Inhaltsverzeichnis
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I. Einführende Gedanken und Bemerkungen 1
II. TAIM - Hauptargumente, -thesen, und -prämissen 4
2.1. Das Problem: Institution - Organisation 4
2.2. Die drei Grundkategorien 6
2.2.1. Der Eigenraum 6
2.2.2. Die Eigenzeit 7
2.2.3. Die Eigengeschichte 8
2.2.4. Resümee 9
2.3. weitere Kategorien einer institutionellen Analyse 10
III. Michel Foucault - Macht, Wissen und Diskurs in institutioneller 13
Analyse
3.1. Begriffsbestimmung im Werk von Foucault 13
3.1.1. Wissen 13
3.1.2. Diskurs 14
3.1.3. Macht 15
3.2. Die Frage nach der Fruchtbarkeit der Begriffe Foucaults 17
f ür die TAIM
3.3. „Überwachen und Strafen“ - institutionell gelesen 23
3.3.1. Macht als institutioneller Mechanismus 23
3.3.2. Diskurs als institutioneller Mechanismus 25
3.3.3. Wissen als institutioneller Mechanismus 26
IV. Zusammenfassung und Schluss - Was bringt die vorgeschlagene
Perspektive an Neuem für die institutionelle Analyse? 27
Literaturverzeichnis III
Foucaults Begriffe Macht, Wissen und Diskurs - Bringen sie
eine noch genauere Erkenntnismöglichkeit in die Perspektive
der Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen
(TAIM)? 1
I. Einführende Gedanken und Bemerkungen
Wolfgang Lipp diagnostizierte in einem Aufsatz von 1990 eine, wie er es nannte, „... zweite Blüte...” (S.42) oder sogar Reifung der Institutionenlehre bzw. -theorie. Sie habe sich seit den Jahren der Kritik in den 60-igern und 70-igern wesentlich offener gestaltet und sei darüber hinaus nun auch in der Lage Rückfragen, Anregungen und Perspektiven aus anderen Theoriepositionen aufzunehmen. Lipp betont allerdings weiter, dass bei allen Bestrebungen hin zu Pluralismus und Verständigung der verschiedenen Positionen untereinander man doch bitte die eigenen Überzeugungen, Ziele und Gesichtspunkte (kurz: Paradigma) nicht aus den Augen verlieren sollte. Denn, so der Autor, wer von Institutionen spricht darf von dem notwendigen Bezug auf sie nicht schweigen und sollte auch nicht auf Begriffe wie z.B. Diskurse oder Systeme zurückgreifen (vgl. Lipp 1990, S.42). Diese etwas feindlich klingende Einschätzung muss man durchaus nicht teilen, denn a) gehören beide Begriffe seit geraumer Zeit schon zum allgemein anerkannten „Repertoire” der soziologischen Disziplin, b) finden diese auch über die Fachgrenzen hinaus Verwendung (und wurden sogar von außen an die Soziologie herangetragen), und c) lässt sich mit Blick auf ein ausreichendes Maß an kritisch-theoretischer Reflexion ein mögliches Problem von Perspektivenverlust weitgehend ausblenden.
Man kann sich nun die Frage stellen: „Institutionen - was ist das?” (Lipp 1990, S.42). Bei der Annäherung an dieses Problem ergeben sich eine Fülle von möglichen Antworten, Definitionen, Formen, neuen Fragen usw. Ein Beispiel: Wie kann man eine Verbindung zwischen Rechtsordnung und Institution herstellen bzw. beschreiben? (vgl. Kimminich 1990, S.92). Dass vor allem unter den professionellen Soziologen(innen), aber auch anderen Wissenschaftlern die sich mit Institutionen beschäftigen, Uneinigkeit über den Sinn und
1 Eine Anlehnung an den Titel des gleichlautenden Abschlußbericht zum DFG-Projekt und den Aufsatz “Die
’Öffentlichkeit’ der Institution” (vgl. dazu Literaturliste)
Gehalt einer Definition dieses Begriffs herrscht, dürfte hinlänglich bekannt sein. Diese Tatsache zeigt sich nicht nur im folgenden Zitat aus einem Handbuch für Soziologie: „Institution ist ein soziologisch uneinheitlich definierter Begriff mit verschiedenen Konnotationen und unterschiedlichen Anwendungsbereichen.” (Ferraris 1990, S.115). Ein ähnliches Resümee zieht auch Rehberg in seinem Abschlußbericht zur TAIM, wo er allen dort untersuchten Artikeln zumindest einen Hinweis zum Begriff Institution als „...eine Form sozialer Ordnung...” bescheinigt (vgl. Rehberg et al. 1999, S.24). Der Terminus soziale Ordnung, wobei dies ein sehr weit gefasster Begriff ist, erscheint im Zusammenhang mit Institutionen wichtig. Er ist auf den ersten Blick der allgemeinste Begriff mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner, was aber für eine Definition notwendig aber durchaus noch nicht hinreichend ist.
