Universität Hamburg Markus Mross
Hausarbeit zum Thema
Die funktionale Kategorie IP in der spanischen Kindersprache:
Abstract
Ich werde in meiner Hausarbeit Poeppel & Wexlers (1993) „Full Competence Hypothesis“ und Guilfoyle & Noonans (1992) „Structure Building Hypothesis“ als Erklärungsansätze für den kindlichen Erstspracherwerb untersuchen. Ich werde dabei die Erklärungskraft beider hypothesen durch eine Überprüfung am Spanischen testen. Aufgrund dieser Analyse werde ich versuchen, die Überlegenheit einer Theorie gegenüber der anderen hinsichtlich der Erklärungskraft für den kindlichen Erstspracherwerb zu ermitteln. Dabei läßt es sich nicht umgehen, daß sich Anschlußfragen ergeben, die offen bleiben müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. - Einleitung 1
2. - Grundzüge der ausgewählten Positionen 2
2.1. - Guilfoyle Noonan (1992) 2
2.2. - Poeppel Wexler (1993) 4
3. - Diskussion der Ansätze 6
3.1. - Lernbarkeitsprobleme der „Structure Building Hypothesis“
und der „Full Competence Hypothesis“ 6
3.1.1. - Lernbarkeitsprobleme der „Structure Building Hypothesis“ 6
3.1.1.1. - Borer Wexlers (1987) „Triggering Problem“ 6
3.1.1.2. - Roeper Weissenborns (1990) „Unique Trigger Solution“ 7
3.1.1.3. - Das „Pendulum Problem“ und „Parameter-Resetting“ 8
3.1.2. - Lernbarkeitsprobleme der „Full Competence Hypothesis“ 9
3.1.2.1. - Die frühe Verfügbarkeit einer vollen erwachsenen Kompetenz 9
3.1.2.2. - Beobachtbare Erwerbssequenzen während der „Zweiwortstufe“ 9
3.1.2.3. - Das Setzen von Parametern 10
3.2. - Die funktionale Kategorie IP in der spanischen Kindersprache 11
3.2.1. - Mahlau (1994) 11
3.2.1.1. - Die Position der Subjekte und die Kongruenz 12
3.2.1.2. - Die Position der Objekte 13
3.2.2. - Larrañaga 13
3.2.2.1. - Der Nominativ 14
3.2.2.2. - Der Akkusativ 14
3.2.2.3. - Der präpositionale Kasus 14
3.2.3. - Fernández Martínez (1994) 14
3.2.3.1. - Das Erlernen des Verballexems ohne
morphologische Variation ............................................................ 15 3.2.3.2. - Das Erlernen der morphosyntaktischen
Variationen des Verbes ................................................................. 15 3.3. - Eine erste Evaluation der „Structure Building Hypothesis“ und der „Full Competence Hypothesis“ ................................. 16 3.4. - Eine Analyse des kindlichen Erstspracherwerbes durch die „Structure Building Hypothesis“ und die „Full Com-
3.4.1. - Die Aufzeichnung M (2;01,337) ................................................... 17 3.4.1.1. - Eine Analyse der Aufzeichnung M (2;01,337) durch die
„Structure Building Hypothesis“ ................................................... 17 3.4.1.2. - Eine Analyse der Aufzeichnung M (2;01,337) durch die
„Full Competence Hypothesis“ ..................................................... 19 3.4.2. - Die Aufzeichnung M (1;11,14) ..................................................... 20 3.4.2.1. - Eine Analyse der Aufzeichnung M (1;11,14) durch die
„Struture Building Hypothesis“ ..................................................... 20 3.4.2.2. - Eine Analyse der Aufzeichnung M (1;11,14) durch die
