1. Kausaler und teleologischer Triebzusammenhang 3
2. Charakteristik des teleologisch zusammenhängenden Zweckhandelns. 4
2.1 Die Länge der teleologischen Reihen 5
2.2 Das Werkzeug als das potenzierte Mittel, das Geld
als das reinste Beispiel des Werkzeugs. 7
3. Die Stellung des Geldes in den teleologischen Zweckreihen 8
3.1 Die Wertsteigerung des Geldes durch
die Unbegrenztheit seiner Verwendungsmöglichkeiten 8
3.2 Das Superadditum des Reichtums´ 12
3.3 Gelderwerb als Einkommensquelle der Verachteten,
Verfolgten und Entmachteten´ 16
3.4 Die Rolle des Fremden´ in Geldwirtschaft und Handel 18
3.5 Fremdenhass und Geldhass. 20
4. Schlussbetrachtung. 21
Literaturverzeichnis : 23
2
1. Kausaler und teleologischer Triebzusammenhang
Um in die Mechanismen des menschlichen Zweckhandelns einzuführen, verweist Simmel zu Beginn seiner Ausführungen des `Geldes in seinen Zweckreihen´ auf die Unterscheidung zwischen der kausalen und der teleologischen Denkrichtung. Diese Unterscheidung ist für Simmel „[d]er große Gegensatz aller Geistesgeschichte“, weil sich in ihr die Betrachtung und das Begreifen der „Inhalte der Wirklichkeit“ von ihren Ursachen oder von ihren Folgen her differenziert. 1 Das „Urbild“ dieser Differenzierung erkennt Simmel wiederum in der Unterscheidung „unserer praktischen Motivationen“. 2 Als kausal bezeichnet er dabei stets jene physiologischen Vorgänge, bei denen wir uns „von hinten getrieben“ fühlen, wodurch „gespannte Energien auf ihre Lösung drängen“. 3 Dadurch, dass diese sich in eine Handlung umsetzen, tritt die Befriedigung eines Triebes ein. Die Energien erlöschen, der Trieb endet aufgrund seines Auslebens. Der Vorgang der Triebbefriedigung bleibt dabei innerhalb des tätigen Subjekts vollkommen geschlossen, denn mit der alleinigen „Aktion“, der „Umsetzung der drängenden Energien in subjektive Bewegung“ wird das „Gefühl der Spannung“, das Getriebensein behoben. 4 Zwischen der Ursache des Handelns und seinem Resultat in der Triebbefriedigung besteht dabei für Simmel weder eine inhaltliche Gleichheit noch eine Beziehung. 5 qualitative Demgegenüber unterscheidet sich der teleologische
Triebzusammenhang vom kausalen und „primitiven Triebgefühl“ dadurch, dass wir uns „von vorn gezogen“ fühlen und somit die Ursache einer teleologischen Handlung in der „Vorstellung ihres Erfolges“ besteht. 6 Das Gefühl der Befriedigung tritt dabei nicht durch das alleinige `Tun´ selbst ein, wie es beim kausalen Triebzusammenhang der Fall ist, sondern „durch den Erfolg, den das Tun hervorruft“. 7 Insofern decken sich beim teleologischen Handlungszusammenhang „Ursache und Wirkung ihrem begrifflichen oder anschaulichen Inhalte nach.“ 8 Der gedankliche Inhalt des teleologischen Triebzusammenhanges kann für Simmel jedoch nur insofern Wirklichkeit werden, als sich eine reale menschliche Energie diesem an sich „absolut kraftlos[en]“ Inhalt annimmt. 9 Der „Kompetenzstreit zwischen Kausalität und Teleologie“ schlichtet sich für Simmel im Rahmen des menschlichen Handelns
1 Simmel, Georg: Philosophie des Geldes, Gesamtausgabe Bd. 6, David P. Frisby und Klaus Christian Köhnke
Frankfurt am Main 1989, S. 254.
2 Ebd. S. 254.
3 Ebd. S. 254.
4 Ebd., S. 255.
5 Vgl. Ebd., S. 254f.
6 Ebd., S. 254f.
7 Ebd., S. 254.
8 Ebd., S. 255.
9 Ebd., S. 255.
3
dadurch, dass „der Erfolge“ einer Handlung „seinem Inhalte“ nach seine seelische Wirksamkeit entfaltet, ohne dass er sich bereits in die „Form [...] objektive[r] Sichtbarkeit [ge]kleidet“ hat. 10 Dadurch wird der „Strenge der Kausalverbindung nicht der geringste Abbruch getan“, weil für diese die „Inhalte nur [...] in Betracht kommen“, sofern sie sich zuvor menschlicher Energien bedient haben. 11 Im `erlebten´ menschlichen Handeln werden daher zumeist keine `bewussten´ Unterschiede zwischen Kausalität und Teleologie erkennbar.
