1 Einleitung
Tanz ist eine faszinierende Möglichkeit der körperlichen Bewegung. Die Sinngebung und Bedeutungshaltigkeit des Tanzens für den Menschen ist zwar von immensem Wert, bleibt trotz dessen meist im Verborgenen. Selbst ich – die sich immerhin jahrelang mit der Thematik ‚Tanz’ direkt beziehungsweise mit körperlichem „Einsatz“ beschäftigt hat – wusste vor meinen Recherchen nur einen Bruchteil dessen, was den Tanz so Bedeutsam für uns Menschen macht.
Mich beschäftigen vor allem folgende Fragestellungen:
Hat das Einbeziehen von Tanz im schulischen Kontext wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen? Welchen Beitrag leistet das Tanzen, der durch andere sportliche Bereiche (Sportunterricht) nicht in dem Maße erfüllt werden kann?
Im Zuge meiner Seminararbeit möchte ich vor allem Antworten auf diese beiden Fragen geben, allerdings geht es mir zudem um eine allgemeine Vorstellung der Thematik ‚Tanz’ in Bezug auf historischen und funktionellen Hintergrund sowie um die frühere und derzeitige Entwicklung von Tanz beziehungsweise Tanzerziehung im Schulsystem Deutschlands.
Ziel meiner Ausführungen soll eine Erklärung dessen darstellen, was den Tanz für die Entwicklung des Menschen beziehungsweise der Kinder und Jugendlichen, so bedeutsam macht.
2 Tanz
2.1 Definition Tanz
Bevor ich auf die Bedeutungen des Tanzens aufmerksam machen will, sollte in erster Linie geklärt werden was ‚Tanz’ überhaupt ist. Allerdings lässt sich das Wesen des Tanzes gar nicht so leicht ergründen, denn „seine Erscheinungsweisen sind so mannigfaltig, ‚die Sprache zu arm und der Tanzgehalt zu reich, um ihn in einer Metapher fassen zu können’“ (FRISCH, CHR. 1999, 23).
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Recherchiert man in einem Lexikon, so stößt man auf folgende Definition:
Der Tanz geht also über die körperlich sichtbare Bewegung des Tanzenden hinaus und weist auf den tanzenden Menschen hin. So stellte Fowler 1977 fest: „Dance is a way to feel what it is to be a human and to be alive.” (Fowler 1977, 2). Dem Tanz lässt sich somit eine besondere Rolle zukommen und das nicht nur weil er ganzheitlich arbeitet: Er trainiert einerseits die Partien des Körpers und lässt andererseits zusätzlich Raum für die Persönlichkeit des Tanzenden [SCHNEIDER, K. 2004, 23].
Wie eindeutig ersichtlich wird, ist Tanz somit Ausdruck einer Kunstform. Er teilt mit anderen Formen der Kunst den Prozess des Hervorbringens, das Darstellen sowie das Würdigen. All diese Aspekte stellen zusätzlich auch wesentliche Elemente des Lernens im Allgemeinen dar. Inwiefern dies wichtig für die Schule ist, werde ich im Laufe meiner Arbeit erläutern. Jedoch unterscheidet sich der Tanz in bestimmten Eigenschaften von anderen Künsten, so ist er nicht an einen Ort gebunden wie zum Beispiel die Malerei, sondern „eine sich in Raum und Zeit ‚bewegende’ Kunst“ (Frisch, Chr. 1999, 24).
2.2 Historie und Stilrichtungen des Tanzes
Im folgenden Gliederungspunkt wird ersichtlich, dass der Tanz als älteste und ursprünglichste Kunst verstanden werden kann, denn bevor der Mensch seine Lebenserfahrungen durch äußere Materialien zum Ausdruck bringen konnte, tat er dies mit seinem Körper [FRISCH, CHR. 1999, 23-24]. „Der Tanz scheint also“ damals wie auch heute „ein Grundbedürfnis des Menschen zu sein“ (Schneider, K. 2004, 35).
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„Der Tanz lässt sich viele Jahrtausende zurückverfolgen, wahrscheinlich bis ins Paläolithikum, denn in den Höhlen in Europa und in den Gebirgen Südafrikas sind maskierte tanzende Zauberer und Jäger abgebildet. Tatsächlich ist der Tanz unter allen in den Höhlen dargestellten menschlichen Fähigkeiten die zweitwichtigste – nach der Jagd, mit der er möglicherweise zusammenhing.“ (Schneider, K. 2004, 36). Die ursprünglichste Form des Tanzes scheinen der rituelle Kulttanz und der darstellende Tanz zu sein. Sie spielten im Leben der Menschen eine bedeutsame Rolle und waren somit eng mit ihrem Leben verbunden. Im Tanz erlebten sie ihre Zusammengehörigkeit und schöpften Kraft und Vertrauen für ihre Unternehmungen (Kriegsvorbereitung, Jagd). Durch den Tanz artikulierten sie ihre Gefühle, Wünsche und Ängste. Zudem diente er als Instrument der Kommunikation sowie als Medium um mit der Welt des Übernatürlichen und Spirituellen in Verbindung zu treten (Verehrung von Göttern, Einführungsrituale etc.) [FRISCH, CHR. 1999, 23; SCHNEIDER, K. 2004, 35].
