1 Einleitung
In der vorliegenden Arbeit werde ich die Satzgliedlehre in der Schule, am Beispiel des Prädikats, mit der generativen Grammatik vergleichen. Da das Ziel der Satzgliedlehre ist, die wichtigsten Beziehungen im Satz und die damit zusammenhängende Wortbildung zu erfassen, ist sie ein wichtiges Teilgebiet des Grammatikunterrichts. Die Bestimmung von Satzgliedern bereitet vielen Schülern immer wieder Probleme. Zwar wird ihnen in der Schulgrammatik vermittelt, wie sie Satzglieder analysieren, doch in vielen Fällen erfolgt die Vermittlung sehr unübersichtlich. Die Bestimmung der Satzglieder selbst stellt dabei nicht das Problem dar, sondern die Vielzahl der Satzglieder, die Sonderformen und die nicht konsequent eingehaltene Benennung.
Ich werde zu Beginn meiner Arbeit die wesentlichen Richtlinien, die in den Rahmenlehrplänen der Grundschule und der Sekundarstufe I + II vorgeben sind darstellen, sowie Hinweise auf die Umsetzung der Inhalte erläutern. Aufgrund von inhaltlichen Differenzen der bundeslandabhängigen Lehrpläne, beispielsweise bezüglich der Dauer der Grundschulzeit, beziehe ich mich im Folgenden ausschließlich auf die Lehrpläne des Bundeslandes Berlin. Anschließend vergleiche ich die Erläuterungen zum Prädikat der Duden-Grammatik und einer Enzyklopädie für deutsche Sprache mit einer gebrauchsüblichen Schülergrammatik von Dietrich Homberger. Im vorletzten Abschnitt werde ich einige Verbesserungsvorschläge verschiedener Autoren erläutern und meine Arbeit mit einem abschließenden Fazit zum vorangegangenen Vergleich der Grammatiken und zu den angebrachten Anregungen für den beenden.
2 Was sieht der Rahmenlehrplan vor?
2.1 Grundschule
Sprache und Sprachgebrauch zu untersuchen, stellt im Rahmenlehrplan Deutsch für die Grundschule (2004: 47) einen eigenen Leistungsbereich dar. Die Schüler sollen Einsichten in das Sprachsystem erwerben und dieses erworbene Wissen nutzen und anwenden können. Im Großen und Ganzen sieht der Rahmenlehrplan (2004: 48) vor, dass die Schüler und Schülerinnen den Bau der Sprache verstehen. Für die Satzgliedlehre bedeutet dies explizit, dass die Lernenden in der Lage sein müssen, Satzglieder zu bestimmen, umzustellen und den Satzkern, also Subjekt oder Prädikat, zu ermitteln. Ebenso gibt der Rahmenlehrplan (2004: 49) vor, dass die Schüler bis zum Abschluss der Grundschulzeit, also bis Ende der Klasse 6,
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den grundlegenden Fachbegriff „Prädikat“ verwenden und mit diesem arbeiten sollten. Einer der vorgegebenen Standards im Lehrplan (2004: 22) ist, dass bestimmte Methoden zum bestimmen von Satzgliedern angewandt werden sollen. In diesem Zusammenhang wird jedoch keine einzige Methode aufgeführt. Erstmalig in der Klassenstufe 5/6 sind dem Rahmenlehrplan (2004: 45) genauere Angaben zur Satzgliedlehre zu entnehmen. Die Lernenden sollen innerhalb der Kompetenz „Bau der Sprache“ ein Verstehen von Funktion und Leistung der Satzglieder entwickeln. Es wird jedoch immer darauf hingewiesen, dass sich die Erarbeitung der einzelnen Phänomene nach der Sprachentwicklung der Schüler richtet.
