weiter VZ = Verurteiltenziffer zB = zum Beispiel
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: TVBZ der deutschen Bevölkerung nach Alter u. Geschlecht für 2006.
Abbildung 2: Rückfallsrate in Deutschland nach Alter und Sanktionsart.
Abbildung 3: Tatverdächtige in Deutschland nach Alter im Jahr 2006
Abbildung 4: Tatverdächtige Senioren in Deutschland 2006 nach Delikten
Abbildung 5: Entwicklung der Altersdelinquenz in DE beim einfachen Diebstahl.
Abbildung 6: Entwicklung der Altersdelinquenz in DE beim Betrug.
Abbildung 7: Entwicklung der Altersdelinquenz in DE bei der Beleidigung
Abbildung 8: Entwicklung der Altersdelinquenz in DE bei leicht. Körperverletzung.
Abbildung 9: Entwicklung diverser Aggressionsdelikte älterer Männer in DE.
Abbildung 10: Zeitverwendung der (über) 60-jährigen Personen.
Abbildung 11: TV-Nutzungszeiten nach Altersgruppen in Österreich
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Entwicklung der TVBZ der deutschen Tatverdächtigen 14
Tabelle 2: Gegenüberstellung der Tatverdächtigen und Verurteilten in DE 17
Tabelle 3: Verurteilungen und VZ der Senioren nach Geschlecht. 21
Tabelle 4: Rangliste der Verurteilungen von Senioren im Jahr 2006. 25
Tabelle 5: Im Jahr 2006 in Deutschland verübte Betrugsarten im Vergleich 32
Tabelle 6: Verurteilte bei Straftaten im Straßenverkehr in Deutschland. 38
Tabelle 7: Verurteilte bei Straftaten im Straßenverkehr nach Deliktsarten. 39
Tabelle 8: Selbsttötungen in Deutschland und Österreich nach Altersgruppen 53
Tabelle 9: Familienstand der Senioren nach Altersgruppen und Geschlecht 60
V
1 Problemstellung und Vorgehensweise
In den letzten Jahrzehnten hat, bedingt durch die ständig ansteigende Lebenserwartung sowie die rückläufige Geburtenrate, eine deutliche Änderung der Altersstruktur der Bevölkerungen in den westlichen Industrieländern stattgefunden. Dieser Trend soll sich auch in Zukunft weiter fortsetzen. Dennoch ist die Altersdelinquenz bisher - im Gegensatz zur vieldiskutierten Jungendkriminalität - ein vernachlässigtes Forschungsgebiet in der Kriminologie. Die gedankliche Verbindung älterer Mensch und Straffälligkeit wird, bis auf das immer noch verbreitete Vorurteil vom alten Mann als Kinderschänder, von der Bevölkerung nur in den seltensten Fällen hergestellt. In Anbetracht der sich abzeichnenden demographischen Veränderungen ist es jedoch erforderlich, den Blick auch auf die älteren Straftäter zu richten und sie mehr ins gesellschaftliche und wissenschaftliche Interesse zu rücken.
Einen Beitrag dazu versucht die vorliegende Diplomarbeit zu leisten, indem sie sich mit den Ausmaßen der Altersdelinquenz in Deutschland und Österreich sowie deren Ursachen beschäftigt. Da unter Delinquenz ein aktives Abweichen von gesetzlichen Normen zu verstehen ist, wird es im Rahmen dieser Arbeit nicht angestrebt, auf die Rechtsbrüche an alten Menschen einzugehen.
Um der Zielsetzung, die Kriminalität von alten Menschen zu untersuchen, in einer adäquaten Form nachkommen zu können, muss zuerst eine begriffliche Definition der für das Vorhaben wesentlichen Begriffe Alters- sowie Spätkriminalität vorgenommen werden. Dies geschieht in Kapitel zwei nach einer kurzen Erörterung der Frage, ab wann ein Mensch eigentlich als alt gilt bzw zu gelten hat.