Später kam es vor allem häufig durch die Kirche zu Tanzverboten, da man im Tanz eine Verteufelung körperlicher Sinnlichkeit und Lust sah. Die Kirche tilgte folglich alle kultisch- rituellen Relikte „heidnischen“ Lebens.
Spätere Tanzstile, wie Ballett, Showtanz und viele mehr, lassen aufgrund ihres geschlossenen Bewegungssystems erahnen, dass sie sich nicht unmittelbar aus einem gesellschaftlichen Lebenszusammenhang entwickelt haben [SCHMIES, G. 2001, 9; 12]. Dies ergibt die Schlussfolgerung, dass der Tanz in verschiedenen Ländern und zu bestimmten Zeiten sehr unterschiedliche Funktionen erfüllt. Diese sind abhängig von möglichen kulturellen, sozialen, motivationalen, psychologischen, politischen sowie anderen Gegebenheiten [HASELBACH, B. 1991, 13].
In der heutigen Alltagskultur, welche sich als eine durchrationalisierte Welt versteht, wird das Tanzen an den Rand gedrängt, da die Lebensführung nur zweckrationales Handelns und/ oder wirtschaftlichen Nutzen fordert. Somit wird dem Tanzen eine Einzelfunktion zugestanden und man findet ihn kaum noch auf öffentlichen Straßen, als vielmehr in abgegrenzten beziehungsweise isolierten und organisierten Institutionen (Tanzschulen, Sportunterricht etc.) [SCHMIES, G. 2001, 12].
Um einen groben Überblick darüber zu verschaffen, wie vielfältig und komplex der Tanz in seiner Ausdrucksweise ist, werde ich im Folgenden einige wichtige Stilrichtungen des Tanzes vorstellen:
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Volkstanz Mit ‚Volkstanz’ werden meist anonyme Tänze aus verschiedenen Ländern beschrieben. Besonders auffällig bei dieser Stilrichtung ist, dass Musik, Bewegungsmaterial, Inhalt und Raumformen genauso wie die Tanztrachten, von den Gegebenheiten des entsprechenden Landes abhängig sind. Das tänzerische Material ist trotz seiner landeseigenen Charakteristik „international“ geeignet.
Hier werden Tänze der höfischen Gesellschaft unter dem Namen „historische“ oder auch „höfische“ Tänze zusammengefasst. Sie entstanden hauptsächlich im 15. bis
19. Jahrhundert. Einige dieser Tänze, wie zum Beispiel der „Branle“, sind heute noch
in wenig veränderter Form als Reigen oder Kindertänze bekannt.
Ethnischer Tanz
Unter dieser Stilrichtung kann man alle Volkstänze anderer Kulturen und Rassen verstehen, welche meist kultischen Inhalt verfolgen (z. B. balinesische, indische Tänze, Woodoo- Tänze).
Der klassisch- akademische Tanz
Diese Form des Schautanzes ist im 16. Jahrhundert vor allem aus dem höfischen Tanz entstanden. Lange Zeit galt der übliche Name „Ballett“, wurde allerdings mittlerweile auf „Bühnentanz“ im Allgemeinen ausgedehnt. Die Bewegungsform dieser Stilrichtung ist stilisiert und genormt. Auf Grund dessen bietet sie der Phantasie und Gestaltungskraft eines Tänzers kaum Entfaltungsmöglichkeiten.
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Der moderne Tanz Modern Dance ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Protest gegen den zu dieser Zeit erstarrten klassischen Tanz, in Amerika und Deutschland entstanden. Im Gegensatz zum klassisch- akademischen Tanz erhält der Tänzer hier viel Freiraum und die Möglichkeit der Improvisation. Die Formen und Inhalte haben den modernen Bühnentanz insofern stark beeinflusst, als dass es in vielen Ländern zu einer Art Synthese aus klassischem und modernem Tanz gekommen ist.
Jazz- Tanz
Dies ist ein Tanzstil, welcher aus Afrika über Afro- Amerika nach Europa importiert wurde. Seine Bewegungscharakteristik unterscheidet sich bedeutend von europäischen Tanzstilen. Er betont die Körperlinie, schnelle, genaue Fußarbeit und rhythmische Körperbewegungen. Das Bewegungszentrum ist das Becken.
Eurythmie
Sie ist eine expressive Bühnentanzkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts (etwa 1908 - 1925) in Deutschland und der Schweiz, im Umkreis von Rudolf Steiner – dem Begründer der Anthroposophie – entstand. Äußerlich ähnelt sie entfernt dem klassischen Ballett, sie wird aber im Allgemeinen weniger artistisch und körperbetont inszeniert. Bei der Eurythmie sollen geistige Inhalte durch Körperbewegungen und Gesten, durch Sinn-, Laut-, Satz-, Ton- und Motivgebärden dargestellt werden.
Kreative Tanzerziehung
Der Creative Educal Dance basiert auf dem Werk Rudolf von Labans (ungarischer Tänzer, Tanzpädagoge und –theoretiker). Diese Form des Tanzes ist vor allem in England, einigen skandinavischen Ländern und etwas abgewandelt auch in Amerika verbreitet. Der Fokus liegt hierbei auf dem individuellem Bewegungsexperiment des
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Arbeit zitieren:
Theresa Hiepe, 2007, Gegenstand Tanz, München, GRIN Verlag GmbH
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