Der zuvor genannte Autor Ferraris, dessen Thema sich auf internationale Politik bezieht, zeigt mit seiner Gruppeneinteilung ein gewisses Gespür für institutionelle Mechanismen und Funktionen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven - z.B. dem Marxismus, der Systemtheorie oder der Kommunikationswissenschaft (vgl. Ferraris 1990, S.116). In einem weiteren Wörterbuch für die Soziologie wird dem Leser gesagt, Institutionen seien „jeweils kulturell geltende, einen Formzusammenhang bildende, durch Sitte und Recht öffentlich garantierte Ordnungsgestalt, in der sich das Zusammenleben von Menschen darbietet” - mithin also Muster gewisser Dauer, relativer Stabilität in sozialen Gebilden der Gesellschaft, welche demnach auch den Einzelnen in die Gesamtgesellschaft einzubetten vermögen (vgl. dazu Hüchtermann/Schlaffke 1990, S.166). Der Institution wird hier durchaus eine integrierende Wirkung und Funktion zugesprochen. Diese Feststellung bzw. Vermutung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass z.B. das Recht gemeinhin selbst als eine Institution gesehen wird. Haben wir es hier mit einer definitorischen Unschärfe, vielleicht gar einer Tautologie zu tun?
Auch einer der Väter unseres Faches, Max Weber, hat sich - wenn auch eher indirekt - mit Institutionen beschäftigt. Er spricht unter anderem innerhalb seiner soziologischen Grundbegriffe in § 5, § 6 und § 7 von „Wirtschaft und Gesellschaft” davon, das Handeln durch eine „... Vorstellung vom Bestehen einer legitimen Ordnung...” geprägt sein kann. Sofern sich die Akteure bzw. Handelnden daran orientieren, können wir von einer „... Geltung der betreffenden Ordnung...” sprechen (Weber 1985, S.16). In den beiden letztgenannten Paragraphen geht es um die eigentliche Problematik bei Institutionen, nämlich: Wie kann sie ihre eigene Stabilisierung (Legitimität, Anerkennungsbereitschaft, Geltung) erreichen, er- halten oder sogar ausbauen? Weber sieht dies gewährleistet durch Garantien für die „...
Legitimität einer Ordnung...” (ebd., S.17) und die „Legitime Geltung (...) einer Ordnung...” (ebd., S.19) durch Zuschreibung der Handelnden (mittels Symbolen, oder mit Weber gesprochen: Sinn). Und genau an dieser Stelle, bei der Frage nach einem „... Zusammenhang von Geltungsbehauptungen und Durchsetzungsansprüchen einerseits und den je zur Verfügung stehenden Legitimationsreserven andererseits... ” (Rehberg et al. 1999, S.31), kommt die Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen zu ihrem Einsatz. Sie zielt genau auf das Vermögen von Institutionen symbolische Ordnungsleistungen hervorzubringen, d.h. Sinn für die Handelnden zu erzeugen. Jede Ordnung hat eine institutionelle Form, in der ihre Prinzipien der Ordnung zum Ausdruck gebracht werden. Sie sind quasi eine gesteigerte Weise von Organisation, indem sie Repräsentanz bzw. die Sichtbarkeit ihrer Ordnung in den Mittelpunkt stellen und damit scheinbar transparent erscheinen (vgl. Rehberg 1995, S.181).
Oder anders formuliert: „Institutionen erbringen symbolische Ordnungsleistungen, genauer gesagt: das Institutionelle an einer Ordnung ist die symbolische Verkörperung ihrer Geltungsansprüche.” (Rehberg 1994, S.57).
