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I. Die Bedeutung der Kreativität in der Gesellschaft
Schon immer spielte Kreativität eine große Rolle. Von den Kreativen, von Künstlern und Musikern erwartete man immer neue Werke. Mit ihren Leistungen sollten sie sich selbst übertreffen. Heutzutage könnte man sagen, dass die Kreativität sogar einen höheren Stellenwert einnimmt, als vergleichsweise vor 100 Jahren. Laufend entstehen neue Berufe vor allem im Bereich der Medien. Man verlangt: "Sei kreativ!" In einer Zeit, die von ständigem Wandel beherrscht wird, erwartet man Außergewöhnliches von Mitarbeitern. Nur wer durch neue Ideen Menschen zu begeistern weiß, trägt zum Erfolg des Unternehmens bei. Es gibt unterschiedliche Themen, die den Begriff Kreativität zum Zentrum haben und die interessant erscheinen. In dieser Arbeit geht es in erster Linie um die Frage: Wann tritt die Phase des realen Zweifels ein und wie lässt sie sich überwinden? Deshalb beschäftigt sich die Arbeit mit den Ansichten von Hans Joas, Bezug nehmend auf den Text Kreativität des Handelns, und von Ursula Holtgrewe, der Autorin von Flexible Menschen in flexiblen Organisationen, und wendet sie auf ein konkretes Beispiel an, nämlich die Komödie 30 über Nacht.
II. Die Phase des realen Zweifels erfordert kreatives Handeln
1. Routinierte Handlung im Alltag
Der Soziologe und Sozialphilosoph Hans Joas geht davon aus, dass im Alltag bestimmte Handlungen in ihrer Ausführung, in ihrem Ablauf ziemlich ähnlich sind, bzw. jeden Tag in gleicher Weise erfolgen (Joas, 1992, S. 190). Das individuelle Agieren läuft quasi "automatisch" ab (S. 190). Wenn man nämlich die Erfahrung gemacht hat, dass eine bestimmte Handlung die Erwartungen der Individuen erfüllt, die im Privat- oder Arbeitsleben eine bedeutende Rolle spielen, so behält man diese Handlung bei und führt sie auf die Art
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und Weise aus, die im Umgang mit anderen erwartet wird. So beginnt der Tag eines normalen Angestellten beispielsweise für gewöhnlich damit, dass er zunächst die Nachrichten, die das Geschäft betreffen, durch liest. Dann geht er dazu über, dringende Aufgaben zu erledigen. Dass man aus Gewohnheit auf bestimmte Art und Weise handelt, meint auch Ursula Holtgrewe. Allerdings verweist sie darauf, dass die Handlung, die nach Giddens "Struktur" bildet und weitere Handlungen hervorruft, nicht vollkommen routiniert ablaufen kann (Holtgrewe, 2006, S. 16). Denn das Wissen, das für die Ausführung der Handlung wichtig ist, ist nie vollständig "selbstverständlich", nie fest, sondern ändert sich, wird erweitert und erschafft sich immer wieder neu (S. 16). Nach diesem Wissen richtet sich das Handeln einzelner Akteure. Es bleibt immer die Möglichkeit, dass die Handlung "anders" sein könnte (S.16), dass sie bsp. nicht hundertprozentig auf die gleiche Art wie beim letzten Mal oder am Tag zuvor ausgeführt wird. Laut Mead beeinflussen "Reize aus der Umwelt", sowie Reize, verursacht durch andere Individuen, das Handeln, das "Bewusstsein und Identität" entstehen lässt (S. 17). Da sich die Ansprüche und Wünsche anderer Akteure immer wieder ein wenig ändern, wirken sie sich auf das Handeln insofern aus, als dass das Individuum seine Handlung etwas anders gestalten wird. Im Großen und Ganzen bleibt die Handlung jedoch ebenso wie die letzten ausgeführten Handlungen weitgehend gleich. Allerdings kann es auch bedeuten, dass neues Wissen die Handlung völlig neu gestaltet. Mit diesem Thema beschäftigen sich folgende Kapitel.
2. Die Phase des realen Zweifels und die kreative Lösung im Film 30 über Nacht
2.1. Ritualisiertes Handeln scheitert an einem neuen Problem Gewöhnlich wird der Alltag von kontinuierlichem Handeln bestimmt. Schließlich kommt irgendwann der Moment, wenn die gewohnte
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Vorgehensweise dem Individuum nicht mehr weiter hilft, nämlich, wenn Schwierigkeiten besonderer Art sich ihm in den Weg stellen (Joas, 1992, S. 190). Die Erwartungen, die das Individuum an die Umwelt stellt, und die sein bisheriges alltägliches Handeln zufrieden gestellt hat, werden nicht mehr erfüllt. Immense, unvorhergesehene Veränderungen führen zur "Erschütterung unreflektierter Erwartungen" (S. 190). Denn die routinierte Handlung des Individuums versagt bei dem Versuch, gegen Schwierigkeiten bisher unbekannter Art anzukommen. Die Routine wird gebrochen, was notwendigerweise zu einer neuen Gestaltung von "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" führt (Holtgrewe, 2006, S. 18).
So tritt plötzlich die "Phase des realen Zweifels" ein (Joas, 1992, S. 190). Es ist ein einschneidendes Ereignis, das das Individuum in große Besorgnis stürzt, weil es sich bewusst wird, dass die bisher präferierte Handlungsweise an ihre Grenze gestoßen ist. Um diesen Zustand zu verlassen, muss das Individuum die Wiederherstellung "des unterbrochenen Zusammenhangs" anstreben (S. 190). Dies gelingt nur durch "kreative Leistung" (S. 190).
Die Komödie 30 über Nacht liefert trotz der Tatsache, dass sie sich zwischen Film-Realität und Film-Fiktion, d.h. einer möglichen Zukunft der Protagonistin bewegt, ein simples, aber gut veranschaulichendes Beispiel für die Phase des realen Zweifels und des Auswegs aus dieser Situation.
Nach ihrer Geburtstagsparty erwacht die 13-jährige Jenna Rink im Körper einer Dreißigjährigen, die ihre eigene, in diesem Moment reale Zukunft darstellt. Ihr 30-jähriges Ich arbeitet als erfolgreiche Redakteurin des Hochglanz-Magazins Poise und hat dementsprechend bestimmte Aufgaben und Verpflichtungen. Der Jugendlichen im Körper der Erwachsenen fällt es anfangs sehr schwer, sich in ihrer neuen Rolle zurecht zu finden. Nur langsam gewöhnt sie sich an diese Veränderung.
Jenna verbringt die erste Zeit als Erwachsene damit, sich in der enormen Umstellung zurecht zu finden, indem sie sich mit den Menschen aus ihrem Umfeld vertraut macht und ihren ehemaligen besten Freund
Arbeit zitieren:
Carolina Hein, 2009, Die Phase des realen Zweifels und die kreative Lösung im Film "30 über Nacht", München, GRIN Verlag GmbH
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