Um die Unterscheidung zwischen dem kausalen und teleologischen Triebzusammenhang zu verdeutlichen, führt Simmel einige Exempel auf. So ist für ihn beispielsweise das Essen zur Befriedigung des Hungers ein Vorgang rein kausaler Bedürfnisbefriedigung, das Essen des kulinarischen Genusses wegen, stellt dagegen einen teleologischen Vorgang dar. 12
2. Charakteristik des teleologisch zusammenhängenden Zweckhandelns
Der im Bewusstsein des Zweckes geleitete teleologische Triebzusammenhang zeichnet sich dadurch aus, dass er eine Trennung zwischen dem `Genussinhalt´ eines Objekts und einem `genusswilligen Subjekt´ voraussetzt. 13 Er erreicht darin seinen Abschluss, dass das begehrte Objekt auf das Subjekt bzw. das Subjekt auf das Objekt einwirkt. 14 In dieser „Wechselwirkung“ zwischen Subjekt und Objekt liegt für Simmel die „prinzipielle Bedeutung“ des menschlichen Zweckhandelns begründet, in die wir durch unsere bloße Existenz unausweichlich „verwebt“ sind und die sich deshalb in die „Innerlichkeit“ unseres Geistes transferiert. 15 Für Simmel gleicht das menschliche Zweckhandeln einer „Kurve“, in der sich das Subjekt auf das Objekt zubewegt, dieses in sich einbezieht, um daraufhin wieder zum Subjekt zurückzukehren. 16 Im Gegensatz zu einer gleichfalls menschlichen, aber nur zufälligen bzw. mechanischen Bewegung auf das Objekt zu, ist jedoch das Zweckhandeln durch ein einheitliches, geistiges Bewusstsein gekennzeichnet, in der das jeweilige `Ich´, die menschliche Persönlichkeit von seinen Naturelementen innerhalb und außerhalb des Menschen differenziert. 17 Hierdurch unterscheidet sich das `kulturelle´ menschliche Zweckhandeln vom `natürlichen´. Beispielhaft erwähnt Simmel hierzu die unterschiedliche
11 Ebd.
12 Vgl. Ebd., S. 254.
13 Vgl. Rammstedt, Otthein; Wert, Geld und Individualität. In: Georg Simmels Philosophie des Geldes. Aufsätze
und Materialien, hrsg. von Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main 2003, S. 31.
14 Vgl. Simmel, S. 256.
15 Ebd.
16 Ebd.
4
Vorgehensweise des `Kulturmenschen´ einerseits und des `Naturmenschen´ andererseits. Während nämlich für ihn ersterer „regelmäßig und methodisch“ vorgeht, verhält sich der `Naturmensch´ „unregelmäßig und stoßweise“. 18
Simmel betont, dass der Vorgang teleologischen Zweckhandelns nicht in einer stets vorliegenden Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt besteht. Vielmehr besteht der Erfolg der teleologischen Handlung zumeist nur „im Sinne des Subjekts“, im Rahmen des „außer-subjektiven Geschehens“, bei dem der innere Antrieb der Handlung nur den „sachlichen Erfolg“ zur Kenntnis nimmt und „bewußt nicht über diesen hinaus“ fragt. 19 Das teleologische Zweckhandeln bedeutet daher im Gegensatz zum „kausal-triebhaften“ Handeln „die bewußte Verflechtung unserer subjektiven Energien mit einem objektiven Dasein“. 20 Die Wirklichkeit strahlt dabei in doppelter Weise in das menschliche Subjekt hinein und determiniert damit die „Rolle des Zweckes im Lebenssystem“ insgesamt: zum einen durch die „Antizipation ihres Inhaltes in der Form der subjektiven Absicht“ und zum anderen in der Rückwirkung „ihrer Realisierung in der Form des subjektiven Gefühls“. 21 Dieser `subjektive Begehrenszusammenhang´ ist für Simmel letztlich für das verantwortlich, was in der Ökonomie als `Wert´ bezeichnet wird und in der Ausformung des Geldes eine Form finden wird, die alles Subjektive und Individuelle übersteigt. 22
2.1 Die Länge der teleologischen Reihen
Der Zweck selbst erfordert zu seiner Realisierung des menschlichen `Tuns´ als eine Vermittlungsinstanz. Durch dieses Tun geht sein Inhalt „aus seiner psychischen Form in die Wirklichkeit“ über. 23 Hierin liegt auch der bedeutende Unterschied zum „bloßen Mechanismus“ des menschlichen Triebes begründet, da dort die „Energien jedes Momentes sich in dem unmittelbar folgenden vollständig entladen, ohne über diesen hinaus auf einen nächsten zu weisen“. 24 Die `Formel´ der Triebhandlung ist daher „nur zweigliedrig“, während die der Zweckhandlung „dreigliedrig“ ist. 25 Letztere beinhaltet die Trennung als auch die