Gemäß der Themenstellung wird dann im ersten Hauptteil der vorliegenden Arbeit -Kapitel drei - das Ausmaß der Altersdelinquenz systematisch und strukturiert dargestellt. Mangels einer getrennten Erfassung älterer Personen - so werden die (über) 40jährigen Personen als einheitliche Altersgruppe erfasst - im österreichischen Kriminalitätsbericht muss dabei zur Darstellung der polizeilich registrierten Kriminalität auf das Zahlenmaterial von Deutschland ausgewichen werden. Bevor aber in den Abschnitten 3.1.2, 3.1.3 und 3.1.4 detailliert auf den Umfang und die Entwicklung der
1
registrierten Alterskriminalität eingegangen wird, werden in Abschnitt 3.1.1 spezielle Merkmale oder besser einige Besonderheiten selbiger vorgestellt, um auf diese Weise eine erste wichtige Übersicht über das Ausmaß des Phänomens Alter und Delinquenz zu erhalten. Da aber nicht alle Straftaten angezeigt, aufgedeckt oder abgeurteilt werden und somit die in den Kriminalstatistiken registrierte Kriminalität - das sog Hellfeldnur einen Teil des wirklichen Kriminalitätsaufkommens widerspiegelt, wird in Abschnitt 3.2 auch das sog Dunkelfeld dargestellt. Dieses setzt sich aus der Gesamtheit aller begangenen Straftaten zusammen, welche den Strafverfolgungsbehörden nicht zur Kenntnis gelangen und die daher in den offiziellen Statistiken nicht ausgewiesen werden. 1
In Kapitel vier, dem zweiten Hauptteil, wird anhand von Erklärungsversuchen den Ursachen für delinquentes Verhalten nachgegangen. Da - wie im Laufe von Kapitel drei herausgearbeitet wird - die Kriminalität im Alter stark zurückgeht, es parallel dazu aber eine vergleichsweise hohe Anzahl von Ersttätern zu geben scheint, erfolgt zur besseren Überschaubarkeit eine Einteilung der Erklärungsversuche in zwei Kate-gorien. In Abschnitt 4.1 werden daher jene Begründungen behandelt, die auf die Ursachen von (erstmalig) kriminellem Verhalten gerichtet sind. In Abschnitt 4.2 folgen demnach solche, welche die Anlässe für den Rückgang der Kriminalität zum Erklärungsinhalt haben.
1 Bannenberg/Rössner, Kriminalität in Deutschland, 35.
2
2 Begriffsbildungen zu Alter und Altersdelinquenz
2.1 Erörterung des Begriffs „alt“ bzw „Alter“
Die Frage, ab wann ein Mensch als alt gilt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Insofern beginnen auch bei dieser Thematik - wie so oft - die Schwierigkeiten bei den Versuchen der begrifflichen Annäherung. Durch die zunehmende Lebenserwartung der Menschen in den westlichen Industrieländern hat sich die kalendarische Festlegung des Altseins immer weiter nach oben verschoben. Galt man zu Beginn des vorangegangenen Jahrhunderts mit 50 Jahren schon als alt, trifft dies heute auf die Menschen im Alter von 60 oder 65 Jahren keineswegs im gleichen Ausmaß zu. Darüber hinaus ist es letztlich sogar eine Frage der individuellen Sichtweise; denn für einen 10-Jährigen ist bspw der 30-jährige Mensch schon alt.
Biologisch und psychologisch betrachtet ist das Altern ein Prozess, der gekennzeichnet ist durch eine allmählich nachlassende Anpassungs- und Leistungsfähigkeit. Auslöser dafür sind unter anderem Abbau- und Rückbildungsvorgänge sowie teilweise Hirn-und Persönlichkeitsveränderungen. 2 Diese Veränderungen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch sowohl in Art und Ausmaß als auch in Zeitpunkt und Verlauf ihres Auftretens. Man denke zB an Kinder, die am Hutchinson-Gilford-Syndrom (Progeria Infantilis, auch Progerie) leiden. Auffälligstes Merkmal dieser Erbkrankheit ist die Vergreisung der betroffenen Kinder. Aus dieser Perspektive muss das Altern daher als ein gradueller Vorgang mit vielschichtigen, individuellen Variationen angesehen werden.
Über diese individuellen Prozesse hinaus können aber auch gesellschaftliche und soziale Vorgänge beachtet werden, sodass das Altern dann als ein multifaktorieller Prozess verstanden werden kann, bei dem das kalendarische Alter - die seit der Geburt vergangene Zeit - nur einen Faktor darstellt. 3
Soziologisch bedeutet Altern vor allem den Übergang in den sozialen Status des Seniors bzw der Seniorin. Ausdruck dieses Übergangs, der sich durch den Ausstieg aus
2 Feest, Alterskriminalität, in Kaiser/Kerner (Hrsg), Kriminologisches Wörterbuch 3 , 14.
3 Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik (Hrsg), Wörterbuch der Sozialpolitik, oS.
