Gliederung
1 Einleitung 3
2 Hauptteil 3
2.1 Begriffsdefinition 3
2.1.1 Desintegration 3
2.1.2 Rechtsextremismus. 4
2.2 Theoretische Erklärungsansätze. 4
2.2.1 Grundlage: Integration 4
2.2.2 Prozesse zur Abnahme sozialer Integration 5
2.2.3 Beeinflussende Faktoren in Bezug auf anti-soziale Einstellungen und
Handlungen. 6
2.2.4 Erklärung rechtsextremistischer Handlungen und Einstellungen 8
2.3 Alternative Erklärungsmuster rechtsextremer Handlungen und Einstellungen 10
2.3.1 Die Honneth’sche Annerkennungstheorie 10
2.3.2 Simmels Konflikttheorie 11
2.3.3 Freuds Psychoanalyse 13
2.3.4 Die Rational Choice-Theorie 14
2.3.5 Marx Konflikttheorie. 15
3 Zusammenfassung 16
4 Bibliographie 17
2
1 Einleitung
Die Desintegrationstheorie, als soziologisch inspirierte, obgleich transdisziplinär angelegte Theorie, stellt ein vergleichsweise zeitgemäßes Modell dar, welches in der Konflikt- und Gewaltforschung eine wichtige Rolle einnimmt. Heitmeyer, welcher als Professor für Pädagogik mit dem Schwerpunkt Sozialisation an der Universität Bielefeld lehrt, entwickelte diese Theorie zusammen mit Reimund Anhut in den 1990er Jahren. Spezifischer Erklärungsansatz dieser Theorie sind Phänomenbereiche, wie Rechtsextremismus, Gewalt sowie ethnisch-kulturelle Konflikte in Form der Abwertung und Abwehr ethnisch Anderer (vgl. Reimund & Heitmeyer, 2007: 55). Diese schreibt der Desintegrationsansatz den unzureichenden Integrationsleistungen einer modernen Gesellschaft zu. Zudem liefert er vor allem in Bezug auf die Ursachen rechtsextremistischer Handlungen und Einstellungen wichtige Deutungsmuster, weshalb ich im ersten Abschnitt meines Essays die grundlegenden Aussagen Wilhelm Heitmeyers Desintegrationstheorie darstellen werde. Im zweiten Teil geht es mir darum, inwiefern andere sozialwissenschaftliche Konflikttheorien, wie die von Karl Marx, Sigmund Freud (Psychoanalyse), Georg Simmel, Axel Honneth (Anerkennungstheorie) sowie die Rational-Choice Theorie, einen alternativen Erklärungsansatz in Bezug auf diese Thematik liefern.
2 Hauptteil
2.1 Begriffsdefinition
2.1.1 Desintegration
Reimund Anhut definiert in seinen Ausführungen zur Konflikttheorie der Desintegrationstheorie den Begriff „Desintegration“ als „die nicht eingelösten Leistungen von gesellschaftlichen Institutionen und Gemeinschaften, in der Gesellschaft existentielle Grundlagen, soziale Anerkennung und persönliche Unversehrtheit zu sichern.“ (Anhut, 2002: 381). Dies führt unweigerlich zu der Auflösung des sozialen Zusammenhalts innerhalb einer Gruppe. Mit Desintegration gehen kollektive wie auch individuelle Wahrnehmungen oder Verhaltensweisen einher, die Ohnmacht bzw. Machtlosigkeit ebenso einschließen wie Indifferenz. Alle diese Erscheinungsformen von Anomia können aufgrund ihrer verunsichernden Substanz auch zur Auslösung von Konflikt- und Gewaltpotentialen führen (vgl. Heitmeyer, 1997: 634).