Ich werde mich also im Fortgang der Hausarbeit zunächst mit den Hauptargumenten,thesen und -prämissen der „Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen” (im Folgenden TAIM) auseinandersetzen (Teil II), um dann der Frage nachzugehen, inwieweit und in welchem Umfang die Arbeiten von Michel Foucault (zu Macht, Wissen und Diskurs) in diesem Zusammenhang für eine derartige Analyse fruchtbar sind oder werden könnten (III). Diese Gedanken sollen dann in Form von Thesen formuliert und mit Hilfe des Buches „Überwachen und Strafen“ (1976) kurz illustriert und untermauert werden. Ich möchte damit zeigen, dass eine solche Betrachtung der Foucaultschen Analysebegriffe durchaus den institutionellen Blickwinkel erweitern könnte.
Diese Behauptung ergibt sich einfach aus der Tatsache heraus, dass Foucault eine sehr kritische Perspektive gegenüber Institutionen einnimmt und davon eine noch tiefere Analyse von sozialen Beziehungen und Gebilden erwartet werden kann.
II. TAIM - Hauptargumente, -thesen und -prämissen
Im Abschlußbericht sind als grundlegende Prozesse zur institutionellen Analyse für „... die Selbstverstärkung von erfolgreich durchgesetzten Normen und Handlungsweisen.” (Rehberg et al. 1999, S.31) die Begriffe Eigenraum, -zeit und -geschichte genannt und näher beschrieben. Die so entstehende eigene Welt von Institutionen ist gekennzeichnet durch eine generalisierte Erwartbarkeit auch des Unbekannten und Fremden. Innerhalb dieser drei grundlegenden Prozesse muss eine institutionelle Analyse weiter ausdifferenziert werden, z.B. durch die Betrachtung von Macht (für Foucault ist Macht immer ein Verhältnis,vgl. dazu Foucault 1994: „Warum ich Macht untersuchte: Die Frage des Subjekts”) oder den Aspekt der Öffentlichkeit, Exklusivität, Repräsentation u.a. Zuvor allerdings noch ein paar klärende Worte zu dem Verhältnis der Begriffe Institution und Organisation.
2.1. Das Problem: Institution - Organisation
Wie oben schon erwähnt, erbringen Institutionen symbolische Ordnungsleistungen, besitzen also eine Form, in welcher die Ordnungsprinzipien dargestellt werden. Was wir heute gemein hin unter Institutionen verstehen, sind in strengem Sinne eigentlich Organisationen. Diese bedienen sich der institutionellen Form, um damit „... die Sichtbarkeit der Ordnung in den Mittelpunkt...” zu rücken, „... also Kirche und Staat, Familien und Verwandtschaftssysteme, Bildungseinrichtungen...” (Rehberg 1995, S.181). Der Ordnungsbegriff bezieht sich hierbei auf Strukturierungsleistungen in sozialen Beziehungen, welche von einer relativen Dauer sind (zumindest wirkt es meist nach außen hin in dieser Weise). D.h. nun auf der einen Seite, das jede Organisation institutionelle Formen zu ihrer Stabilisierung braucht, aber auf der anderen Seite nicht jede Institution auch gleichzeitig eine Organisation sein muss (so wie das Beispiel der Familie, die sowohl Eigenschaften von Institutionen als auch Organisationen besitzt).