3
dem Berufsleben und den Eintritt in den Ruhestand zusammensetzt, ist in den Industrieländern in der Regel die Pensionierung.
Für eine genaue Abgrenzung des Begriffes „Senioren“ bietet der österreichische Gesetzgeber eine Legaldefinition im Rahmen des Bundes-Seniorengesetzes 4 an. Rechtsgrundlage ist dabei dessen § 2:
Als Senioren im Sinne dieses Bundesgesetzes gelten alle Personen österreichischer Staatsangehörigkeit oder der Staatsangehörigkeit eines Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum mit Wohnsitz in Österreich, 1. die auf Grund eines Gesetzes oder Vertrages aus eigener Tätigkeit eine Pension, gleichgültig welcher Art, beziehen oder
2. die ein bestimmtes Alter erreicht haben; dieses ist bei Frauen die Vollendung des 55. Lebensjahres und bei Männern die Vollendung des 60. Lebensjahres.
Aus dieser Gesetzesbestimmung wird deutlich, dass der Beginn des Alters entweder in engem Zusammenhang mit der Pensionierung oder mit dem Erreichen eines bestimmten Lebensalters gesehen wird und man daher - zumindest für die Zwecke dieser Diplomarbeit - das 60. Lebensjahr als groben Indikator für die Klassifizierung eines Menschen als alt annehmen kann.
Darüber hinaus wird bei der Betrachtung der Senioren als Bevölkerungsgruppe heute zunehmend zwischen drittem und viertem Alter unterschieden. 5 Das Kriterium zur Abgrenzung beider Gruppen stellt der Grad der Freiheit von Behinderungen und schweren Krankheiten dar. Die Personen, die sich in der Lebensphase des dritten Alters befinden, leben demnach noch weitgehend behinderungsfrei, während bei den Menschen im vierten Alter - man wird als hochaltrig bezeichnet - altersbedingte Einschränkungen zu Anpassungen des Alltagslebens zwingen. Auch beim Begriff Hochaltrigkeit ist auf Grund der individuellen Unterschiede eine chronologische Festlegung schwer vorzunehmen, doch wird sie aus pragmatischen Gründen überwiegend bei 80 Jahren angesetzt. 6 Ferner werden die Seniorinnen und Senioren des dritten Lebensal-
4 Bundes-Seniorengesetz,BGBL I 1998/84.
5 Baier, Wie einst die Alten sungen, 14.
6 Schweizerische Vereinigung für Sozialpolitik (Hrsg), Wörterbuch der Sozialpolitik, oS.
4
ters in zunehmendem Maße weiter unterteilt, 7 so dass im Rahmen der vorliegende Arbeit nachfolgende Einteilung - und dieser daher so weit gefolgt wird, als dies durch das vorhandene statistische Zahlenmaterial möglich ist - der älteren Menschen als zweckmäßig erachtet wird:
junge Senioren bzw „junge Alte“ (von 60 bis unter 70 Jahren) alte Senioren (von 70 bis unter 80 Jahren) hochaltrige Menschen (ab 80 Jahren)
2.2 Definitionen zur Alters- und Spätkriminalität
Die Bezeichnung „Alterskriminalität“ im Wortsinn umfasst die Straftaten, die auf die biologischen, psychologischen und sozialen Prozesse des Alterns zurückzuführen sind. 8 Da nun das Altern ein individuell unterschiedlich ablaufender Vorgang ist, müsste jede Straftat erst eingehend untersucht werden, um feststellen zu können, ob eine Altersstraftat vorliegt oder nicht. Da ein solches Vorgehen nicht praktikabel ist, hat sich in der Kriminologie eine rein formale Abgrenzung durchgesetzt. Diese wurde mit Hilfe solcher Überlegungen festgelegt, wie sie bei der Erörterung des Begriffs „Alter“ angestellt wurden.
Unter Alterskriminalität werden demnach die Straftaten von Menschen, die 60 Jahre und älter sind, verstanden; unabhängig davon, ob die Tat etwas mit dem Altern zu tun hat oder nicht. 9 Schwind plädiert dagegen auf Grund der gestiegenen Lebenserwartung für eine Anhebung auf 65 Jahre. 10 Da aber auch die Kriminalstatistiken nur die (über) 60-jährigen Personen als einheitliche Alterskategorie ausweisen, erscheint es auch aus dieser Perspektive für die kriminologische Arbeit sinnvoll, die Altersgrenze bei 60 Jahren anzusetzen.