„Full Competence Hypothesis“ ...................................................... 24 4. - Ergebnisse ...................................................................................... 24 5. - Bibiliographie ................................................................................ 26
1. Einleitung
Ich werde zunächst die konkurrierenden Erklärungsansätze der „Structure Building Hypothesis“ und der „Full Competence Hypothesis“ gegenüberstellen und die Argumente analysieren, auf welche sich beide Theorien stützen. Hier soll insbesondere auf die unterschiedlichen Ausgangspositionen beider Hypothesen eingegangen werden. Guilfoyle & Noonans (1992) Strukturbildungshypothese stützt sich grundsätzlich auf das Prinzip der biologischen Reifung kognitiver Mechanismen. Einer Annahme der „Structure Building Hypothesis“ zufolge werden Parameterwerte durch „Trigger“ im sprachlichen Input des Kindes ausgelöst. Dadurch wird die Entwicklung einer vollen sprachlichen Kompetenz unterstützt. Poeppel & Wexlers (1993) „Full Competence Hypothesis“ geht von einer prinzipiell voll entwickelten sprachlichen Kompetenz des Kindes aus. Die Idee einer biologischen Reifung von kognitiven Mechanismen wird grundsätzlich abgelehnt. Durch die Gegenüberstellung beider Ansätze sollen sowohl die Vor- wie auch die Nachteile der zwei Theorien hervorgehoben werden. Dieser erste Schritt soll bereits einige empirische Grundlagen zur Bewertung beider Theorien als Erklärungsansätze für den kindlichen Erstspracherwerb liefern. Desweiteren soll Chomskys (1989) „Functional Parameterization Hypothesis“, wonach sich Parametrisierung ausschließlich auf funktionale Kategorien beschränkt, berücksichtig werden. So soll die Analyse des kindlichen Erstspracherwerbes durch die „Structure Building Hypothesis“ und die „Full Competence Hypothesis“ mittels einer Überprüfung an sprachlichen Daten des Spanischen dargestellt und nachvollziehbar gemacht werden. Bei dieser Darstellung soll die funktionale Kategorie IP im Vordergrund stehen. Ich werde bei der Analyse von sprachlichen Daten des Spanischen auf den Erwerb der funktionalen Kategorie IP sowie den Erwerb von damit verbundenen grammatischen Prozessen eingehen. So soll der Erwerb von grammatischen Prozessen wie NP-Bewegung und Kongruenzmarkierung durch das Hervortreten von IP-Systemen in der kindlichen Grammatik erklärt werden. Von speziellem Interesse sollen die Erklärungsansätze der „Structure Building Hypothesis“ und der „Full Competence Hypothesis“ für den Erwerb der funktionalen Kategorie IP sein. Anhand dieses weiteren Schrittes hoffe ich, zusätzliche empirische Argumente zur Bewertung beider Hypothesen als Erklärungsansätze für den kindlichen Erstspracherwerb liefern zu können. Die Auswertung aller Analysen soll es abschließend ermöglichen, die „Structure Building Hypothesis“ und die „Full Competence Hypothesis“ gegeneinander abzuwägen und somit die Überlegenheit einer Theorie gegenüber der anderen bezüglich der Erklärungskraft für den kindlichen Erstspracherwerb zu ermitteln.