In der Literatur existiert ein vielseitiges Angebot an unterschiedlichen Definitionsversuchen, die den Begriff der Institution betreffen, wie weiter oben schon ausgeführt wurde. Gerhard Göhler hat versucht, diese unterschiedlichen Ansätze in ihren Kernaussagen (über Dauer bzw. Stabilität, Internalisierung, Orientierung und Regulierung) zu vereinen, wobei er weitergehend noch zwischen sozialen und politischen Institutionen (als einen Sonderfall der sozialen) unterscheidet. „Soziale Institutionen sind auf relative Dauer gestellte, durch Internalisierung verfestigte Verhaltensmuster und Sinngebilde mit regulierender und orien- tierender Funktion.” Währenddessen sind politische Institutionen „... Regelsysteme der
Herstellung und Durchführung verbindlicher, gesamtgesellschaftlich relevanter Entscheidungen und Instanzen der symbolischen Darstellung von Orientierungsleistungen einer Gesellschaft.” (Göhler 1997, S.28 und S.29 sowie schon Göhler 1994, S.22), d.h. es besteht die Möglichkeit sie eindeutig identifizieren zu können (z.B. Parlament oder Verfassungsgericht). Die einen regulieren mit ihren Mechanismen jeweils überschaubare soziale Gebilde (z.B. Familie) und die anderen regulieren die Belange aller Individuen in einer Gesellschaft bzw. erheben den Anspruch darauf dies kompetent zu tun. Im Gegensatz dazu sind Organisationen „... rational für einen bestimmten Zweck begründete und nach Effizienzkriterien formierte Verbände.” (Göhler 1994, S.41). Die zu fällenden Entscheidungen in diesen Verbänden werden von Organen übernommen, die ihrerseits meist auch eine Organisationsstruktur besitzen (z.B. die Weitergabe von Entscheidungen des Vorstandes in einem großen Unternehmen, die „Befehlskette“ in der Bundeswehr). Es handelt sich hierbei also auch um hierarchisch gegliederte Gebilde, welche bindende Entscheidungen für eine endliche Menge von Individuen treffen. Es ist bei Organisationen demnach möglich, die Anzahl der Mitglieder genau zu bestimmen, was sich wiederum in Institutionen von schwierig bis hin zu unmöglich gestaltet (je nach der speziellen Konfiguration). Es zeigt sich hier insgesamt, dass ein komplexes Verhältnis verschiedener Abhängigkeiten zwischen Institutionen und Organisationen herrscht. Denn: nur wenn das analysierte „Gebilde” die jeweiligen Bestimmungsmerkmale aufweist, dann kann auch von einer Institution (sozial und politisch) oder Organisation gesprochen werden. Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, um sich an diese Kristallisationspunkte sozialer Beziehungen anzunähern. Rehberg macht in seinen Aufsätzen darauf aufmerksam, den Ausgangspunkt bei der Analyse von Institutionen nicht in einer abschließenden Definition zu suchen, welche diese dann wohl als ein Gebilde begreift. Er plädiert dafür von institutionellen Formen zu sprechen, welche auf unterschiedlichen Mechanismen beruhen (dabei wären z.B. Stabilität, Wandel und Kampf Elemente eben dieser). Man muss die Frage nach Wandel und Stabilität in der sozialen Organisation des Lebens (Erlebnisgehalten) stellen und schließlich untersuchen, um dann Aussagen darüber formulieren zu können, was denn gerade das Institutionelle daran ist (Symbolisation von Erlebnissen). Die Definition einer Institution von Rehberg trifft genau den fluiden Charakter, zeigt die Komplexität des sozialen Geschehens, wenn er schreibt dass „... Institutionen kulturelle Vermittlungsinstanzen zwischen Sozialstruktur und Sinnproduktion, zwischen kollektiven Ordnungen und den sie bedingenden Menschen, also wirklich der Ort von ‘Wechselwir- kungen’...” sind und sich außerdem als „... handlungsleitend und motivbildend...” präsen-
tieren (Rehberg 1995, S.183). Rehberg bestimmt die Institutionellen Mechanismen als „... analytisch herauszuarbeitende Formen der Stabilisierung von Sozialbeziehungen; ...” Dabei „... sind Kategorien anzuwenden (und weiterzuentwickeln) wie Eigenzeit, Eigenraum, Eigengeschichte, institutionelle Autonomisierung, Akkumulation von Ordnungserfolgen, Singularisierung von Leitideen etc.” (Rehberg et al. 1999, S.289; Hervorhebung J.K.).
Für eine solche Weiterentwicklung und schließlich Formulierung einer allgemeinen Theorie müssen darüber hinaus noch systematische Problemebenen mit einbezogen werden: die Entwicklungsgeschichte/Entstehung einer Institution, Mechanismen für eine Bestandserhaltung, Prozesse der Wandlung bzw. Veränderung (ob nun in die positive oder negative Richtung) und die Wechselwirkungen oder Verbindungen mit anderen Ordnungsgefügen (vgl. ebd., S.315). Darüber hinausgehend versteht sich diese Arbeit als ein Versuch, die Möglichkeit zur Einarbeitung der Foucaultschen Begriffe in dieses Geflecht zu untersuchen, um mögliche, noch verborgene Beziehungen aufzudecken zu können.