Ebenso wichtig für die Untersuchungen zur Altersdelinquenz, aber vom Begriff der Alterskriminalität zu unterscheiden ist der Ausdruck „Spätkriminalität“. Unter Spät- 7 Sobspw auch Baier, Wie einst die Alten sungen, 14f.
8 Jäckle, Aspekte der Alterskriminalität, 2.
9 Göppinger, Kriminologie 6 , Bock (Hrsg), 390; Kerner (Hrsg), Kriminologie Lexikon 4 , 15.
10 Schwind, Kriminologie 11 , 70.
5
kriminalität wird delinquentes Verhalten subsumiert, das nicht bereits in jungen Jahren, sondern erst später einsetzt. Für dieses „Später“ wird dabei wiederum entweder eine individuelle oder aber eine generelle Festlegung getroffen, die je nach Autor bei 30, 50 oder 55 Jahren liegen soll. 11
Während man also unter Alterskriminalität Straftaten versteht, die von der Altersgruppe der Senioren begangen werden, bezieht sich Spätkriminalität auf den Zeitpunkt der erstmalig strafbaren Handlung. Da es für diesen Zeitpunkt keine genaue Festlegung gibt, wird in dieser Diplomarbeit unter Spätkriminalität delinquentes Verhalten von 60-Jährigen und Älteren verstanden, die bisher gesetzestreu bzw strafrechtlich unauffällig gelebt haben. Spätkriminalität ist demnach Erstkriminalität nach dem 60. Lebensjahr.
11 Göppinger, Kriminologie 6 , Bock (Hrsg), 390; Kreuzer/Hürlimann, Alte Menschen in Kriminalität, in Kreuzer/Hürlimann (Hrsg), Alte Menschen als Täter und Opfer, 21.
6
3 Ausmaß der Altersdelinquenz
3.1 Umfang, Entwicklungen und Strukturen im Hellfeld
Im Rahmen dieser Arbeit bilden den Ausgangspunkt für die Überlegungen hinsichtlich des Ausmaßes der Altersdelinquenz im Hellfeld die offiziellen Kriminalstatistiken. Die wichtigste Erkenntnisquelle stellt hierbei die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) der Bundesrepublik Deutschland dar. Sie wird jährlich vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden herausgegeben und fasst die Informationen zum Kriminalitätsgeschehen in Deutschland zusammen. In der PKS werden alle die in einem Jahr der Polizei bekannt gewordenen Straftaten mit Ausnahme der Staatsschutz- und Verkehrsdelikte 12 nach Deliktsart, Zahl, Alter, Geschlecht usw erfasst. 13 Weiters von Bedeutung ist die deutsche Strafverfolgungsstatistik und die Gerichtliche Kriminalstatistik aus Österreich. In diesen sind die von den Gerichten abgeurteilten Tatverdächtigen erfasst. Ferner wird in die Untersuchung noch die deutsche Rückfallstatistik von 2003 einbezogen, da auch daraus wertvolle Hinweise zu Altersstraftätern entnommen werden können.
3.1.1 Besonderheiten der Alterskriminalität
Wie durch Abbildung 1 nachfolgend veranschaulicht wird, ist die Kriminalitätsbelastung von Senioren die niedrigste aller Altersgruppen. So liegt ihre Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ) - das ist die Zahl der ermittelten deutschen Tatverdächtigen, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden deutschen Bevölkerungsanteils 14 - bei 661 und weist damit einen Wert auf, der knapp 4-mal geringer ist als jener der gesamten deutschen Wohnbevölkerung ab 8 Jahren; deren TVBZ beträgt nämlich 2.551. Die höchste Kriminalitätsbelastung weist - was weiter nicht verwundert, da sie in das Lebensalter fällt, in der das kriminelle Verhalten am stärksten ausgeprägt ist - 12 Definition BundeskriminalamtWiesbaden (Hrsg), PKS 2006, 20; Verkehrsdelikte sind: 1) alle Verstöße gegen Bestimmungen, die zur Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit im Straßen-, Bahn-, und Luftverkehr erlassen wurden. 2) alle durch Verkehrsunfälle bedingten Fahrlässigkeitsdelikte. 3) die Verkehrsunfallflucht. 4) alle Verstöße gegen das Pflichtversicherungsgesetz und Kfz-Steuergesetz.
