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Inhaltsverzeichnis:
1.) Einleitung 3
2) F e r n a n d d e B r i n o n 4
3.) De Brinons Regierungskommission versus Doriots
B e f r e i u n g s k o m i t e e 8
4.) Jean Luchaire 10
5.) Die Tageszeitung „La France“ 11
6.) Schlussbetrachtung 13
7.) Quellen- und Literaturverzeichnis 16
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1.) Einleitung
Nachdem die Landung in der Normandie, die am 06. Juni 1944 begonnen hatte, die militärische Lage zu Gunsten der Alliierten dahingehend verändert hatte, 1 dass sich die Deutschen samt der mit ihnen kollaborierenden Franzosen durch das schnelle Vordringen der Alliierten zum Rückzug gezwungen sahen, 2 war das Ende der Vichy-Regierung besiegelt. 3 Die Deutschen gingen allerdings davon aus, dass die Räumung Frankreichs nicht dauerhaft sei und wollten deshalb unter allen Umständen die Fiktion einer französischen Regierung aufrechterhalten, was angesichts der Tatsache, dass sowohl Staatspräsident Philippe Pétain als auch Ministerpräsident Pierre Laval auf Grund ihrer Zwangsverlegung nach Belfort, dem provisorischen Sitz der französischen Regierung vor seiner Verlegung nach Sigmaringen, einerseits zwar jegliche Regierungstätigkeit einstellten und sich als Gefangene der Deutschen ansahen, sich aber andererseits gleichzeitig weigerten, von ihren Ämtern zu demissionieren, um den Deutschen die Einsetzung einer neuen französischen Regierung unmöglich zu machen. 4 Aus dieser Situation heraus entwickelte sich die Bereitschaft der Deutschen nun mit den Pariser Ultras zu kollaborieren, 5 welche sich in den Gesprächen zwischen Reichsaußenminister von Ribbentrop und den Hauptvertretern der Pariser Ultras im Schloss Steinort Ende August 1944 manifestierte. 6 Eine Woche lang wurde dort über die Bildung einer Ersatzregierung debattiert, wobei die Wahl als deren Vorsitzenden zuerst auf Jacques Doriot fiel, von der Ribbentrop allerdings aus verschiedenen Gründen wieder weichen musste und stattdessen Fernand de Brinon mit der Gründung einer provisorischen Regierungskommission betraute, die auf eine Regierung Doriot hinarbeiten sollte. 7 In dieser Arbeit soll auf die Regierungstätigkeit der Sigmaringer Kommission eingegangen werden, allerdings nur im Hinblick auf zwei ihrer Regierungsmitglieder, nämlich Fernand de Brinon, dem Vorsitzenden der Kommission, und Jean Luchaire, dem Verantwortlichen für Information und Propaganda. Eine Behandlung der weiteren Regierungsmitglieder ist im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Die Wahl der beiden Regierungsmitglieder fiel auf Fernand de
1 Vgl.: Baruch, Marc Olivier: Das Vichy-Regime. Frankreich 1940-1944. Stuttgart: 1999, S. 166.
2 Vgl.: Becker, Otto Heinrich: ’Ici la France’ - Die Vichy-Regierung in Sigmaringen 1944/45. In:
Hohenzollern. Hg. von Fritz Kallenberg. Stuttgart: 1996, S. 428-446, hier: S. 428.
3 Vgl.: Baruch, Das Vichy-Regime, S. 168.
4 Vgl.: Becker, Ici la France, S. 429.
5 Vgl.: Moser, Arnulf: Das französische Befreiungskomitee auf der Insel Mainau und das Ende der deutsch-
französischen Collaboration: 1944/45 (Konstanzer Geschichts- und Rechtsquellen 25). Sigmaringen: 1980,
S. 7.
6 Vgl.: Jäckel, Eberhard: Frankreich in Hitlers Europa: die deutsche Frankreichpolitik im 2. Weltkrieg
(Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 14). Stuttgart: 1966, S. 354.
7 Vgl.: Moser, Befreiungskomitee, S. 9.
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Brinon und Jean Luchaire, da sie verglichen mit Marcel Déat, Joseph Darnand und Eugène Bridoux das größte Ausmaß an Regierungstätigkeit aufwiesen.
2.) Fernand de Brinon
Fernand de Brinon, der gemäß den Vereinbarungen, die während der Gespräche in Ostpreußen Ende August 1944 getroffen worden waren, mittels einer von ihm zu gründenden Delegation, deren Vorsitz er vereinbarungsgemäß lediglich am Anfang für einige Wochen führen sollte, bei Pétain auf eine Regierung Doriot hinarbeiten sollte, 8 verkündete bereits am 06. September 1944 in Belfort, dass er zukünftig und zwar in Anlehnung an die Autorität Pétains, der auch weiterhin der einzig anerkannte und damit legale Machtinhaber sei, mit der Wahrung der französischen Interessen vor allem in Deutschland betraut sein werde und damit eine exekutive Gewalt ausübe: „Français! Le Maréchal de France demeure le seul détenteur du pouvoir légal. En conséquence, la protection des intérêts français assurée depuis quatre ans sous son autorité continue. J’assume, à partir d’aujourd’hui la charge de défendre ces intérêts notamment en Allemagne où ils sont si fortement représentés [...].“ 9 Damit war die Gründung seiner „Délégation française pour la défense des intérêts nationaux“, die später auf deutsche Weisung hin in „Commission gouvernementale française pour la défense des intérêts nationaux“ umbenannt werden musste, vollzogen. 10 Pétain hatte ihm allerdings lediglich seine Zuständigkeit für die Zivilinternierten bestätigt, was de Brinon dazu veranlasste, seine Kompetenzen einfach zu erweitern. 11 Seiner Regierungskommission, der bereits Marcel Déat und Joseph Darnand angehörten, versuchte er noch in Belfort verschiedene Minister aus Lavals Kabinett einzuverleiben; jedoch gelang es ihm lediglich, den Verteidigungsminister Eugène Bridoux und auf Drängen von Botschafter Otto Abetz hin auch den Präsidenten der Pressekorporation Jean Luchaire für seine Kommission zu gewinnen. 12 Die Beziehungen zu Marcel Déat waren von Anfang an gespannt, da sich dieser nur vorübergehend mit einer Unterordnung unter de Brinon zufrieden geben wollte; ihm schwebte vielmehr die Bildung einer von ihm geleiteten neuen Regierung vor, sobald sich die äußere Lage verbessern sollte. 13 De Brinon und seine Regierungskommission dienten ihm lediglich dazu, eine gemeinsame Abwehrfront gegen eine Regierung Doriot zu