3
2.1.2 Rechtsextremismus
„Rechtsextremismus“ ist eine Sammelbezeichnung für antidemokratische Strömungen. Diese lehnen das Prinzip der menschlichen Fundamentalgleichheit ab und richten sich nationalistisch oder fremdenfeindlich aus (vgl. Gesellschaft für Online-Information, 2007). Rechtsextremismus als Partei- und Bewegungsangebot sowie rechtsextreme Gewalt stellen nicht nur eine wachsende Bedrohung ideologisch markierter Bevölkerungsgruppen dar, sondern „vergiften“ zusätzlich die demokratische Atmosphäre in liberalen Gesellschaften und lassen sich mit dem Prinzip des demokratischen Verfassungsstaates nicht vereinbaren. Zum soziologischen Rechtsextremismus-Konzept gehören zwei zentrale Aspekte: Es sind Ideologien der Ungleichwertigkeit (z. B. nationalistische Überhöhung, totalitäre Normverständnisse und rassistische Abwertungen), die mit verschiedenen Stufen der Gewaltakzeptanz einhergehen. Die Ideologie der Ungleichwertigkeit richtet sich auf ein breites Syndrom von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die sich nicht nur gegen ethnisch-kulturell oder religiöse Fremde wendet, sondern auch gegen „Gleiche“, die aus der Sicht rechtsextremistischer Ideologie der Ungleichwertigkeit als „normabweichend“ definiert werden (z. B. Behinderte) (vgl. Heitmeyer 2002: 501 ff.).
2.2 Theoretische Erklärungsansätze
In Bezug auf Erklärungen von rechtsextremistischen Handlungen gibt es bisher keine signifikante Theorie. Allerdings bestehen zahlreiche Ansätze, die auf unterschiedliche Ausprägungsformen der Entstehung und Entwicklung rechtsextremer Gewalt ausgerichtet sind (z. B. der Sozialpsychologische und der Subkulturtheoretische Ansatz, die Bewegungstheoretische Konzepte u.v.m.). Um Bezug auf Heitmeyer zu nehmen, interessieren mich vor allem die Sozialisationstheoretischen Ansätze. Diese erklären insbesondere frühzeitig erworbene Dispositionen (vgl. Heitmeyer 2002: 511 ff.). Hierbei ist anzunehmen, dass der spätere Zugang eines Menschen zu rechtsextremistischen Organisationen und/ oder Ideologien in Verbindung steht mit den vorausgegangenen defizitären Integrationsleistungen der Gesellschaft. Auf die genauen Ursachenstrukturen für Desintegration möchte ich in den folgenden Unterpunkten eingehen.
2.2.1 Grundlage: Integration
Eine gesellschaftliche Integration erfüllt sich durch die Lösung von drei Problemstellungen: Zum einen müssen auf der sozialstrukturellen Ebene genügend Zugänge zu den materiellen und kulturellen Gütern einer Gesellschaft ermöglicht werden. Zum zweiten muss auf der
4
institutionellen Ebene ein Ausgleich verschiedener Interessen sichergestellt werden, ohne jedoch die Integrität von Personen zu verletzen. Zum dritten muss auf der personalen Ebene die individuelle und kollektive Identität entwickelt und der soziale Rückhalt hergestellt werden.
Die Lösung der drei Problemstellungen kann laut Desintegrationstheorie durch die individuell-funktionale, die kommunikativ-interaktive sowie durch die kulturell-expressive Sozialintegration erfolgen. Eine erfolgreiche Bewältigung der Problemstellung führt dann zu der Bereitstellung von moralischer und/ oder emotionaler sowie positionaler Anerkennung und einer Selbstdefinition als zugehörig zur entsprechenden sozialen Gemeinschaft. So ist auch eine freiwillige Normakzeptanz erwartbar, während bei scheiternder Integration die Auswirkungen des eigenen Handelns auf andere Personen nicht weiter berücksichtigt werden. Dies begünstigt eine Entwicklung anti-sozialer Einstellungen und birgt die Gefahr einer Gewalttoleranz mit sich (vgl. Anhut 2002: 382 ff.).