13 Bannenberg/Rössner, Kriminalität in Deutschland, 29.
14 TVBZ werden nur für die deutsche Bevölkerungsgruppe berechnet; zB: (Tatverdächtige ab 60 Jahre x 100 000) / Einwohner ab 60 Jahre.
7
die Gruppe der Heranwachsenden auf. Dementsprechend entfallen auf diese Altersgruppe 7.618 Tatverdächtige pro 100.000, was eine mehr als 11-mal so hohe Belastung wie die der Senioren bedeutet.
Hinter den Heranwachsenden folgen die Jugendlichen und die Gruppe der sog Jungerwachsenen (21 bis unter 25 Jahre) mit einer statistischen Delinquenzbelastung von 6.799 bzw 6.153. Der Rückgang, der sich bei den Jungerwachsenen bereits andeutet, verstärkt sich mit zunehmendem Alter, sodass bspw auf 100.000 Personen im Alter von 30 bis unter 40 Jahre bereits nur noch 2.929 Tatverdächtige entfallen. Aus der mit steigendem Lebensalter sinkenden Belastungstendenz errechnet sich für die Erwachsenen eine durchschnittliche TVBZ von 2.873. 16 Auf Grund dieser Zahlen ergibt sich demnach die unbestreitbare Tatsache, dass die Straffälligkeit mit ansteigendem Erwachsenenalter nachlässt.
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist auch das in Abbildung 1 dargestellte Geschlechterverhältnis. Dabei zeigt sich die wesentlich größere Delinquenzbelastung der männlichen Bevölkerung in allen Altersgruppen, wobei dieser Geschlechterabstand in den Gruppen der Heranwachsenden und der Jungerwachsenen am deutlichsten ausgeprägt ist. Demzufolge sind die Männer in diesen Gruppen gegenüber den Frauen auch ca 3,6-mal mehr belastet (TVBZ Heranwachsende 11.776 zu 3.256 und Jung-
15 EigeneDarstellung und (zum Teil) Berechnung; Datenquelle: Bundeskriminalamt Wiesbaden (Hrsg), PKS 2006, 97.
16 Datenquelle: Bundeskriminalamt Wiesbaden (Hrsg), PKS 2006, 97.
8
erwachsene 9.521 zu 2.644). Mit zunehmendem Lebensalter reduziert sich der Ab-stand, sodass die (über) 60-jährigen Männer gegenüber den gleichaltrigen Frauen nur noch knapp 3-mal so stark belastet sind (TVBZ 1.090 zu 343). 17 Nach der geringen kriminellen Belastung zeigen die Zahlen der PKS somit eine weitere Besonderheit der Altersdelinquenz, nämlich, dass sich die Belastungskurven der männlichen und weiblichen Täter mit zunehmendem Alter annähern. 18 Auf Grund der vorliegenden Zahlen kann man aber im Bereich der Altersdelinquenz mittlerweile nicht mehr - wie noch in der Literatur des vergangenen Jahrzehnts 19 - von einer nur doppelt so starken Belastung der Männer ausgehen.
In Kongruenz mit der nachlassenden Straffälligkeit nimmt mit zunehmendem Alter auch die Rückfallshäufigkeit ab, wie in Abbildung 2 gezeigt wird. Sie sinkt kontinuierlich bei allen Sanktionsarten. Als einzige Ausnahme erscheint hier die Personengruppe der 50 bis 59-Jährigen. Bei dieser zeigt sich noch einmal ein Anstieg der Rückfallsrate nach Verbüßung einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung von knapp 46 % bei den 40 bis 49-Jährigen auf 50,5 %. Bemerkenswert ist auch das deutlich höhere Rückfallsniveau bei den vollstreckten Freiheitsstrafen. Es bewegt sich von ca 59 % bei Personen unter dem 30. Lebensjahr bis hinunter auf 36 % bei den (über) 60-Jährigen. Nach einer Strafaussetzung und erst recht nach Verhängung einer Geldstrafe sinkt das Rückfalls-
17 Datenquelle: BundeskriminalamtWiesbaden (Hrsg), PKS 2006, 97.
18 Kerner (Hrsg), Kriminologie Lexikon 4 , 15.
19 So bspw auch Kerner (Hrsg), Kriminologie Lexikon 4 , 15; Kreuzer/Hürlimann, Alte Menschen in Kriminalität, in Kreuzer/Hürlimann (Hrsg), Alte Menschen als Täter und Opfer, 28.
20 Eigene Darstellung; Datenquelle: Bundesministerium der Justiz (Hrsg), Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen, 46.