17 Vgl. Simmel, S. 256.
18 Ebd.
19 Ebd., S. 257.
20 Ebd.
21 Ebd.
22 Vgl. Rammstedt, S. 31f.
23 Simmel, S. 257.
24 Ebd., S. 258.
25 Ebd. Darüber hinaus unterscheidet sich das Zweckhandeln auch vom demjenigen, was „man sich als das
göttliche denken mag“, da „[f]ür die Macht eines Gottes [...] unmöglich ein zeitliches oder sachliches Intervall
5
Verbindung zwischen einem wollenden `Ich´ und den Objekten der äußeren Welt, die der „Unmöglichkeit des Willens“ entspricht, „aus sich heraus zur Befriedigung zu gelangen“. 26 „Der Mechanismus, der zwischen dem Willen und seiner Befriedigung steht“ ist dabei sowohl die „Hemmung“ zwischen Begehren und Befriedigung, die wir als „Widerstand des außerseelischen Seins unser selbst“ erleben, als auch die „dirigierende Energie“, die sie überwindet, des „anderen bewußtwerdend und sein spezifisches Wesen gewinnend“. 27 In der Zweckhandlung manifestiert sich somit die spezifische `Relativität´ der Zweckmäßigkeit, „weil sie immer das an sich Zweckfremde voraussetzt, in dessen Umformung sie besteht.“ 28 Ihre `äußere Form´ besitzt dabei in `psychologischer´ Hinsicht ein inneres, gleichfalls `mechanistisches´ Korrelat, das sich als eine Kurve denken lässt, deren „Anfangs- und Endpunkt“ in der Seele des Menschen liegt. 29 Qualitativ unterscheiden sich für Simmel die verschiedenen menschlichen Zweckhandlungen durch die „durchschnittliche Gliederzahl“ ihrer Kurven, in ihnen zeigen sich „Kenntnis und Beherrschung der Natur“, „Weite und Verfeinerung der Lebensführung“. 30 Die teleologischen Verkettungen dieser Kurven wirken dabei jedoch in zweierlei Richtungen. Zum einen erwächst die Verkettung stets nur in diejenige Richtung, die sich überhaupt aus den einzelnen mechanischen Zwischenstücken ergibt, da die „kausalen Verbindungen ihrer Glieder“ zum Zielpunkt hin bereits `a priori´ bekannt sein müssen. 31 Zum anderen wirkt dieser Zielpunkt in seelischer Hinsicht insofern zurück, als dass dieser in der Vorstellung des Menschen die „psychologische Möglichkeit in dem Wollen“ des Zwecks konstituiert, woraus für Simmel eine „Wechselwirkung“ erwächst, „die ganz allgemein gesprochen, das Verhältnis von Theorie und Praxis bedeutet“. 32 Diese Wechselwirkung hat für Simmel zur Folge, dass im Ergebnis das „kausale Bewußtsein“ mit dem „teleologischen Hand in Hand geht“. 33 Deshalb ist die „Länge der Zweckreihen“ unweigerlich von der „Länge der Kausalreihen“ bestimmt, wobei jedoch letztlich der Besitz der zur Zweckereichung erforderlichen Mittel „unzählige Male nicht nur die Verwirklichung, sondern erst den Gedanken des Zwecks“ erzeugt. 34 Hieraus schließt Simmel, dass der `Kulturmensch´ mit seinen „vielgliedrigen Reihen von Mitteln mehr und wesentlichere Zwecke erreichen [kann] als mit kurzen“, wohingegen der `primitive Naturmensch´ aufgrund
zwischen dem Willensgedanken und seiner Verwirklichung“ bestehen kann, „sofern wir ihn nicht nach dem
Bilde irdischer Unvollkommenheit denken“. (Ebd.)
26 Simmel, S. 258.
27 Ebd., S. 258f.
28 Ebd., S. 259.
29 Ebd.
30 Ebd.
31 Ebd., S. 260.
32 Ebd.
33 Ebd.
6
Arbeit zitieren:
Diplom-Verwaltungswirt (FH) Florian Döring, 2007, Das Zweckhandeln als bewusste Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt und das Geld in "Georg Simmel - Philosophie des Geldes", München, GRIN Verlag GmbH
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