8 Vgl.: Noguères, Louis: La dernière étape Sigmaringen. Paris: 1956, S. 56.
9 Vgl.: Franz, Corinna: Fernand de Brinon und die deutsch-französischen Beziehungen 1918-1945 (Pariser
Historische Studien 54). Bonn: 2000, S. 332.
10 Vgl.: Ebd., S. 333.
11 Vgl.: Ebd., S. 332.
12 Vgl.: Ebd., S. 334.
13 Vgl.: Ebd., S. 335 sowie S. 335 Anm. 318.
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bilden. 14 Hitlers Chefdolmetscher Doktor Paul Schmidt, der während der Gespräche in Ostpreußen als Übersetzer anwesend war, weiß zu berichten, dass es schon während der Verhandlungen mit Ribbentrop zu drastischen Streitigkeiten wegen den einzelnen Ministerposten unter den zukünftigen und aufs äußerste miteinander rivalisierenden Mitgliedern der Regierungskommission gekommen war. 15 Auch das Verhältnis zu Joseph Darnand, der einerseits Zweifel an seiner Eignung als Minister hegte, sich aber andererseits moralisch dazu verpflichtet sah, sich um seine Gefolgsleute (hauptsächlich Milizangehörige) zu kümmern, 16 gestaltete sich für de Brinon schwierig, da dieser ebenso wie Marcel Déat selten in Sigmaringen anwesend war. 17 Im Gegensatz zu Déat allerdings, der primär Vortrags- und Kongressreisen im gesamten Reich unternahm, 18 reiste Darnand fast ausschließlich nach Ulm, wo seine Miliz samt Angehöriger untergebracht worden war. 19 Die ständige Abwesenheit dieser beiden Mitglieder der Regierungskommission trug auch dazu bei, die Ausübung einer gemeinsamen, effizienten Regierungstätigkeit zu erschweren, wenn nicht sogar unmöglich zu machen. Da de Brinon auch mit Jean Luchaire Schwierigkeiten hatte, allerdings persönlicher Natur, 20 blieb ihm letztendlich nur Eugène Bridoux, zu dem er ein gutes Verhältnis aufweisen konnte, als Verbündeter. 21 Bridoux, der innerhalb der Kommission als Delegierter für die Betreuung der Kriegsgefangenen und ihrer Hilfswerke fungierte, 22 war allerdings mehr damit beschäftigt, sich Auseinandersetzungen um die Zuständigkeiten, was die Betreuung der Kriegsgefangenen betraf, zu widmen, während derer er sogar zeitweilig in Erwägung zog, von seinem Amt zurückzutreten, und de Brinon ein entsprechendes Schreiben zukommen ließ. 23 Dementsprechend war die Tätigkeit der Regierungskommission von Anfang an durch die vorherrschenden persönlichen Spannungen beeinträchtigt und während der gesamten Zeit, in der die Regierungskommission bestehen sollte, waren regierungsrelevante Zusammentreffen, bei denen alle Regierungsmitglieder anwesend waren, äußerst selten. 24
14 Vgl.: Ebd.
15 Vgl.: Schmidt, Paul: Statist auf diplomatischer Bühne 1923-45: Erlebnisse des Chefdolmetschers im Aus-
wärtigen Amt mit den Staatsmännern Europas. Bonn: 1952, S. 584.
16 Vgl.: Schillemans, Gérard-Trinité: Philippe Pétain, le prisonnier de Sigmaringen. Paris: 1965, S. 95.
17 Vgl.: Franz, Fernand de Brinon, S. 336.
18 Vgl.: Déat, Marcel: Mémoires politiques. Paris: 1989, S. 904-918.
19 Vgl.: Franz, Fernand de Brinon, S. 336.
20 Vgl.: Ebd., S. 337.
21 Vgl.: Ebd., S. 335.
22 Vgl.: Becker, Otto Heinrich: Die Trikolore vor Schloß Sigmaringen - die letzte Station der Vichy-Re-
gierung. In: Schwäbische Heimat 46 (1995), S. 116-123, hier: S. 118.
23 Vgl.: Rousso, Henry: Un château en Allemagne. La France de Pétain en exil, Sigmaringen 1944-1945.
Paris: 1980, S. 315f.
24 Vgl.: Franz, Fernand de Brinon, S. 337.
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Silke Böhm, 2009, Die französische Vichy-Regierung in Sigmaringen, München, GRIN Verlag GmbH
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