9
niveau im Laufe des Erwachsenenlebens von 48 % bzw 35 % auf 36 % und 14 % bei den Senioren ab. 21 Diese Entwicklung hängt zwar sehr wahrscheinlich zu einem Teil auch mit der ansteigenden Sterberate im fortgeschrittenen Lebensalter zusammen, bestätigt ansonsten aber den Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und abnehmender Kriminalität. 22
Eine dritte Besonderheit im Bereich der Seniorenkriminalität zeigt sich in der hohen Zahl von Ersttätern. 23 Auch wenn sich diese Aussage - auf Grund der fehlenden altersbezogenen Erfassung - weder anhand der gerichtlichen Kriminalstatistik in Österreich noch der Strafverfolgungsstatistik in Deutschland untermauern lässt, gibt es doch zahlreiche Studien, die das belegen. So stellten etwa Pollak und auch Moberg bereits in den 40er und 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts fest, dass bis zu zwei Drittel - bei den 60 bis 69-Jährigen waren es nach Pollaks Berechnungen 70 % - der älteren Gesetzesbrecher in den USA „first offender“ gewesen sind. 24 Albrecht und Dünkel sind zu dem Schluss gekommen, dass in Deutschland unter drei verurteilten Senioren zwei Erstbestrafte zu finden sind, während der Vorstrafenanteil der 30- bis 50-jährigen Personen genau umgekehrt sei. 25 Auch Ritzel kam bei seiner Analyse über Art und Häufigkeit der Altersdelinquenz in Göttingen (Deutschland) zu dem Resultat, dass während des Untersuchungszeitraumes von 100 verurteilten Straftätern (über) 60 Jahren 61 Ersttäter waren. Der Anteil der Wiederholungstäter lag dagegen bei 39 %. Ritzel fand weiters heraus, dass sich unter diesen Rückfallstätern auch Probanden befanden, die zwar ihre erste strafbare Handlung auch erst im Seniorenalter begingen, zum Zeitpunkt der Untersuchung aber bereits Wiederholungstäter waren. Nach der Berücksichtigung des Zeitpunktes des Erstdelikts kam er zu dem Ergebnis, dass 77,4 % der Altersdelinquenten erst nach Vollendung des 60. Lebensjahres straffällig wurden. 26
Neben den bei den (über) 60-Jährigen rund 80 % Erstauffälligen geht man zum Teil sogar davon aus, dass nur etwa 5 % aller delinquenten Senioren schon vor ihrem 50.
21 Datenquelle: Bundesministerium der Justiz (Hrsg), Legalbewährung nach strafrechtlichen Sanktionen, 45f.
22 Keßler, Straffälligkeit im Alter, 11.
23 So etwa auch Schneider, Kriminalität alter Menschen, in Schneider (Hrsg), Einführung in die Kriminologie 3 , 267; Mergen, Die Kriminologie 3 , 223; Kreuzer/Hürlimann, Alte Menschen in Kriminalität, in Kreuzer/Hürlimann (Hrsg), Alte Menschen als Täter und Opfer, 28.
24 Keßler, Straffälligkeit im Alter, 10 u 137.
25 Albrecht/Dünkel, Die vergessene Minderheit, Zeitschrift für Gerontologie 1981, 259 u 265.
26 Ritzel, Untersuchungen zur Altersdelinquenz, Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform 1972, 349.
10
Lebensjahr nachweislich kriminell in Erscheinung getreten sind. 27 Als ergänzende Anmerkung zu diesen Daten soll an dieser Stelle aber auch auf die eventuellen Löschungen amtlicher Strafregistereintragungen sowie das individuelle Dunkelfeld - auf welches durch das Wort „nachweislich“ verdeckt hingewiesen wird - aufmerksam gemacht werden.
3.1.2 Umfang und Entwicklung anhand der PKS
Im Jahr 2006 wurden in Deutschland insgesamt knapp 2,3 Mio Tatverdächtige ermittelt. Dagegen wurden nur 143.732 Personen, die 60 Jahre oder älter waren, als Verdächtige einer strafbaren Tat registriert. Ihr Anteil an der gesamten erfassten Kriminalität lag somit bei 6,3 %. 28 Dagegen lag ihr Anteil an der Wohnbevölkerung 2006 in Deutschland bei 24,9 % und in Österreich bei 21,9 %. 29 Während also in der Bevölkerung knapp jeder Vierte zu den „Alten“ zählt, gehört nur knapp jeder sechzehnte Tatverdächtige dieser Altersgruppe an. Daraus wird deutlich, dass der Umfang der jährlich bekannt gewordenen Straffälligkeit von Senioren in keiner Weise ihrem Anteil an der Wohnbevölkerung entspricht.