- 1 -
2. Grundzüge der ausgewählten Positionen 2.1. Guilfoyle & Noonan (1992)
Guilfoyle Noonan (1992) vertreten in der „Structure Building Hypothesis“ die Annahme, daß grammatische Strukturen im Verlaufe des Erstspracherwerbes kognitiv reifen. Da universalgrammatische Prinzipien allerdings keinem biologisch determinierten Reifungszeitplan unterliegen und bereits auf der frühesten Erwerbsstufe operieren, wird die Universalgrammatik von der sich entwickelnden kindlichen Grammatik „auf keiner Zwischenstufe der Erwerbssequenz verletzt“ (Guilfolye & Noonan,1993;S.6). Guilfoyle & Noonan nehmen an, daß sich kindliche Grammatiken von ausgereiften erwachsenen Grammatiken durch die Art der verfügbaren grammatischen Kategorien unterscheiden. Somit besteht eine kindliche Grammatik „auf den frühesten Erwerbsstufen aus den lexikalischen Kategorien N, V, A und P“ (Guilfoyle & Noonan,1993;S.6). Die funktionalen Kategorien IP, CP und DP fehlen zu diesem Zeitpunkt vollständig. Guilfoyle & Noonan gehen davon aus, daß funktionale Kategorien zeitlich nach lexikalischen Kategorien auf einer späteren Erwerbsstufe in der kindlichen Grammatik hervortreten. Somit erlangt ein Kind erst zu einem späteren Zeitpunkt Zugang zu funktionalen Kategorien sowie zu damit assoziierten syntaktischen Prozessen. Radford (1995; 484 ff.), welcher ebenfalls den Erklärungsansatz der „Structure Building Hypothesis“ vertritt, bezeichnet in seiner Analyse des „Early Child English“ eine frühe kindliche Grammatik als „lexikalisch-nonthematische Stufe“ des kindlichen Erstspracherwerbes. Zu diesem Zeitpunkt besteht in den kindlichen Äußerungen eine „rein thematische Beziehung zwischen Schwesterkonsituenten“ (Radford,1995;S.483/484). Eine ausgereifte erwachsene Grammatik, welche sowohl lexikalische wie auch funktionale Kategorien beinhaltet, zeichnet sich durch „thematische und nonthematische Beziehungen zwischen Schwesterkonstituenten“ aus (Radford,1995;S.483). Eine erwachsene Grammatik stellt somit die „lexikalisch-nonthematische Stufe der kindlichen Entwicklung“ dar (Radford,1995;S.494). Ich werde fortan Radfords Terminologie zur Unterscheidung einer frühen kindlichen und einer ausgereiften erwachsenen Grammatik benutzen. Augrund des Fehlens von funktionalen Kategorien besteht die Struktur einer frühen kindlichen Grammatik lediglich aus „lexikalisch-thematischen VP´s ohne weitere funktionale Projektionen der VP in eine IP“ (Radford,1995;S.484 ff.). Vor dem Erwerb der funktionalen Kategorie IP „verbleibt das Subjekt in seiner basisgenerierten Position“ innerhalb der VP (Guilfoyle & Noonan,1992;S.16). Das Verb ist auf der lexikalisch-nonthematischen Stufe in seiner basisgenerierten Position „noch nicht für das Merkmal „Tempus“ flektiert und kongruiert noch nicht mit dem Subjekt“ (Guilfoyle & Noonan,1993;S.16). Universalgrammatische Prinzipien, welche für vom Kind noch nicht erworbene Strukturen, für funktionale Kategorien oder deren Projektionen relevant sind, „operieren leer auf frühen Erwerbsstufen“ (Guilfoyle & Noonan,1992; S.6). Bereits auf der lexikalisch-nonthematischen Stufe des Erstspracherwerbes „er-fordert das „Extended Projection Principle“, daß alle IP´s mit einem Subjekt besetzt sein müssen“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.6). Da die IP noch nicht erworben und noch kein Auslöser für Verbbewegung vorhanden ist, „operiert das Prinzip für obliga-torische Verbbewegung leer“ auf der lexikalisch-nonthematischen Stufe (Guilfoyle & Noonan,1992;S.7). Somit „paßt sich die kindliche Grammatik auf jeder Stufe universalgrammatischen Prinzipien an, entspricht aber nicht notwendigerweise der erwachsenen Grammatik dieser Sprache“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.6) Hinsichtlich der linearen Reihenfolge von grammatischer Struktur ist die lexikalisch-nonthemati-
- 2 -