2.2. Die drei Grundkategorien
2.2.1. Der Eigenraum
Eine Sinnbesetzung des Raumes ist von immenser Wichtigkeit für das menschliche Zusammenleben, nicht nur in Paarbeziehungen oder Freundschaften, sondern auch in religiösen Gemeinschaften, Vereinen, Verbänden, Unternehmen usw. Kultstätten, vor allem Bauwerke, sind Ausdruck für eine solche Sinnerfüllung - sei er nun künstlerisch (kulturell), politisch, oder religiös. Es geht um Spuren der Vergangenheit, die im Raum sichtbar sind oder sein sollen, sozusagen ein Sicherheitsmechanismus im Hintergrund, der auch auf eigene Fragen antworten kann (Wie war es früher? Was hat sich zu heute verändert? ...). Die Sichtbarkeit von Veränderung(en), der institutionelle Beziehungen zweifelsohne unterliegen, zeigt sich besonders bei einer Betrachtung von öffentlichen Räumen. Dafür gab es in den verschiedenen Epochen ebenso viele symbolische Aufladungen - z.B. Ort für Bürgerversammlungen in der griechischen Polis, das Gelände für die Reichsparteitage in Nürnberg (als negatives Beispiel, das neben durchaus zweifelhafter künstlerischer Sinnerfüllung vor allem politische, fast kultische Züge trug), die Montagsdemonstrationen z.B. in Dresden und Leipzig während der Wendezeit und vieles andere mehr. Natürlich handelt es sich hierbei um unterschiedliche Formen von Öffentlichkeit, welche zum Teil auch nur von kurzer Dauer waren, aber dafür über gewisse Zeitintervalle hinweg mehr oder minder re- gelmäßig auftraten. Es kann hierbei von sogenannten situativen Öffentlichkeiten (vgl.
Rehberg et. al 1999, S.33) gesprochen werden, wobei der Begriff der Öffentlichkeit noch weit mehr Facetten hat.
2.2.2. Die Eigenzeit
Die Vorstellungen einer solchen Zeit dienen dem Verstehen, der Frage nach dem WIE eine institutionelle Stabilisierung vollzogen wird bzw. werden kann. Die verschiedenen Zeit-ordnungen drücken ein jeweiliges Verständnis davon aus, was unter Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft z.B. in der Kirche, der Kunst, der Wissenschaft usw. verstanden wird. Auch eine „Kombination” von verschiedenen Zeitformen liegt durchaus im Rahmen der Zeitregelung von Institutionen.
Ein Beispiel dafür wäre der Ahnenkult, besonders bei den Römern, wo die Vorfahren durch Büsten in einer Art Galerie anwesend waren (vgl. ebd., S.33). Sie symbolisierten die Vergangenheit, sollten aber gleichzeitig Gegenwart und Zukunft begleiten, sichern - ein typisches Beispiel für den schon weiter oben angesprochenen Sicherheitsmechanismus im Hintergrund.
Oder eine Sekte, z.B. die Neuapostolische Kirche, die mit dem Blick auf die Zukunft den Tag des jüngsten Gerichts immer wieder vorhersagt und all denjenigen den sicheren Tod bescheinigt, welche nicht zum „auserwählten Kreis” der „Gläubigen” gehören. Hier gibt es eine Gleichzeitigkeit von Gegenwart und Zukunft - wer dabei ist, der hat auch nichts zu befürchten.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Eigenzeit ist die Einteilung von Phasen für den Tagesablauf, z.B. der Festlegung von regelmäßig wiederkehrenden Gebetszeiten (nicht nur bei Mönchen oder Moslems, auch Sekten praktizieren manchmal zentral mit solchen festen Tagesplänen - siehe Beispiel oben) oder Punkten für gemeinsame Mahlzeiten. Dies betrifft selbstverständlich genauso die sich verändernden Zeitordnungen in den unterschiedlichen Abschnitten der Biografie eines Menschen - im Bezug auf Kleidung, Lebensstil, Haltungen usw. D.h. unter anderem für viele Menschen unterschiedliche Kleidung für Arbeit, Freizeit, Alter, Geschlecht u.a., Tagesabläufe (angefangen beim Aufstehen) je nach Situation des Individuums. All dies trägt einen institutionellen Charakter, hat etwas Festes, Selbstverständliches gleichsam Natürliches an sich und reguliert den Alltag eines Men- schen.
Arbeit zitieren:
Jens Klinkicht, 2001, Foucaults Begriffe Macht, Wissen und Diskurs - Bringen sie eine noch genauere Erkenntnismöglichkeit in die Perspektive der Theorie und Analyse institutioneller Mechanismen (TAIM)?, München, GRIN Verlag GmbH
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