Bei der Betrachtung der nachfolgenden Abbildung 3, welche die absoluten Tatverdächtigenzahlen nach Alter und Geschlecht für das Jahr 2006 zeigt, wird der starke Abfall der Alterskriminalitätskurve deutlich, der in der zweiten Hälfte des vierten Lebensjahrzehnts beginnt. Dieser Rückgang wird traditionell damit erklärt, dass die (kriminelle) Energie, körperliche Kraft, Geschicklichkeit und damit auch die rechtswidrigen Aktivitäten mit zunehmendem Erwachsenenalter abnehmen. Auch das Ausscheiden aus dem Arbeitsprozess und der damit verbundene Rückgang der Gelegenheiten zur Deliktsbegehung werden als Begründung für den Kriminalitätsrückgang im Laufe des sechsten Lebensjahrzehnts angeführt. 30 Da kriminelle „Karrieren“ bis auf wenige Ausnahmen im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt enden, 31 geben diese Ausführun-
27 Feest, Alterskriminalität,in Kaiser/Kerner (Hrsg), Kriminologisches Wörterbuch 3 , 16; Heller, Sozialabweichendes Verhalten, 20.
28 Datenquelle: siehe Anhang 3.
29 Datenquelle: Statistik Austria (Hrsg), Statistisches Jahrbuch Österreichs 2007, 526.
30 Feest, Alterskriminalität, , Kaiser/Kerner (Hrsg), Kriminologisches Wörterbuch 3 , 15.
31 Keßler, Straffälligkeit im Alter, 21.
11
gen durchaus plausible Erklärungen für die starke Verminderung der Kriminalität ab. Sie liefern aber keine Begründung für den hohen Anteil an Ersttätern bei den Senioren.
Auffallend in Abbildung 3 sind auch der erheblich flachere Verlauf der Alterskriminalitätskurve sowie die wesentlich geringere Straffälligkeit von Frauen, wie auch schon bei der Betrachtung der TVBZ festgestellt werden konnte. Von den 2,3 Mio Tatverdächtigen entfielen lediglich 550.000 auf Frauen, was einen Anteil von 24 % an der Gesamtkriminalität darstellt. Der Anteil der (über) 60-jährigen Frauen an der Seniorenkriminalität dagegen liegt mit knapp unter 30 % (42.922 von 143.732) deutlich höher. Auffallend und beachtenswert in diesem Zusammenhang ist aber die deutliche Reduktion des Frauenanteils an der Alterskriminalität in den letzten 20 Jahren. So lag ihr Anteil 1987 noch bei 45,6 % (33.308 von 73.009). 33
Für diese Reduktion des Frauenanteils um ca ein Drittel müsste auch eine Ursache im Wandel des Geschlechterverhältnisses - hin zu den stärker delinquenzbelasteten Männern - zu finden sein. Denn in Deutschland und Österreich kam es infolge des Zweiten Weltkrieges und der unzählig gefallenen Soldaten zu einer starken Verschiebung des Geschlechterverhältnisses für manche Jahrgänge. Dies führte nach dem Krieg zu einem großen Frauenüberschuss, der sich zeitverzögert auch bei den Senioren auswirkte und der sich erst in den darauf folgenden Jahrzehnten allmählich wieder verringerte.