sche Stufe des Erstspracherwerbes mit einer ausgereiften erwachsenen Grammatik identisch. Eine frühe kindliche Grammatik stellt aus der Sicht der „Structure Building Hypothesis“ somit eine „Untermenge der erwachsenen Grammatik dar“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.7). Aufgrund von Evidenz aus Erwerbssequenzen nehmen Guilfoyle & Noonan an, daß „die DP vor der IP erworben wird“, wohingegen „die CP nach der IP erworben wird“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.17). Die Reihenfolge, in welcher diese funktionalen Kategorien in der kindlichen Grammatik hervortreten, korreliert mit einer von Guilfoyle & Noonan beobachteten Erwerbssequenz von mit diesen funktionalen Kategorien assoziierten grammatischen Prozessen. Somit verfügt das Kind mit dem Erwerb der IP über die Fähigkeit von „NP-Bewegung, Modal-, Tempus- und Kongruenzmarkierung“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.18). Der nachfolgende Erwerb der CP befähigt das Kind zur Wh-Bewegung. Das Hervortreten von funktionalen Kategorien veranlaßt das Kind somit, seine heranreifende Grammatik entsprechend einer komplexeren erwachsenen Grammatik zu restrukturieren. Dieser Anpassungsprozeß basiert nach der „Structure Building Hypothesis“ auf dem durch das Hervorteten von funktionalen Kategorien bedingtem Erwerb komplexerer grammatischer Prozesse. Dabei stehen zwei Faktoren zur Diskussion, welche als Auslöser für das Hervortreten von funktionalen Kategorien in der kindlichen Grammatik fungieren können. Eine „Deduktive Hypothese“ führt den Erwerb funktionaler Kategorien auf Reifungsfaktoren zurück. Danach tritt grammatische Struktur nach einem biologischen Reifungszeitplan hervor. Ab einem „bestimmten Zeitpunkt werden dem Kind funktionale Kategorien verfügbar, wodurch es für bisher ignorierten sprachlichen Input sensibilisiert wird“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.47). Funktionale Kategorien treten somit abhängig von sprachlichem Input hervor. Eine heranreifende grammatische Struktur befähigt das Kind zu einer differenzierteren Wahrnehmung des sprachlichen Inputs, wonach es seine Grammatik restrukturiert. Als weitere Alternative diskutieren Guilfoyle & Noonan eine „Induktive Hypothese“. Nach dieser Idee „verursachen extralinguistische Faktoren wie das Wachstum des Gedächtnisses Änderungen in der kindlichen Wahrnehmung“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.49). Dabei beachtet das Kind auch „weniger auffällige Elemente, welche es auf früheren Stufen ignorierte“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.49). Solche Auslöser („Trigger“) im sprachlichen Input veranlassen das Kind dazu, „eine Grammatik zu konstruieren, welche mit den wahrgenommenen Daten im Einklang steht“ (Guilfoyle & Noonan,1992;S.49). Funktionale Kate-gorien und komplexere grammatische Strukturen treten somit abhängig von Auslösern („Triggern“) im sprachlichen Input hervor. Guilfoyle & Noonan kombinieren Aspekte der „Deduktiven“ wie auch der „Induktiven Hypothese“, um das Hervortreten von funktionalen Kategorien zu erklären. Beide Autoren vertreten die Ansicht, daß „eine heranreifende Grammatik zunehmend funktionale Kategorien beinhaltet und diese durch Daten des sprachlichen Inputs aktiviert („triggered“) werden“ (Guilfoyle & Noonan,1992; S.51).
- 3 -
Arbeit zitieren:
Markus Mross, 1999, Die funktionale Kategorie IP in der spanischen Kindersprache: Vollständige Kompetenz oder Strukturentwicklung ?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 13 Seiten
Spracherwerb und linguistische Theorien: Dysgrammatismus - Phänomenolo...
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Die Lexik im "Cantar de Mio Cid"
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Markus Mross hat den Text Die funktionale Kategorie IP in der spanischen Kindersprache: Vollständige Kompetenz oder Strukturentwicklung ? veröffentlicht
Markus Mross hat einen neuen Text hochgeladen
Parameter Setting in Evolutionary Algorithms
Zbigniew Michalewicz, Cláudio F. Lima, F. J. Lobo
The Muscle and Bone Palpation Manual with Trigger Points, Referral Pat...
Joseph E. Muscolino, Ruth Werner
0 Kommentare