2.2.2 Prozesse zur Abnahme sozialer Integration
Hinsichtlich der Ebenen lassen sich Prozesse abzeichnen, die aus der Sicht der Desintegrationstheorie zu einer Abnahme sozialer Integration führen können: Neue soziale Polarisierungen führen auf der sozialstrukturellen Ebene zu einer Verschärfung der Zugangschancen und erzielbaren Gratifikationen im Hinblick auf die individuellfunktionale Systemintegration. Es wird das Menschenbild eines autonomen, kompetenten und erfolgreichen Individuums propagiert. Dies erhöht den Druck auf jeden Einzelnen, sich als erfolgreich darstellen zu müssen, um in der Gesellschaft als „Jemand“ akzeptiert zu werden. Die Personen, denen dies nicht gelingt, gelten als Verlierer. Ihre Enttäuschung führt zu Gefühlen, die Ohnmacht, Resignation und Wut freisetzen. Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken bestimmt die gesellschaftlichen Strukturen. Zudem fördert eine konsumorientierte Lebensweise eigennütziges Denken, das Gefühl des Sich-Durchsetzen-Müssens, soziale Distinktion und Ausgrenzung. Die Zunahme der ökonomischen Polarisierung zieht nach Heitmeyer eine Vertiefung der sozialen Spaltung nach sich und fördert zudem eine sozial-räumliche Polarisierung. Außerdem kommt es zu einer Öffnung der Schere der Einkommensentwicklung in der Gesellschaft, dass das Ungerechtigkeitsempfinden zum Wachsen bringt.
Auf der institutionellen Ebene führt ein neoliberales Klima zur Entsolidarisierung zwischen den gesellschaftlichen Gruppen. Kernnormen der sozialen Gerechtigkeit werden zunehmend untergraben.
5
Arbeit zitieren:
Theresa Hiepe, 2007, Theoretische Erklärungsansätze rechtsextremistischen Handelns, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Zur Schuldfrage Gretchens in Goethes Faust I
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Über "Thomas von Aquin - Der Glaube an Gott und die Vernunft"...
Theologie - Religion als Schulfach
Facharbeit (Schule), 9 Seiten
Modell eines handlungs- und produktionsorientierten Unterrichtsentwurf...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Anomietheorie und Labeling Approach
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Das Leid als Preis der Freiheit?
Das Leid und die Willensfreihe...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 8 Seiten
Über 'Trinität und Reich' Gottes von Jürgen Moltmann
Theologie - Systematische Theologie
Essay, 7 Seiten
Die Funktionen und Rollen des Gretchen in Johann Wolfgang Goethes &quo...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 16 Seiten
Das Frauenbild in Friedrich Schillers Trauerspiel "Maria Stuart&q...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 21 Seiten
Wahlsysteme im Vergleich: Mehrheitswahl- / Verhältniswahlsysteme
Wahlen und Wahlsysteme in Euro...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Hausarbeit, 13 Seiten
Macht, Schein und Legitimität - Das Politische in Schillers Drama Mari...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 36 Seiten
Erklärungsansätze für den jugendlichen Rechtsextremismus
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Ausarbeitung, 29 Seiten
Maria Stuart: Geschichtsdrama zwischen Metaphysik und Politik
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Max Weber und der Untergang der Weimarer Republik
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 22 Seiten
Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft. Eine Zusammenfassung von de...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Seminararbeit, 18 Seiten
...nach Italien! Das Bild Italiens in "Aus dem Leben eines Taugen...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Lehr- und Lerntheorien - Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivi...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen: Theoretische Erklärungsansätze rechtsextremistischen Handelns ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Theresa Hiepe hat den Text Theoretische Erklärungsansätze rechtsextremistischen Handelns veröffentlicht
Theresa Hiepe hat einen neuen Text hochgeladen
Handeln und Technik - mit und ohne Heidegger
Kultur und Technik Band 07
Christoph Hubig, Andreas Luckner, Nadia Mazouz
Politisches Handeln und gesellschaftliche Struktur
Politische Soziologie der euro...
Jürgen Hoffmann
Rechtsextremistische Gewalttäter im Jugendstrafvollzug
Der Einfluss von Jugendhaft au...
Figen Özsöz
Rechtsextremistische Jugendliche - was tun?
5. Weinheimer Gespräch
Karin Sitte, Peter E. Kalb, Christian Petry
0 Kommentare