2.2 Rahmenlehrplan Sekundarstufe I
Im Rahmenlehrplan für die Sekundarstufe I (im Folgenden: “RLP Sek I“) (2006: 17), also der Jahrgangsstufe 7-10, findet sich die Satzgliedlehre einerseits im Kompetenzbereich „Schreiben“ wieder. Unter dem Begriff „Schreibfertigkeiten“, sollen die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7/8 in der Lage sein Texte zu planen, zu überarbeiten und formal zu gestalten. Dafür ist ohne Zweifel ein vertieftes grammatisches Wissen notwendig. Als mögliche Inhalte werden die Umstellprobe, die Verschiebeprobe und die Klangprobe vorgeschlagen. Weiterhin lässt sich aus dem RLP Sek. I (2006: 30) ableiten, dass die Schüler der Klassenstufen 7/8, innerhalb des Kompetenzbereichs „Sprachwissen und Sprachbewusstsein“, Sprache als Mittel der Verständigung kennen lernen und anschließend anwenden sollen. Als mögliche Vermittlungsstrategien wird hier nur das Anwenden von Proben vorgeschlagen. In einem weiteren Unterpunkt des RLP Sek. I (2006: 32) „Wissen über den Satz sprachbewusst verwenden und reflektieren“, sollen die Lernenden Satzglieder, wie unter anderem das Prädikat, klassifizieren und die Funktion für die Kommunikation reflektieren. Als Strategien dies zu vermitteln wird vorgeschlagen, Proben zum systematischen Betrachten von Satzgliedern und ihrer Funktion im Text zu verwenden. Ein möglicher Inhalt wäre demnach, Satzglieder in unterschiedlichen und mannigfaltigen Kommunikationszusammenhängen zu präsentieren. Für die Klassenstufen 9/10 kann man dem RLP Sek. I (2006: 52) nur entnehmen, dass die Schüler in der Lage sein müssen, sprachliche Formen und Strukturen in ihrer Funktion zu kennen und zu verwenden. Dies sollte dann optimaler Weise mit der Anwendung der verschiedenen Proben erfolgen. Für die Sekundarstufe II ist dem Rahmenlehrplan kein eindeutiger Bildungsstandard bezüglich Grammatik überhaupt zu entnehmen. Daraus ist zu schlussfolgern, dass die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 11 bis 13 bereits in der Lage sein müssen, alle bereits gelernten grammatischen Fachtermini und Regeln verwenden und anwenden zu können.
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3 Wissenschaftliche Grammatik - Duden-Grammatik
Laut „Duden-Grammatik“ (2005: 855), wird die Gesamtbedeutung sowie der innere Bau des Satzes weitestgehend vom Verb bestimmt. Hierzu folgendes Beispiel: (1) Der Student schrieb gewissenhaft die Hausarbeit.
Die Bedeutung des Verbs schreiben muss bekannt sein, um zu wissen, dass die damit bezeichnete Tätigkeit eine handelnde Person und eine betroffene Sache impliziert. Nur wenn man die Bedeutung des Verbs kennt, können die übrigen Satzglieder richtig interpretiert werden. Das Verb bildet demzufolge den inhaltlichen Kern des Satzes und erfüllt damit die Funktion des Prädikats.
Die Duden-Grammatik (2005: 855) unterscheidet im Folgenden zwischen einfachen und mehrteiligen Prädikaten. Besteht das Prädikat aus nur einer Verbform, wie im oberem Beispiel, handelt es sich um ein einfaches Prädikat. Ein Prädikat, dass, wie im folgenden Beispiel, aus mehreren Verbformen besteht, wird als mehrteiliges Prädikat bezeichnet. (2) Der Student hat die Hausarbeit gewissenhaft geschrieben.
Es wird in der Duden-Grammatik (2005: 855-856) darauf hingewiesen, dass das Prädikat in der Regel nur eine finite Verbform enthält, die nach Person, Numerus, Tempus und Modus flektiert ist. In diesem Fall handelt es sich um ein finites Prädikat und um die syntaktisch gesehen ranghöchste Verbform. Hierzu folgendes Beispiel: (3) Der Student schrieb die Hausarbeit.
(4) Der Student hätte früher beginnen sollen die Hausarbeit zu schreiben. Bezüglich der Satzklammer ist der Duden-Grammatik (2005: 856) zu entnehmen, dass Prädikatsteile im Satz eine besondere Position einnehmen. Wie in folgender Tabelle verdeutlicht, steht das finite Verb entweder in der rechten oder linken Satzklammer nach einem Satzglied oder an der Spitze des Satzes.
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Arbeit zitieren:
Anika Nagel, 2008, Die Satzgliedlehre in der Schule am Beispiel des Prädikats im Vergleich zur generativen Grammatik, München, GRIN Verlag GmbH
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