32 Eigene Darstellung; Datenquelle: Bundeskriminalamt Wiesbaden (Hrsg), PKS 2006, 72.
33 Datenquelle: siehe Anhang 3.
12
So kamen in der Bundesrepublik Deutschland 1954 auf 1.000 Frauen von 60 und mehr Jahren noch 754 Männer im gleichen Alter. Der Männer-Anteil sank in der Folge kontinuierlich ab und lag daher 1981 nur noch bei 572. In der Folge setzte eine Trendwende ein, sodass sich das Verhältnis in (mittlerweile Gesamt-) Deutschland wieder ausgeglichen hat und daher das Verhältnis bei den (über) 60-jährigen Menschen 2005 bei 757 Männern zu 1.000 Frauen lag. 34 Auch für Österreich lässt sich der Wandel im Geschlechterverhältnis zahlenmäßig belegen. So kamen hier zu Lande 1951 auf 1.000 (über) 60 Jahre alte Frauen noch 725 Männer. Dieser Anteil sank in der Folge stetig ab und erreichte 1981 mit 582 Männern den Tiefststand. Danach setzte eine Trendwende ein, sodass im Jahre 2006 schließlich 723 Männer auf 1.000 Frauen kamen, womit wieder das Niveau von 1951 verzeichnet werden konnte. Diese Entwicklung soll sich fortsetzen, weshalb im Jahre 2015 mit einem Verhältnis von 779 zu 1.000 gerechnet wird. 35 Bei der Betrachtung dieser Zahlen fällt auf, dass der Anteil der Männer in den 1950er Jahren in Deutschland höher lag als in Österreich. Dagegen lag er 1981 etwas tiefer, erhöhte sich in der Folge schneller und liegt nun wieder knapp über dem österreichischen Niveau. Daraus kann gefolgert werden, dass
1. möglicherweise mehr deutsche als österreichische Männer im Krieg gefallen sind und
2. sich die Verschiebung des Verhältnisses hin zu den stärker delinquenzbelasteten Männern in Deutschland stärker in den Kriminalstatistiken auswirken müsste als in Österreich.
Dementsprechend ist bei dem in Deutschland inzwischen auf 30 % gesunkenen Frauenanteil an der Seniorenkriminalität aber auch zu berücksichtigen, dass ihr Anteil an der Bevölkerung bei den älteren Menschen nach wie vor deutlich über dem der Männer liegt. 36 Geht man wie prognostiziert von einer Fortsetzung dieses Wandels aus, dann könnte dies - vorausgesetzt die Rahmenbedingungen ändern sich nicht - zu einer weiteren Reduktion des Frauenanteils bei der Altersdelinquenz führen.
34 Eigene Berechnung; Datenquellen: Statistisches Bundesamt Deutschland (Hrsg), Statistische Jahrbücher, 1956, 1983 und 2007, 40, 61 u 44.
35 Datenquelle: Statistik Austria (Hrsg), Wohnbevölkerung nach Altersstruktur, oS.
36 So etwa auch Göppinger, Kriminologie 6 , Bock (Hrsg), 391.
13
Analysiert man anhand der absoluten Tatverdächtigenzahlen der Senioren das Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Zeitverlauf weiter, dann wird ein deutlicher Anstieg der männlichen gegenüber einem moderaten Anstieg der weiblichen Alterskriminalität sichtbar. (Eine Tabelle mit den vollständigen Auswertungen findet sich in Anhang 3.) 1993 - das Jahr der erstmaligen gemeinsamen Erfassung der alten und neuen deutschen Bundesländer - gab es 61.063 männliche und 41.947 weibliche (über) 60-jährige Tatverdächtige. 1997 wurden bereits 115.983 Tatverdächtige ermittelt, davon waren 73.821 Männer. Im Jahre 2006 dagegen standen 100.810 männlichen älteren Tatverdächtigen lediglich 42.922 Frauen gegenüber.
Die sich in den letzten 20 Jahren bei den Tatverdächtigen vergrößernde Kluft zwischen weiblicher und männlicher Seniorenkriminalität erfordert auch einen Blick auf die Entwicklung der TVBZ (Tabelle 1) der deutschen Bevölkerung in diesem Zeitraum, da diese - weil ja auf jeweils 100.000 der entsprechenden Bevölkerungsgruppe bezogendie Verzerrungen ausblenden, die durch demographische Veränderungen und die Wiedervereinigung entstehen. Hier zeigt sich eine Abnahme der statistischen Delinquenzbelastung bei der weiblichen Altersbevölkerung um 13,6 %, wogegen die der älteren Männer im selben Zeitraum um 29,4 % angestiegen ist.
Die Belastung der männlichen Senioren erhöhte sich damit im selben Ausmaß wie die der Gesamtbevölkerung (ohne Kinder unter 8 Jahre). Da sich die TVBZ der Erwachsenen um 20,1 % erhöht hat, ist bei den Älteren insgesamt mit 18,8 % dennoch der geringste Zuwachs zu verzeichnen.
37 Eigene Darstellung; Datenquellen: Bundeskriminalamt Wiesbaden (Hrsg), PKS-Zeitreihen 1987 -2006, Tabellen 40 (X), (M), (W), 1.
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Arbeit zitieren:
Mag. Johannes Bartl, 2008, Ausmaße und Ursachen der Altersdelinquenz, München, GRIN Verlag GmbH
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